Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 3 (Marzo, 1951)
- Date
- 1951-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 15 Israel und die Weltjudenheit Mit dem folgenden Beitrag knoepfen wir an die Aufsatzrellie an, mit der wir unter dem Titel “Israel und die Golah’’ im Vorjahre begannen, eine breite Diskussionsbasis zu schaffen. EINE NEUE RASSE? Der Korrespondent des Londoner “Observer” in Jisrael, Philip Toynbee, veroeffentllch te vor kurzem in seinem Blatte einen Aufsatz ueber das Thema ‘‘Jisrael und die Juden”, in dem er u. a. die Theorie aufstellte, dass in Jisrael eine “neue Rasse” im Entstehen sei. Die in Palaestina geborene Jugend habe aufgehoert, Juden zu sein. Die junge Generation sei geradezu eine neue Rasse. Er vergleicht einen jungen Sabre in vieler Hinsicht aufschlussreich. Sie sind ein Beitrag zu jener die Galuth “verneinenden” Lehre, die seit langem im Zionismus zu finden war und ihren bedeutendsten theoretischen Ausdruck in den Schriften Klatzkins fand. In den vergangenen Jahren sind aehnliche, wenn auch vergroeberte Gedankengaenge in radikalen Kreisen des terroristischen Zionismus aufgetaucht. in letzter Zeit wurden sie von dem Kreis der “Aleph” - Gruppe literarisch vertreten, die auf die Jugend t'&H-i'.y ■ ■ 'MS® '4nH' ■ ¡r v; SABRA von 18 Jahren aus einem Kibbuz mit seinem j uedisch-ame. rikanischen “Wohltaeter”. einem Geschaeftsmann aus New York, der in weitem Masse an der amerikanischen Mentalitaet, vermischt mit seinem juedischen Komplex, Anteil habe. Der Sabre haben dagegen viel mehr gemein mit den nichtjuedischen Pionieren in Australien oder den britischen. Kolonien. Diese Tatsache beginne der jued i s c h . amerikanische Geschaeftsmann zu merken, er sei stolz auf die neue Rasse, aber er fuehle sich ein wenig unwohl dabei. Der Autor kommt von diesem Ausgangspunkt zu dem Ergebnis, dass vor den Juden die Wahl liege, Jisraeli zu werden oder volle, assimilierte Mitglieder der Gemeinschaft, in der sie jetzt leben. Er prophezeit, dass es keine “Juden” in 100 Jahren mehr geben werde, sondern nur. b°i gutem Glueek. den Staat Jisrael. der seinen eigenen besonderen aber nicht juedischen Beitrag zu geben habe, und daneben in anderen Laendern Buerger mit juedisohem Blut, aber ohne juedische Gedanken und Gefneh'e. Man k'Yan«.o di°se Entwicklung vielleicht bedauern. muesse aber zugleich unendliche Erleichterung darueber emnfinden. dass die lange Agonie fuer die Juden und die langdauernde Scham fuer die Nichtjuden vorueber ist. Die.se Betrachtungen eines im allgemeinen guten Beobachters und Freundes sind nicht ohne Einfluss geblieben i ist. Wenn ein aussensteheni der Beobachter aus dem physischen und geistigen Hai bitus der Jugend in Jisrael so weitgehende Schluesse zieht, so hat er sich aber nicht , nur von den objektiven Tat-; Sachen beeinflussen lassen, sondern wahrscheinlich auch | von dieser Art Ideologien. Denn bei einer wirklichen Beobachtung kann man unj moeglich zu dem Schluss kommen, dass die hier auf- | wachsende Jugend durch einen Abgrund von der Jugend, 1 die gleichzeitig in der Golah, | aufwaechst, geschieden ist'. , Dies gilt nicht einmal fuer die I Jugend der Kibbuzim, die aber | immerhin nur eine geringe Minderheit der gesamten Jugend Jis-a’!“ rto^stept. Hie auch in den Staedten zu finden ist, auch in den Kreisen des Buergertums, und deren i Habitus zwar die Bedineun- I gen unseres Lebens im Lande und seine gesellschaftliche I Struktur widerspiegelt, aber , in keiner Weise, was die Grundelemente anbelangt, ei- I nen so radikalen Bruch mit . dem bedeutet, was bisher in der Welt als “juedisch” galt. I Tonybee scheint in dieser , Hinsicht von den Wunschgebilden gewisser Kreise in Jisrael beeinflusst worden zu sein, 'die unzweifelhaft nur eine winzige Minoritaet darstellen. Solcher Einfluss auf einen wohlmeinenden Beobachter zeigt, wie gefaehrlich die Verwirrung