Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 9 (Edicion Especial)
- Date
- 1950-09-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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35 BUNTER ABEND "ALLOTRIA" Zu Gunsten des Kinder, heims veranstaltete die Liga de Damas am 12. August im Teatro Marconi einen “Bunten Abend”, der offensichtlich ausverkauft war, und dessen finanzielles Ergebnis deshalb befriedigend gewesen sein duerfte. Das zahlreich erschienene Publikum kam voll auf seine Kosten, und wurde mehrere Stunden in der abwechslungsreichsten Weise unterhalten, denn eine ganze Reihe von Kuenstlern, hatten ihre Mitwirkung zur Verfuegung gestellt. Eingeleitet wurden die Darbietungen durch das Schifferklavier- Trio, bestehend aus den Herren Heinz Britzmann, Helmut Herzfeld und Walter Wolff, die vorzueglich zusammen spielten und ihre Musikalitaet speziell beim Improvisieren unter Beweis stellten. Herrn Herzfeld bot sich spaeter noch verschiedentlich Gelegenheit, s e i in aussergewoehnlich musikalisches Einfuehlungsvermoegen zu zeigen. Franz Jolesch brachte in Erinnerung an Fritz Gruenbaum eins seiner humoristischen Gedichte zum Vortrag, ein Lob der haesslichen Frau, dessen Pointen mit Beifall quittiert wurden. Fuer den ernst-kuenstlerischen Teil hatte man Ruth Weissenberg- Hennig gewonnen, die, vorzueglich von Lisa Goldschmidt - Hirsch begleitet, klassische Lieder sang, und durch den verdienten Applaus zu einer Zugabe genoetigt wurde. Eine Ueberraschung bildete die erstmalig in unserem Kreise aufretende junge Taenzerin Gabriele, eine Uthoff-Schuelerin, die in ihrem “Danza de la Jungla” gute Technik und Gliederbeherrschung, und starken künstlerischen Ausdruck bewies. Man kann ihr bestimmt eine Zukunft prophezeien. Else Baerwald brachte ein selbstgedichtetes Couplet a la Claire Waldoff zum Vortrag, betitelt: Berlin in Chile, das stuermische Heiterkeit erweckte, nicht nur wegen der anzuegiichen Pointen, sondern auch durch die Art ihres Vortrages. Eine Imitation Al J oisons bot uns Eugen Fresco, in Maske und Vortrag voellig stilecht, und fand mit diesen Nigger-Songs grossen, berechtigten Beifall. Auch Erna Lorenz steht zum ersten Male vor dem hiesigen Publikum. Sie ist Berufskuenstlerin mit langjaehriger Praxis an den verschiedensten, deuts c h e n Theatern, wo sie fast immer zu den Stars des Ensembles gehoerte. Kein Wunder, dass ihre Vortraege wirklich ein “Knalleffekt” waren. Wir koennen sehr zufrieden sein, eine solche Kraft fuer kuenftige Faelle zur Verfuegung zu haben. Der bunte Reigen der Darbietungen wurde durch die gewandte und witzige Conference von José Stern zusammengehalten, der auch in einer eigenen Nummer sein Koennen zeigte. Zugegeben, dass die Witze nicht gerade alle neu waren, aber wie will man einem juedischen Publikum neue Witze erzaehlen? Schon “Moritzchen” antwortet auf die Frage: was ist ein Witz?: “Was der Goi nicht versteht, und der Jud immer schon kennt!” Den zweiten Teil des-Programms bildete ein Einakter “Auf der Neckenburg” von Rudolf Pick. Wenn man die Stuecke, die uns die “Liga de Damas” in letzter Zeit bot, vom Dr. Praetorius ueber Marguerite bis zur Neckenburg verfolgte, so kann man BOLETIN INFORMATIVO Win testest, leider keine Qualitaetsverbesserung konstatieren. Praetorius, eine inhaltlich gute, gekonnte Komoedie; Marguerite, inhaltlich belanglos, aber von einem Koenner geschrieben; die “Neckenburg” aber eine derbe Posse, die mit groebsten Mitteln arbeitet. Kommt hinzu, dass alle Effekte aus ein und derselben Quelle stammen, indem naemlich juedische Selbstironie satirisch mit hohler Ritterromantik gekoppelt wird. Zweifellos’ werden damit zwerchfellerschuetternde Wirkungen erreicht, vor allem im ersten Teil, der viel besser ist, als der zweite, wodurch das Stueck auch gegen Ende mehr und mehr abfaellt. Aber