Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 9 (Edicion Especial)
- Date
- 1950-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 5 BESCHAULICHES UND HEITERES AUS DEN WERDEN DER GEMEINDE Von MAX GRUENBAUM Shakespeare laesst in einem seiner Koenigsdramen eine der auftretenden Personen mehrmals in einer Szene die Worte wiederholen: “That is the humour of it” (“Das ist der Humor davon”). Und in der Tat: Warum nicht mitunter auch ernsten Dingen etwas Humor abgewinnen? Warum nicht in den grauen Alltag ab und zu ein befreiendes Lachen oder ein leises Schmunzeln hinein legen? Warum deshalb nicht auch das Gemeindeleben etwas von der beschaulich heiteren Seite aus betrachten? Um nun mit einigen kleinen solchen Kostproben aufzuwarten: Da waere z.B. das koestliche Idyll, das unser “Buero” im Betsaal Monjitas 507 bot, nachdem es im Juli 1940 in der Wohnung des Verfassers dieser Zeilen erstanden war, aber im. Hinblick auf das schnelle Anwachsen der Gemeinde schon bald darauf in einen groesseren Raum verlegt werden musste. Dieses “Buero” in der Monjitas 507 also hatte den Vorzug, fast taeglich transportiert werden zu muessen. Seine Einrichtung, damals noch bestehend aus einem frisch erworbenen Tisch, etwa 4.5 Ordnern, einigen Listen, Plaenen und den noetigsten Schreibutensilien wurde naemlich, sobald der Betsaal fuer Gottesdienst, Kulturveranstaltungen u.s.w. benutzt wurde, in den anliegenden Toilettenraeumen verstaut, um danach wieder hervorgeholt zu werden. Wir waren so in unseren damaligen Raeumen mit dem Buero dauernd 1 auf der Reise, bis es im November 1940 in der Wohnung unseres frueheren Cobradors,1 Tarapacä 812, seine erste selbstaendige Unterbringung fand. Die gute Once, die mir dort taeglich aufgewartet wurde, habe ich noch in be-' ster Erinnerung. Und den “stimmungsvollen” L a e r m,1 der dort nicht allzu selten aus dem Munde von vier munteren Kindern in die Bueroraeume hineinschallte, habe ich dafuer gern in Kauf genommen. Dafuer war es denn auch in unserem naech. sten Asyl, Estado 141, um so ruhiger. Dort thronten wir mit unserem Buero, das uebrigens inzwischen auf Grund zahlreicher organisatorischer Massnahmen schon einen recht erfreulichen Anstrich erhalten hatte, “sous les tois de Paris”. Die Treppe, die zur Gemeinde hinauffuehrte, war i altersschwach, der vorsint-1 flutliche Aufzug zeichnete j sich dadurch aus,dass er nicht immer funktionierte und man1 ausserdem stets in Gefahr schwebte, unterwegs mit ihm; stecken zu bleiben. So wagten j sich manche nicht gern zu1 uns hinauf. Und zu dieser, Zeit war auch der Strom der Briefmarken - Interessenten,1 die sich in erbitterter Kon-, kurrenz den Rang um unse.! re mit der Auslandspost ein-1 trudelnden philatelistischen I Werte abzulaufen suchte,: noch nicht so gross wie spae-1 ter. Mit dem Interregnum in der Estado, das nur zwei Monate dauerte, war die Zeit des Buero-Separatismus vorbei, die Aera der Verbindung von Synagoge und Verwaltung in Gemeindehaeusern begann,! die GefahrJdass der Schluessel nicht rechtzeitig in der Monjitas 507 zur Stelle war, um den dortigen Betsaal fuer eine Veranstaltung aufzu. schliessen, und das Publikum womoeglich eui spaeter Abendstunde dort laengere Zeit vor verschlossener Tuer warten musste — ich sehe eine solche Szene mit den schimpfenden Teilnehmern noch deutlich vor mir — war vorueber. Es folgte San Diego 216, wo zur Verbindung von Synagoge und Verwaltung noch eine Oekonomie und spaeter, als das