Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 8 (Agosto, 1951)
- Date
- 1951-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Agosto, 1951 BOLETIN INFOBMATIV'O DIE ZUKUNFT DES JUEDISCHEN VOLKES Von Dipl.-Ing. M. MANKEWITZ Vor kurzem haben wir alle das 3-jaehrige Bestehen des Staates Israel gefeiert. 1.112 Millionen unserer Brueder haben endlich ein sicheres Heim gefunden, viele darunter in allerletzter Minute vor der drohenden Vernichtung. In der neuen Heimat sind sie nun nach menschlichem Ermessen sicher und werden ihr Leben in Freiheit und nach eigenem Willen gestalten koennen. Wenn auch noch sehr viele Schwierigkeiten unvermeidlich sind, bis sich die neuen Einwanderer im neuen Lande verwurzeln und zu einer kulturellen Einheit werden, so ist doch der endgueltige Erfolg ausser jedem Zweifel. Und damit duerfen wir wenigstens 10% unseres Volkes als “versorgt” (im jue. dischen Sinne gemeint) betrachten. Aber was wird in der Zukunft aus uns allen, dem uebrigen “Rest” von nur 90%? Ueberlegen wir uns einmal die Situation der Juden, die z.Z. in Chile leben. Hoechstwahrscheinlich ist die Lage der Juden in den anderen Laendern der Galuth aehn. lich, sodass auch fuer sie dasselbe gilt, was man von uns behaupten kann. Fast 2000 Jahre hat unser Volk unter ewiger Angst vor Hamman und seinen Nachfolgern gelebt. Nur wenige Generationen hatten das Glueck, in Ruhe ihr Leben beschliessen zu koennen. Unwillkürlich stellte sich jeder Jude einmal vor die Frage: Wenn man mich hier ausweist, wohin gehe ich dann? 1933 war die Lage praktisch so, dass diejenigen, die Zentral-Europa verlassen mussten, keinen Fleck auf Erden finden konnten, wohin sie haetten fluechten koennen. Die meisten, die sich retten konnten, verdanken dies irgendeinem Zufall, upd der groesste Teil der 6 Millionen haben ihr Leben verloren, weil sie kein Visum bekommen konnten. Das ist gewiss keine Neuigkeit, und doch sollte man unsere Menschen oefter daran erinnern, weil niemand gerne von selbst an etwas Unangenehmes zu denken bereit ist. Dieser Alpdruck, der auf unseren Vorfahren— und auch auf uns gelastet hat — selbst wenn viele unter uns sich jahrelang nicht davon Rechenschaft gegeben haben, ist nunmehr endlich von uns gewichen. Wir alle wissen, dass im Notfälle ohne Verzoegerung ein Visum bereit sein wird, ja es wird sogar ein Schiff mit blau-weisser Fahne im naechsten Hafen auf uns warten, um uns in unsere Heimat zu fuehren. Die Umwelt wird sehr bald merken, dass der alte Typ von Galuth Juden, dem man alles in die Schuhe schieben und fuer alle Schwierigkeiten verantwortlich machen konnte, nicht mehr existiert. Wir werden bald lernen, uns freier und ungezwungener zu benehmen, genau so wie alle uebrigen Auslaender, im Bewustsein eine freie Heimat hinter sich zu haben, es schon immer getan haben. Allerdings darf man auch nicht in das andere Extrem geraten und glauben, von heute ab waere der Antisemitismus als erledigt zu betrachten, nur deshalb, weil wir ein normales Volk geworden sind und uns ungezwungener und freier benehmen. Der Antisemitismus ist zu sehr den Voelkern in Fleisch und Blut uebergegangen und was Tausende von Jahren ueblich war, kann nicht so schnell vergessen werden, was wahrscheinlich zunaechst eintre. ten wird, ist eine kleine Erleichterung in seiner Staerke und eine neue Taktik wohl mehr unterirdischer Natur, die unter Umstaenden noch peinlicher sein kann als die bisherige offene Verfolgung. Einen kleinen Vorgeschmack davon bekommt man, wenn man in der modernen nordamerikanischen Literatur auf ein Buch stoesst, das sich mit uns beschaeftigt. Man kann da finden, mit welcher raffinierter Gemeinheit die Um-! weit die voellig gleichgestell- I ten Mitbuerger