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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-10-01 · 10 (Octubre, 1951) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
10 (Octubre, 1951)
Date
1951-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Octubre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 7 Die Bracha... chot und lehnt dort die po. pulaere Auffassung der Segenssprueche als Danksagun. gen ab: “Das Wort ‘Gesegnet’ bedeutet nicht Lob und Preis, wie die Menge glaubt, sonst haette es keinen Sinn, wenn Gott zu Rabbi Ismael sagt “Ismael, mein Sohn, segne mich”. Die Wahrheit ist, dass der Segen Zufuegung und Vermehrung bedeutet, nur so ist es auch zu verstehen, Wenn es heisst ‘Und Er wird dein Brot segnen’, ‘Er wird die Frucht deines Leibes segnen”. In unserer Zeit hat Jakob Rosenhelm gesagt: “Die Bracha, der Segensspruch, bringt eine ganz neue Beziehung des Menschen zu Gott zum Ausdruck. Der Gotteswille will etwas aüf Erden, er moechte ein grosses Werk, das in der Zeitenfolge sich entwickelt, gedeihen sehen, und eben die bewusste Foerderung dieses Gotteswerkes auf Erden, die Mitarbeit an der Realisierung der Gottes. zwecke im Kulturprozess' (Von Seite 3) und die wir verbergen, gehoert zur goettlichen Welt und wird in sie wieder ein. gestellt durch die Bracha. Man halte dagegen, was Por. phyrlus von Plotin ueberlie. fert: er schaemte sich, dass er in einem Koerper lebte. Die juedische Auffassung weiss nichts davon, dass die Stoff, lichkeit als solche schimpflich waere. Sie bedarf nur, wie alles in der Welt, der Hei. Iigung. Daher sagt R. Akiba: “Es ist dem Menschen verboten, etwas zu verkosten, be. vor er den Segensspruch ge. sprochen hat” (Brachot 35). Ebendort: R. Levi wirft die Frage auf: Es heisst einmal (Ps. 24) “IHM gehoert die Erde”, ein anderes Mal (Ps 115): “Die Erde gab er den Menschenkindern”. Zwischen den beiden Stellen besteht ein offenbarer Widerspruch. Er wird damit geloest, dass der erste Vers sich auf den Zustand bezieht, bevor der Segensspruch gesprochen wurde, der zweite auf den Zu. mm heisst: ‘Gott segnen” (Aphorismen zur Grundlegung der iuedischen Ethik. In der S. I. Hirsch-Festschrift). Der Sinn der Bracha wae. -re also, dass sie das Tun des Menschen, und waere es auch noch so klein, wie das Essen eines Apfels oder das Trinken eines Bechers Wein, zum Range eines Mitwirkens des Menschen an der Realisierung des Goettlichen in der Welt erhebt, eines Mitwirkens an der “Erloesung” -durch Vollendung des goettlichen Schoepfungswerkes. Das Irdische — so muss wohl die zugrundeliegende religioese Vorstellung sein •— ist herausgerissen aus-Gott, aus einem goettlichen Ursprung. Nicht das Irdische an sich, aber in der! Beziehung des Menschen zu ihm. Wir verlieren und verlaufen uns un. aufhoerlich im Getriebe des Tages, und mit uns zusam. men entfremden sich oder entfremden wir die Dinge, die uns begegnen und zuge. teilt sind, ihrer goettlichen Wurzel. Sie werden — hier passt der Heideggersche Aus. druck zu blossem, gottfrem. dem “Zeug”. Die Bracha stellt die urspruengliche Ordnung der1 Dinge wieder her. Indem wir ueber eine irdische Handlung den Se. gensspruch sprechen, stellen wir sie wieder ein an ihren Ort in der Welt Gottes, ge. ben ihr den ihr ursprueng. lieh zukommenden ontologi. sehen Status der Heiligkeit zurueck. Die juedische Reli. gion schreibt auch einen Segensspruch vor fuer die Be. friedigung der tierischen Notdurft des Menschen. Auch sie, deren wir uns schaemen stand nachher. Durch die Bracha wird die Erde des Men. sehen legitimer Besitz. Man koennte nun aller dings einwenden, dass diese Auffassung, die Bracha sei dazu bestimmt, den Dingen oder