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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-03-01 · 3 (Marzo, 1951) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
3 (Marzo, 1951)
Date
1951-03-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 13 LEON BL UM und HAROLD LAS Kl In. diesen Tagen Jaehrt sich zum ersten Mal der Todestag dieser zwei Staatsmacnner. Sowohl ln unserer Eigenschaft als Juden wie auch als dem Fortschritt zugewandten Menschen erachten wir es als eine Pflicht, Ihre grosse Bedeutung lm engen Rahmen dieser Spalten zu wuerdlgen. LEON BLUM starb, ein Mann hoch in den Siebzigern, am Schreibtisch in Paris, mitten in der Niederschrift des gerade faelligen Artikels fuer seinen geliebten “Le Populaire”; einige Tage vorher war der 57-jaehrige HAROLD LASKI in London einem Herzschlag erlegen. Zweifellos verband die Beiden, den ‘‘grossen alten Mann” des franzoesischen Sozialismus und den “fabianisch” gesinnten englischen Katheder-Sozialisten, der in den ersten zwei kritischen Jahren nach diesem Weltkrieg als Chairman an der Spitze der Labour.Party gestanden hatte, ein hohes Mass gegenseitiger Wertschaetzumg. Vermutlich korrespondierten sie miteinander, vielleicht standen sie in unausgesetztem Meinungstausch. Ist es dennoch nur ein Zufall, dass sie in der Spanne nur so weniger Tage aus dieser Welt schieden, so hat dieser Zufall einen so tiefen symbolischen Sinn, wie ihn nur je ein Zufall gehabt hat. Beide waren Juden und standen, so wenig ihr Hauptinteresse anfangs juedischen Dingen galt, dem Volk ihrer Ahnen und unserer Palaestina-Sache. dem Zionismus und dem Staate Jisrael, je spaeter desto verstaendnisvo.ler gegenueber; aber nicht das ist das Entscheidende. Beide waren Sozialisten; und auch das gibt noch nicht den Ausschlag. Beide aber waren von Jenem Schlag des heute “westlich” genannten Sozialismus, der seinen allgemein — politischen, weltanschaulichen Hintergrund und seine menschlichen Antriebe aus Zeiten oezog, die heute schon fast wie ein schoenes Maerchen anmuten, aus dem 19. Jahrhundert — dort, wo es in Frankreich noch am lebendigsten von den grossen Ueberlieferungen der Grande Revolution durchflutet, und in England vom viktorianischen Liberalismus einer unentwegt prosperierenden Aera am unmittelbarsten beeinflusst war. Wie verschieden waren sie, der Aeltere und der Juengere, dabei nach dem Waermegrad ihres Temperaments, wenn schon nicht nach der Meisterschaft ihrer Dialektik, und nach den Einfluessen von Geburtsland und Milieu, wenn schon nicht nach ihrer Her. kunft aus wohlsituierten Buergerhaeusem. Leon Blum hatte als Verfasser von Buehnenstuecken nach dem Stil •der Comédie Française begonnen, als feinsinniger Lyriker, dem Verse wie diese gelangen; Pendant que tu te recueille En des rêves trop subtils, L’eau mitroite entre les feuilles, Et le ciel entre les cils. Er blieb seinen schoengeistigen Neigungen, seiner delikaten Sammlung von Dufy- Bildern und seinen wundervollen persischen Teppichen, seinen Dichtem und spaeter, seinen Philosophen auch treu, als er im verworrenen letzten Jahrzehnt der Dritten Republik an die Spitze der Front Populaire trat und bei den franzoesischen Kleri k a 1 e n, Roya isten, Calougards, Kommunisten und bei den beruehmten Zweihundert Maen. nern des Grosskapitals und der Haute Finance damit zum bestgehassten Mann Frankreichs wurde. Er war ein weicher Mensch: zu jener kompromisslosen Haerte, die ein Staatsman des europäischen Westens in den Jahren des spanischen Bürgerkrieges