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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-06-01 · 6 (Junio, 1950) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
6 (Junio, 1950)
Date
1950-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO loh bin von der Presse! Diese fuer mich einfach erschütternde Enthue llung daemmerte mir, nachdem ich eine nicht mehr genau festzustellende Zahl von Tagen lang dem Gesandten Israels nachjagte, um ein Interview zu ergattern. Fuer das “Bo!etin Informativo”, natuerlich. Mein erstes Interview Jacob Tzur wird vom “B. I.” interviewt Da man niemandem unlautere Absichten unterstellen soll —und am wengisten dem ersten Minister Israels in Chile—, so will ich nicht annehmen, dass Jacob Tzur den franzoesischen Botsehafterj nur besucht hat. Um mir zu entgehen. Zwar hat er auch den Besuch des paepstlichen Nuntius ausgerechnet zu einer Zeit empfangen, die mir gut gepasst haette und nach Valparaiso fuhr er zum Ueberfluss an einem Feiertag, doch will ich zu seinen Gunsten annehmen, dass er eben seine anderen Verpflichtungen fuer ebenso wichtig hielt wie die unumgaengliche, dem “B. I.” Rede und Antwort zu stehen. Doch schliesslich wird iede solche Geduldsprobe einmal belohnt und sei es auch nur, wie in diesem Falle, mit einer Gelegenheit,' die Geduld des Anderen auf die Probe zu stellen. Am Montag, den 22. Mai Punkt 5 Uhr nachmittags fand ich mich im Hotel Carrera ein und gruebelte noch darueber, ob ich dem Herrn Minister meine Fragen nicht lieber schriftlich ueberreichen sollte, denn schliesslich hat Kingsbury Smith sein Interview mit Stalin auch schriftlich gemacht, aber andererseits koennte der Minister gerade daran Anstoss nehmen und nicht mit Stalin verglichen sein wollen, oder mich fuer groessenwahnsinnig halten, denn Kingsbury Smith hat doch ganz ohne Zweifel schon viele Reportagen durchgefuehrt und ich gehe zu meiner ersten und siehe da!, beziehungsweise siehe oben, beim Eintreten in das Teezimmer stelle ich fest: Ich bin von der Presse! Da sind meine “Kollegen” und die “Kollegen” des “Boletín Informativo”: Carlos Anfruns vom “Mercurio”, Guillermo Feliú, der Sub-Director der “Nación”, Carlos Barry von der Associated Press, Francisco Quintana von Reuter, Renato Silva vom “Mercurio” Valparaíso, Octavio Marfán vom “Imparcial” und andere mehr, die ich eben trotz der grossen Bedeutung unseres Blattes noch nicht vorgestellt bekommen hatte. Also, Ueberschrift “Pressekonferenz”, dazu ein 5 Uhr- Tee, wie er im Buch steht und ein Kreuzfeuer von Fragen und Antworten. “Ihr Leben als erstes; es ist zweifellos das Interessanteste, was sie uns erzaehlen koennen!” — “Es ist das am wenigsten Interessante!” Der Fragesteller waere vielleicht vom Stuhl gefallen, haette Tzur nicht die Antwort mit einem verbindlichen Laecheln abgeschwaecht. Weiter im Text. “Politische und wirtschaftliche Lage in Israel...” — “Die gleichen Schwierigkeiten wie alle Staaten... und eigene dazu. Ein Staatssozialismus, aehnlich dem englischen, mit freiem Innenhandel und kontrolliertem Aussenhandel hat die Lebenshaltungskosten in zwei Jahren um 20% heruntergesetzt. Wir haben eine Synthese der freien, kooperativen und sozialistischen Wirtschaft aufgebaut”. Tzur erklaert das Funktionieren des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft: der Moschaw und der Kibbuz. Dabei erwaermt er sich sichtlich. “Das kulturelle Niveau soll besonders hoch sein?” — Der Minister bejaht stolz. Die Kibbuzim sind das kulturell und politische Zentrum de, Landes; im ersten Kabinett’ Ben Gurion waren zwei Minis t e r Mitglieder kollektiver Siedlungen. Aber auch im allgemeinen, die Tatsache, dass auf rund eine Million Einwohner 4 Theater und 11 Zeitungen kommen oder die Qualitaet des von Bronislaw Hubermann gegruendeten und von Toscanini oder jetzt von Koussevitzky dirigierten Symphonischen Orchesters sind bemerkenswert. Jerusalem... — “Was die Profanierung Heiliger Staetten anbetrifft..., muss ich unter Journalisten erklaeren, wie man Nachrichten fabriziert, wenn man Interesse daran hat? Haetten wir sie nicht allzu sehr respektiert und z.B. ein gewisses armenisches Kloster besetzt, wer weiss ob die Altstadt gefallen waere. Ich habe Zeit meines Lebens in Jerusalem gelebt und habe auch die Belagerung mitgemacht. Wir waren 100.000 Einwohner und die Transjordaner vom Norden und Osten und die Aegypter vom Sueden und Westen her hatten die Stadt vollkommen eingeschlossen.” Nun erzaehlt Tzur Einzelheiten aus