Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-02-01 · 2 (Febrero, 1951) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
2 (Febrero, 1951)
Date
1951-02-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8553624-8554211-9192716--0602-8554238
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

BOLETIN INFORMATIVO 7 ISRAEL ALS VORBILD AUFSCHLUSSREICHE ZIFFERN IN DER CHILENISCHEN DEPUTIERTENKAMMER Es lohnt sich bisweilen, in den Berichten ueber die Sitzungen des chilenischen Parlaments nicht nur die grossen politischen und wirschaftlichen Debatten, sondern auch die Eroerterungen der Probleme harmloseren Charakters mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Man findet dort mitunter interessante, erbauliche und ergoetzliche Dinge. Vor uns liegt der offizielle Sitzungsbericht der “CAMARA DE DIPUTADOS” vom 27. Dezember 1950, in dem sich die gewaehlten Vertreter des chilenischen Volkes u.a. mit den Massnahmen zur Foerderung des Turismus und dem hierdurch ertraeumten Devisenzustrom —sprich Dollarsegen_ beschaeftigten. Die neue Note der Angelegenheit war, dass eine Gruppe von Abgeordneten beantragte, von den zur Foerderung des Turismus bestimmten Steuerertraegen 20% zur Pflege der Fischzucht und zur Hebung des Angelsports zu verwenden. Der Deputierte González Madariaga begruendete den Antrag. Folgen wir (auszugweise) dem amtlichen Sitzungsbericht: “El señor GONZALEZ MA¬ DARIAGA.— La pesca deportiva es una de las cosas que atraen realmente al turista. Pero para lograr esto, ¿qué es necesario, señor Presidente? Es necesario repoblar los ríos, repoblar los lagos, sembrando alevines por todas partes. No tengo a la mano el Boletín de las Naciones Unidas que se refiere a lo que se ha estado haciendo en esta materia en el Estado de Israel, que es un Estado recién organizado. Ojalá el señor Presidente de la Honorable Cámara, que ha visitado no hace mucho esa nación nos diera una conferencia sobre la organización de ese'nuevo país. El señor TAPIA (Presidente) —Con mucho gusto. El señor GONZALEZ MA¬ DARIAGA.— Veo que Su Se¬ ñoría se alisa el bigote con mucha complacencia y satisfacción cuando lo nombro... —HABLAN VARIOS SRES. DIPUTADOS A LA VEZ. El señor GONZALEZ MA¬ DARIAGA.— Pero tengo aquí un apunte sobre el particular, que revela que el Estado de Israel se ha formado recogiendo la experiencia mundial en estas materias. Según datos publicados en el Boletín de Pesca por la Organización para la Alimentación y la Agricultura, de las Naciones Unidas, la producción de carpas en el Estado de Israel llegó, en el año 1939, a 0,8 toneladas métricas; en el año 1946, a 1.300_ toneladas métricas, y en el año 1948, a 2.400 toneladas métricas. Esto es lo que ha hecho un país, señor Presidente, que piensa que el mar, los ríos y los lagos constituyen fuentes alimenticias y a la vez de pasatiempo para los hombres”. Soweit der Sitzungsbericht. Wir sind in der Lage, den wohlwollenden Ausfuehrungen des Redners hinzuzufuegen, dass die von ihm geschilderte Aufwaertsentwicklung in den Jahren 1949 und 1950 weitere erhebliche Fortschritte gemacht hat. Es wurde eine ansehnliche Zahl neuer Karpfenteiche geschaffen, eine Massnahme, die zahlreichen Familien Arbeit und Brot gegeben und zugleich fuer die Ernaehrungsverhaeltnisse Israels einen hoechst bedeutungsvollen Beitrag geleistet hat. C. S.