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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-07-01 · 7 (Julio, 1950) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
7 (Julio, 1950)
Date
1950-07-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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I BOLETIN INFORMATIVO 11 ff TISCHA B'AW DER NATIONALE LITERATURPREIS Einmal mehr jaehrt eich der 9. Aw, jener Tag, mit dem die Leiden, die das juedische Volk erdulden musste, auf das schmerzlichste verknuepft sind. Der oberflaechliche Leser kann sich dem Trugschluss hingeben, dass das neue Wunder unserer Tage — die Medinath Israel — diesen Tag hat ueberfluessig werden lassen. Wir aber glauben, dass er niemals seine mahnende Bedeutung fuer das juedische Volk verlieren wird. Auch dann, wenn sich alle Hoffnungen, die wir mit Israel verbinden, erfuellt haben, steht dieser Tag vor uns und ruft uns auf, einig zu bleiben und stark zu sein in der Ver. teidigung des Erreichten. Damals im Jahre 70 u.Z. hat, wie unsere Weisen betonen, Israel seinen Staat wegen “Sinat Chinam”, wegen des Bruderhasses, der Bewohner Judaeas unter einander verloren. Niemals wieder darf sich dies wiederholen. Geeint und geschlossen muss das juedische Volk darum kaempfen, dass seine Medinath Israel nunmehr fuer alle Zeiten als das Licht der Voelker feststeht. Tischa b’Aw soll uns immer wieder an die Leiden der 2000-jaehrigen Galuth erinnern. Es soll ein Mahnruf sein zur unbedingten Bewahrung des unter unsaeglichen Opfern herrlich erreichten. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde der immer mit Spannung erwartete Jahrespreis fuer den bedeutendsten hiesigen Schriftsteller dem Literaten José Santos Gonzalez Vera zuerteilt. Die Ueberraschung ruehrt sowohl aus der intensiven Kampagne her, die einige andere Kandidaten auf die Unsterblichkeit in der Presse durchgefuehrt hatten, wie auch auf die auffallende Diskontinuitaet der Arbeit der Preistraegers. Dieser ist naemlich in den letzten Jelhren mit keiner bedeutenden Schoepfung hervorgetreten; seine Hauptwerke sind “Vidas Minimas” (1922) und “Alhué” (1928), kleine Novellen, die sich durch die Reinheit des Stils und die feine Beobachtungsgabe und i Ironie des Autors auszeichnen. Unseren Lesern duerfte Gon- : zälez Vera durch seine am 29. j Januar ds. Js. in “El Mercui rio” veroeffentlichte Kurzge-! schichte “Far vus, senor Cre-! novich”, die unser Mitabeiter : Teil im “B. I.” N.o 3 ds. Js. besprach, bekannt sein. Im Uebrigen ist er einer der Herausgeber der hervorragenden ■ Politischen und literarischen Monatsschrift “Babel”. Obwohl die Wahl des Preis- | gerichts, wie gesagt, Gegenstand der allgemeinen Ueber- 1 raschung war, fand sie von Seiten der Wochenschrift : “Pro Arte” oder des Kritikers! Alone (Diaz Arrieta) uneinge- JUGEND IM GOTTESDIENST ABRAHAM DRAP Kl N Vor 1.1 ¡2 Jahren hat sich Abraham Drapkin von uns verabschiedet, um dem Ruf der Regierung der Medinath Israel Folge zu leisten. In diesen 1.1|2 Jahren schritt Abraham Drapkin von Stufe zu Stufe und erwarb sich die Anerkennung der Autoritaeten, die ihn zum Direktor des Latein - Amerikanischen Departamentos der Israeli-Regierung ernannten. Jetzt hat er uns einen privaten Besuch abgestattet und wurde in einer gemeinsamen Sitzung der Federación Sionista und des Comité Representativo