Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 9 (Edicion Especial)
- Date
- 1950-09-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 21 MONOLOG FUER ZWEI STIMMEN (In der Tonart des mittleren Alters geschrieben) Von POLLY 1. Stimme: Fuer zwei Stimmen! Was fuer eine Idee! Bin Monolog ist ein Selbstgespraech! Der Name besagt es. Wie kann man ein Selbstgespraech in zwei Stimmen fuehren? 2. Stimme: Wohnen nicht zwei Stimmen in der gleichen Brust? 1. Stimme: So meinst Du das? 2. Stimme: So meine ich es. Und deshalb frage ich Dich: Hast Du Dich schon entschieden? , „ 1. Stimme: Entschieden? Wofuer? 2. Stimme: Keine Ausfluechte! Du weisst, worueber der Monolog seit Wochen geht! Ich brauche es nicht zu erklaerep. 1. Stimme: Schon wieder das gleiche Thema! Es ist nicht auszuhalten! Kannst Du denn an nichts anderes denken? 2. Stimme: Nein. 1. Stimme: Wie denn, nein! So einfach: nein? Es beschaeftigt Dich also unausgesetzt? Du kannst an nichts anderes denken? 2. Stimme: Es bescliaeftigt midi unausgesetzt. Es ist, mi'oiit viel melar als eiin Monat 'her, dass wir wieder 7 Menschen verabschiedet haben, die lünigdhen. 7 junge Leute, mit denen uns viel verband. Wir haben den Beginn ihrer Entsohiuesse miterlebt. Ja, wir waren es, die sie in diesen Entsohlueasen bestaerkten, teilweise sogar efe dazu brachten. Sie sind -nun fort. Anderen nachgegangen. Neue werden folgen. In diesem Jalhr noch. Viel mehr Im naechsten Jahr. Immer schicken wir, —verabschieden wir—, erneuern wir unsere Kraft, um feie dien naechsten mitzuteilen, die wiederum den Weg gehen werden. Biis .auch sie" fortgehen, bis wir auieh sie verabschieden. Da sollte mich etwas anderes beschaeftigen? 1. Stimme: Aber wo liegt da schon wieder ein Problem? Wir tun unsre Pflicht! Wir erziehen die Jungen, wir helfen Ihnen auf den Weg, wir geben Ihnen die Ausbildung dafuer, wir pflanzen die Idee in sie hinein, wir unterstuetzen sie ln jeder Hinsieht. Ist das zu wenig? 2. Stimme: Es ist zu wenig. 1. Stimme: ZU wenig! Zu wenig, wenn wir Jahre unsres Leben daran setzen, der Idee ’ zu helfen! Dem Lande Menschen zu schicken, die jung, tuechtig, ausgetoildet sind! Die nur ans Land zu steigen brauchen, um arbeiten zu koennen! Wir schicken keine arme, verwahrloste. kuemmerliche Jugend! Wir schicken das achoenste, beste, hoechste Material, das das Land sich wuenschen kann! Ist das wenig? 2. Stimme: Sehr wenig! 1. Stimme: Was mehr moe'ohtest Du tun? 2. Stimme: Hingehen! 1. Stimme: Hingehen? Was, ■— hingehen? Wohin gehen? Nach Israel gehen? In einen Kibbuz gehen arbeiten? Hoer’ auf, Ich fang an zu lachen! Glaubst Du, die koennen Dich 'brauchen? Du bist ein Mensch im der zweiten Haelfte des Lebens! Deine koerperlichem Kraefte sind im Abnahmen begriffen! Du j kannst hier tausend Mal mehr leisten, als dort. Hier btót Du Vonnoeten! Hier kannst Du helfen! Hier hast Du die Art des Lebens, die Dir entspricht! 2. Stimme: Ausreden! Alles faule Ausreden, mein Lieber! In dam Ganzen Ist ein einziger wahrer Satz: Hier halbe idh die Art des Lebens, die mir entspricht. 1. Stimme: Also—, warum willst Du sie aufgeben? 2. Stimme: Ich liebe diese Art des Lebens aus Gewohnheit, nicht aus TJetoerzeugung. Ich habe ein Zimmer gehabt, Immer ein gutes Bett, immer 'genug zu essen. Ist das ein Grund, das Leben weiter fortzufuehren, nur well es bequem und gut Ist und weil es immer so war? ...Jeder kann arbeiten, was dort verlangt wird. Jeder kann lernen, was dort noetig ist. Kannst Du nicht kochen? Kannst Du nicht naehen, waschen, Stuben aufraeumen? Kannst Du nicht lernen, Stiefel besohlen, Besorgungen machen, die fuer den Kibbuz noetlg sind, Buecher fuehren, Kinder erziehen? Muss man dazu 20 sein? Das kann man auch mit 70 Jahren! Nicht am Alter liegts, mein Lieber, nicht an den schwindenden koerperlichen Kraeften! Unsinn, sag loh Dir, Unsinn und faule Ausreden! Am Entschluss fehlte—, und an weiter nichts! 