Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 9 (Edicion Especial)
- Date
- 1950-09-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 33 Maenner der Umwelt im Kampf fuer Israel Von Rabbiner MANFRED LUBLINER ' Jedes Volk schaetzt und ehrt seine Maenner der Tat, unabhaengig davon, ob es sich um Menschen handelt, die auf politischem, militaerischem, wissenschaftlichem oder kuenstlerischem Gebiete ausserordentliche Leistungen hervorgebracht haben. Auch das juedische Volk nimmt in dieser Hinsicht die gleiche' Haltung ein, nur mit dem einen wesentlichen Unterschied, dass sie diese Achtung und Ehrung nicht nur jenen Personen zollt, die zu seinem engeren Sprach— und Kulturkreis gehoeren, sondern dass sie diese Anerkennung auch auf jene erstreckt, die es auf Grund ihrer Handlungen verdienen, als sittliche Persoenlichkeiten gewertet zu werden. Von einigen nichtjuedischen Gestalten soll daher jetzt gesprochen werden, denen das juedische Volk ob ihrer aufrechten Gesinnung und i Sittlichen Handens einen dauernden Ehrenplatz einraeumen wird. Was diese Maenner zur Loesung der Judenfrage geleistet haben, ist umso hoeher einzuschaetzen, als es in einer Zeit geschehen ist, die sich durch Abstumpfung dfcs Gewissens und den Verfall der Persoenlichkeit charakterisiert. Als erster ist in diesem Zusammenhang der Englaender Orde Wim gate zu nennen, der leider nicht mehr unter den Lebenden weilt. Als nach dem i. Weltkrieg die Balfour. Beklaration proklamiert wurde, war es jener englische Militaer, der in der Ueberzeugung vom Recht der Juden auf ihr eigenes Heim, sich nach Palaestina begab,jm der dortigen Bevoelkerung seine Dienste zur Verfue. gung zu stellen.-Der Jischuw nahm dankbar seine Dienste in Anspruch und seine ausserordentlichen militaerischen Faehigkeiten bildeten die Veranlassung, ihm die Ausbildung der juedischen Jugend im Verteidigungskampf-zu uebertragen. Naechst Trumpeldor ist es also Wingate gewesen, der als Schoepfer der heutigen Haganah anzusprechen ist. Im neuen Staate Israel, insbesondere aber im juedischen Heer ist diese Figur gleichsam zu einer legendaeren geworden und wird in ihm fuer alle Zeiten weiterleben. Diese seine Sehoepfung, jenes mutigen und tapferen Heeres von Freiwilligen hatte seine erste grosse Feuerprobe im 2. Weltkrieg unter Beweis zu stellen, als es darum ging, die Achsenmaechte von dem afrikanischen Kontinent zu vertreiben. Welche heroische Leistung von der juedischen Jugend fuer die Alliierten vollbracht wurde, hat uns Pieter van Paassen ln seinem Buch “Der vergessene Alliierte’’ ergreifend geschildert. Van Paassen, Hollaender von Geburt, ein Nachfahre jenes Volkes das lange Zeit fuer Recht und Freiheit gekaempft hatte, stellt sich mit diesem Buch der Welt vor und klagt sie offen an,, dass sie bewusst die heldenhafte Leistung eines Volkes zu vertuschen, ja zu vergessen sucht, das in dem letzten Voelkerringen ein wahrer und aufrechter Alliierter der demokratischen Maechte gewesen ist, das unzaehllge Opfer an Gut und Blut gebracht hat, in der Erkenntnis, dass ihm nach diesem grossen Morden endlich von den Voelkern der Weit Gerechtigkeit widerfahren wuerde. Pieter van Paassen gehoert zu denen, die in dieser Welt nicht gewillt sind, “der Mehrheit zum Boesen zu folgen”. Er nimmt die sittlichen Werte ernst gegenueber der gedankenlosen Masse und er ist bereit, das Risiko des Hasses und das Ausgesetztsein fuer diese Haltung auf sich ¡zu nehmen. Dieser Nichtjude mmM Van Paassen kaempft fuer das Recht der Unterdrueckten und Verfolgten. Deshalb tritt er mit aller Entschiedenheit (Fortsetzung auf Seite 37) EINE BUCH mffik je/re*i, /fútete, In der Universitaet von Chile ist eine Ausstellung deutscher Buecher und Autographen veranstaltet worden, deren Hauptorganisator der fruehere Herausgeber der “Deutschen Blaetter”, Albert Theile war. Das verbuergte schon eine einwandfreie Auswahl. Das sogenannte nazistische “Geistesgut” von “Blut jmd Boden” wurde offenbar vollstaendig ausgesc haltet und auch nazistisch infizierte Schriftsteller waren entweder garnicht oder doch nur ganz verschwindend vertreten. Unter den Verlegern, die ausgestellt hatten, befand sich nicht nur —se-lbstverstaendlich — der Bermann •— Fischer-Verlag, sondern auch der Verlag der Schocken- Books. Demgemaess waren auch eine Reihe von bedeutenden Autoren juediseher Abi stammung, die in deutscher Sprache geschrieben haben, vertreten, wie Einstein mit seiner Mozart Biografie, Alma Mahler (Erinnerungen an Gustav Mahler), Hugo von