Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1951)
- Date
- 1951-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION: S,C. I. B'NE J1SROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2487. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O C 1 E DAD Ç U LfURA^Í^ RAEL I TA ”.B ' Ñ E J I S h" Año XIII — N.o 9 SANTIAGO DE CHILE Septiembre, 1951 IM ZWIELICHT DES HALBMONDS Betrachtungen zum Attentat auf Abdullah Wer lenkte die Hand des fanatischen Schneiders aus Jerusalem, der am 20. Juli das ehrgeizige Herz und das traeumerisch-realistische Hirn des transjordanischen Koe. nigs, Herrscher von Gnaden des Foreign Office und Nachkomme des Propheten, zum Stillstehen brachte? War es der lange Arm Hadj Amin el Husseinis, ex-Mufti von Jerusalem, Todfeind der haschemitischen Dynastie, der ihm durch seinen Anhaenger und Verwandten, den Dr. Mussa Abdullah Hussein!, die Waffe zuspielte? Welch symbolisch geeigneteren Ort haette diese finstere Erscheinung auch waehlen koennen, als die Omar-Moschee, von der aus er einst seinen Hass predigte und ln der nun seit Jahr und Tag Von HANS KAUFMANN Zionistischer Weltkongress einen politischen Moerder zu I identifizieren duerfte fast genau so schwer sein wie in I westlichen Staaten einen ein-1 zelnen Waehler. Es ist eine I Frage der politischen Metho-1 de. Auch das Polizei-System sollte wohl kaum so hochstehend sein, um die Frage nach den Hintermaennern hinreichend zu klaeren. Und trotzdem ist es moeg- Uch, etwas mehr Licht auf die dunklen Zusammenhaenge zu werfen, wenn man sie nicht als Einzelfall betrachtet, sondern im Rahmen der drei Morde von t Teheran, Amman und Jerusalem, deren erstes Opfer der einstige persische Premier-Minister General Ali Razmara war. Wie erinnerlich, war es just sein Tod, der die Temperatur des Oel.Nationalisierunss-Taumels auf den Siedepunkt steigerte; er hatte als der einzige Mann gegolten, der einen “Ausgleich” mit den britischen Interessen ge. waehrleisten konnte. Sodann fiel —vier Tage vor Abdullahs Ermordung— bei einem Besuch in dessen Hauptstadt, Der Ex-Mufti: Teils Geschoss? der grosse Gegenspieler aus und ein ging, um zu beten... bis er sein Blut auf den Trep. pen verspritzte? Oder war es sein einstiger militaerischer Ratgeber und spaeterer Widersacher, Abdullah el Tel, ehemaliger Militaergouverneur des von den Transjordanern besetzten Teils von Jerusalem? Oder gar sein eigener Sohn, Tallal, der seine Opposition gegen die Politik seines Vaters durch einen gescheiterten Mordanschlag auf dessen graue Eminenz, den Brigadier John Glubb “Pascha” zum Ausdruck gebracht hatte und daraufhin von diesem als geistesgestoert in ein Schweizer Sanatorium verfrachtet wurde? Urheber im Halbdunkel Es ist nicht anzunehmen, dass diese Fragen eine befrie. digende Antwort finden werden, weder in dem eigens zu diesem Zweck in Amman in.j szenierten Prozess noch spae. ter. In arabischen Laendern! Der aufgeklaerte Despot: Dagegen war er nicht gefeit! der ehemalige libanesische Premier Riad Bey el Solh einem Meuchelmord zum Opfer. Was war diesen drei Staatsmaennern gemeinsam? Diese Frage ist leicht zu beantworten: ihre pro-okzidentale Einstellung, die in der Praxis ihrer Staaten einer pro-englischen gleichkommt, ihre Maessigung und ihr Realismus. Mit dieser Antwort ueberwinden wir die relativ intranszendente Frage nach dem Anstifter oder den Anstiftern; mehr