Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 6 (Junio, 1950)
- Date
- 1950-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN1 INFORMATIVO 5 EIN UNVERGESSLICHER TAG Israels Gesandter... Es gibt einen Punkt oberhalb Valparaisos, an dem die Autos langsamer fahren, wenn sie von Santiago kommen. Es geht um eine Kurve, man sieht ein weisses Monument, und vor den Blicken der Ankommenden breitet sich die Bucht des Hafens aus, — man sieht zum ersten Mal das Meer. Dieser Punkt heisst “Alto del Puerto”, und jeder Porte¬ ño und jeder Viñamarino weiss, dass die Aussicht dort oben herrlich ist, und er ist stolz darauf, . wie anmutig sich Valparaiso dort den Blicken der Ankommenden dar bietet. Nie vorher jedoch haben die Juden des Puertos mit sehenderen Augen diese Landschaft betrachtet, als am 18. Mai 1950, — nachmittags um 5 Uhr puenktlich, — sehr puenktlich, wie man hervorheben muss. Denn sie sahen nicht nur ihr schoenes und geliebtes Valparaiso, — sie wollten es an diesem Nachmittag jemandem zeigen, — und sie wollten, dass der erste Eindruck auch gleich ein bedeutender sei. Denn der aus einem der Autos stieg, die aus Santiago kamen, und der von erregten und begeisterten Menschen freudigst empfangen wurde, war ein Gast, wie wir einen in unserer Mitte bisher nicht begruessen konnten. Jacob Tzur und seine Frau, der erste Gesandte Israels in Chile, kam zu uns, und als wir dastanden, ihm einen Blumenstrauss ueberreichten, uns um ihn draengten, um ihm nur einmal die Hand zu druecken, fuehlten wir uns wie in eine glueckliche Kindheit versetzt, und das Herz schlug uns schnell und bewegt. Seine Frau und er mussten die schoene Aussicht bewundern, die weiche Kurve der Bucht, und sie mussten uns bestaetigen, dass sie an die Bucht von Haifa erinnere, — was sie auch wirklich und deutlich tut. Es wurden Fotos vor dem weissen Monument aufgenommen, und das erste Zusammentreffen mit dem Repraesentanten unseres Landes haette nicht feierlicher und gleichzeitig froehlicher vor sich gehen koennen, als bei dieser Begegnug am “Alto del Puerto”. Nun setzte eine ansehnliche Auto-Kolonne sich in Bewegung, und es ging in das Haus der Sociedad Unión Israelita, wo die hebraeische Schule und der Hashomer Hazair, Ken Hakoah, ihren Gesandten begruessen wollten. Als bei seinem Eintritt in den Hof des Hauses die “Hatikvah” aus jungen Kehlen stark und freudig erklang, als der Lehrer der Schule in einer hebraeischen Rede Jacob Tzur bégruesste, als ein kleines Maedchen, juengste Schuelerin dieser Schule, ihm, einen Blumenstrauss ueberreichte, fuehlte man, dass nicht nur bei uns die Bewegung und die Ruehrung gross war. Der Anblick der Kinder und der Jugend bewegte auch ihn. In ihrer “Kluft”, im blauen Hemd, war der Hashomer Hazair erschienen, und einer der Aeltesten aus ihrer Reihe hielt eine Ansprache, in der er der Freude Ausdruck gab, die die chaluzische Jugend fuehlt, und in der er Worte von Jacob Tzur ueber die chaluzische Bewegung zitierte. Der Gesandte antwortete dem Lehrer auf hebraeisch, dem Vertreter des Hakoah auf Castellano, indem er betonte, welch heimatliches Gefuehl der Anblick der blauen Hemden in ihm ausloese, und wie er dadurch sich hier, in diesem Winkel der Welt, wiederum zu Hause und mit Israel verbunden fuehle. Mit einem herzlich ausgesprochenen: “Lehitraot 0£ LA COLE-CTi V/ÜAO (SR AEJ.P a CASILLA 984 « VAuPARAlSO Miigliederbewegung Herr Peter Brandt wegen Fortzug. JUEDISCHER FRAUENVEREIN Jeden Freitag abend um 19 Uhr. Jeden Samstag vormittag um 9 