ist. die von sogenannten “r a d ik a 1 e n” Ideen ausgehen kann. < I FANATISMUS IN UNSERER ZEIT Es handelt sich bei diesen Vorstellungen von einem Bruch in der juedischen Gescmcnte, der in Jisrael vollzogen wird, aber nur um den Ausdruck einer weit allgemeineren Erscheinung. Die zionistische Bewegung hat in den Jahren seit dem zweiten Weltkriege mehr und mehr eine Seite ihres Lebens entwickelt, die zwar von jeher in ihr angelegt wär, aber von anderen Elementen ueber deckt wurde. Sie wurde zu einer Bewegung von fanatischem Charakter. Damit seht sie nicht allein in der Welt, vielmehr scheint es, dass das 20. Jahrhundert im allgemeinen von solchem Fanatismus, weitgehend ueberflutet wird. In einem hoechst bemerkenswerten Auisatz in der englischen Zeitschrift “World Review” schrieb vor kurzem Bertrand Russell ueber dieses Thema und schilderte den Einbruch des Fanatismus, beginnend mit dem Jahr 1914. Er nennt in diesem Zusammenhänge den antisemitischen Fanatismus, dessen unausweichliche Antwort der zionistische Fanatismus sei. In der Hauptsache gilt seine Untersuchung dem kommunistischen Fanatismus, aber Russell stellt auch die Frage, wie das Uebel des Fanatismus im allgemeinen geheilt werden kann. Denn dass er ein Uebel ist, das die Welt in imm e r groessere Verwirrung stuerzt. ist heute evident. Drei Heilmittel sind seiner Ansicht nach erforderlich: Sicherheit, Prosperitaet und eine liberale Erziehung, Besonders schwierig erscheint ihm die Wieder. einfuehrung einer solchem E-ziehnng. E^ fordert, dass ein Wechsel der Emohase durchgefuehrt wird: Man soll nhht die Wuenschbarkeit des Sieges fuer die eigene Seite zeigen, nicht die Wege weisen, wie solcher Sieg erreicht werden karm. o^vidern so'l z-i°'°n wie verderblich fuer jedermann auf allen Seiten ein Krieg sein muss. Diese allgemeinen Betrachtungen haoen ihren Sinn auch fuer uns selbst. Nach Sicherheit und Prosperitaet streben wir gewiss mit allen Kraeften. Ob, in welchem Tempo wir diese Ziele erreichen, haengt nur zu einem Teil von uns ab. Der dritten Faktor aber koennten wir oh ne Zweifel staerken. naemU'h den Gedanken und die Praxis einer liberalen Erziehung, Dadurch wuerden wir in gewissem Umfange jene Erscheinung des Fanatismus ueberwinden, die in Wirklichkeit ein Negativum ist, da sie nichts mehr als eine Reaktion auf den gegen uns Juden gefuehrten Angriff darstellt. Dieser Fanatismus steht ln erheblichem Masse der Entwicklung unserer eigenen seelischen Kraefte im Wege, dem wirklichen “Hinabsteigen zu den Muettern”; auf seinem Boden wachsen Ideologien und Bestrebungen, die ir. wi-vu-vikeit ^f nur vorr, Judentum fortfuehren. sondern auch vom Zionismus. An diesem Punkte sehen wir die Verbindung zu jener B°trachtung des englischen Korres' pondenten ueber die wachsen-, de Diskrepanz zwischen Jisrael u.:Q ucr Uoian, cue Dis za der absurden Prophezeiung vom Enststehen einer neuen Rasse in Jisrael und dem Untergang des juedischen Volkes in der Welt fuehrt. Wir duerten abir nichc vergessen, | dass auf dem Boden des Faj natismus das Krebsgewaechs des Unterganges entstehen kann, das heute zwar nur dem i als aktuell erscheint, der die j Dinge oberflaechlich betrach tet, dessen zukuenftige Entwicklung aber nicht vorausberechnet werden kann — wenn wir nicht selbst rechtzeitig umkehren und wieder den Weg zu einem auf den Grundlagen liberaler, humaner und zugleich die Einheit des juedischen Volkes in der Welt und in der Gechichte unverbruechlich anerkennenden Zionismus finden. 