benoetigt haette, um sich gegen die London-Pariser Politik der Nichtintervention zu stemmen, vermochte er sich nicht aufzuraffen, und als Dolores Ibarruri, “La Pasionai ria” der Kaempfer gegen Franco bei ihm erschien, um Waffen fuer die Partisanen zu fordern, brach er zusammen und weinte. Kein Bericht spricht davon, dass Harold Laski je geweint haos. Nicht das mufuenlend Herz, den messerscharfen Verstand liess er sprechen, sei. er als noch junger Gelehrter, an der Schwelle noch seiner Dozentenlaufbahn, das vielleicht bedeutendste und jedenfalls einflussreichste seiner Buecher veroeffentlichte “Das ABC der Politik”, das mehr und mehr zum Katechismus jedes nur irgendwie besinnlichen politischen und gewerkschaftlichen Fuehrerder englischen Arbeiterschaf wurde, und zum Vorbild auch des Verfassungs - Entwurfs, den Leo Cohen am Vorabend der Proklamierung Jisraels mtworten hat. Waenren^ Leon Blum seit seiner Fruehzelt in der er zur Rehabilitierung von Alfred Dreyfus aufrief, ueber die Periode seiner Zusammenarbeit mit Jean Jaurès bis zu seinen letzten Auseinandersetzungen m i t Thorez nicht muede wurde, Tag fuer Tag erst in dei “L’Humanité” und dann im “Le Populaire” zum Bruecken. schlag, zur Maessigung aufzurufen, zum versoehnlichen Kompromiss, wenn man will warf Professor Laski ein Buch nach dem anderen mit immer neuen Analysen der wirtschaftlichen und sozialen Taesfragen in die Oeffentlichkeit, mit immer neuer Kritik an den Problemen und an der Problematik seiner Partei und der Zweiten Internationale, aber auch der buerger. lichen Welt, deren Fundamente er nicht minder als Leon Blum ins Wanken geraten sah. Feurige romanische Beredsamkeit und angelsaechsische Kuehle bis ans Herz hinein; welch Unterschied! Und doch — welche Verwandtschaft in der Grundhaltung! Beide gehoerten mit der groessten politischen Figur unserer J ahrzehnte, Franklin Delano Roosevelt, zu aen unnachgieoigsten Ka.mp. fern fuer die Freiheit des Staatsbuergers, des Menschen, der Persoenlichkeit und waren im mehrheitssozialistischen Lager dieser Zeit die wohl hervorragendsten Streiter fuer dies Ideal; und furchtlos sahen sie, es zu verteidigen, ihren Feinden ins Auge. Mit seinem grossen Plaidoyer erschuetterte Leon Blum die Richter, die ihn in Riom aburteilen sollten, bis zu Traenen; acht Staatsanwaelte traten zuru-eck und schliesslich blieb Hitler und seinen franzoesischen Schergen Pé. tain und Laval, nichts uebrlg ais den aussichGsiosen PruZ-ss abzublasen. In Buchenwald und zuletzt in Dachau blieben von der Wuerde, die der alte franzoesische Jude ausstrahlte, selbst die SS-Garden nicht immer ünberuehrt. Diese aeusserste Bewaehrungsprobe mit den Dunkelmaennern der ersten Jahrhunderthaelfte ist Harold Laski erspart geblieben; aber kaum bedeutete es, wie die Dinge sich in den Reihen seiner Partei seit 1945 entwickelt hatten, ein geringeres Mass an Courage, dass er unter der Verblueffung und dem wachsenden Applaus seiner Studenten den Starken Mann der eigenen Partei, Er. nest Bevin, in zahllosen Vorlesungen als den Prototyp des schlecht unterrichteten, miserabel schlussfolgernden, von Ressentiments gegen Geist, Fortschritt, Zionismus erfuellten Auch-Politikers anprangerte. Er natte aaiaer zu zahlen; die Parteigewaltigen, Bevin, Morrison, Cripps rueckten ihn gewaltsam zuletzt in den Schatten. Und schliesslich — welch mutige Unabhaengigkeit des Denkens beiddgi/e cur Eine wie aer Andere, Blum wie Laski darin, dass sie gegen alle Stimmungen der Masse reinliche Distanz von der