Uhr. Ausserdem an Jahrzeiten, Diese Daten muessen rechtzeitig an Herrn Weglein oder Casilla 984 mitgeteilt werden. Verkuendung des Neumondes Tamus: Samstag, den 10. Juni. Neumondsiag 1. Tag Donnerstag, den 15 Juni. 2. Tag Freitag, den 16. Juni. GENERALVERSAMMLUNG i Dienstag, den 13. Juni 1950, um 4 Uhr nachmittag, bei Hes, Valpo. Paseo Gervasoni 492. DIE BIBLIOTHEK ist aus Zweckmaessigkeitsgruenden verlegt zu Strauss, Viña, Tausch taeglich. WOLLE zum Stricken kanp abgeholt werden bei Herta Arendt, Valpo., San Martin 480, nur vorm. KLEIDERKAMMER Fuer unsere Armen brauchen wir nach wie vor Kleider, Waesche etc. Annahme b. H. Reichmann, Casa Ultimoda nur vorm. Der Vorstand. Verkuendung des Neumondes Av: Gottesdienst fuer den 9. Av: Samstag, den 8. Juli. Neumondsiag Samstag, den 15. Juli. Samstag, den 22. Juli abends 19 Uhr. Sonntag, den 23. Juli vormittags 8.30 Uhr. Sonntag, den 23. Juli abends 17.30 Uhr. be’Eretz Israel, auf Wiedersehn in Israel”, schloss Jacob Tzur seine Ansprache, Er sagte in ihr, fast woertlich: “Ich kann Euch nur sagen: verlasst die bequemen Haeuser und das gute Leben, das Ihr lebt und kommt und helft uns, Israel bauen. Denn das ist Eure Zukunft!” Die Begeisterung der Jugend war gross und ehrlich, —nachdem Tzur schon fortgefahren war, wollten die Horras und die Lieder noch lange kein Ende nehmen. Um 7 1[2 Uhr war zu einem Cocktail im Hotel O’Higgins geladen, bei dem der Gesandte mit den offiziellen Persoenlichkeiten Valparaisos und Viñas bekannt gemacht und ihnen vorgestellt werden sollte. Ein elegantes und festlich gestimmtes Publikum, aus Vertretern der juedischen Organisationen und aus Repraesentanten der chilenischen Behoerden zusammengesetzt, fuellte den Saal und bezeugte Jacob Tzur und seinem Lande die Ehre und Bewunderung, die ihm zukommt. Man sah unter den Anwesenden den Intendenten der Provinz Sr. Molina Luco, die Buergermeister von Valparaiso und Viña del Mar, eine Reihe von Konsulen, wie auch Vertreter des Heeres, der Gerichte und der Presse. i Der Cocktail schloss mit den warmen und herzlichen Reden von dem Buergermeister von Valparaiso, Sr. Leónidas Leighton, dem Subdirector des “Mercurio”, Sr. Le Dantec, und dem Presidenten der Federación Sionista de Chile, Sr. Gil Sinay,. denen Jacob Tzur in bewegten Worten antwortete. Er gedachte der freundschaftlichen und bruederlichen Haltung Chiles den verfolgten Juden Europas gegenueber und betonte, dass viele der damals Verfolgten 'ihr Leben der Tatsache verdanken, dass sie in Chile eine Heimat fanden und dass dieses demokratische Land ihnen seine Pforten nicht verschloss. Man musste sich beeilen, um vom Cocktail rechtzeitig zum Bankett zu kommen, das fuer 9.112 Uhr im Haus des Sociedad Unión Israelita angesagt war. Als man, kurz nach 9 Uhr ankam, war der grosse Saal bereits voll besetzt, Und ein zweiter, kleinerer Saal, in dem man durch Lautsprecher die Reden hoeren konnte, wurde, wenn auch widerstrebend, ebenfalls gefuellt. Alle wollten dabei sein, jeder wollte ihn sehen, ihn sprechen hoeren, mit ihm an einem Tisch sitzen. Ihn, Jacob Tzur, unseren Gesandten, in dem wir unser Land, unser lange ersehntes Ziel selbst, unter uns zu sehen vermeinten. Von allen Gemeinden einzeln und aufs herzlichste begruesst, von einer ausfuehrlichen Rede warm willkommen geheissen, schien sich Jacob Tzur und seine liebenswuerdige, reizende Frau in unserem Kreise wohl und zu Hause zu fuehlen. Eine gute Kapelle spielte alte, jued'ische Lieder und klassische Musik, und begruesste und