den Verrichtungen ihre urspruengliche Heiligkeit zu. rueckzugeben, nur dort zu. treffen koenne, wo die Bracha auf den Genuss eines Dinges gerichtet sei. Es gibt, aber eine grosse Zahl von Brachot, wo davon gar nicht die Rede sei, wo es sich vielmehr um einfache Danksagungen handelt. Die Brachot des 18- Gebetes zum Beispiel sind solche Danksagungen: “Gesegnet seist Du, der die Toten belebt... der uns mit Erkenntnis begnadet... der an der Umkehr Wohlgefallen hat... der gnaedig ist und reich an Verzeihung... der Israel erloest... der die Kranken seines Volkes Israel heilt... der die Jahre segnet” undsoweiter. Ist hier der Sinn des Baruch nicht einfach Dank und Preis? Indessen scheint es mir, dass bei Brachot dieser Art, nicht weniger als bei jenen, von denen wir oben sprachen, die Uebersetzung mit Dank und Preis zu einfach und platt ist, um der religioesen Wahrheit, die dahinter steht, genugtun zu koennen. R. Chajjim Wolozjin, dessen Ablehnung der Deutung der Bracha als Lobpreisung wir oben erwaehnten, spricht von der “Hinzufuegung der Kraft” durch die Bracha: “Es ist Sein Wille —aus einem Grunde, der Sein Geheimnis bleibt —■ dass wir durch die Brachot und Gebete die obern Kraefte und Welten wieder- Im Jahre 5712 sind 2.982 Jahre vergangen seit dem Beginn des Juedischen Koenigreichs mit Saul, 2.963 seit der Herrschaft Koenig Davids, 2.538 seit der Zerstoerung des Ersten Tempels, 2.488 seit dem Rueckkehr- Edikt des Koenig Cyrus, 2.409 seit der Ankunft Esras in Jerusalem, 2.119 seit dem Makkabaeer. aufstand, 1.881 seit der Zerstoerung des Zweiten Tempels, 1.819 seit der Rebellion Bar Kochbas, 54 seit dem Ersten Zionistenkongress in Basel, 48 seit Herzls Tod, 34 seit der Balfour-Erklae. rung und 4 seit der Proklamation des Staates Israel. herstelle'n und einen, damit sie bereit und geeignet seien, den Zufluss an Heiligkeit aufzunehmen und herunterzuziehen”. Es ist die dem Leben im Glauben zugrunde liegende Vorstellung, dass diese Welt und vor allem der Mensch in ihr Empfaenger der Segensfuelle ist, die staendig von oben hinunterstroemt und nur die Gefaesse sucht, die bereit waeren, sie aufzunehmen. Das echte Gebet ist der Aufstieg in eine Bewusstseinslage, die den Menschen mit dem Herzen der Welt verbindet. Durch die Bracha aktualisiert der Mensch den Segen, der die Welt durchstroemt, faengt ihn sozusagen auf, dass er nicht verlorengehe. Wie der Segen des Regens verlorengehen kann, wenn wir das Wasser nicht auffangen, so der Segen, der die Welt durchflutet und zusammenhaelt. In der Bhagavadgita (III, Vers 12) heisst es: “Wer die von den Goettern den Menschen geschenkten Gaben ge. niesst, ohne sie (als Opfergaben) den Goettern zurueckzugeben, ist ein Dieb.” Chajim Wolozjin deutet kuehn einen Vers in den Spruechen Salomons (28, 24), um dasselbe zu sagen. “Wer isst und nicht den Segensspruch spricht, wird Dieb genannt, denn es steht geschrieben: ‘Wer seinen Vater und seine Mutter bestiehlt’; sein Vater ist aber niemand anders als der Heilige, gelobt sei Er. Ihn bestiehlt er und verwehrt den obern Welten den Zufluss des Segens und der Heiligkeit, der durch seine Bracha in ihnen wirksam werden sollte”. Der Talmud (Brachot 35a) sagt: “Wer von dieser Welt geniesst, ohne die Bracha zu sprechen, hat eine Veruntreuung begangen”. Und ebendort: “Es sagte R. Jehuda im Namen Samuels: Wer von dieser Welt geniesst ohne die Bracha, ist, als hatte er von den (ihm verwehrten) Heiligtuemem des Himmels genossen”. Wozu Raw Kook kommentierend bemerkt: “Er gleicht dem Untertan, der sich unterfaengt, das Zepter des Koenigs in Gebrauch zu nehmen. Hat er aber die Bracha gesprochen, dann ist der Mensch selbst erhoeht und die ganze