gerade weil die Effekte stets auf dieselbe Ursache zurueckgehen, entstehen Laengen, denen man durch besonderes Tempo im Spiel entgegenarbeiten muesste. Statt dessen, und dies war ein grundsaetalicher Fehler, wurde “geschleppt”. Ein besonders praegnantes Beispiel dafuer der Monolog des Schadchen. Er begann ausgezeichnet, und man hoerte eine, Weile mit Vergnuegen die witzigen Ausfuehrungen. Aber dadurch, dass er sich zu einer veritablen Solonummer auswuchs, ohne Zusammenhang mit dem Stueck, brachte sich der Monolog nicht nur um ein gut Teil seiner Wirkung, sondern er riss auch das Stueck auseinander, brachte die Handlung ins Stocken, kurz, wirkte schleppend. Hier fehlte der Rotstift des Regisseurs. Der zweite grundsaetzliche Fehler: der Jargon. Nichts gegen ihn als solchen. Er ist notwendig in dem Stueck und eine Posse vertraegt dickes Aufträgen. Aber: der eine sprach fast jiddisch, der andere mauschelte, der dritte juedelte, kurz jeder tat, was ihm am besten lag, ohne Ruecksicht auf die Einheitlichkeit. Ich weiss, dass in jedem von Dilettanten gespielten, Stueck gewisse Fehler unvermeidlich sind, dass z.B. Pointen stets betont gebracht werden, weil die Sprachtechnik fehlt, sie wie ein Berufsschauspieler scheinbar absichtslos “fallen ALMANACH DIPLOMATIQUE Vor uns liegt die “Premiere Edition” 1949|50 des “Almanach Diplomatique”, publié par “The National Edition” und zusammengestellt von den “Rédacteurs” Rolf R. Wittenberg und Adln Theilhaber. Eine neue Bestaetigung, dass franzoesisch in Israel die Kategorie der internationalen Sprache z u e rkannt bekommen hat. Eine Bestaetigung ausserdem fuer viele andere Sachen: dass man sehr geschmackvoll zu drucken versteht, auf “papier couchée”; oder dass man stolz darauf ist, 132 Seiten -mit den verschiedensten Hoheitsattributen des Staates fuellen zu koennen, angefangen m i t “Fondation de l’Etat” und “Déclaration de ITndependance” ueber “Le Corps Diplomatique et Consulaire en Israel” oder “Le Corps etc. d’Israël en Etranger” bis zur Organisation, Wohnsitz, Namen der “Présidence, Chambre des Députés, Gouvernements” und zu den “Municipalités”; und schliesslich und endlich, dass man weiss, was sich schickt. Unter “Ministère des Affaires Etrangères”, das in Ha’ Kirya, Rue Gimmel liegt, finden wir an 12. Stelle einen alten Bekannten : M. A. Drapkin, directeur de la division pour l’Amérique Latine. Und unter “Changements durant de l’Impression” : “Légation Santiago du Chili: S. E. Jacob TZUR, Envoyé Extraordinaire et Ministre Plénipotentiaire â Santiago (nommé).” Abgesehen von dem praktischen Wert, den das Buechlein zweifellos innehat, duerfte es eine erbauliche Lektuere fuer die habituellen Leser (oder Leserinnen) der Spalten- “Vida Social” darstellen. Oder ist es vielleicht nicht interessant, dass die Gemahlin S. E. des Franzoesischen Botschafters Mme. Arlette Guyon heisst? Oder die des Ru. maenischen, Mme. Florence Cioroiu und dass in Klammern dahinter steht “absente”?! Warum wohl?,. DIE ANSTOESSIGE ADLERNASE Ein Genrebild aus dem Valdivia dér Vorkriegszeit. In der ausgezeichneten Zeitschrift “Babel” (Heft N.o 54) veroeffentlicht der Traeger des Chilenischen Literaturpreises fuer das Jahr 1950 González Vera Jugenderinnerungen unter dem Titel “Cronista de Diario”. Er berichtet sehr amuesant ueber das Leben m Valdivia. Er erzaehlt von den dort lebenden Deutschen und schliesst seine Schilderung mit der nachfolgenden Episode. Wir brauchen unsern Lesern, die ja eine gute Schule auf diesem Gebiet mitge. macht haben, sicherlich nicht zu erlaeutern, was der Verfasser mit der “nariz aguileña” (Adlernase) gemeint hat. “En la víspera de la segunda guerra, un alemán casado con española tenía de pensionista apotro alemán de nariz aguileña, que le pagaba bien y era su amigo. Le ordenaron echarle. Titubeó un poco, pero