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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-10-01 · 10 (Octubre, 1951) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
10 (Octubre, 1951)
Date
1951-10-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Octubre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO I DAS ERLEBNIS PRINZj PBOr mavhiciq rqsenfeld | Das kometenartige Auftau-1 chen und Verschwinden des Rabbiner Dr. Joachim Prinz hat auf unserem engen Firma.' ment neue Bahnen und neue Horizonte aufgezeichnet. Das Interesse, mit dem er erwartet wurde und die starken Gefuehle, die er auszuloesen verstand, machen seinen Besuch zu einem Erlebnis, das in den letzten Jahren nur mit der Anwesenheit vonSaltiel, Tzur und Burg zu ver. gleichen ist. MB FREUNDSCHAFTLICHER STECKRRIEF Rabbiner Dr, JOACHIM PRINZ, wurde in Ober-Schlesien geboren. Er studierte an der Breslauer und an der Berliner Universitaet, wo er sich der exakten Philosophie und der Kunstgeschichte gewidmet hat. Im Jahre 1923 wurder er promoviert. Gleichzeitig studierte er in Breslau am theologischem Seminar, dem aeltesten Rabbiner-Seminar in Europa. Im Jahre 1925 wurde er als Rabbiner in Berlin angestellt, wo er bis 1937 wirkte. Er wurde bekannt als Prediger und als zionistischer Redner, vor allem auch als wissenschaftlicher Schriftsteller und veroeffentlichte mehrere Studien ueber juedische, geschichtliche und biblische Probleme. Auch hat er an der Gruendung der juedischen Schule in Berlin mitgearbeitet. Im Jahre 1937 wurde er von der Gestapo verhaftet und ausgewiesen. Auf Einladung von Dr. St. Wise kam er nach den Vereinigten Staaten, wo er sich bald durch ausgezeichnete Vortraege einen Namen schuf. Nach kurzer Zeit wurde er zum Rabbiner in Newark (New Jersey) gewaehlt. Im Jahre 1945 war er Leiter der Magbit-Aktion in Newark, wo er sich auch an vielen anderen juedischen Arbeiten rege beteiligte. Sein Buch, das den groessten Erfolg gehabt hat, ist: “We, Jews”. Es ist eine Analyse der Lage der Juden in Europa vof dem Kriege, in der Dr. Prinz die Vernichtung der juedischen Jischuwim vorausgesehen hat. Dr. Prinz ist Praesident des “Juedischen Weltkongresses” in seinem Distrikt, war Chef der amerikanischen Weltkongress-Delegation auf der Konferenz in Montreaux und ist Mitglied der “Weltkongress”.Exekutive, In deren Auftrag er Suedamerika bereiste. Von Los Cerrillos bis Los Cerrillos Er kam an am Spaetnach. mittag des Donnerstag, den 30. August. Am gleichen Abend wurde er in gemeinsamer Sitzung von Comité Representativo und Federación Sionista feierlich empfangen. Am Freitag stattete er dem Sephardischen Tempel einen Besuch ab; in der Nacht leitete er einen Oneg Schabbath im Círculo Israelita. Am Sonnabend predigte er in der Synagoge unserer Gemeinde; nachmittags sprach er in der Unión Sionista und abends vor einem bis auf den letzten Platz gefuellten Saal, abermals in der S.C.I. Darueber ,zu berichten, dass er am Montag abend in New York sprach, ist nicht unsere Aufgabe; hoechstens insofern ihn das leider veranlasste, uns bereits am Sonntag, den 2. September mittags zu verlassen. In der Unión Sionista VJT Mit einer hochinteressanten Analyse der Beschluesse des zwei Tage vorher geschlossenen Zionisten . Kongress’ wartete Dr. Prinz vor der ueberzaehlig erschienenen Mitgliedschaft der Unión Sionista auf. Er beleuchtete die Vor— und Nachteile der Beschlussfassung, die fuer den Augenblick auf eine Zielsetzung fuer die Organisation verzichtet hatte und stattdessen ein ArbeitSDrogramm mit konkreten Aufgaben in den Vordergrund gestellt hatte, zog historische Parallelen, wog die moeglichen Konsequenzen ab und gab einen allgemeinen Ausblick. Harte Worte der Kritik fand er fuer die Richtung und Leitung der von Rabbiner Silver geführten Fraktion und erwog die Chancen einer progressiven Kampfposition in Nordamerika. Seine mit grossem Beifall aufgenommenen Worte waren umrahmt durch eine Einfuehrung des Presidenten, Dr. Emilio Weintraub und Dankesworte seitens Herrn Rabbiner Loewensteins. 