Hofmannsthal, Martin Gumpert, Alfred Doeblin, Bruno Frank, Manfred Hausmann, Alfred Neumann, Polgar, Stefan Zweig, M. Scheler, Jakob Wassermann und andere, viele auch mit ihren Autogrammen. Einen besonders breiten Raum hatte man Kafka ein.1 geraeumt und seinem Biografen Max'Brod. Es darf bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, dass das keineswegs leichtverstaendliche Werk Kafkas auch die Chilenen ausserordentlich zu interessieren scheint. Die .Zeitschrift “Babel” hat, wie schon in anderem Zusammenhang erwaehnt, vor kurzem eines ihrer Hefte ausschliesslich Kafka gewidmet, das auch in der Tagespresse (z.B. Alone in einer literarischen Kritik im Mercurio, ein Aufsatz in den Ultimas Noticias) lebhafte Resonanz gefunden hat. ( Teil. Es wird oft in unseren1 Kreisen ueber das Fehlen jeglicher kulturellen Arbeit und Bewegung hier in Chile geklagt. Und das meistens noch im Hinblick auf den Standard von “Drueben”, wo man alles “viel, viel besser” hatte und wo die erstklassigsten Kuenstler und Musiker jederzeit zu Verfuegung standen. Trotzdem— die Zeiten aendern sich. Zwar nicht ploetzlich. Aber wer aufmerksam die Entwicklung beobachtet hat, konnte in den letzten Jahren eine merkliche Hebungdeschilenischen kuenstlerischen Niveaus feststellen. Sei es die stetige Verbesserung der Orquesta Sinfónica Nacional unter der Leitung von Victor Tevah (und in der Saison Hinzuziehung namhafter auslaendischer Kraefte); sei es das auch schon ueber die Grenzen des Landes bekannte und bahnbrechende Ballet von Ernst Uthoff oder das ausgezeichnete “Teatro Experimental” der Universidad de Chile, das mit gluecklicher Hand die besten Theaterstuecke des Weltrepertoires aufgefuehrt hat (zuletzt “Montserrat”, und jetzt “La Muerte de un Vendedor”): wohin man auch immer blickt, finden wir Erneuerung und Verbesserung, ob es sich nun auf Musik, Theater oder Malerei bezieht. Als letzte Neuerung auf diesem Gebiet koennen wir die Eroeffnung des Theaters “L’ Atelier” auffuehren, welches mit erstklassigen Kraeften ein sehr gutes und wertvolles Kammertheater zu werden verspricht, und das mit dem Werk Sartres “Huis Clos” erfolgreich debütierte. Und wie steht es in un.! serem eigenen Kreis? Koennen wir annehmen, dass das Erwachen des chilenischen kulturellen Lebens mit unserem parallel geht? Wir glauben ja. Zunaechst haben wir die Anfaenge eines Orchesters der Federación Sionista unter der Leitung von Erwin Herper, welches schon bei manchen Gelegenheiten seine Faehigkeiten unter Beweis stellte. Ebenso der Chor der B’ne Jisroel, der bei Festlichkeiten schon mehrmals auftrat und eine bleibende Institution zu werden verspricht. Die hie und da mit Erfolg aufgefuehrten Theaterstuekke der “Liga de Damas” bilden einen weiteren Stutzpunkt zum Ausbau des kulturellen Lebens des deutschsprachigen Sektors. Zuletzt koennen wir als Neuigkeit die Gruendung einer Theatergruppe ankuendigen, die es sich zur Aufgabe machen will,' wertvolle Theaterstuecke in deutscher Sprache unserem Publikum zugaenglich machen, und welche in Baelde Stefan Zweig’s Tragikomoedie “Das Lamm des Armen” zur Auffuehrung bringen wird. Obwohl 1929 geschrieben, behandelt dieses Stueck eines der aktuellsten Probleme der heutigen Welt' und ist wert, aus seiner relativ unbekannten Stellung hervorgeholt zu werden — hauptsaechlich wegen seiner dramatischen Staerke und spannenden Handlung. Es handelt sich um eine Anstrengung mehr, kulturelles Leben in unseren Sektor zu bringen, und wir hoffen dass die Mitglieder unserer Gemeinde diese Initiative unterstuetzen und nicht mit einem resignierten “drueben war alles ja doch besser” jede Neuerung ablehnen. Wir glauben, dass gerade unser Sektor, der aus Mitteleuropa eine grosse kulturelle Tradition mit bringt, verpflichtet ist; auch in unserem Kreise j egliche Initiative kuenstlerischer Art entscheidend zu unterstuetzen. AUSSTELLUNG REBECA LOURIE DE MAYANZ Im Ausstellung-Raum der “Banco de Chile” waren in der Zeit vom 31. Juli bis 5. August Werke von Frau Rebeca Lourie de Mayanz zu sehen. Frau Mayanz ist Mutter unseres Mitglieds, Rechtsanwaeltin Frau Sofia Mayanz de Zahler. Die Santiagoer Tageszeitungen widmeten der Kuenstlerin mehrere Spalten; besondere Erwaehnung verdient die mit N.Y.S. (zweifellos Natanael Yänez Silva) gezeichnete Besprechung im “El Mercurio” vom 4. August. Nebenstehend bringen wir die Abbildung eines Oelgemaeldes “Blumen”, aus dem 30 Nummern starken Katalog —und den ausser Katalog ausgestellten Bildern— ausgewaehlt. Herbert Brueck