sowjetrussischen Konzeption des verwirklichten Sozialismus zu halten wussten, der nicht der ihre war, ohne ihm das Mass seiner objektiven Leistung dennoch zu verkuemmern! Der Grosse Mittag sei herauf gekommen; so jubelte der Zarathustra Friedrich Nietzsches in einer Zeit, da der ahnungsvollere Jacob Burkhardt in Basel —vor 80 Jah ren— vielmehr von der Heraufkunft des Boesen schlechthin sprach. Der Grosse Mittag? “Wir sind Kimmerer, Volk der Daemmerung”, stellte Walther Rathenau, dieser Wahlverwandte Leon Blums und Harold Laskis, ein halbes Jahrhundert nach dem, Zarathustra in einer Schrift fest. Wie ist es in der Mitte unseres Jahrhunderts um diese Daemmerung beschaffen? Auch dafuer fand der vorahnende Rathenau an der gleichen Stelle gueltige Formeln; “Die Interessen spreizten sich wie je zuvor und haoen sich mir hilfloser Sp essigkeit verbu endet, dem Knechtssinn mit Autoritaet ist der Knechtssinn ohne Autoritaet gefolgt, der Luege von oben die Luege von unten. Von rechts droht unfaehige Versklavung, von links unfae. higer Terror, ln der Mitte herrscht unfaehiges Interesse.” Wirkt das nicht wie anno 1950 geschrieben und gesprochen, wie in der letzten Phase vor jener vom verstorbenen Orwell heraufbeschworenen Aera von 1984. da “Der Grosse Bruder” mit Fernseh-Appara. ten von der Zentrale ins Schlafzimmer jeden von uns morgens daraufhin kontrollieren wird, dass er die nationalistisch oder klassenkaempfe. risch vorgeschriebene Zahl von Kniebeugen macht? Noeh sind wir in dieser besten aller Welten nicht so weit. Aber nicht die Schlechte, sten sind’s die vermeinen, dass wir bald so weit sein werden. Nein, in eine solche Zeit passten Leon Blum und Harold Laski nicht mehr. Sie taten Recht, gemeinsam fort, zugehen. Wir aber gedenken ihrer mit Trauer und voller Sehnsucht. (“Jedioth Chadaschoth”) à f Juden als Figuren in komischen Opern Wort— und Tondichter und den einmal von einem Schornbildende Kuenstler werden steinfeger oder einem iurchtvon abseitigen Wesen und samen Schneiderlein ausge- Ausnahmemenschen viel fuehrt, ein andermal von eimehr zu Gestaltung gereizt als nem dummdreisten Diener von den ueblichen Alltagser- oder — einem Juden. Ahasver scheinungen, deren Lebensais Harlekin: das war eine lauf geradlinig ist und daher Moral von der Geschichte der nichts Besonderes bietet. Das OP^r und von der Kuiturge- Fremdartige ist ein staerke. scnichte des Judentums! res Lockmittel a.s das Gleich-1 Im 18. und im 19. Jahrhun. artige. Daraus Hesse sieh auch dert benutzt, die komische Rembrandts Vorliebe fuer Ju- Oper den Juden nur senr seidentypen und juedische Szeten als Freiwild fuer ihre nen erkiaeren. Der Jude war öpaesse. Der juedische Kominnerhaib der christlichen pomst Goiafaaen hat in sei- Voelker meistens ein Fremd-, nen jiddischen Singspielen ling, ein Sonderling, ein Pa. ria. Die Traeger des gelben Flecks erregten als Bewohner des Ghettos, als Stiefkinder mancherlei aus dem israelitischen Sitten— und Familien, leben auf die Komikerbuehne gebracht, natuenich ohne die der Gese.lschaft, als Menboesartig tenaenzioese Gesin. schen mit anderer Sprache j nung, mit der sich die Nazis und anderen religioesen1 auf den jued.schen Kunst- Braeuchen das Interesse, die Neugierde, den Spott, den Hass oder das Mitleid der An. gehoerigen ihrer “wirtsvoel. ker” und wuraen in dramatische Werke um so lieber hinhaendier in Suppes Operette “Die schoene Gaiauhea” (1865) und auf den juedisenen Skatspieler im “Intermezzo” von Richard Strauss (1924) losstuerzten, um