1. Stimme: Aber Ist es nicht menschlich, dass jeder die leichteste Form des Lebens fuer sich sucht? Ist es nicht menschlich, dass man eine gehobene, bessere Taetigkeit 'ausueben will? Jeder kann kochen, jeder kann, eine Stube machen. .. — 2. Stimme: Wenns jeder kann'—, warum nicht Du? Und wenn Du mich fragst, ob ichs menschlich finde, dass man sich die leichteste Form des Lebens aussucht, eo antworte ich Dir: Nein—, ich finde es unmenschlich! Unmenschlich in einer Zeit wie dieser nur an sein privates Leben zu denken. loh fuerctote, die Zeit der privaten Leben ist nicht mehr allzu lang bemessen. 1. Stimme: Umso weniger! Oder umso mehr! Wie Dus nehmen willst! 'Umso weniger draen'ge Dich dazu, es Jetzt zu tun. Umso mehr warte ab. Wenn sie Dich drueben brauchen, werden sie Dich schon rufen. Sie wissen ja, dass Du lebst. 2. Stimme: Ich wuenschte, Ich wuesste es selber Immer—, dass ich lebe, naemlich. Oft denke ich: Da ist das Leben. Nicht nur, dass sie mich brauchen koennten—, wie gut brauchen! Ich koennte sie auch brauchen. Stelle Dir vor: Ein Leben ohne Angst! 1. Stimme: Ohne Angst! Du b!st gut! Und die Araber? Und ^der naeohste Krieg? 2. Stimme: Willst Du d'em entgehen? Dann rate ich Dir, die Eide schleunigst zu verlassen. Wo Du heute sitzt, kann morgen Krieg' sein. Wenn Du ihm entgehen willst, laeufst Du ln ihn hinein. Ist das Dein Argument? 1. Stimme: Ohne Angst! Wie meinst Du das? 2. Stimme: Ohne Angst vor Morgen, vor dem Alter, vor Krankheit. Ich arbeite, was ich kann, so viel ich kann und so gut ich kann. Dafuer habe ich ein Dach uebenm Kopf, zu essen und' zu kleiden, loh habe freie Zeit! Weisst Du noch, was das heisst? Freie Zeit! Du kannst ein Buch nehmen und lesen—, Du kannst ans Klavier gehen—, wenn Du das Glueck halst, in einem Kibbuz mit Klavier zu leben, natuerllch—, und kannst eine Fuge von Bach spielen', Du kannst ein Stueck Papier und Bleistift nehmen—, nein, Du kannst Dich sogar an eine Schreibmaschine -setzen und schr eiben * Schreiben! Zeit! Hast Du je darueber nacbgedacfht? 1. Stimme: Ja, wie — haben wir denn hier niemals Zeit? 2. Stimme: Haben wir? (Pause—, Schwelgen). Du weisst, wenn Du ae-lter wirst, steht nicht die Frage vor Dir: Was dann? Wenn Du krank wirst—, was dann? Die Antwort ist so einfach, wie alles hier: Du 'gibst, was Du kannst—, und Du bekommst, was Du brauchst. Ist das nicht wunderbar? 1. Stimme: Schauderhaft! Ich kaerne mir vor, wie in der Zwangsjacke. Wo bleibt die Freiheit des Entschlusses, wo meine Individuelle Entwicklung? Wo die Moeglichkeiten, die wir haben, immer, jeden Tag? Morgen frueh schon kann was Neues passieren! Ich kann eine grossartige Idee haben, mit der man viel... 2. Stimme: Jetzt fehlt nur noch, dass Du sagst: “Geld verdient.” 1. Stimme: Natuerllch: “Geld verdient!” Ist das vielleicht was. Schlechtes? 'Muss ich mich darum sdhaemen? 2. Stimme: Ganz Im Gegenteil, mein Lieber! Sei stolz darauf, wenn Du Geld verdienst! Jeder goennt es Dir! Werd’ gluecklich damit, wenn Du kannst! Siehst Du, da Hegt der Haken! Du kannst nicht! Nicht mehr! Geld macht nicht mehr glueckllch! Ist Dir das nicht schon . aufgefallen? 