Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1950)
- Date
- 1950-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 BOLETIN INFORMATIVO REPRAESENTAHTEN JUEDISCHEN GEISTES (Dem Andenken von Caesar Seligman und Max Wiener) In einer seiner Schriften sagt Leo Baeck, dieser wohl hervorragendste Kopf unter den deutschen Rabbinern der letzten Jahrzehnte, dass “die Gefahr des Liberalismus ist, dass er sich mit dem Allgemeinen und Ideellen zufrieden gibt und sich des Einzelnen, des Gebotes, er, '¡hoben meint, sodass er dann eine Religion und Konfession und nicht eine Religiositaet, ein religioeses Leben ist”. Diese Gefahren zu bekaempfen, einen wirklich juedisch-religioesen Liberalismus zu verwirklichen, diesem Ideal haben die beiden Maenner treu gedient, denen hier in knappen Umrissen eine Wuerdigung ihrer Lebensleistung gewidmet sein soll. Ein patriarchalisches Alter hatte Caesar Seligman erreicht, als er am 3. Juni mit 90 Jahren dahinging; fast 4 Jahrzehnte wirkte er als Rabbiner der Hauptgemeinde zu Franfurt a.M., von den einen ausserordentlich verehrt, von den anderen, den Streng-Gesetzestreuen, oftmals1 heftig bekaempft, aber von allen doch als bedeutender Gelehrter, als Perstoenlichkeit eigener Art, anerkannt. Vorher hatte er in Hamburg gewirkt, und so ist er den weitesten Kreisen der Judenheit Deutschlands bekanntgewesen als einer der hervorragendsten Rabbiner, Kanzelredner, der liberalen Richtung. Jahrelang stand Seligmann an der Spitze der “Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands”, die zuvor von Maennem wie Bloch (Posen) und Vogelstein (Stettin) geleitet worden war. Er war unter denen, die sich darueber Rechnung gaben, dass die Zustaende im liberalen Lager zu Anfang dieses Jahrhunderts unhaltbar waren, dass “Liberalismus” zum Losungsworte fuer so Viele wuerde, die sich von allen juedischen Verpflichtungen gegenueber der Gemeinschaft sowohl als auch gegenueber den Forderungen der juedischen Lehre und ihrer Tradition, loszureissen wuenschten. So wurde Dr. Seligmann einer der Mitschoep. fer jener “Richtlinien fuer liberales Judentum”, die im Jahre 1912 von fast allen Rabbinern liberaler Richtung unterschrieben worden sind, und durch diiei wersuchii werden sollte, eine Norm aufzustellen, die vom religioesen Juden, der nicht mehr im orthodoxen Sinne leben wollte, als Basis fuer seine juedische Haltung akzeptiert werden koennte. Diese “Richtlinien” haben bekanntlich versagt, weil das grosse Publikum keine Notiz von ihnen nahm, weil, bei aller guten geistigen Fundierung, sich hier die positivdenkenden Rabbiner und die negativ - reagierenden Laieni kreise gegenueberstanden, oh-! ne zueinander finden zu koennen. Nur Basis zur Weiterarbeit sollten die “Richtlinien” sein, aber auch dies wurden, sie nicht; sie waren ein Schlag ins Wasser und verfielen der Vergessenheit! Fuer Seligmann war aber jene Lebensepoche wichtig; es war die Zeit seiner grossartigsten Gedankenarbeit, und er bewies, was fuer schoepferische Kraefte im religioesen Liberalismus vorhanden waren. Diese Entwicklung kann hier nicht weiter verfolgt werden, aber es muss diesem Manne, der zeitweise, was gottesdienstliche Reformen anging, sicherlich zuweit gegangen war, ein hohes und