empfangen. Vor uns stand ein neuer Mensch, ein verantwortlicher Vertreter unseres Staates, der seinen Aufgaben und der Verantwortung, die er auf sich genommen hat, gewachsen ist. Wir haben immer in ihm einen Menschen ausgezeichneten Formats gesehen. Er hat unsere Erwartungen uebert r o f f e n. Vor uns stand Abraham Drapkin um vieles gealtert, mit Sorgenfalten im Gesicht, mit Augen, die seine Entschlusskraft ausstrahlen. Bestimmt und klar legte er die Probleme dar, die den Staat beschaeftigen. In den Vordergrund stellte er die Notwendigkeit der bedingungslosen Unterstuetzung der Hachscharoth und Alijah junger juedischer Menschen, insoesondere aus den amerikanischen Laendern. Die Anzahl 1 der Jugendlichen, die bereit \ sein werden, von hier nach! Israel zu gehen, wird der 1 Gradmesser fuer das zionisti- : sehe Bewusstsein des Jischuw I sein. Besonderen Wert legte j Abraham Drapkin auch auf! die Campaña Unificada 1950. Sie werde keine Kriegscampa- I ña mehr sein. In ihr werden j die Leidenschaften nicht 1 mehr aufflammen wie damals 1 bei der Campaña fuer die Haganah. Und dennoch haengt i von dieser Campaña Sieg und Frieden des Staates Israel ab. Ja, sie sei beinahe von groesserer Bedeutung als die Haganah-Campaña. Sie muesse dem Staat die unbeschraenkte Moeglichkeit zur Alijah der osteuropaeischen und orientalischen Juden geben. Diese muessten heute aufgenommen werden, denn morgen koenne es zu spaet sein. So stand Abraham Drapkin vor uns als ein Mensch ohne Phrasen, der nur die nackten Tatsachen mit ungeheurer Kraft sprechen Hess und durch sie auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Dem regelmaessigen Besucher unserer Gottesdienste wird leider die geringe Anzahl von Kindern und Jugendlichen auffallen, die daran teilnehmen. Wir wissen, dass sehr viele unserer Kinder am Schabbat die Schule besuchen. Aber wir sind ueber. zeugt, dass es bei gutem Willen moeglich sein muss, unsere Jungens und Maedel wenigstens am Freitagabend unseren Gottesdienst besuchen zu lassen. Wie soll unsere Jugend spaeter einmal in der Lage sein, am juedischen Leben teilzunehmen und es weiter fortzupflanzen, wenn sie 1 mit unserem religioesen Le. | ben keinen Kontakt hat? Wir j schaffen und wirken fuer unsere Jugend. Dazu bedarf es 1 einer neuen Generation, die die Kette aufnimmt und sie weitertraegt. Auch am Schabbat — Vormittag koennten jene Schueler, die englische Schulen besuchen, Teilnehmer unseres Gottesdienstes sein. Es bedarf der Hilfe unserer Eltern, die wir einmal mehr auf diesem Wege aufrufen, mit uns zusammenzuarbeiten an der Sicherung der religioesen Tradition und der nationalen Zukunft unseres Volkes. Wie wir an anderer Stelle mitteilen, wird in unserer Gemeinde in Zukunft an den Freitagabend-Gottesdiensten ein Oneg - Schabbat fuer unsere Jungens und Maedels angeschlossen, bei dem wir noch eine 1|2 Stunde mit ihnen Zusammensein und versuchen werden, ihnen, denen leider meist die Schoenheit des Schabbats zu Hause fehlt, eine Ahnung von der “neschama jetera” —der Schabbat-Seele— zu vermitteln. Von unseren Eltern haengt der Erfolg dieser neuen Einrichtung ab. Observador schraenkten Applaus. Auch fuer die Colectividad ist das Urteil Gegenstand allgemeiner Befriedigung, da González Vera seit vielen Jahren zu ihr die engsten und freundschaftlichsten Beziehungen u n t e r ha e 11. So gehoerten auch