1. Stimme; Was macht glurck- ■lich? 2. Stimme: Ein gutes Gewissen! Verzeih, wenn ich Dir mit einem—, fuer Deine hoch entwickelte Individualitaet — so -banalen Worte antworte. Dort hast Du nicht nur keine Angst, nicht nur Zeit—, Du hast auch ein gutes Gewissen. Du lebst, ohne andere Menschen fuer Dich arbeiten zu lassen. Du bezahlst keine Arbeit—, Du hast kelu Hausmaedchen, keine Koechln, keine Waesehe-rin, Du gibst kein schlechtes -Geld fuer gute Arbeit! Was fuer ein Segen! Welch Glueck ohnegleichen! Ein gutes Gewissen! 1. Stimme: Ich finde diese Gedanken einfach unerlaubt! 2. Stimme: Sprich sie nicht aus, wenn Du nicht willst aber denke sie! Denke sie ganz bis zu Ende! Du bist frei! Unabhaengig von. jedem. Dem, der Deine Kinder erzieht, kochst Du dafuer das Mittagessen—, dem, derdas Feld bestellt, zimmerst Du die Kisten zur ■Verladung der Fruechte. Du lebst im Austausch der Arbeit. In der wahren Freiheit. In einer Freiheit ohne Gleichen, Ja, ich moeöhte sagen: ohne Vorbild! 1. Stimme: Hoer mal, Du machst einen ganz verwirrt! Bringst mich ganz durcheinander! Da waere ja jeder Neger frei, der itn Busch wohnt und von der Jagd lebt! Das hi-esse ja: je primitiver... 2. Stimme: Verzeih aber verliere Dich nicht in falsche Sdhiuesse. Nicht von primitiv war hier die Rede und nicht die Anzahl der Badezimmer oder die Reichhaltigkeit der Lebensfuehrung zeigt die feschen und charmanten. Und das ist vielmehr. Saemtliche in den Staaten lebende Oesterreicher scheinen sich im Augenblick hier zu befinden. Man kann sie sehr gut unterscheiden. Die Arier sprechen weanerisch mit leicht amerikanischem Akzent und die anderen sprechen .amerikanisch mit stark Weaner Akzent. Fuer den der sich auch von der Kunst etwas erholen will, gibt es genuegend Genuesse. Zum Beispiel schoene Ausfluege in die Umgebung, also ins Salzkammergut. Ueberall wird etwas geboten und jede Stadt und jedes Dorf wetteifern, um etwas vom Touristenstrom mitzubekommen. Besonders gut »gefiel mir das Wochenprogramm der Gemeinde St. Wolfgang, das man mir ans Auto gesteckt hatte. Das muss Ich noch erklaeren. Wenn man hier sein Auto parkt, dann findet man nachher unter den Scheibenwischern Propaganda aller Art, von Cafés, Bars, Theaters u.s.w. Manchmal fand ich auch Visitenkarten von herumstrolchenden Chilenen, die mein Nummernschild Ñuñoa angezogen hatte. Die Scheibenwischer sind hier meine Casilla und werden dreimal taeglich geleert. Also das Programm der Gemeinde Wolfgang, wie alle Propaganda hier in drei Sprachen, deutsch, franzoesisch und englisch, begann mit folgenden stolzen Worten: The BURGOMASTER of St. Wolfgang has the honour to present you the Programme, etc. etc.” Unter den Stufe, der Kultur. Was dort gefuetort wird, ist ein Leben tooedh- ■ster Kultur. Bin Leben, in dem man sich nach schwerer Arbeit zur Musik setzt, zu einem Buch, zu. einer Diskussion. Ein Leben ohne Aberglauben, ohne aufgezw-unigene Autoritaet, nicht nur ein Leben, dem Primitiven direkt entgegengesetzt, sondern vielleicht eine der hoeehst entwickelten Lebensformen, die im Augenblick ueberhaupt gelebt wenden. 1. Stimme: Ja—, wenn Du das alles meinst—, lass uns gehen! Warum gehen wir nicht? 2. Stimme: Well Du noch nicht einverstanden bist. Wir werden nicht gl'Ueekliöh werden, wenn wir nicht beide freiwillig gehen. Loslassdn ist furchtbar schwer. Und wir muessen los-lassen. Alles. Unsere Vergangenheit, unsere Kindheit, unsere Gewohnheiten, unsere Zukunft.... Du kannst es noch nicht. 1. 'Stimme: Es tut mir leid—, aber ich kann’ es noch nicht. 2. Stimme: Aber Du hast mich verstanden? Du willst Dich bemuehen? 1. Stimme: Ich will mich foemuehen—, -ich habe Dich verstanden. 2. Stimme: Soll ich Dir zum Schluss ein Wort von Goethe sagen? 