-r. Das juedische Leben in Uruguay Die ersten Juden kamen vor noch nicht 50 Jahren ins Land, und zwar aus Argentinien. Im Jahre 1913 zaehlte man erst 15 hier ansaessige juedische Familien, die sich bis 1920 auf 40 Familien vermehrten. Die eigentliche Einwanderung begann 1924|25, als USA den osteuropaeischen Juden seine Tore verschloss. In diese Zeit faellt auch die Gruendung der beiden aeltesten juedischen Banken, und in das Jahr 1927 die Gruendung eines juedisch-polnischen Verbandes, nachdem die 1916 geschaffene Chewra in eine Art Kultusgemeinde umgewandelt wirden war. Nach der Masseneinwanderung infolge der nazistischen Judengreuel nahm Ende der dreissiger Jahre die Organisation der Juden in Uruguay immer festene Form und straffere Gliederungan, Heute steht ueber den 4 juedischen Gemeinden — der polnischen, sefardischen, deutschsprachigen und ungarischen — das von dem sefardischen Juden Elias Seroussi ausgezeichnet geleitete Comité Central Israelita del Uruguay, das der Regierung gegenueber und ueberhaupt in allen kollektiven Fragen die representative und entscheidende Instanz darstellt. Daneben bestehen, wie in allen Zentren, die grossen juedischen Organisationen; Keren Kayemeth, Keren Hajessod, Juedischer Weltkongress, Joint, Afilantis, Hias (Hicem), ORT mit einer bereits an 500 Schueler zaehlenden Technikschule, die Vereinigungen der Freunde der Hebräischen Universitaet und des Weizmann Institutes und schliesslich die lange Reihe der sonstigen Institutionen: in religioeser Hinsicht sowohl Agudas Jisroel und Misrachi wie die Vereinigung fuer Liberales Judentum innerhalb der Nueva Congregación Israelita, der Zionistische Oberrat, die Federación Sionista, die Federación Juvenil Sionista, die Unión Sionista, die WIZO, Haschomer Hazair, die Sportvereine Macabí - Hacoaj und ITUS und die mit der WIZO eng zusammenarbeitenden, sozial und humanitaer erfolgreich wirkenden Organisationen; Israelitischer Frauenbund (LIM), Israelit. Frauenverein. Club Social “Amistad”. Wenn man ferner Achim Rachmonim, das von der Afilantis und einem grossen Mitgliederkreis unterhaltene Kinderheim und das von der gesamten Kollektivitaet gefoerderte Alters - und Waisenheim als segensreiche Institutionen anfuehrt, ist das Bild des juedischen Lebens in Uruguay einigermassen veranschaulicht. Es fehlt nur die Hervorhebung des starken Anteils der Juden and Handel und Wandel im Lande. Das juedische Argentinien Es duerften heute etwa 400.000 Juden in Argentinien leben, wovon ca. 275.000 auf die Bundeshauptstadt Buenos Aires entfallen. Die Zahl der Zentraleuropaeischen oder deutschsprechenden Juden kann mit 25-35.000 angenommen werden. Schaetzt man die Sefardim auf eine Gesamtzahl von hoechstens 80.000, so bleiben fuer die russisclupolnischen und Juden sonstiger Herkunftslaender etwa 29.000, sodass man also mit einer ueberwiegenden Majoritaet der sogenannten “Ostjuden” rechnen kann. Die aelteste Organisation im Lande ist die vor 82 Jahren gegruendete (von einer kleinen Gruppe von Juden aus dem E1 s a s s, Deutschland, Frankreich und England) “Congregación Israelita de la República Argentina”, welche seit etwa 20 Jahren im Herzen der Stadt eine grosse Synagoge (“Libertad - Tempel” genannt), unterhaelt, dessen Gottesdienst nach konservativem Ritus durchgefuehrt werden, wenn auch vorhandene Orgel und gemischter Chor diesem Charakter fuer unsere Begriffe entgegenstehen. Das geistige Oberhaupt der Gemeinde ist der aus St. Gallen stammende Rabb. Dr. Guillermo Schlesinger. Diese Gemeinde, welche auch seit langem ein Maedchenwaisenhaus unterhaelt, schuf vor 7 Jahren das “Machón” genannte “Instituto Superior”, ein “Seminar fuer hoehere juedische Studien”, dessen Absolvierung es ermoeglicht, in weiteren 1.1|2 bis 2 Jahren auf einer Rabbinerhochschule die Rabbiner-Autorización zu erwerben. Das auf sehr hohem Niveau stehende Seminar wird von dem Rabb. Dr. Fink geleitet,1 der einen Teil