1 JISRAEL UND USA-JUDENHEIT Solche Betrachtungen sind nicht abstrakter Natur, sondern haben ihre ganz konkrete Bedeutung. In wenigen Tagen soll in USA eine Konferenz der amerikanischen Judenheit zusammentreten, die sich mit den praktischen Sorgen Jisrael befasst, und deren Aufgabe es ist, eine alles Bisherige uebertreffende finanzielle Anstrengung mit neuen Methoden einzuleiten, um das begonnene Werk zu retten und fortz’’fuehren. Der Augenblick der Konferenz ist doppelt schwierig im Hinblick auf den Ausbruch der politischen Krise in Jisrael, die aber, wenn sie richtig gedeu-! tet wird, ein umso ernsteres | Signal fuer alle die sein kann, j die mit uns in der Welt drausj sen verbunden sind und uns helfen wollen — weil sie spueren. dass ihre eigene Zukunft j irgendwie mit uns hier verbunden ist. Dies bedeutet nicht, dass die Juden Ame-1 rikas das Werk in Jisrael als i eine Art von “Rueckversiche-1 rung” fuer sich selbst be-j trachten muessen. Es ist ganz Von KURT LOE WEN STEIN abwegig, mit solcher pessimistischer Psychologie an sie heranZütreten, die bei ihnen gewiss Keinen Wiaernail finaen kann. Aber dennoch: Sie werden uns nur dann wirklich in dem verlangten Ausmasse zur Seite stehen, wenn sie empfinden, dass es ihre Sache ist, ihre eigene Sache, die hier auf dem Boden dieses alten Landes waechst. Koennen sie das, wenn in unseren Koepfen radikale, fanatische Vorstellungen spuken von einem radikalen Umbruch, von einer Erneuerung nicht aus dem alten Wesen heraus, sondren aus “neuen” Grundlagen oder gar von einem Ende juedischer Existenz in der Welt, draussen? — Worum es geht, das ist in Wirklichkeit das genaue Gegenteil, naemlich eine liebevolle Beziehung nicht nur von der Golah aus zu Jisrael, sonder auch von Jisrael aus zur Golah, eine Staerkung der Ketten die eines an das andere binden; es ist kein Bruch, sondern Fortsetzung, eine Rueckkehr zu dem Besten ln uns selbst, die wir hier vollziehen wollen, die aber als Aufgabe und Forderung in jedem Augenblick auch vor den Juden der Diaspora steht, auch vor den Juden des neuen Massenzentrums in Amerika, so verduennt die juedische Atmosphaere sein mag, in der diese Massen dort leben. Solche Botschaft moege aus Jisrael dorthin kommen, die Botschft eines erfüllten Zionismus, der den Fanatismus abstreift, der eine Zeit ihm uebergestreift wurde, Echo einer von Schrecken er. fuel’ten Welt, aber nicht Ausdruck dieses unseres wahren besseren Selbst. Denn — vielleicht — mag auch die Stunde kommen, in der sich ein weit groesserer Kreis draussen, als es bisher der Fall war, dazu durchringt, uns *»—••'■thait rr,if den mat,°ri-llen Mitteln zu Hilfe zu kommen, ohne die wir auf die Dauer hier nicht standhalten koennen. (“M. B.”). Juden als Figuren... Die komische Oper “Freund Fritz” (1891) von Mascagni ist viel weniger bekannt ge. worden a’s seine allzu beliebte “Cavalleria rusticana”. Das Textbuch ist einem Lustspiel der E’saesser Erckmann und Ohatrian nachgebildet. Wir Gelangen ins franzoesische Eisass aus der Zelt um 1860. Dort und damals gab es kei. ne Schranken in dem freundschaftlichen Verkehr von Juden mit Christen. Der Guts, herr Fritz Kobusein Junggeselle, ist befreundet mit dem Rabbiner David, dem die Aufgabe des Ehestifters eine be sondere Freude macht. Der Rabbi a's Schadchan ist ein Seitenstueck zu dem Heiratsvermittler K°zal in Smetanas -“Verkaufter Braut” aber kein berufsmaessiger Ehegruender wie der Tscheche, sondern ein unei°rennu°tzigor Freundschaftediener mit den liebenswürdigen 7iu°gen eines ue. berlegenen Weltweisen, in sei. (Von Seite 13) ner Menschenkenntnis ein I modernisierter Nathan von kleinerem Formate. Durch die I biblische Erzaehlung von Re. i bekka bringt er Susel, die | Tochter von Fritzens Paech-! ter. zum Gestaendnis ihrer , Liebe zu seinem “Amico Fritz”. | Ein Abschnitt aus dem Te. I nach ist hier ein Mittel zu 1 dem von dem Rabbiner ver. | folgten Zweck, den Freund und die Freundin zu einer | zweisnaennigen Leben sfahrt I zu bestimmen. Die Komik der I Judenrolle bleibt hier in den | Grenzen einer Idyllealso in einer Umwelt, die den Juden im Leben und auf der Buehne meistens versperrt geblieben ist. Dr. Paul Riesenfeld (Ein Kapitel aus des Verfassers Buch "Juedische Stoffe und Gpsfalten auf der Opernbuehne”). (“M- B.”)