als das, wir erkennen sie als unlogisch, denn es kann gewiss nicht ein Mann und noch nicht einmal eine Organisation sein, die hinter den drei Attentaten steht. Ihr unzweifelhafter Zusammenhang lehrt uns aber, dass jedoch eine Tendenz sie charakterisiert: die einer allgemeinen Auflehnung gegen die Abhaengigkeit vom Westen. Wie stark diese Tatsache Stimmungen und Handlungen im vorderasiatischen Raenke. spiel beeinflusst, konnte man bereits aus der nicht ganz humorlosen Art erkennen, mit der Ali Razmaras Nachfolger, der augenblickliche persische Premier Mossadegh um sein Leben besorgt war und ist. Mossadegh kam zur Macht auf den Schultern eben jener extremen Kreise, die sich die Nationalisierung des Erdoels zum ersten Ziel gesetzt haben: andererseits war er ganz ohne Zweifel von Anfang an weitsichtig genug, die Unvermeidlichkeit irgend eines Kompromisses mit England vorauszusehen. Und was tat er? Er begann einfach, aus “Gesundheitsruecksichten”, vom Bett aus zu regieren und hat wenn auch mit Unterbrechungen, diese sanitaere Massnahme bis heute weiter fleissig* gepflegt. Woher und wohin Wohin diese Tendenz zielt —mit der Spitze gen Wessen naemlich—, haben wir also unschwer erkannt. Wie weit die Dinge getrieben werden oder von selbst treiben in dieser Richtung, ist unmoeg lieh abzusehen. Es ist jedoch von groesster B'deutung, einmal den beunruhigenden Weg nach der Quelle dieses trueben Stroms nachzugehen, der so ploetz. lich und unerwartet in unsere zeitgenoessische Geschichte einfdesst. Der ununterbrochene Pronaeandaschwall der letzten fuenf Jahre und die daraus erstandene Denkfaulheit haben es zustande gebracht, den Ausgangspunkt aller antiokzidentalen Bewegungen in Moskau zu suchen. Dass eine solche Schablone aber nicht als Deckel auf den arabischen Topf passt, hat man selbst in den westlichen Hauptstaed. ten erkannt und zugegeben. Mossadegh oder der ex. Mufti sind keine Kommunisten und auch keine verkapp. ten Parteigaenger, sondern haben im Gegenteil nur Grund, sich vor diesen zu hueten. Aber was sind sie oder was und wen repraesentieren sie? Die grosse Gefahr So, wie die Dinge heute stehen, stellen sie und ihre Kliquen den Aufstand der arabischen Welt gegen die Fremdj herrschaft dar. Wollten wir 1 nur oberflaechlich hinhoe-1 Waehrend wir diese Zeilen I schreiben, beginnt in Jeru- I schalajim der Zionistische , Weltkongress. Juden aus al- 11er Welt versammeln sich in | der “Ewigen Stadt”, um die I Probleme des juedischen Vol. 1 kes im Lichte der durch die | Schaffung der Medinat Is- | rael neugeschaffenen Probleime zu behandeln. Auch wenn ¡im Allgemeinen Entscheidun. . gen so fundamentaler Natur! wie jene, die dieser Zusam- | menkunft der fuehrenden Maenner der juedischen Welt lobliegen, nicht auf Tagungen I gefunden werden, sondern 1 sich aus der tagtaeglichen | Arbeit ergeben, wird wahr. j soheinlich trotzdem diesem Kongress in Jerusalem diesel. |be Bedeutung zukommen.wie , dem Basler Kongress, der am 1 Anfang der zionistischen Be. I wegung steht. Drei Probleme sind es, die i wir vor allem zu loesen halben. Zunaechst die Frage der I inneren Organisation, wie z. IB. die des Keren Kajemeth lund Keren Haiessod. I In engem Zusammenhang I damit steht auch das Problem der Stellung, die der Zionistischen Weltorganisa- ‘ tion vor der Regierung des | Staates Israel zukommen wird. Ben Gurion als der | Sprecher der