seiner Ausbildung dem Berliner Rabbiner-Seminar verdankt; gegenwaertig besuchen ca. 80 Schueler dieses Institut, das von der “Chewra”, ueber die noch gesprochen werden muss, zum Teil unterstuetzt wird. Aber fast alle juedischen Institutionen dieses Landes entwickelten sich nicht planmaessig, sondern meist aus d!er (Not der Stunde heraus, aus den Beduerfnissen jeweiliger Einwanderungschichten. So entstand zur Zeit starker Immigration aus Polen, 1922, die “Sociedad de Protección a los Inmigrantes Israelitas” kurz “HICEM” genannt, welche an die Juedische Weltwanderungsorganisation “H i a s” sowie die “I. C. A.” angeschlossen ist, welche die erste Hilfe den Neueingewanderten leistete sowie den Behoerden gegenueber deren Rechte zu wahren hatte. Spaeter, nach 1933, uebernahm den Rechtsschutz sowie den notwendig gewordenen Kampf gegen den Antisemitismus die “DAIA” (“Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas”), fein Dachverband, in den die meisten Vereinigungen ihre Delegierten entsandt haben, zwar lanegst nicht demokratischen Anschauungen hinsich 11 i c h Wahlrecht und Vertretung angepasst, doch immerhin eine Repraesentanz der argentinischen Judenheit, an deren Spitze heute der bedeutende juedische Arzt; Prof. Dr. Dubrowski steht. Buenos Aires besitzt nun weiterhin eine Fuelle von Synagogenvereinigungen, Organisationen fuer spezielle Aufgaben —Verein “Esra”, der ein grosses Krankenhaus unterhaelt—, Wohlfahrseihrichtun-; gen aller Art wie “Juedische Volkskueche”, Waisenheime, Altersheime!, etc. Der Verein “Gran Templo Paso” nennt die zweite grosse-orgelfreie. Synagoge im Zentrum der Stadt sein eigen, und es fehlt nicht an entsprechenden Institutionen der sefardischen Juden,an deren Hauptsynagoge seit einiger Zeit der aus Israel hierhergekommene Oberrab. Dr. Amram Blum amtiert, der auch ein von ihm sehr ausgebautes hebraeisches Lyzeum leitet. Die vor Jahrzehnten geschaffene “Chewrah Kadischah” (sie besitzt 2 Friedhoefe), welche im Laufe der Jahrzehnte eine Reihe von Aufgaben ueber. nehmen musste, die ueber den urspruenglichen Rahmen hinausgingen, wie Schulwesen, soziale Fuersorge etc., hat vor einiger Zeit den Entschluss gefasst, sich allmaehlich zu einer “Gesamtkehillah” zu entwickeln. Mit ihren Einrichtungen und der groesste Mitgliederzahl aller juedischen Organisationen des Landes —ca. 40.000— ist die ehemalige Chewra hierfuer besonders geeignet, und ihr ruehriger Praesident, Dr. Slinin, arbeitet rastlos an der Verwirklichung dieses Ideals, der Schaffung einer “Gesamtgemeinde Buenos Aires”, die dann einen Oberrabbiner berufen soll. Ob alle bestehenden Gemeinden in ihr “aufgehen”, bezw. sich voellig eingliedern oder mit ihr zusammen nur einen gewissen “Landesverband” oder “Gemeindebund” bilden werden. ist noch nicht zu uebersehen. Ein wuerdiges, den heutigen Aufgaben angepasstes, Gemeindegebaeude besteht jedenfalls, und immer mehr uebernimmt die “Chewrah” Gemeindeaufgaben, die frueher im kleinen oder garnicht ausgefuehrt worden sind. Auch muss in diesem Zusammenhänge erwaehnt werden, dass die zionistische Bewegung noch nicht, wie z. B. einmal in Deutschland, einen “Landeiverband” besitzt, sonder in einer ganzen Anzahl von Gruppen, nach Parteien oder Herkunftslaendern der Mitglieder zusammengesetzt, aufgeteilt ist. Die, rund gerechnet, etwa 10% “deutscher” Juden, also aus Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei, sind zu einem gewissen Prozentsatz (am staerksten wihl in der “Chewrah”) auch Mitglieder der erwaehnten Organisationen, sodass man ihnen in der Chewrah sowohl als auch in der “DALA” und in der “Congregación” Vorstandssitze einge. raeumt