Gemeindebuero aus dem Hinterhaus in schoene Raeurne des Vorderhauses verlegt werden konnte, auch die raeumliche Ver. maehlung mit dem Cisroco hinzukam und wo die Gemeinde die Jahre ihres groessten Aufschwungs erlebte. Es folgte weiter noch Monjitas 690, das Haus der von mir in einer frueheren Nummer dieses Blattes poetisch verklaerten “inneren” Regenguesse, die uebrigens nach ihrem Staerkegrad genau erkennen Hessen, ob etwa in den ueber uns befindlichen Clubraeumen eine feuchtfroehliche Festnacht vorausgegangen war. Und in den fruehen Morgenstunden des' 17. Januar 1950 konnte ich dort beglueckt drei Moebel-1 wagen Vorfahren sehen, die: mit dem Abtransport unserer | Einrichtungen in ein eigenes Heim, das Haus Av. Portugal ¡ 810, begannen: Die Wände-! rung der S.C.I. “B’ne Jisroel”, in der Galuth war zu Ende. Und weil wir nun gerade einmal bei Raumfragen sind:) Voller Tuecken waren stets ' die Saele, die wir neben un- J serer jeweiligen Synagoge; fuer den Gottesdienst an den1 Hohen Feiertagen in Ansüruch nehmen mussten.' Nicht unbetraechtlich war ihre Zahl im Laufe der Jahre und verschieden ihre Gestal-i tung. Namen sind zwar Schall und Rauch, aber fuer Viele unter uns wird es doch ein. Begriff oder wenigstens eine Erinnerung sein, wenn ich sie j in bunter Reihenfolge nachj stehend aufzaehle: Centro Español, Liceo Lastarria, Rollschuhbahn, Providencia, Tea. i tros Capitol, Princesa, Rialto, P-ovidencia, Lux, Bolívar, Ita-' lia, Almagro, Coliseo und Marconi, wo wir hoffentlich fuer unsere Zweiggottesdienj ste ebenfalls ein Dauerbleibe; gefunden haben. Sie alle boi ten Probleme. Da war z. B. j das Problem der “schiefen Li-1 nie”. Was war zu tun, damit! Thoraschrank, Vorbeterpult und Almemor bei schraeg abfallendem Buehn e n b o d e n nicht ins Wanken gerieten und damit der Vorbeter bei der Ausuebur.g seines Amtes festen Boden unter den Fuessen hatte? Dann das Problem der Beleuchtung: Wo, wie und mit welchen Wattstaerken mussten Ampolletas angebracht werden, um den ganzen Saal oder Teile von ihm “ins richtige Licht zu; setzen”? Manchmal gab es' auch ein Problem der Reinigung: Welche Mengen von Flit, Sapolio und Scheuerlappen waren fuer diesen Zweck erforderlich? Und so fort. Daneben spielte sich der Kampf um die Plaetze selbstverstaendlich in den ruhigsten Formen ab. Nur wenn am ersten oder zweiten Tag des Kartenverkaufs fuer den jeweiligen Saal — es waren schon zu Beginn 50 Nummern zwecks Regelung der Reihenfolge ausgegeben — ein Herr oder eine Dame mit Kaufauftraegen fuer die ganze Verwandtschaft und saemtliche befreundeten Familien erschien, wurden Stimmen des Unwillens unter den naechsten Vierzig, die warten mussten, laut und die Saalpolizei musste einschreiten. Etwas bewegt ging es auch zu, wenn Herr X nicht sofort einen Platz neben seinem Freund Y erhalten konnte, denn er sei dies seit Jahren so gewohnt und sonst werde er auf einen “Platz verzichten”. Frau Z. aber konnte nach ihrer Erklaerung dem Gottesdienst nur mit der noetigen Andacht folgen, wenn sie im Balkon Mitte in der ersten Reihe sass. Und wenn die Gottesdienste schliesslich stattfanden, dann stellte sich ploetz. lich heraus, dass die kurz zuvor hergestellte Spezialtreppe, die zum Podium fuer Thoraschrank und Almemor fuehrte, abfaerbte, dass die Abschirmung der unteren Haelfte des auf dem gleichen Podium sitzenden Damenchors nicht ausreichte, dass einige Klappsitze infolge schlechter Beschaff e n h e i t dem auf ihnen lastenden Koerperdruck nicht standhielten — auf einem von ihnen sass ausgerechnet ein Mitglied, das besonders gut schnoderte, — und dass auf Grund einer Verkettung unglücklicher Umstaende Platznummern vertäu seht und dabei mehrere Damen und Herrenplaetze durcheinandergewuerfelt waren. Es stellte sich aber auch —horrible dictu!'