das “Comité Representativo” und das “Instituto Chileno-Israelí” zu den ersten Gratulanten. K. DIE MAUER. (Von Seite 7) Da ist aber auch der juedische Waisenhauslehrer, der, obwohl er selbst frei ausgehen soll, dennoch seine zum Abtransport bestellten Pfleglinge nicht verlaesst und sie in ihren besten Kleidern, in dem Glauben, einen schoenen Ferienausflug zu machen, singend und jubelnd zum Bahnhof und auf der letzten Fahrt begleitet. Da ist der reiche Kaufmann, der glaubt, ausserhalb des Ghettos leben zu koennen, der junge Student, der in der hoechsten Not zu seinem Volke zurueckfindet und allen ein Vorbild der Tapferkeit ist; das junge Maedchen, das sich durch die Zeitumstaende veranlasst sieht, Gruppenfuehrerin zu werden, und das andere, das jenseits der Ghettomauern Waffe nach Waffe aufkauft und hineinschmuggelt. Manch niedriger Charakter, manch missliche Situation wird aufgezeigt; aber gerade hierin liegt der Wert dieses ueberraschenden Buches. Denn um so heller erstrahlt die Leistung der grossen Mas. se, einzig nicht nur in der Geschichte des juedischen Volkes, sondern wegweisend zugleich fuer die Entwicklung des menschlichen Charakters im Angesicht einer Weltkatastrophe. Es ist ein Buch, das einem jeden von uns viel zu sagen hat. F. O. F. DIE ROTSCHA FT DES PFARRER HAAS PFARRER HERMANN MAAS Wir Juden sind immer — wie auch schon der Talmud sagt — ein dankbares Volk gewesen. Auf unserem Geschichtsweg sind es nicht allzuvlele Nichtjuden gewesen, die uns Liebe entgegenbrachten und uns in Zeiten der Not unter Einsatz ihres persoenlichen Lebens zur Seite gestanden haben. Die juedische Literatur hat auch fuer sie ein Wort. Sie sind “Chasside umot haolam”, die Frommen der Voelker der Welt, die Anteil haben an der ewigen Seligkeit. Zu ihnen zaehlt Pfarrer Hermann Maas aus Heidelberg, der fuer uns gelitten hat, fuer uns ins Konzentrationslager gegangen ist, der juedische Kinder, als es noch moeglich war, aus der Nazi- Hoelle errettete, der unerschrocken in Zeiten der Gefahr Kontakt mit Juden suchte. An anderer Stelle veroeffentlichen wir den Rosch Haschana — Brief, den er der juedischen Gemeinde in Heidelberg zum neuen Jahre 5710 sandte. Dieser Brief, der uns hineinschauen laesst in den geistigen und seelischen Reichtum dieses Mannes, ist ein Dokument. Er ist einer der wenigen aufrechten Maenner, die den Mut haben, die Schuld des deutschen Volkes an uns Juden einzugestehen und zur Busse aufrufen. Diesen Mann hat die Regierung Israels als Ehrengast des Staates eingeladen, um damit vor aller Welt dem Mann den Dank abzustatten, i der dies im besonderen Masse I verdient hat. Die Welt soll wissen: Israel ist ein dank- I barer Staat. Erlauben Sie mir, dass loh Ihnen meine herzlichsten Segenswuensohe zu Rosch haschanaih uebefsende. Ich weiss es wohl, dass Sie keines Ihrer hohen Feste feiern koennen, ohne der unsaeglich Vielen aus Israel zu gedenken, die in ■grausamer Weise hingemordet wurden. “Man hoert eine klaegliche Stimme und bitteres Weinen auf der Hoehe; Rachel weint ueber .hxe Kinder und will sich nicht troesten lassen". Ich kann Ihnen nur immer wieder versichern, dass ich gesenkten Hauptes mit Ihnen um diese teuren Glieder Ihres Volkes trauere und weine und nicht auflhoeren will, da wo ich stehe, an sie zu erinnern und zur Busse zu rufen, die, die Ohren hahen zu hoeren. Die Klage um