ehrliches Wollen zuerkannt werden! In seinen zahlreichen Schriften hat Caesar Seiigmann zu den wesentlichen Problemen des Judentums Stellung genommen. Ihm war stets klar, dass das liberale Judentum keineswegs die Gemeinschaft und die Gemeinde entbehren kann, wie viele angeblich “Liberale” es glaubten. Und so hat er auf aen grossen “Weltkonferenzen des liberalen Judentums”, seit 1926, in diesem Sinne gewirkt. Sein starkes juedisches Gefuehl, sein historisches Bewusstsein, brachten ihn niemals in eine gegnerische Haltung gegenueber dem Zionismus, wie manche seiner liberalen Kollegen. Vielleicht haben ihn auch darum die Geschehnisse des Jahres 1933 nicht sehr ueberrascht, und der 79-Jaehrige, der ins (Exil nach England ging, sah die Dinge im Lichte der juedischen Geschichte. Stand Seligmann noch unter dem Einfluss des liberalen Denkens um die Jahrhundertwende, so ist der wenige Wochen nach ihm, allzu frueh! heimgegangene Rabb. Dr. Wie- | ner ganz ein juedischer Den- : ker unserer Epoche gewesen.! Gewiss ein liberaler Rabbiner 1 in den religioesen Grundauf-! fassungen, doch mit einer | starken Hinneigung zum Kon- | servatiyen in dem Sinne, dass er eine groessere Beachtung I der traditionellen Formen ver- ' langte, i°de Art von Radika- | lismus verwarf! Kein Kanzel- 'iredner wie Seligmahn, dazu | fehlte inm das Pathos und die l Schoenheit des sprachlichen Ausdruckes, doch ein Meister ' als Dozent, auf' dem Kathe. I der! Eine ganze juengere Rabbinergeneration hat bei Wiej ner auf der “Hochschule fuer I die Wissenschaft des Judeni tums” zu Berlin einen Begriff 1 von dem erhalten, was “Jue. | dische ReligionsphilosoDhie” bedeutet. Und sein Werk, | “Juedische Religion im Zeital- I ter der Emanzipation” sollte I sein Andenken in allen Kreisen festhalten! ERINNERT IHR EUCH wie hoch Ihr die Beduerfnisse des Jischuw veranschlagtet, als es sich darum handelte, ein paar zehntausende Einwanderer zu bringen und sie auf tausend oder zweitausend Dunam anzusiedeln? Dann werdet Ihr auch verstehen, wie gross die Not jetzt ist, wo der Zweck, nein, die Verpflichtung darin besteht, die Einwanderer zu hunderttausenden zu bringen und sie auf zehntausenden von Dunams anzusiedeln, in neuen Staedten und Doerfern, da man Kolonien und Fabriken fuer sie errichten muss und zur gleichen Zeit das Staatsgebaeude auf der Grundlage ihrer Produktivitaet aufbauen. Aber obwohl die Not verzweifelter ist denn je, hat die Hilfe nachgelassen. Die Freiheit konnte erobert werden durch Freiwilligen-Korps, welche die feindlichen Kanonen herausforderten. Jedoch der taegliche Lebensunterhalt erfordert mehr als nur guten Willen. Er erfordert Haeuser, Wege, Eisenbahnen, Maschipen, Werkzeuge, Kaeufer und Verkaeufer. Denkt daran, dass das taegliche Leben eines freien Volkes wohl nie so dramatisch ist wie der Kampf um die Freiheit, aber viel mehr kostet! (Aus dem Offenen Brief des nicht juedischen Chefredakteurs der “Jerusalem Post”, David Courtney, an die Amerikanischen Zionisten). ACCION UNIDA 1950 Max Wiener gehoerte zu Denen, die im Jahre 1929 die Mitarbeit der deutschem Juri e n am Palaestinaaufbau durch die damals erweiterte “Jewish Agency” verlangten. Bald darauf ging er ganz zur zionistischen Bewegung ueber, der er