juedischen j Glaubens so “lieb” behandelt, dass man jeden Begriff von | Ehre voellig vergessen haben muss, um so etwas zu ertra-! gen. I Am besten hat es zweifeli los der Teil unserer Jugend, | der die Begeisterung und | Selbstaufopferung aufge. j bracht hat, um in den schwer. I sten Zeiten die Alijah anzu- : treten. Diese Menschen haben jetzt endlich die Möeglich- ‘ keit, ihre ganze Kraft in den I Dienst des eigenen Volkes zu ■ stellen und die Genugtuung, ihre Pflicht ihren Bruedern gegenueber erfuellt zu haben, ist ein herrlicher Lohn fuer alle Entbehrungen. Aber was geschieht inzwischen "mit “uns”? Ich meine damit den Teil der im Galuth lebenden Juden, die schon grossjaehrig aus Europa ausgewandert sind und deshalb bewusst oder unbewusst die “alte Heimat” im Herzen tragen und versuchen, diese hier im fremden Lande in Miniatur wieder aufleben zu lassen. Unter der Fuehrung einiger energischer Maenner, die trotz der enormen Schwie. rigkeiten, die der “Umzug” bedeutet hat, den Mut nicht I verloren haben, entstanden die Zentren der polnischen, ungarischen, deutschen Juden usw. Diese sind heute die Mittelpunte des geistigen Lebens unserer Generation und sie haben sehr viel dazu beigetragen, uns ueber die schweren Zeiten der Umstellung auf die gaenzlich neuen Ver.. haeltnisse ertraeglich zu machen. Es erscheint sehr zweifelhaft, dass das Gros dieser Ge. neration sich noch einmal in Bewegung setzt, um nach Israel auszuwandern. Schon Mo. ses hatte genuegend Schwierigkeiten, die Juden von den Fieischtoepf en Aegyptens weg. zubekommen, als sie noch als Sklaven ihr Leben fristen mussten. Das leichte Leben, der Wohlstand und Luxus haben uns schon so verwoehnt und verweichlicht, dass nur sehr wenige unter uns es fertigbringen, ohne dazu ge. zwungen zu sein, sich wieder in Bewegung zu setzen, ganz besonders wenn wir wissen, dass der Wohlstand an den wir uns so gewoehnt haben, “dort” auf lange Zeit unerreichbar sein wird. Nur einige wenige unter uns — und das sind leider die besten — treten den Weg an und lassen uns hier auch noch ohne Fuehrer, deren wir in Zukunft vielleicht weit mehr benoetigen werden, als es bisher der Fall war. Und wie steht es mit dem Nachwuchs? In 10.20 Jahren, wenn die bisherigen Fuehrer zu alt geworden sind, um die landsmannschaftlichen Zen. tren zu leiten, wer wird an ihre Stelle treten? Es lohnt sich, ueber dieses Problem— das schwerste Unter den vorhergenannten — nachzudenken. Die einzige Stelle, wo Kinder heutzutage in einer jue_ dischen Umgebung unterrichtet werden, sind die Schulen des Waad Hachinuch. Trotz, j dem die Leiter dieser Institución die groessten Anstren. ¡ gungen machen, ist es eine bedauerliche Tatsache, dass nur ein geringer Prozentsatz der juedischen Kinder diese Schulen besuchen. Alle uebri. gen, d.h. der weitaus groesste Teil der Kinder, besuchen fremde Schulen. Dass die Eltern dieser Kinder viel Schuld an diesem Zustand tragen, ist eine weitere Tatsache, ueber die wir an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang nicht reden wollen. Es steht jedenfalls fest, dass unsere Kinder in fremder Umgebung aufwachsen, wo sie alles andere als juedischen Geist mitgeteilt bekommen. Unter keinen Umstaenden werden sich diese, wenn sie aufwachsen in unseren Zentren, wo fast ausschliesslich jiddisch, unga. risch,. deutsch oder polnisch gesnrochen wird, heimisch fuehlen. Sie gehoeren zu einer anderen Umwelt und sind uns Eltern in dieser Be. ziehung voellig entfremdet. Sie haben keine versteckte Sehnsucht nach Polen, Ungarn, Deutschland oder sonst einem Land, weil sie dieses Land nicht einmal gesehen haben. Es ist deshalb nicht zu verwundern, dass seit langem schon zu allen Veranstaltungen nur immer dieselben “Alten” kommen. Die Jugend glaenzt durch ihre Abwesenheit. Alle Vortraege und Veranstaltungen in all den “Fremdsprachen” interessieren sie nicht, und die Landessprache verstehen leider viele unter uns nicht genuegend und fuehlen sich auch un. gluecklich, wenn sie einer solchen Veranstaltung bei. wohnen. » Und waehrend dies alles unter unseren eigenen Augen geschieht, waehrend unsere Jugend zu einem — gelinde gesagt — wesentlichen Teil dem Judentum entfremdet wird, sitzen wir und streiten uns ueber so “lebenswichtige” Fragen wie z.B. ob die eine oder die andere Partei die richtige ist, ob man fuer diesen oder anderen die Stimme bei irgendeiner Wahl abgeben soll, wann man sich der Stirn me enthalten darf und was sonst noch fuer wichtige Pro bleme unser Gemuet erregen. Dabei vergessen wir alle, an das Wichtigste zu denken: naemlich, dass wenn wir auch weiterhin nichts fuer die Erhaltung unserer Jugend tun —wie es bisher leider der Fall war— wir sehr schnell ohne Parteien und ohne Posten bleiben werden, die zu besetzen sind. Ein aehnlicher Fall wird in einer alten Erzaehlung beschrieben. Es handelt sich da um die Einwohner eines polnischen Dorfes, die von einem Pogrom bedroht werden. Die Jugend sammelt sich in der Synagoge, um ueber Abwehrmassnahmen zu sprechen und die Alten sitzen im Nebenzimmer und sind eifrig am diskutieren ueber eine Rechts frage, die der Talmud behandelt. Als die Jungen ins Zimmer eindringen und die Alten auffordem, sich an der Abwehr zu beteiligen, werden sie mit scharfen Worten zu. rueckgewiesen: sie sollen nicht stoeren, wenn man eine solch wichtige Frage erst klarstellen muss. Es ist natuerlich und logisch, dass wir unseren Bruedern in Israel, so weit es in unseren Kraeften steht, zur Seite stehen, damit sie der Schwierigkeiten, die die grosse Alijah mit sich bringt, Herr werden koennen. Fraglich ist es nur, ob wir richtig handeln, wenn wir so viel an die momentanen Schwierigkeiten denken, und dabei gaenzlich uebersehen, dass die ueberwiegende Mehrheit des juedischen Volkes mit Riesenschritten der Assimila. I tion entgegengeht, wenn nicht I sofort etwas Grundsaetzliches i dagegen unternommen wird. 0* Campaña Unificada Wir teilen teilen mit, dass die Herren Herbert Behle Hugo Schier Kurt Seelig ihre Pflichten der Campaña gegenueber erfuellt haben. Naechste Haussammlung Die naechste monatliche Haussammlung zugunsten des “Hilfswerks fuer die Judennot in der Welt” findet am Sonntag, den 19. August statt. Thealergruppe Heaiid "Mal was zum Lachen!’’ ist das Motto unseres naechsten Abends und wir glauben, dass dde Komoedie Sammy Gronemanns “Jakob und Christian” zu diesem Satz berechtigt. 'Den Autor brauchen wir nicht vorzustellen; als Schriftsteller ist er uns allen bekannt. Die Komoedie spielt sich in djem Kreis ab, den Gronemann immer beschreibt: das deutschjuedische Publikum. Aber diesmal hat er aus diesem Stoffe eine Komoedie gemacht, die so witzig und gelungen ist. dass wir fast mit Sicherheit ihr einen ganzen Erfolg prophezeien koennen. Trotz allem steht hinter dem Humor eine Idee und zwar eine sehr wichtige und 'bedeutsame. Die Theatergruppe Heatid probt schon fleissig dieses Stueck unter der Regie von Gerd Werner und wird in der naechsten Nummer den Tag der Auffuehrung mittellen. Suchanzeige t Gesucht wird die Ehefrau des Herrn Moritz Borinski, frueher Shanghai. Zweckdienliche Mitteilungen erbeten an das Gemeindesekretariat Av. Portugal 810. Zum 30-jaehrigen Jubilaeum der Welt-Wizo prae sentiert das CENTRUM KENRIETTA SZQLD den grossen Kostümball "WIEDER EINE NACHT IN TEL-AVIV!" am SONNABEND 25. AUGUST 9% P. M. in den Baenmen der S.C.I., PORTUGAL 819 PRAEMIERUNG DES ORIGINELLSTEN, BILLIGSTEN KOSTÜMS! KEIN KOSTÜMZWANG! Á