Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-04-01 · 4 (Abril, 1951) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
4 (Abril, 1951)
Date
1951-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8553624-8554211-9192720--0642-8554276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sieben israelische Polizisten sind einem feigen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Ihre Aufgabe bestand in der Bewachung der Entsumpfungsarbeiten, welche die israelische Regierung im noerdlichen Huleh- Gebiet, in dem Syrien benachbarten entmilitarisierten Landstrich durchfuehren laesst. Ihre Moerder sind syrische Soldaten, die in dieses Gebiet widerrechtlich eindrangen. Mitglieder der U.N.-Kommission, die in weissen Jeeps ihre Leichen bergen wollten, wurden ebenfalls beschossen. In der naechsten Nacht bombardierte die israelische Flug'waffe die syrische Grenzstadt El Hamma. Als Repressalie. Die Tatsachen sind bekannt, so wie es auch die Tatsachen sind, die sich in der Zeitspanne ereignen wer. den, welche diese Spalte benoetigt, um zum Leser zu gelangen. Und diese Tatsachen koennen zwischen Krieg und Frieden fuer Israel entscheiden. Zwar glauben wir, dass dieser ernste Grenzzwischenfall nicht der Auftakt zur “zweiten Runde” sein wird. Aber erstens ist niemand unter uns Prophet noch eines Propheten Sohn. Und zweitens aendert dies nichts an einem unumstoesslichen, fundamentalen und ungeheuer wichtigen Umstand: das naemlich trotz der erdrueckenden Probleme der Masseneinwanderung, der Wirtschafts— und der Finanzlage die Zu. kunft Israels immer noch in erster Linie von der militaerischen Sicherheit des Staates abhaengt. Und fuer diese sind wir alle mitverantwortlich. Nichts ist mehr dazu angetan, den unueberbrueekbaren Gegensatz zwischen Israel und dem heutigen Syrien, bezw. allen arabischen Nachbarstaaten, zu illustrieren, als der Anlass zu der syrischen Mordtat. Man fuehlt sich naemlich in Damaskus provoziert durch das israelische Entsumpfungs-Projekt an der Gren ze. Was die “rechtliche” Begründung des Angriffs anbetrifft, so ist sie natuerlich fadenscheinig, denn der Waffenstillstandspakt verbietet zwar Israel, in bestimmten Grenzzonen, die seiner Oberhoheit unterstehen, militaerische Handlungen durchzufuehren, bezieht sich aber keineswegs auf friedliche Besiedlungsprojekte, wie ja ueberhaupt die bouveraenitaet des Staates ueber das entsprechende Gebiet niemals in Abrede gestellt wird. Trotzdem fuehlt man sich also, wie gesagt, in Damaskus provoziert. Und wie wir glauben, mit Recht. Israel hat sich wirklich eine Agression zuschulden kommen lassen. Warum? Weil jedes Entsumpfungswerk, ebenso wie jedes andere sanitaere, volksbildende, urbanistische, indu. strielle oder landwirtschaftliche Projekt eine Agression gegen die auf einer feudalen Struktur beruhenden Stabilitaet der arabischen Nachbar. laender ist. Die Regierungen von Sy. rien, Transjordanien, Irak und besonders von Aegypten verankern ihre Autoritaet in der Malaria, der Trachoma, der Tuberkulose, der Cholera, der Ignoranz, dem Analphabetismus und der jeder Beschreibung spottenden Armut des Volkes. (Man beachte Aegyptens Demarche ln Washington, Paris und London und versteht die Antwort auf die Frage: was geht das die Aegypter an?). Israel hassen und fuerchten sie nicht etwa, wie dies im Zerrbild einer von nationalem und religioesem Fanatismus durchtraenkten Propaganda aussieht, weil es ein juedischer Staat ist. Sie fuerchten ihn vielmehr, well er ein moderner und nicht mittelalterlicher, ein kapitalistischer Staat mit einem sozialistischen Wirtschaftssektor und nicht ein anachro. nisches feudales Gebilde ist.. Es gibt bisher in der Weltgeschichte noch kein Beispiel, dass eine Gesellschaft aus eigenem Entschluss heraus in eine vergangene Epoche zurueckkehrt. Dies geschah z.B., als das hochzivilisierte roemische Imperium den barbarischen Germanen zum Opfer fiel, aber es geschah durch die Gewalt der Waffen. Und auch dieses Beispiel stellt eine Ausnahme dar zur Regel, dass dierueck. staendigen Gesellschaften den hoe- Krupp, die Malmedy - Moerder, Konzentrationslager-Kommandanten und Aufseher haben in den letzten Monaten die bereits unendlich langen Listen des Nazi-Gesindels verlaengert, die von der nordamerikanischen Besatzungsbehoerde in Deutschland auf freien Fuss gesetzt worden sind. Die Gruende fuer diese gnadenvolle Haltung, die bereits zu Zeiten des Generals Clay begann und unter dem augenblicklichen Oberkomissar Mac Cloy einfach unglaubliche Ausmasse angenommen hat, waren bisher klar: Deutschland sollte militaerischer Partner im Krieg gegen Russland werden und nach An- WUal “Haetten wir nicht noch ein bisschen laenger aushalten sollen, Hermann?” (Vicky in “News Chronicle”) sicht der amerikanischen Politiker und Strategen musste man dazu die Nazi.Verbrecher freilassen, erstens um sich damit den Deutschen sympathischer zu machen und