triunfó en él el espíritu de obediencia, y, tímidamente, pidió a su amigo que se fuera. Luego le prohibieron saludarle. Cedió a la orden. Más tarde, esto por decisión propia, puso su reloj por la hora de Berlín, para estar más dentro del corazón de la patria. Tenía incontables dificultades para concordarla con la hora chilena. Se le prohibió también oir radios extranjeras. Cuando su mujer la hacía sonar, el pelma íbase a su cuarto por amor al Fuehrer. Por último, tuvo que renunciar a la masonería, cuyas ceremonias conmovían su corazón. ¡ Qué destino el de este pueblo tan apto para la creación y la técnica, que siempre se deja sojuzgar por dementes de buena o mala familia, que no confía en la inteligencia, sino en la guerra, aunque en ésta sea proverbial que caiga vencido!” Die abgeklaerte.Einfuehlung des Verfasser von “Far vus, señor Crenovich?” kann uns nicht in Erstaunen setzen. Sie zeigt auch, dass wir die im Grunde philosemitische Einstellung seiner damaligen Er. zaehlung —entgegen anderen Ansichten— richtig erkannt un demgemaess gebuehrend vermerkt haben. Teil. ALTE KAMELLEN Neuerdings wird der fast zehn Jahre alte Prozess des beruehmten “Visen-Skandals” aufgewaermt werden, den das Aussenministerium im Januar 1941 aufgrund “Faelschung oeffentlicher Urkunden und anderer mit der illegalen Einwanderung von Israeliten verbundenen Vergehen” anstrengte. Der mit der Untersuchung betraute Staatsanwalt José Manuel Almarza hatte diese im August 1947 als abgeschlossen erklaert, da er einerseits mangels Beweis “keine bestimmte Person unter Anlage stellen koenne” und andererseits die “Tatsache der zu untersuchenden Vergehen als nicht genuegend bewiesen” erachtete. Die Berufungsinstanz hat in Plenum dieses Urteil widerrufen und eine neue Voruntersuchung zwecks Anstrengung des Prozesses angeordnet. Es steht zu hoffen, dass am der Beharrlichkeit der Justiz nicht etwa der Teil der antisemitischen Skandal pr e s s é profitiert, der schon immer daran interessiert war, nicht nur alte Kamellen aufzuwaermen, sondern auch unter Missachtung der wirklichen Schuldlage unsere Immigration in ein falsches und unguenstiges Licht zu setzen. K. EINE BERUHIGENDE AUSKUNFT Von Ben Gurion wird behauptet, dass er den sowj etrussischen Botschafter auf der Strasse anhaelt und ihn fragt: “Sagen Sie, Herr Jerschow, im Vertrauen: wie viel Meckerer haben sie ungefaehr in Russland?” Worauf dieser die Stirn kraus zieht, hin und her ueberlegt und schliesslich antwortet: “Na, ungefaehr eine Million!” “Ah, das ist gut”, atmet daraufhin Ben Gurion erleichtert auf: “mehr haben wir hier auch nicht!” « zu lassen”, aber die eben erwaehnten Fehler sind vermeidlich, und warum sollte man es dann nicht tun? Gespielt wurde mit viel Lust und Liebe. Franz Jolesch und Robert Asriel waren die stolzen Ritter, die sich nach wildem Kampfe endlich “ge. schaeftlich” verstaendigen, Sigismund Geminder der Burgschreiber Kafka, der, was ihm an “Reiterblut” mangelte, durch humorvolles Spiel ersetzte, Leo Schanz ein ausgezeichnet st i l e c h t e r Schadchen, der die feindlichen Gemueter zusammen. fuehrte. Erna Lorenz spielte die kleine, wenig dankbare Rolle der Rosalinde. Was sie aber sprachlich und mimisch daraus machte, zeigte ihre Klasse. Der Bericht waere unvollkommen, wenn er nicht die Mitwirkenden erwaehhte, die nicht auf der Buehne erschienen: Irene Marcus, Lilo Nathansohn, Ursula Levy, Walter Goldschmidt, und schliesslich die Damen der Liga, die sich in unermuedlicher, aufopfernder Arbeit um den Erfolg des Abends verdient machten. —S. Feine Lederwaren Kunst & * I Dekorations- Gegenstaende Paris-Santiago-Buenos Aires Wir zeigen wieder unsere Neuigkeiten in originellen Bolsiias fuer Festlichkeiten. Creaciones exclusivas de R 0 S S 7 Einzige Adresse unserer Fabrik u. Ausstellung: Alameda 402-4 u. Lira 1-3 u. 5