durch plumpe eingebracht, als sich ja gera- Karikaturen von der Art ues de aus der “Andersartung” | “Stuermers” aeucschvoe.kider Juden manche der Kon- ■ sehe Kraft und Freude zu verfiikte herleiten lassen, die zum Wesen und zu den Wirkungen solcher Schoepfungen gehoeren. Die Verspottungen und grotesken Haenseleien, denen der Jude im taegiichen breiten. In der waehrend des dreis. sigjaehrigen Krieges spielenden Handlung der wenig bekannten Oper “Der deutsche Leben ausgesetzt war, konn-1 Micher” von Adorf Mohr (der ten auch im Theaterleben durch Verulkungen und Kariim Jahre 1841 geboren wurde) ist einem Tenoristen die katuren seines Wesens leicht Episodenrolle des juedischen a. , _ * Urtnoi lieiTül 1711 rrûlirl QCÛT1 zur Geltung kommen. Daher begegnet er uns als “komische Figur” in der “opera buffa”, freilich nicht so oft wie als tragische Gestalt in der “opera se.ia” deren Text. Verfasser und Komponisten in den meisten Faellen fuer die Juden Partei nehmen. Das frueheste mir bekannte Beispiel fuer die Heranziehung der Juden zu Parodien auf der Musikbuehne ist Orazio Vecchis “Amfiparnasso”, dh. Vorhoehe zum Parnass. Seit, sam ist dieses einst beruehmte Werk aus dem Jahre 1594 auch dadurch, dass die Textworte der einzelnen Personen noch nicht solistisch behandelt, sondern einem vier oder fuenfstimmigen Madrigalchor uebertragen wurden, und zwar in dem prob ematischen Kau. derwelsch einer Gesangsspra che. die ein Gemisch aus reinem Italienisch, vulgaerem Dialekt und jiddischen Brok ken war. Nach etwa anderthalb Jahrhunderten komponierte der Venezianer Galuppi zu einem Libretto des be kannten Lustspieldichters Goldoni die Musik einer juedischen Burleske, die im Ghet to, also in ihrer eigenen Um weit, dargestellt wurde. Ihr dankbarstes Publikum waren die Bewohner des Ghettos; sie am meisten belustigten sich ueber die Persiflage ihres We-; sens und ihrer Braeuche. Das 1 war ein Bajazzoiachen, auf j das man eine Stelle aus Les I sings “Emilia Galotti” beziehen koennte: “Wer lacht da? 8 Bei Gott, ich glaub”, ich war;*'“ es selbst”. Fuer die Lachlust auf Ko, sten des Juden sorgte auch die erste deutsche Volksoper. Sie wurde 1678 in Hamburg eingerichtet. Eine beliebte Episodenrol e nach dem Geschmack des Kleinbuergers war dort die der sogenannten lustigen Person. Ihre krampfhoften Hanswursteleien wur.. Hausierers Veitei zugewiesen. Als umherziehender Troedier traegt er in komischer Gestalt das Schicksal Ahasvers und ist ein Typ aus einer der sozialen Niederungen, auf die man im “dritten Reiche” des deutschen M.chels auch die ku-tureli hoch stehenden Juden zurueckwerfen wollte. Auch in dem Lande der “Herrscher aller Reussen” wurde den Juden allzu oft das Schicksal derer zuteil, die man mit Dostojewskis Romantitel als “die Erniedrigten und Beleidigten” bezeichnen duerfte- Einen Widerhall ihrer Vergewa.tigung hoert man zu Beginn der komischen Oper “Der Jahrmarkt von Sorotschintzi" von Mussorgski. Juden bieten ihre Waren an. Man erwidert ihnen: “Schert euch zum Teufel! Ihr seid Schwindler. Gebt euern Kram umsonst her!” Da sie sich weigern, bekommen sie Pruegel. Sie schreien “Gewalt, Gewalt!” und werden verlacht. Diese Szene enthuellt uns ein tragisches Schicksal, obwohl sie komisch wirken will. (Schluss auf Seite 15) SPANISCHER UNTERRICHT Berlitz Sahnellmethode u. Konversation PROF. SCHAEFFER, Casilla 9643. Bnero - Artikel Drucksachen-Papler Pappschachteln WALTER ROSENBAUM ¡Monjltas 758 8 Fono 33257 N

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