88fc SE*" Mit tiefer Trauer bestaetigen wir unseren Mitgliedern die Nachricht vom Ableben unseres langjaeh. rigen Mitarbeiters Prof. Mauricio Rosenfeld. Wir empfinden es als eine Pflicht, das Andenken dieser einmaligen Erscheinung, die als Mensch und als Jude, als Gelehrter und als Vorkaempfer der zionistischen Erneuerung unseres Volkes stets unserer Gemeinschaft zur Zierde gereichte, eingehend zu wuer. digen. Aus diesem Grunde hat es unser Mitarbeiter, Herr Rabbiner Manfred Lubliner uebemommen, ein biographisches Bild zu entwerfen, das diesem Manne, der im wahrsten Sinne des Wortes “Stuetze und Stab Israels” war, weitgehendst gerecht werde. Der Wunsch, sich dieser verantwortlichen Aufgabe gewissenhaft zu entledigen, hat den Autor im Einverstaendnis mit der Schriftleitung bewogen, sie erst im Rahmen unserer naechsten Ausgabe zu veroeffentlichen. Die grosse Rede Seine Rede in der S. C. I. “B’ne Jisroel” war dazu bestimmt, die augenblickliche Krise des Judentums zu analysieren. Er erklaerte den Fortbestand des Judentums ln den letzten hundert Jahren im Lichte dreier Faktoren; des Antisemitismus, der viele Randjuden auf ihrer Flucht vom Judentum aufgehalten hat —“denn ein Volk, das so leidet, das verlaesst ein anstaendiger Mensch nicht”—; des Ostjudentums mit seiner juedischen Weisheit und seinem juedischen Leben und des Zionismus’als Traum. Alle drei Faktoren sind verschwunden: auf den Antisemitismus, als negativen Pol, “koennen wir uns zum Glueck nicht mehr unbedingt verlassen”; Wilna, Lodz, Odessa sind heute Namen mit hohlem Klang; der Zionismus aber “ist heute eine grandiose Realitaet, Israel genannt, doch als Traum ist er ausgetraeumt”. In besonders eindringlicher Form befasste sich Rabbiner Prinz sodann Im Schlussteil seiner Ausfuehrungen mit den konstruktiven Wegen, die nach ihm zu einer Wiederbelebung juedischer Werte fuehren koennen und als deren reinsten Ausdruck er die Moeglichkeit eines juedischen Lebens sieht, ln dem Juden Juden lieben. Der Praesident der Gemeinde, Dr. Hirschberg, der es verstanden hatte, den Gastredner in besonders persoenlicher Art und Weise einzu. fuehren, brachte auch die Begeisterung und den Dank der Anwesenden in kurzen Schlussworten adaequat zum Ausdruck. Bleibender Eindruck Zweifellos war der Besuch von Prinz auch fuer die Verwoehntesten, Anspruchvollsten oder fuer die grossen Skeptiker ein wahres Erlebnis. Die Tatsache, dass er das Ist, was man einen “grossen Redner” nennt, gehoert bereits zu seiner Biographie und wurde nur erneut bestae. tigt. Interessant ist seine —an Heine erinnernde— selbstzerfleischende Art. mit Geist. Empfindung und Koennen erreichte wahrhaft epische Hoehepunkte spielerisch zu zerstoeren, um einem zweifellos ungeheuren Beduerfnis nach seelischer Entspannung ein Ventil zu oeffnen. Viel, leicht ist es gerade in solchen widerspruchsvollen Momenten, wenn man die Begabung dieses Mannes intuieren kann, nicht nur zum Verstand seiner Zuhoerer zu sprechen, sondern einen emotionellen Kontakt zu deren Unterbewusstsein herzustellen, der es ihm erlaubt, ein Fluidum zu schaffen, das seinem persoenlichen Reiz, seinem unbestreitbaren Magnetismus so sehr guenstig ist. Wer einfache Parolen fuer konstruktive Aufgaben erwartete, musste enttaeuscht werden, sofern er nicht begriff, dass er mit falschen Voraussetzungen gekommen war. Dr. Prinz sagt nichts Einfaches, gibt keine Parolen, ist sehr nuechtern, was tatsaechliche Arbeit anbetrifft und gibt sich vor allem keinem billigen Optimismus hin. Man merkt ihm die Spannung der von ihm besuchten Hauptstaedte a n, ebenso wie die unbestreitbare Kriegsstimmung, die in den Vereinigten Staaten herrscht. Trotzdem wirkte er tief. Oder gerade deshalb. Unsere Menschen haben die Reife, die Botschaft eines D,r. Prinz zu erfassen, zu empfinden und zu erleben.

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