die Gemordeten darf nicht verstummen und der Bussruf: “Herr erbarme Dich” nicht stille werden. Der ersehuettemde Schopharton von Rosch Haschanah klingt weit ueber die Grenzen der juedischen Gemeinden hinaus in die Welt. Ueber Israel aber sehe ich die Geopferten als eine Uchte Wolke von Zeugen; auf ihren Stirnen und auf ihrer Brust tragen sie die Wunden, die man ihnen schlug, wie rote Rosen des Margenrotes. Und ihre Haende breiten sie segnend ueber Israel. Ich weiss aber, dass Sie heute auch derer gedenken, die im Heiligen Lande ihr Lehen hir.gaben fuer den Staat Israel. Auch hier stehe ich bewegt an Ihrer Seite und gedenke erschuettert der Graeber im Emek und am Kineret, in Jeruscihalajim und im Negew. Sie sind die Opfer fuer eine grosse Sache, ja fuer ein Gotteswunder, geworden. So stehen ihre Male hoch ueber Israel und Stroeme von Kraft und Liehe stroemen von dort herab auf die Ffluegenden und Pflanzenden, die Saeleute und die Erntenden, die die Wege bahnen durch felsiges Land und die Sandwuesten in Gaerten wandeln. Ist’s nicht herrlich, wie sich erfuellt, was Jeschajahu im 35. Kapitel geschrieben steht! Im stillen Wirken der fuer Israel Gefallenen und im unermuedlidhen Schaffen der Lebenden, der in die Heimat Zurueckgefundenen sind die Wunder des Gottesjahres 5709 geschehen fuer die, die heimgefunden hahen und auch fuer die Juden, die in allen Erdteilen zerstreut leben. “Lass dein Schreien und Weinen und die Traenen deiner Augen; denn dialne Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der HERR’’. So wuensche ich Ihnen aus tiefstem Herzen Gottes reichen Segen fuer das Neue Jahr 5710. Er ist der Trost und das Heil Israels! Er segne Sein Volk im Staate Israel und an allen Orten der Erde! Er troeste die Trauernden, trockne die Traenen, heile die Wunden! Er mache die Augen der juedischen Kinder leuchtend und froh! Er sei der Arm und dös Herz der Jugend Israels, der Schomrlm und Ohaluzim, der jungen Waechter und der Pioniere! Er schenke den Kranken Genesung, den Alten ein Heim, den Gebundenen Freiheit, den Verlassenen Brueder und Schwestern! Ja, ich gebrauche hier die geheiligten Worte der Rosch Hasohanah-gebete. Er, der Gott der Vaeter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs schreibe Israel ein in das Buch des Lebens als sein Koentg, Retter, Helfer und Schild. Der himmlische Koentg rettet die “Uebrigen”, den Scheerlth, er errettet die den Sohophar blasen vom Boesen. Er laesst in der Wueste Beer Schawa Wasserbrunnen quellen. Er verleihe Frieden in Fuelle Seinem Volke Israel zu jeder Zeit und Stunde— Er, der Herr alles Friedens. Er ist der Hirte seiner Herde. Moege das Jahr 5710, wie jener suesse Apfel in Honig getaucht es darstellt, ein gutes und suesses Jahr im Sinne der Heiligen Schrift fuer Israel werden. Auf den Knien wollen wir zu ihm flehen, dass unsere Augen sehen moechten Seine Rueckkehr nach Zion in Erbarmen unter dem grossen, feierlichen, langhinhallenden Schlusston der tekia gedolah und hell leuchte die Lampe des Sohnes Isai. Seines Maschiach, auf den wir warten, dass er Ihr Herz wieder froh mache: “Wie wird sieh freuen mein Herz in meinem Innersten, wenn loh hoere das Pochen meines Geliebten an meiner Tuer und seine Stimme vernehme". (Sos jasis libbi bekirbi beschäm! dodi dophek al petaohai kol.) i

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