auch in seinen letzten Lebensjahren, in New York, seine Kraft widmete. Auf den liberalen Konferenzen, lange vor 1933, ist er mit Baeck, Ellbogen u. a. fuer Erez Israel eingetreten und stellte sich damals haeufig in den schon erwaehnten Gegensatz zu liberalen Rabbinern und Laien. Tief beklagenswert ist, dass dieser Mann, der 14 Jahre hindurch in Stettin und etwa 12 Jahre an der Berliner Gemeinde gewirkt hatte, dessen wissenschaftliche Bedeutung in Fachkreisen sehr hochgeschaetzt wurde,damals, als er vor 11 Jahren hach Amerika gekommen war, keinen geeigneten Wirkungskreis finden konnte und sich, in gewissem Sinne, verzetteln musste. Er ist nur 67 Jahre alt geworden, und nicht Viele haben um seine Gelehrsamkeit gewusst, auch nicht um seine grosse Liebe zu Erez Israel, das er 1926 bereist hatte. Seligmann und Wiener, ein jeder in seiner besonderen Weise, gehoerten zu den besten Repraesentanten juedischen Geistes und eines religioesen Liberalismus, der es ernst, bitter ernst, meinte mit HOERT DIE SENDUNG Von Buechem... (Von Seite 9) aber nicht unerwaehnt lassen,rechtler Wilhelm Grewe uedass Karl Jaspers mit Alfred ber Verfassungswesen in un- Weber und Dolf Sternberger j serer Zeit, dem Theologen auch als Herausgeber der in Leopold Ziegler, Beitraege von Heidelberg bei Lampert1 Annette Kolb, Gottfried Schneider erscheinenden Mo. B e n n, Katharina Langen, natsschrift “Die Wandlung” ( Stefan Andres, Rudolf Kasszeichnet. Hier kommen von; ner, Denis de Rougemont durchaus hoher Warte aus die1 (ueber T. E. Lawrence verschiedensten Persoenlich-1 und Saint-Exupery, keiten und Themen zum Aus-; finden. Ebenfalls schon im druck. In dieser schon ueber, m. Jahrgang erscheint in 3 Jahre bestehenden Zeit-1 der “Nymphenburger Verlagsschrift wurde z. B. auch der | handlung”, Muenchen, eine literarische Nachlass von Rij Zweimonatsschrift “Deutsche carda Huch veroeffentlicht. | Beitraege”, von der wir nur! Heft 1, 1949 kennen, das fast Die “Deutsche Verlags.An. ausschliesslich dem Andenken stalt”, Stuttgart und Badendes vor 20 Jahren verstorbe- Baden gibt ebenfalls schon im I nen Hugo von Hofmannsthal Irî' . Jahrgang' eine Monats-1 gewidmet ist. In dieser Numschrift unter dem Titel Merj mer fand uebrigens auch ein kur , Deutsche Zeitschrift etwas sehr christlich gesehefuer europaeisches Denken | ner a p e r beachtenswerter heraus, in der wir in den bei-1 Aufsatz des grossen russiden uns vorliegenden Num. schen Denkers Leo Schestow mern u. a. Aufsaetze und Abhandlungen von Ernst Robert Curtius ueber Ortega y Gasset, dem Freiburger Voelkerdem, was er anstrebte, wenn er auch Irrtuemern unterworfen war wie jedes menschliche Ringen um die Verwirklichung eines grossen Gedankens! Curt Wilk ueber “Martin Buber” Aufnahme. Nebenbei: als Mitherausgeber dieser Zeitschrift wird der oben erwaehnte Ernst Penzoldt genannt. — Und wer noch mehr wissen will, ich kann das allerdings nur berichten, ich habe sie nicht gesehen: seit April 1949 erscheinen auch wieder die Westermannschen Monatshefte. (“M. B.”) H E HÖR SONNTAGS VON 12.30 - 13.45 UND FREITAGS VON 21.30 - 22 h. AUF WELLE CB. 130, RADIO AMERICANA MUSIK - NACHRICHTEN - KOMMENTARE Anfragen fuer Propaganda: HUERFANOS 757, Of. 214, TEL. 31920 — SANTIAGO REA