Welt steht ihm zu Diensten”. Die Geschichte des christlichen Glaubenslebens erzaehlt vom Bruder Laurent aus der Zeit des Dreissigjaehrigen Krieges, der im Alter von 18 Jahren seine Bekehrung erlebte beim Anblick eines winterlich kahlen Baumes, da ihm die alles durchstroemende Schoepferkraft Gottes anschaulich wurde. Er trat als Koch in ein Karmeliterkloster ein, und fuehrte fortan ein Sukkof... Traktat fast nur vom Regenfall die Rede: der Traktat “Taanit” befasst sich ausführlich mit Bittgebeten und mit Fasten bei anhaltender Trockenheit. Die seltsam haeuslich-buergerliche Atmosphaere, die auch eine der vielen Welten des Talmud ist, belehrt uns: (Von Seite 5) menforscher Goitein hat sich von einem Jemeniten berichten lassen, wie man drueben lebt und denkt und redet, und aus der so entstandenen Sammlung von Sprichwoertem und Redensarten ersteht vor uns ein ungeheuer lebendiges Bild dieser Verstreuten Jisraels. «¡mil ISISSÄltll ■ ■; die besten Zeiten fuer den Regenfall sind Mittwoch (?) —und Freitagabend. Warum? Weil dann die Leute zuhause sind. Regen am Freitag stoert den Schabbath - Einkauf. — Begeistert wird der Regensegen gepriesen, kein Vergleich ist zu hoch, der Regentag wird dem Schoepfungstage, dem Tage der Erloesung aus dem Exil, dem Auferstehungs. tag der Toten, dem Geschenk der Tora gleichgesetzt. — Das schicksalhafte Phaenomen des Regenfalles beschaeftigte natuerlich die Phantasie der Talmudlehrer, so hiess es, dass nach der Zerstoerung des Tempels die suedlichen Winde nicht laenger Regen brachten. Drei Herrscher ueber die Naturgewalten nennt die Kabbala, einer ueber den Schnee, ein anderer ueber das Feuer, ein dritter verteilt den Regen. Zaubern war zwar ausdruecklich verboten im Judentum, aber Choni, der Kreiszieher, war ein verwoehntes Kind Gottes: er zog ein Rund um sich her, stand ganz beharrlich darin still und trotzte und bat so lange, bis der rechte Regen seine Landsleute erquickte. Eine lebendige Fortsetzung der uralten jued. Lebensformen bilden heute noch die Gewohnheiten der Juden von Jemen. Der Jerusalemer Je. Vom Regen ist unendlich viel die Rede. Der Jemenite ist immer regenhungrig, sein Denken kreist um das kostbare Gut. Will er einen eingebildeten Menschen in seine Schranken weisen, sagt er etwa veraechtlich: “Wer bist denn du? Etwa ein Tropfen von Oben?” Kein Mensch verleiht so leicht, was er gerade augenblicklich notwendig braucht und so “verleiht niem a n d die (abnehmbare) Dachrinne in der Regennacht”. “Am Purim ist das Wasser in den Regenloechern”, denn im Jemen liegt die Regenzeit zwischen Maerz und Oktober; “der Ab ist der Vater des Jahres”, wenn in diesem Monat viel Regen faellt, wird das Jahr gut. — Wenn das Gestirn des Canopus aufgeht, gibt’s in einer Nacht siebzig Regenstroeme. Die wilden, von den Bergen sich sammelnden Regenstroeme bilden ein grosses Ereignis im Jahresablauf. Sie werden von einem hohen Berg aus durch Rufe und Schuesse signalisiert, damit die Staudamm— u. Schleusenwaechter den Reichtum in die rechten Bahnen leiten. So leben heute noch im Zentral-Jemen Juden, wie zu Zeiten der Bibel auf Gedeih und Verderb dem Natursegen des Regens anheimgegeben. A. David-Mainz Leben in staendiger Vertrautheit mit Gott, indem er jenseits aller aeusseren Vorschriften unablaessig die Gegenwart Gottes erlebte. “Im Laerm der Kueche besitze ich Gott in so grosser Ruhe, als wenn ich auf meinen Knien laege”. Wir wuerden sagen: es war ein Leben staendig fortfliessender Bracha. Die Bracha, der “Segen” und Dank an Gott, verwandelt dem Menschen die Welt und wird dem Menschen selbst der Segen. (“Das Neue Israel”, Zuerich)

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