Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1950)
- Date
- 1950-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 7 DAS FEST DER LICHTER (Aus Rabb. Dr. Manfred Swarsensky: “Das Juedische Jahr”) Chanukka .ist kein Hauptfeiertag. Werkarbeit ist an ihm nicht verboten. Nur in der Zeit, in der die Chanukkalichter brennen, soll man profane Beschaef tigung unterlassen. Beim Schein der Kerzen kann, ja es soll in dem geschichtsbewussten Juden die Fuelle der Gedanken lebendig werden, die dem Chanukkafest zugrunde liegt. Denn Chanukka schlaegt Jahr fuer Jahr ein Thema an, das jeder juedischen Generation neu zu durchdenken und zu durchleben aufgegeben ist, das grosse Kapitel: Assimilation. Worum ging es damals in den Jahren 168-165 v., in denen die Makkabaeerkaempfe tobten? Der Hellenismus, diese antike “Aufklaerung”, die aus Elementen der hellenischorientalischen Kultur zusammengewachsen war, ueberschwemmte und zersetzte in jenen Jahrhunderten alle eigenstaendigen Kulturen des Vorderen Orients. Nur an einer Stelle wurde diesen Fluten ein Damm entgegengesetzt, als er mit politischen Gewaltmitteln sich anschickte, die Eigenart des juedischen Volkes zu zer. stoeren. In dem kleinen Judaea, das von Esras Zeiten an dem Ideal des Gottesstaates, der Theo— bzw. Nomokratie zustrebte, dessen Staatsverfassung die Tora und dessen Fuehrer der Hohepriester war, stiess der Hellenismus auf Widerstand. Der Kampf, der unter dem Syrerkoenig Antiochus Epiphanes entbrannte, der das Heiligtum durch die Aufstellung eines Zeusbildes entweihte, das Volk zum Abfall von seiner Religion zwang, so dass in der Stunde hoechster Gefahr die heldenhaften Makkabaeer, der Priester Ma. tatias und seine fuenf Soehne, auf den Plan traten und das Volk zu einem Kampf bis zum Aeussersten aufriefen, dieser Kampf war weder ein reiner Kulturkampf noch ausschliesslich ein politischer Machtkampf, sondern ein “heiliger Krieg” fuer die Erhaltung der Besonderheit des juedischen Volkes und seiner Kultur, die auf der Einheit von Religion und Volkstum aufgebaut ist. Es ging um das Erbe Esras, das die Mehrzahl des Volkes, die man damals Chassidaer nannte, fortsetzen wollte, waehrend die “Assimilanten” jener Zeit, die Hellenisten, von dem aeusseren Glanz der griechischen Lebensart geblendet, nach den Worten der Makkabaeerbuecher, die zu den ausserbiblisehen Schriften, den Apokryfen, ge. hoeren, dem Grundsätze aller falschen Assimilation huldigten: “Lasst uns doch mit den Voelkern ringsum einswerden, denn seitdem wir uns von ihnen abgesondert haben, hat uns viel Unglueck betroffen”. (I. B. Makk. I, II.) Haetten die Makkabaer mit ihrer kleinen Schar nicht heldenmaessig fuer ihr Volk gekaempft und gesiegt in dem felsenfesten Vertrauen, dass Gott nie bei den starken Bataillonen ist, sondern auch bei den Wenigen, die das Recht und die Idee auf ihrer Seite haben, die juedische Geschichte, ja vielleicht das sich aus ihr herleitende Stueck der Weltgeschichte haette ein anderes Gesicht bekommen. Der 25. Kislew 165 v., an dem der Tempel nach drei Jahren wieder geweiht wurde, bleibt eines der markantesten Daten unserer Geschichte, Chanukka, das Weihefest, ein leuchtendes Symbol dafuer, dass es wie ueberall in der Welt auch in unserer Geschichte eine doppelte Art der Assimilation gibt. Neben der gesunden aufbauenden Assimilation, ohne die keine Kultur, kein Leben, am wenigsten juedisches Leben, moeglich ist, weil Wertvolles aus fremden Bezirken assimiliert wird, steht die zerstoerende, die die eigenen Worte fuer andere eintauscht und verschenkt. So ist nicht allein ein sprachlicher, sondern ein sachlicher Unterschied, ob man sagt: ich assimiliere mir oder mich. Die Aufgabe jedes juedischen Geschlechtes ist es, die rechte Grenze zwischen aufbauender und destruktiver Assimilation zu finden. Hierin liegt der ewige Kampf des Judentums um seine Existenz in der Welt beschlossen. ■ssi gfBSgp® fl|te ■ÜH Sifts ÉK fäggPI 8ljS§ ... •••.•■&«/ " '*>' - ..... j sum gasa «ms atm mm «i®® Nicht nur in den Wohnungen und Synagogen gluehen die Chanukka-Lichter auf: auch in der freien Natur feiert das Verteidigungsheer Israels das Fest der Makkabaeer und die Stahlhelme werden zu Leuchtern. Wird die Gefahr der zentrifugalen Kraefte zu gross, so treten heilend die zentripetalen Kraefte hervor. Die Zeit der Assimilation wird durch eine der Dissimilation abgeloest. Das ewige juedische Gesetz der “Auslese” wird sichtbar. Duerre Zweige fielen in allen Jahrhunderten vom Baum des Judentums ab, aber der Stamm gruente auch ohne sie nur um so frischer. Stets in der Polaritaet von Treue und Abfall stehend, hat das Judentum immer gelebt von dem “Rest, der