hat. Ausserdem haben sie aus ihren Notwendigkeiten heraus eine Reihe von Institutionen geschaffen, wie den “Hilfsverein”, der die Neueinwanderer betreut und ein modernes Altersheim, sowie ein Kinderheim unterhaelt. Ferner, schon 1937, die “I.K.G.” (“Juedische Kultur gemeinschaft”), die gewisse Gemeindefunktionen (Feiertagsgottesdienste, Unterricht, Wohl, fahrt) ausuebt, ferner juedische Kulturarbeit leistet und Geselligkeit (Wochenendplaetze) pflegt. In dem grossen Stadtteil Belgrano, in welchem etwa 35 bis 40% aller deutschsprechenden Juden wohnen duerften, bildeten sich in jenen Jahren 1936 bis 39 drei Gemeinden, eine streng orthodoxe “Achduss Jisroel” (Rabb. Dr. Klein .einst “Adass”, Berlin), eine gemaesj sigt konservative (Rabbiner I Harf) “Nueva Comunidad Israelita”, und eine liberale “Leo Baeck-Synagoge” (Rabb. Dr. Steinthal, einst Muenster).. Doch alle drei Gemeinden sowie die erwaehnte I.K.G. zusammen (oftmals gehoeren Mitglieder mehreren Organisationen an) haben bis heute nur einen gewissen Teil unserer Menschen erfasst; ein grosser Teil gehoert keiner juedischen Vereinigung an, was auch auf den ostjuedischen Sektor zutrifft. Ferner gehoeren noch zum deutschsprechenden Sektor die zionistische “Theodor Herzl Gesellschaft”, welcher ein bedeutender Teil der deutschen Zionisten angehoert, der national juedische Kultur— und Sportverein “Bar Kochba”, sowie die deutschsprachige “Wizo”. In der “Einheitscampagne fuer Israel” arbeiten jedoch alle Organisationen zusammen, waehrend sonst ein Zusammenschluss bisher nicht zu erreichen war. Groessere Gemeinden gibt es noch in Rosario (ca. 25.000) in Córdoba (ca. 15.000), in Mendoza und Santa Fe. Deutschsprachige Juden sind dort jedoch nur in kleiner Anzahl vorhanden. Auf den ICA- Kolonien duerften etwa 30.000 Juden leben. "HERRLICHE ZEITEN" In Deutschland laeuft ein von dem bekannten Filmschauspieler Willy Fritsch produzierter Film mit dem Titel: “Herrliche Zeiten”. Fritsch, der in den letzten 17 Jahren eine erstaunliche Entwicklung zum reifen Kuenstler durchgemacht hat, fuehrt in diesem Film die “herrlichen Zeiten” vor, die von Wilhelm II. versprochen wurden, unter ihm begannen und mit Hitler vorerst endigten. An Hand von Schnitten aus Originalfilmen der letzten 50 Jahre, in denen u. a. Wilhelm II., Hindenburg, Ludendorff, Roosevelt, Ebert, Rathenau, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Stresemann und dann Hitler und Goebbels erscheinen, schildert Fritsch die Erlebnisse eines deutschen Spiessbuergers, der seinen Glauben an die “herrlichen Zeiten” im Laufe der Zeit verliert. Ausser den politischen Groessen erscheinen auch in alten Filmszenen Harald Lloyd, die fruehe Greta Garbo, Charlie Chaplin u. a. noch einmal fuer einen Augenblick und rufen Erinnerungen wach. Der Film erhaelt sein Gepraege durch einen von Willy Fritsch und Hans Albers gesprochenen Kom m e n t a r, dessen bissige, wenn auch ver. staendliche Ironie vielleicht zum ersten Male versucht, einem so breiten Publikum wie es das Filmpublikum ist, einen kleinen kritischen Bericht ueber die juengste Vergangenheit zu geben. Hitler erscheint einige Male in unsaeglich laecherlich wirkenden Blickwinkeln. Allerdings muss man fuerchten, dass in manchen Zuschauern die Bilder der SA.Maersche auch recht wehmuetige Erinnerungen hervorgerufen haben. Im grossen und ganzen aber laesst sich sagen, dass dieser Versuch im heutigen Deutschland nur mutig genannt werden kann. Leider sind derartige Zeugnisse einmalig festgelegter Gesinnung in der neuen deutschen Kunstwelt noch viel zu selten. (“M. B”)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.