Regierung Israels. hat bei verschiedenen Gelegenheiten betont, dass I der Staat fuer alle Juden der Welt geschaffen worden ist. j Dem stehen die Ansnrueche . der Zionistischen Weltorga- I nisation gegenueber, als der. , jenigen Institution, die die | Grundlagen und ideelen Vor- I aussetzungen fuer den juedi- 1 sehen Staat geschaffen hat. 1 Als drittes muss von diesem! Kongress ein neues Programm ausgehen, das ebenso I wie der Basler Kongress vor I mehr als fuenf Jahrzehnten I im Stande ist, das juedisch nationale Leben mit neuem I Idealismus zu beseelen und | der juedisch nationalen und kulturellen Arbeit neuen Sinn | und Inhalt zu verleihen. So i kann dieser Kongress zum Ausgangsnunkt einer neuen Enoche im Leben des juedischen Volkes werden, in dessen MittelDunkt nach Zweijahrtausenden der Zerstreuung die neue Medinat Israel steht. 1 E. I. L. ren, so koennte eine solche Losung auch fuer unsere Ohren einen genehmen Klang haben. Denn: wer ist ja fuer Fremdherrschaft? Wer glaubt ernstlich, dass zum Beisniel der nordamerikanische Lakai Ibn Saud ein Wohltaeter seines Volkes ist? Oder dass die “Anglo-Iranian Oil Co.” Persien wirklich zum Segen gereicht hat? Leider liegen nur die Dinge nicht so einfach, wie man sie mit billiger Emanzipations- Phraseologie hinstellen moechte. Man konnte den indonesischen Unabhaengig. keitskampf mit Sympathie verfolgen oder den Indier* mit wahrer Begeisterung. Beide wurden von reifen Bewegungen gefuehrt, unwichtig ob etwas rechts oder etwas links vom Zentrum. Im Nahen Osten existieren jedoch solche Kraefte nicht oder nur in unbedeutendem Masstab. Weder gibt es reife demokratische Gruppen, die dem westlichen Fuehrungsansnruch einen politisch und moralisch begründeten eigenen entgegenzustellen vermoechten, noch hat die kommunistische Propaganda auch nur den Anstrich sozialer Er. loesung. von wirklich bewusst auf nationale und soziale Befreiung abzielenden Bewegungen ganz zu schweigen. Wer hat also die Fahne des Aufstands an sich gerissen? i Niemand anders als die ue-1 belsten politischen Dunkelmaenner, die aus religioeser Into’eranz, primitivstem Na. tionalismus und Xenofoble, faschistischen Methoden und zynischer Ausbeutung der Armut und Ignoranz ihrer Gefolgsleute ein Gift zusammengebraut haben, ueber dessen katastrophale Auswirkungen man sich in den westlichen Hauptstaedten nicht klär werden will. So sehr hat man sich in die Abwehr gegen den “Totalitarismus von links” verbissen, dass diese grosse Gefahr des Rechtstotalitarismus, Nazismus und Faschismus genannt, wieder einmal nicht gebuehrend beachtet wird. Von Kairo nach Malmoe Das geistige Zentrum dieser Elemente ist Kairo, allwo sie einen tatsaeehlichen Einf’uss auf die Regierungsgeschaefte haben, bei Palast hochangesehen sind und wo auch der ex-Mufti seine Zelte aufaeschlaeen hat. Noch rTiTorfta PlTboni OTorqnlcj^. torischen Zentrum nicht die Rede sein, da die bisherige Entwicklung einen solchen Grad der inneren Geschlos- .cievihoit UTiH nicht mit sich gebracht hat. Kann das aber nicht morgen der Fall sein, besonders in Anbetracht einer faschistischen Fvdra, die ausser in Kairo, in Bonn, Madrid, Rom, Buenos Aires. Qu°bec und Malmoe wieder ihre sieben Koenfe reckt? Besonders die Internationale Faschisten - Konferenz in Malmoe war insofern aufschlussreich, als auch dort noch die organischen Vorbedingungen fuer (Schluss auf Seite 11)