— heraus, dass der unerfreuliche in einem bestimmten Winkel des Saales herrschende Geruch trotz Perfumzerstaeubung und anderer Gegenmittel an Intensitaet nur wenig eingebuesst hatte und ausserdem trotz Verwendung grosser Mengen an Flit die erstrebte Vertilgungswirkung nicht eingetreten war. “Mit den Geschickes Maechten ist kein ew’ger Bund zu flechten—quod erat demostrandum. In diesen Zusammenhang gehoeren auch die beruehmten Reissnaegel, die an den Hohen Feiertagen in den Betsaelen zur Befestigung von Reihen— und Platznummern sowie Spendenkarten angebracht wurden. Beruehmt waren sie deshalb, weil in einer Generalversammlung angefragt wurde, wieso im Feiertagskonto ein so hoher Betrag fuer Reissnaegel erscheine. Im Uebrigen hatten diese Reissnaegel ihre eigene Philosophie, die Veihingersche Philosophie des “Als Ob”. Es schien naemlich immer so, als ob sie fuer saemtliche Betsaele, Feiertage, Reihen und Plaetze ausreichten. In Wirklichkeit jedoch trotzten sie vielfach allen Wahrscheinlichkeitsberechnungen, da die verschiedenartige Handfertigkeit bei dem jeweils erforderlichen mehrfachen An— und Abmachen, das Holz der Sitze und die mehr oder minder grosse Geschicklichkeit fremden Personals, immer eine Anzahl dieser begehrten “chinches” verschwinden zu lassen, alle mathematischen Kuenste ueber den Haufen warfen. Und so werden die Feiertags-Reissnaegel als ewiges Raetsel in die Geschichte der Gemeinde eingehen. Warum nicht im Gemeindebuero anrufen? Dort weiss man doch Alles! Stundenlang rasselt das Telefon: Man weiss sicher, wer Herr und Frau Soundso sind, wo sie gewohnt haben, wo sie jetzt wohnen, wie man am besten dorthin kommt, wovon sie leben, wer ihr Geschaeftssocius war, ist oder sein wird, ob das Geschaeft gut geht oder vor der Pleite steht, ob und wie der oder jener mit ihnen verwandt ist, wann sie Geburtstag oder Hochzeitstag haben, wie Casilla, Clasificador und Telefonnummer lauten. Wagt man etwa schuechtern zu fragen, warum der oder die Andere wegen der Telefonnummer nicht wenigstens zunaechst im Telefonbuch Nachschau haelt, dann kann es Vorkommen —und es ist vorgekommen—, dass man die reizende Antwort erhaelt: “Aber Fraeulein, das ist mir so bequemer und Sie haben doch Alles im Kopf”. Dann aber noch eine ganz besonders nette kleine Bluetenlese: “Wissen Sie einen Wanzen— und Rattenfaenger?” “Wissen Sie, wer Petroleumoefen Marke “Phoenix’’ herstellt?” “Wie heisst die Fabrik, von der man Frottierhandtuecher beziehen kann?” Und nun -verdad!'—: “Wissen Sie keinen Mann fuer meine Tochter? Sie moechte so gern heiraten.” Alles das stimmt heiter, —nur dei^ Ungluecklichen nicht, der "stundenlang an der anderen Seite der Strippe haengt und vergeblich ver sucht, mit dem Buero Ver bindung zu bekommen, weil er gern wissen moechte, um wieviel Uhr am gleichen Tag ein Vortrag im Gemeindehaus anfaengt. Nun schnell noch einen Seitenblick auf die sich seit Jahren regelmaessig einstellende Besorgnis um das puenktliche Eintreffen von Esrogim, denen wir allerdings glücklicherweise bisher stets Zurufen konnten: “Spaet kommt Ihr, doch Ihr kommt!”, auf die Fenster und Luken in unserer Synagoge, die auf