zweitens um die Erfahrung der Hltler-Oeneraele sich zunutze zu machen.. Wir sagen, dass die Gruende bisher klar waren, denn heute sind sie es nicht mehr. Diese Tatsache ist dem General Dwight Eisenhower zu verdanken. Als dieser naemlich, von sei. ner ersten Inspektionsreise nach den europaeisehen Hauptstaedten ¡zurueekgekehrt, dem Kongress im Washingtoner Capitol Bericht erstattete, Hess er ganz eindeutig kiar durchblieken, dass er weder auf die her entwickelten unterliegen und sich deren Produktionsmethoden und sozialer Struktur angleichen. Und das ist die Gefahr, welche die Wuestenprinze im Turban klar erkennen. Jeder Sumpf, der im Vorderen Orient zum Acker und zum Walde wird, ist Boden, der ihnen unter den Fuessen hinweggezogen wird. Jede Krankheit, die erfolgreich bekaempft wird, ist ein Stueck politischer Gesundheit, das ihnen verloren geht. Israel ist heute in dieser Region der einzige Traeger dieser Entsumpfung, Gesundung, Modernisierung. Und darin besteht seine Agression: Eine Agression, auf die ¿¡gäSjgt SU» t -? Tf / , “Nun werden sie wohl Klage gegen uns einreichen wegen Freiheitsberaubung”. (Giles in “Sunday Express”), deutsche noch auf die franeospanische Waffenbruederschaft fuers erste auch nur den geringsten wert lege.. Nun gibt es natuerlich genug Kreise, die daran interessiert sind, diese Feststellungen zu .vertuschen. So gelang es zum Beispiel dem erzreaktio. naeren Senator Mac Carthy, der als Gewaehrsmann Francos, Tschiang- Kai-Scheks und der Nazis in Washington angesehen werden darf, entgegen der Meinung des Generals einen Vorschlag mit knapper Stimmenmehrheit zur Annahme zu brin_ seine Regierung, sein Volk und der Zionismus unter keinem wie auch immer geartetem Umstand verzichten wird. Sie richtet sich keineswegs gegen die arabischen Nachbarn als solche, sondern im Gegenteil gegen deren Unterdruecker. Daher der Hass, den wir stolz herausfordern. Daher die staendige Kriegsgefahr, fuer die wir uns mit der Mobilmachung aller nationalen Kräfte rjiesten muessen. Es ist wahr: Israel hat Syrien angegriffen.. Mit der Agression des Friedens. Mit der Agression einer besseren Zukunft. gen, wonach Franco, Krupp und Consorten dennoch zwecks Verteidigung der Demokratie mobilisiert werden sollten. . Aber schliesslich und endlich ist Eisenhower der Oberstkommandierende. Und mehr als dies, ist er wahrscheinlich der Mann, der heute in Nordamerika das solideste Prestige geniesst... und nicht nur dort, sondern auch in Europa. Seine Meinung sollte also ganz entscheidendes Gewicht haben. . Und ihr entsprechend entbehrt es heutzutage jeden Sinnes, dass Mr. Mac Cloy heiter und unbekuemmert den blutruenstigen und zaehmefletsehenden Werwolf auf die Menschheit loslaesst. Vielleicht ist er schlecht informiert. Das ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist es, dass zwei grosse Stroemungem im westlichen Lager einander unversoehnlich gegenueberstehen, gegeneinander arbeiten und intrigieren. Die ersten Leidtragenden sind alle Opfer der Nazis, die jahrelang vergeblich auf Wiedergutmachung und Suehne harrten. Die naechsten Leidtragenden. .. wer kann sie nennen? Die Folgen eines solchen Schismas koennen von unabsehbarer TtagweL te sein. Die Wellen des Antisemitismus schlagen in Muenchen wieder hoch. Die “Hauptstadt der Bewegung” macht ihrem Namen Ehre. Doch ist es diesmal kein abstrakter “ideologischer” Antisemitismus, der sich breit macht, sondern eine konkrete Anklage gegen einen Juden, bezw. gegen einige Juden und damit natuerlich gegen die Juden schlechthin.. Im Mittelpunkt steht Philipp Auer. 4b ■MR iÄtlll PHILIPP AUERBACH bach, Praesident des Bayrischen Wiedergutmachungsamtes und vielleicht der Prominenteste unter den heute noch in Deutschland lebenden Juden. Auerbach befindet sich momentan in Haft und in seinem Amte suchen hundert Kriminalbeamte in zirka 175.000 Aktenstueeken. fieberhaft nach Faelsehungen und Veruntreuungen. An der Spitze dieser Kriminalbeamten steht ein gewisser Seitz, einstmals Mitarbeiter d©$ Reichsverwesers fuer das besetzte' Palen, Frank. Ein alter Fachmann fuer die “Judenfrage” als®, was das Vertrauen erklaerlieh macht, das ihm Justizminster Josef Muetler entgegenbringt . Auerbach hat sich bisher darauf beschraenkt, die Kampagne, die gegen sein Amt und seine Person inszeniert wurde, als antisemitische Machenschaft anzuprangern. E s steht sehr zu hoffen, dass er im Verlaufe der Untersuchung,, der er in seiner Eigenschaft als bayrischer Staatsbeamter unterzogen werden wird, auch das entsprechende sachliche Entiastungsmateriai Vorlegern, wird. Er duerfte wohl gut genug wissen, dass es dabei mehr als nur um die Rehabilitierung seiner eigenen Person geht. Sowie der weitere Verlauf der Ereignisse uns die entsprechenden Unterlagen liefert, werden wir in kuenftigen Berichten unsere Leser eingehend informieren. ATSCUEXLA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.