zurueckkehrt”. So hat Chanukka dem Ju-, den den Glauben an die Mas-1 se und die Macht zerstoert, ihn im Gegenteil an die Kraft der Wenigen und die Macht des Geistes glauben gelehrt, i Juda Makkabis Wort ist darum zur juedischen Glaubens-1 gewiSsheit geworden: “Es ist wohl moeglich, dass Viele in 1 die Haende Weniger gegeben werden; fuer den Himmel macht es keinen Unterschied, durch Viele oder Wenige Hilfe zu schaffen. Denn der Siegl beruht nie auf der Groesse des Heeres, sondern vom Hirnj melt kommt die Kraft.” (I. B. Makk. III, 18-19.). Wenn darum der Talmud vom Chanukkafest allein das “Wunder des Oeikruegieins” erzaehit, das noch als Rest im Tempel gefunden wurde und trotz seines geringen Inhalts doch fuer alle acht Chanukkatage gereicht hat, so ist nach den Worten eines nichtjuedischen Gelehrten Israel, das kleine Volk, das jahrtausendelang die Wahrheit seiner Religion getragen und verbreitet hat, selbst das wunderbare Oelkrueglein in der Welt, dessen Kraft nie versiegt. DAS ANZUEND EN DER LICHTER ■■ «SääSSSS* . .! Chanukkah ist eins der wenigen brauchlosen Feste; es hat vielmehr einen geschichtlich-nationalen Charakter, zu dem die religioese Phantasie nur wenig hinzugetan hat. Der Anlass der Chanukkafestes — obschon es sich um einen Sieg der Juden handelt — ist auch gar nicht dazu angetan, diese Tage religioes besonders auszuschmuecken. Die Wahl der Haftarah am Schabbat Chanukkah, in der die grosse Absage des Propheten Secharja gegen die Gewalt verkuendet wird, zeigt deutlich, wie gemischt die Siegesgefuehle sind, mit denen die Juden den Makkabaeer-Ereignissen gegenueberstanden. Immerhin empfinden wir das Lichteranzuenden zumindest als eine Art religioeser Handlung, und es herrscht vielfach keine klare Vorstellung darueber, in welcher Reihenfolge dieses Anzuenden zu geschehen hat. Bereits im Talmud (im Traktat Schabbat, Fol. 21 b) gibt es eine Diskussion hierueber, die im Anschluss an eine Diskussion ueber das Anzuenden des Schabbatlichtes entstanden ist. Es wird von Interesse sein, diese Talmudstelle einmal im Wortlaut kennenzulernen: “Die Rabbanan lehren: Ein Licht der Chanukkahlampe fuer einen und seine ganze Familie; die Pflichtbeflissenen brennen ein Licht fuer jede Person; die hervorragend Pflichtbeflissenen brennen, wie die Schule Schammajs sagt, am ersten Tage acht Lichter und an den folgenden Tagen je eines weniger, und wie die Schule Hillels sagt, am ersten Tage ein Licht und an den folgenden Tagen je eines mehr. Ula sagte: Hierueber streiten im Westen zwei Amoraim: R. Jose b. Abin und R. Jose b. Zebida. Einer sagt, der Grund der Schule Schammajs sei: entsnrechend den folgenden Tagen, und der Grund der Schule Hillels sei: entsprechend den verstrichenen Tagen; der andere sagt, der Grund der Schule Schammajs sei: gleich den Farren am Huettenfeste, und der Grund der Schule Hillels sei: beim Heiligen erfolge es aufsteigend und nicht absteigend... “Die Rabbanan lehren: Es ist Gebot, die Chanukkahlampe draussen vor die Tuer hinzustellen; wer in einem Obergeschosse wohnt, stelle sie vor das Fenster hin, das nach der Strasse liegt. Zur Zeit der Gefahr stelle man sie auf den Tisch, und dies genuegt. Raba sagte: Jedoch muss man noch eine zweite Lampe haben, um sich ihres Lichtes zu bedienen; ist aber im Zimmer eine Flamme vorhanden, so ist dies nicht noetig. Fuer einen angesehenen Mann aber ist eine zweite Lampe erforderlich, auch wenn eine Flamme vorhanden ist”. (Uebersetzt von Lazarus Goldschmidt, Juedischer Verlag, Berlin). Es ist noch hinzuzufuegen, dass, wie stets in den Entscheidungen (der Talmud gibt ja niemals Entscheidungen, sondern nur Eroerterungen) die Halacha nach der Schule Hillel geht, so dass also richtig die Lichter in aufsteigender Zahl, mit dem ersten Licht beginnend, angezuendet werden. Die Forderung, den Chanukkahleuchter sichtbar fuer die Umwelt ans Fenster zu stellen, ist ein Ausdruck nationaler Solidaritaet; das ganze juedische Volk soll auf diese Weise seine Verbundenheit mit seiner grossen geschichtlichen Vergangenheit dokumentieren. Deutlich wird diese Forderung, wenn man sich eine geschlossen^ uedische Siedlung, sei es im alten Babylonien, sei es in Laendern des Ostens, vorstellt, wo ganze Strassenzuege des “Staedtels” von diesem acht Tage hindurch zunehmenden Lichterglanz erstrahlen. In einer Grosstadt, wo Juden nur vereinzelt wohnen, bleibt von einer solchen Demonstration natuerlich nichts mehr uebrig. In Erez Israel dagegen ist das Anzuenden der Lichter eine oeffentliche Feier, und es gibt allenthalben moderne Menoroth neuer Art, die von hohen Plaetzen und Tuermen die ganze juedische Siedlung ueberstrahlen. (“Juedische Rundschau”, 1936)