verabschiedete unseren Gesandten mit der "Hatikvah”, die von allen mit gesungen wurde. Eine launige Radio-Ansage erhoehte die Stimmung, die Jacob Tzur in seiner ausfuehrlichen, und ernsten Rede, als eine “Jomtowd'ige”, das heisst: eine “sonn-, taegliche” bezeichnete. Das ist allerdings nur die woertliche Uebersetzung des Wortes “jomtowdig”, —der eigentlich, kraeftig— volkstuemliche Sinn des Wortes Ist im hochdeutschen nicht wiederzugeben. “Jomtowdig” ist Eure Stimmung, —so ungefaehr fuehrte Jacob Tzur in seiner Rede aus, — die er in hebraeisch begann, in Castellano fuer die sephardische Kolonie fortfuehrte, und die er auf jiddisch beschloss. “Jomtowdig” ist sie, — und ich will Euch die Freude nicht nehmen. Aber denkt daran, dass wir am Anfang sind, und noch nicht am Ende. Dass alles noch auf zarten Fuessen steht, dass alles noch im Beginn ist. Denkt einmal einen Augenblick daran, was aus Euch allen geworden waere, wenn Israel diesen Krieg nicht gewonnen, sondern verloren haette. Wo waeren dann Eure schoenen Haeuser, —'Euer Reichtum. — Eure behueteten und verwoehnten Kinder? — Und denkt daran, wer den Krieg gewonnen hat und wer das Land aufbaut. Die Jugend, der Chaluz Ist es, auf dem das Land steht, er Ist es. der mit Benzinflaschen auf die Tanks losgegangen ist. er hat den Krieg gewonnen, er baut das Land”. Mit Worten die an eine glueckliche Zukunft, an ein Universitaet, D. Juvenal Hernández, Senatoren, Abgeordnete, der Buergermeister von San Miguel, D. Carlos Valdovinos, der Professor Carlos Vergara Bravo, u.a.m. Am Mittwoch, den 24. Mai, nachmittags um 4 Uhr, verlassen der israelische Gesandte und seine Frau Gemahlin Chile, um nach Buenos Aires zu fliegen. ER Jacob Tzur vereinigt die Attribute einer starken Pcr. soenlichkeit; rein physisch wirkt er wuchtig, sein Auftreten ist ernst und gemessen, seine Rede klar. Wenn er spricht, so um etwas zu sagen und nicht nur, um zu reden. Man spuert, dass er sich der Verantwortung, die ihm seine Mission auferlegt, staendig bewusst ist. Trotzdem ist er sehr freundlich und zugaenglich. Vor allem ist er ungekuenstelt, natuerlich. Die doppelte Problematik, (Von Seite 1) nay dem kollektiven Enthusiasmus gegeben hat: “Sie, Herr Minister, demonstrieren uns vor unseren eigenen Augen, dass wir Juden heute mit den anderen Voelkern wie Gleiche unter Gleichen sprechen undud-er> Jischuw von Chile dankt ihnen unter anderem fuer diese Tatsache, die eine Befreiung von einem jahrtausendealten moralischen Minderwertigkeitsge. fuehl darstellt”, so kann man nur fragen: Haben unsere Menschen dieses Minderwertigkeitsgefuehl niemals verspuert? Oder haben sie sieh davon bereits so emanzipiert, dass die fuer unseren Kreis geschichtlichen Tage dieses Monats Mai sie kalt lassen? Von den Veranstaltungen darf man sagen, dass noch nie auch nur ein einzige so ausgezeichnet “geklappt” hat, wie diesmal die vielen rasch aufeinander folgenden. Die verantwortlichen Leiter uebertrafen sich dabei selbst, sowohl in organisatorischer den Staat Israel zu vertreten Hinsicht, wie auch in Bezug und mit den Juden des Lan-j auf andere Faktoren. So war des Kontakt zu nehmen, loest | z.B. die Tatsache, dass bei er im Sinne einer tiefen zio nistischen Ueberzeugung und Erfahrung. Man kann sagen, dass er die Colectividad ebenso auf sucht, wie sie ihn; besonders bemerkswert ist sein Interesse an der Jugend. Fuer ihn ist es klar, dass “Israel kein Staat ist, wie andere Staaten, denn vor allem ist Israel ein juedischer, d. h. ein zionistischer