1. Stimme: Ach mein Gott, von Goethe! Immer von Goethe! — Aber ja, bitte, meinetwegen! 2. Stimme (ernst): Ja, natuerlich, Deinetwegen! Es ist die Stimme des alten Faust, die spricht. Nachdem er die Hoehen U‘n)d Tiefen des Lebens durcheilt und genossen hat, baut er einen ßtaudamm, um ein Land zu entwaessern und »fruchtbar zu machen. 1. Stimme: Ist das nicht ein kuemmerllches Ende? Einen Staudamm! Ist das der Weisheit letzter Schluss? 2. Stimme: Du nimmst mir—, oder vielmehr ihm—, das Wort aus dem Munde, mein Lieber! Denn sieh einmal, genau das ist es! “Ja, diesem Sinnebin ich ganz [ergeben, Das ist der Weisheit letzter Schluss, Nur der verdient sich Freiheit wie , [das Leben, Der taeglich sie erobern muss.” Das'sind seine Worte. 1. Stimme:*' Seine Worte! Ach, das haibe ich nicht gewusst! 2. Stimme: Und, waehrend er taetig weiter arbeitet und vor seinem Auge schon die zukuenftlgen Raeum-e sieht, die seine Arbeit den Menschen erschliessen wird'—, “eroeffn’ ich Raeume vielen Millionen—, nicht sicher zwar, doch taetig— frei zu wohnen,” sagt er seine letzten Worte: “Im Vorgefuehl von solchem ho- Ihen Glueck Geniess ich jetzt den lioecüsten [Augenblick!” .. .und er sinkt zu Boden—, gluecklich! 1. Stimme (in fragendem Ton): Gluecklich?? 2. Stimme (sehr bestimmt): Gluecklich!! FESTSPIELE nach Datum geordneten aufgefuehrten Genuessen moechte ich folgende erwaehnen: Sonntag 23.7. 16.00 Uhr, Hotel Foerster. heim, Tanz-T^e im Freien. Es spielt zum Tanz das Foerster- Trio. 20.30 Uhr, Ton-Lichtspiele: Tarzan und die Jaegerm. I Da kann man nur Weidmannsheil sagen. Oder wer Lust hat, kann zum Winzerfest gehen. Woertlich: “Es,spielt die Orts- und Bauernmusik, St. Wolfgang. Leitung: Franz Schubert.” Wie man sieht, ueberall Starbesetzung. Was mir am Wolfgangsee besonders auffiel. Die wunder. schoenen tiefroten mit schwarz abgepaspelten Dirndlroecke die die Landbevölkerung trug. Ein besonders kraeftiges rot. Wir habe ich das denn schon gesehen? Ich moechte so einen Stoff erstehen und frage meine Begleiterin um Rat, eine Muenchner Kunststudentin. Die lacht: aber das haben wir doch auch in Bayern, das kann man nicht kaufen, das sind doch die alten Hakenkreuzfahnen. Ich kanns nicht glauben und , frage ein Dirndl, das neben mir sitzt: “Fraeulein woraus ist Ihr Rock gemacht?” Die lacht etwas verlegen und gesteht. “Ja, Fraeulein und das (Von Seite 19) weisse Mittelstueck?” Sagt sie schlagfertig: “Da mocht mer halt Buestenhalter von”. So musste ich die tausendjaehrige Herrlichkeit Wiedersehn. Zu den Dingen, die hier geboten wurden und nicht strikt zu den Kunstgenuessen zaehlen, gehoerte auch die diesjaehrige Meisterschaft im Gesellschaftstanz. Sowas sollte man sich nicht entgehen lassen. Tat ich auch nicht. 14 ausgesuchte Paare der A. und Sonderklasse tanzten erst gemeinsam und dann einzeln Wiener Walzer. Das war etwas wirklich prachtvolles. Na. tuerlich wurden auch Tango, english waltz und Quickstep getanzt. Aber der Walzer, das macht ihnen keiner nach und mit dem Walzer gewannen sie auch den Laenderkampf Norwegen-Oesterreich, bei dem die Norweger gross gefuehrt hatten. Interessant auch der Quickfox. Das ist naemlich nichts anderes als die uns bekannte Swing und Boogie- Woogie Musik und das haben die Oesterreicher uebernommen, dem Tanz den Urwald ausgezogen, ihn in ein Frakkerl gesteckt und das Ergebnis ist mit das Grazioeseste und Huebscheste, was ich je gesehen habe. Ob die das wohl mit dem russischen Tre. pak auch machen koennten.? Waere ja erfreulich. Wie sagte der Herr zur Dame: “Gnaedige tanzen auf einem -Vulkan.” Erwidert die Dame: “Jedenfalls kurzweiliger, als darauf zu sitzen!”