unabaenderlichen Wunsch unseres Kantors waehrend des Gottesdienstes selbst im Hochsommer hermetisch verschlossen gehalten werden mussten, damit seine4 Stimme auch nicht durch den^geringsten Luftstrom von aussen Schaden erleide und stattdessen lieber das Publikum unter drueckender Hitze schmachte, und schliesslich noch Einiges aus unserem Drucksachen-Schatzkaestlein. Da war es der Druckfehlerteufel, der uns in erster Linie manchen Schabernak spielte. Wenn, wie es bei dem ersten der seitdem ueblichen Gottesdienstaufrufe fuer die Hohen Feiertage, erschienen im Jahre 1940, der Fall war, in der grossen, mit fetten Lettern gedruckten Ueberschrift, also besonders stark in die Augen springend, ein “s” fehlte und sich das Wort “Gottesdienst” in “Gottesdient” verwandelte, so war dies sicherlich keine fuer eine solche Ankündigung geeignete Einleitung. Also was tun? Nun, die Druk. kerei liess die Buchstaben “st” auf mehreren Bogen durch ihre Maschine laufen und fleissige Haende schnitten sie aus und klebten sie in vielstundenlanger Arbeit an der Stelle des Defekts in die Ankuendigungen ein. Damit war dieser Schaden, was sonst nicht immer glueckte, wenigstens einigermassen behoben und es blieb nur die —heute nun schon in rosiges Licht getauchte - Erinnerung an die Ausschneide— und Klebearbeit. Aber unser Mitteilungsblatt! Kein Wunder, dass der Druckfehlerteufel dort ein besonders reiches Taetigkeitsfeld fand. Man bedenke, dass bekanntlich Fremdwoerter schon ohnehin Gluecksache sind. Wievielmehr erst fuer jemanden, der solche nicht in seinem Sprachschatz vorhandenen Woerter zu Tausenden, und zwar mitunter in sehr verzwickten Artikeln und Anzeigen, binnen weniger Stunden in die Linotypmaschine bringen soll! Und, oh Graus! Jede Korrekteur beschwor die Gefahr neuer Fehler herauf! Da kann es natuerlich leicht Vorkommen, dass in einen Artikel medizinischer Art aus einem “Jugendasthma” ein “Judenasthma” wird, d a ss sich in einer Trauungsanzeige das Wort “Vermaehlung” in “Vermeidung” verwandelt, oder auch, wie geschehen, dass ein Neugeborener unter den Barmizwoth und in den Aenderungen ueber den Mitgliederbestand ein neues Mitglied unter den Ausgeschiedenen wiederfindet. Dem grossen Bruder unseres “Blaettchen” dem Aufbau, geht es uebrigens nicht besser, wenn dort z.B. aus “Firnen”, zu denen man hinaufstrebt, “Firmen” und in einem Gedicht Von Martin Gumpert “Kissen”, auf denen wir ruhen, zu “Kisten” werden. Es bleibt aber nicht bei solchen Fehlern im Satz. Die Druckerpresse bringt auch “Irrungen Wirrungen” anderer Art mit sich. Weinn einem Herrn zum 75. statt zum 70. Geburtstag gratuliert wird, so ist das immer noch nicht so schlimm, als wenn es sich um eine Dame mit diesen Altersdifferenzen handelt, und er findet sogar Anlass, sich mit folgenden launigen Versen zu bedanken: “Nehmt vielen Dank, Ihr wer. [ten Herrn Fuer das so freundliche Ge. |denken, Ich hoert die guten Worte (gern, Doch muessten Sie das Quan. ftum senken. Fuenf Jahre hab’n Sie drauf- , Igegeben, SO alt bin ich nun doch | nicht. Wollt’s Gott, ich moecht sie [noch erleben, Dann bitt’ ich wieder um Be- | rieht.” Auch dass sich eine antike Zeichnung ueber den Sederabend, die im Rahmen eines Artikels “Unsere Hagadah” veroeffentlicht wird, als Propaganda der Fabrik Blau. band “Margarine an Wochen- und Feiertagen” entpuppt, gibt noch keinen Anlass, die Gemueter in stuermische Wallung zu bringen, Ernst wird die Sache erst, wenn die (Schluss auf Seite 9)