Staat”. Und: “Auch am schwarzen Anzug des Diplomaten trage ich gross den Gelben Fleck!” WIR Die Begeisterung des Jischuws von Chile ist nur zu vergleichen mit der, welche die Erklaerung der Vereinigten Nationen vom 29. November 1947 und die Proklamation des Staates am 14. Mai 1948 ausloeste. Die Colectividad zeigte sich von ihrer besten Seite: in ihrer echten Sentimentalitaet, ihrem Verstaendnis fuer die Symbole der nationalen Wiedergeburt und ihrer aufrichtigen Herzlichkeit. Auch was unseren Sektor anbetrifft, Hesse sich das Gleiche sagen, haetten wir nicht bei mehr als einer der wirklich einmaligen Veranstaltungen allzu viele Gesichter vermisst. Knuepfte man an eine der Interpretationen an, die der Praesident der Federación Sionista, D. Gil Sidem grossen Empfang im Teatro Municipal ein einziger Redner im Namen der gesamten Judenheit des Landes sprechen konnte, eine einfach revolutionaere Neuerung, die hoffentlich Schule machen wird. FAZIT In der Chronik des Judentums in Chile werden diese Tage einst unter den groess-! ten . verzeichnet werden I muessen. Israel hat einen Minister gesandt, der als Diplomat und Mensch genau das darstellt, was wir von einem Gesandten unseres kleinen und grossen Volkes und Landes zu erwarten ein Recht hatten. Die Colectividad hat ihre tief innerliche Verbundenheit mit dem Jischuw von Israel in einer einzigen grossen Geste demonstriert. Fuer die Beziehungen zwischen Chile und Israel zeichnen sich neue und weite Horizonte ab. Der kulturelle Austausch hat mit der Gruen. dung des Instituts bereits eine solide Basis. Füer die wirtschaftlichen Bezieh ungen sind die ersten Faeden angeknuepft worden. Und politisch beginnt eine neue Aera der Annaeherung und Freundschaft, begruendet auf gemeinsame Ideale der Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie. bluehendes Israel glauben Hessen, schloss Tzur seine schoene, alle bewegende Rede, der ein langer, begeisterter Beifall folgte. Zu snaeter Stunde erst und mit dem Gefuehl, einen unvergesslichen Tag erlebt zu haben, ging man auseinander. Am naechsten Morgen regnete es, aber jeder wusste, dass der Regen uns nicht hindern wuerde, nach der Plaza Sotomayor zu ziehen, um der Kranzniederlegung am Denkmal Arturo Prat beizuwohnen. Auch die aeltesten Mitglieder unserer Gemeinde waren gekommen, und als die Fahne Israels emporstieg und als, unter militaerischen Ehrenbezeugungen, Jacob Tzur zur Niederlegung des Kranzes schritt, sah man Traenen in manchem Auge und hoerte aus manchem Mund das Wort: “Ieh habe nicht gedacht, dass Ich diesen Tag erleben werde. Ich werde diesen Tag nie vergessen!"... Der Eindruck, den Jacob Tzur und seine Frau bei uns hlnterliessen. Ist nachhaltig und tief. Er wird im Ablauf des Alltags nicht verschwinden. Jacob Tzur Ist ein ernster Mann, ein Mann voll Verantwortung und Pfllchtgefuehl, ein Mann, dessen repraesentatives Aeusseres und dessen einfaches, offenes Auftreten genau das darstellen, was Israel in seinem Gesandten darstellen will: Kultur und Herz, Sicherheit und Entschlossenheit, und den tiefen Ernst, mit dem Israel heute der Welt gegenuebersteht. ' In der Wochenschau dieser Woche, sahen wir auf der Leinwand die Fahne Israels hochgehen, Jacob Tzur dem Praesidenten Chiles 6eine Papiere ueberreichen, und hoerten dazu die begleitenden Worte des Redners. Wir sahens, — und konnten’s kaum glauben. Wir dachten wieder, was wir alle diese Tage dachten: “Wir glaubten nicht, dass wir das erleben werden. Wir werden diese Tage nie vergessen!". P. A.