dem uebermenschlichen Widerstand der Stadtbevoelkerung, von der minimalen Wasserration, den fehlenden Lebens, mittein, den mangelnden Waffen, dem Bau der “Burma-Strasse” und wie unsere | rael... sie haben 3 Äbgeord- Von HANS KAUFMANN zu beobachten, wie unbekannt dieser _ Umstand eigentlich noch ist. “La Nación” vom naechsten Tage z.B., brachte die Pressekonferenz unter dem dreispaltigen Titel: “Solamente los que residen en Israel son ciudadanos del Estado israelí”. _ Die naechste Frage bezieht sich auf die Rechte der arabischen Bevoelkerung Israels. “Es gibt 170.000 Araber in Is. Vertreter waehrend der ganzen zwei Monate lang die. In nete im Parlament... ihre musulmanischen und christliternationalisierung der Stadt chen Kultusinstitutionen werverlangten und die U.N. sich den vom Staat unterhalten... nicht ruehrten. Wie dann ¡sie haben eigene Gerichte... nach dem Waffenstillstand' gemessen das Recht, im Par- —zu dem di^ siegreichen Ju-; lament und vor den ’allgemeiden gezwjHifen wurden—, die' nen Gerichten in ihrer Spra- Stadt -wieder auflebte, die Wasserleitung repariert wurde, der Weg zur Kueste eroeffche auszusagen... niemals vorher war ihre Situation so gut: zum ersten Mal haben net, die Eisenbahn ankam, ihre Frauen Stimmrecht und die Ernennung zur Hauptihre Kinder Schulzwang... stadt beschlossen wurde und jetzt, ja jetzt, will die U. N. es herrscht absolute Gewissensfreiheit. .. es gibt keine zur Internationalisierung Staatsreligion; das Kultus: . — _ministerium hat 3 Divisionen: , die juedische, musulmanische und christliche... vieles in Bezug auf religioese Kompetenzen haben wir von der britii sehen Administration uebernommen”.! “Welches ist Israels Posi-j tion im Kalten Krieg?”... _1 “In dem Masse, in dem wir! schreiten. Tzur scheint bewusst auf jede juristisch-foimale Augumentierung zu verzichten. Er erklaert die juedischen Gegenvorschlaegs und erwaehnt Analogien. Einer der Eingeladenen, der sich im Laufe der Unterhaltung bereits mehrmals auf Dr. Lachmann berufen hat, den er noch nicht vergessen ¡unser Sandkorn beitragen hat, stellt sein Interesse an koennen, geht unsere Stimme der Hebraeischen Universitaet unter Beweis. Der Gesandte: antwortet, indem er sich auf die Bedeutung, die man der Wissenschaft in Israel ueberzugunsten jeder Friedensini.! tiative. Unsere exponierte geographische Position und unsere Brueder in beiden j Blocks verpflichten uns zur haupt beimisst, bezieht. Er, Neutralitaet. Aber diese spricht von ihrem praktischen Wert fuer ein kleines und ar- I unsere Neutralitaet ist keine solche der Stimmenthaltung, sonmes Land, vom Weizmannhern sie ist aktiv. Wir haben Institut, den Rizinus-Pflan- ' sehr enge Beziehungen zu den zungen im Negew, aus dej "US.A. und unsere Zivilisation ,nen man Nylon gewinnt “das j ist eine westliche. Doch auch Gegensatz zum RizimuK-Fzur U.d.S.S.R. haben wir gute raCTäSK1flifiranj Beziehungen”, i greift”, von der chemischen I Es ist bereits 7 Uhr, die Verarbeitung der Orangen, Zeit ist verflogen. Ein Jourj und kommt dann auf die Uni-! nalist, der vielleicht auch das i versitaet selbst zu sprechen.; Zeug zum Diplomaten in sich | Besonderes Interesse finden' hat, stellt eine neue Frage, dabei seine Referenzen ueber j die hoeflicher— und geschickdie aus dem 1. Jhdt. stami terweise keine weitere zürnenden, kuerzlich entdeckten laesst: “Wann kommen Sie 'Schiriftrollen, ueber die archaeologischen Forschungen ueberhaupt, d i e hebraistischen und arabischen Studien. Die Immigration; wann wird man und wer ist Staatsbürger in Israel: “Um Staatsbuerger zu sein, muss man im Lande wohnen. Man kann es werden im Moment der Ankunft selbst. Die Juden in der uebrigen Welt sind Staatsbuerger ihrer respektiven Wohnlaender”. Die Klarstellung wirkt einfach sensationell und es ist interessant wieder?” Er fragt es in ausgesprochen herzlichem Ton und ebenso kommt die Antwort: “In zwei Monaten. Und dann fuer laengere Zeit!” Tzur verabschiedet sich von jedem der Besucher einzeln. Ich bitte ihn um eine Fotografie fuer das “B. I.” und er laedt mich auf sein Departamento ein, um sie zu uebergeben. Die Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen und bei allem Patriotismus und obwohl ich weiss, dass der Empfang im Senat bereits angefangen haben Jacob Tzur hat ein “hobby”! Er selbst sagt: “Wenn ich nicht Diplomat waere, moechte ich Philologe sein. Ich gehoere zu der seltenen Rasse von Menschen, die ein Grammatik-Buch mit der Spannung lesen koennen, die andere bei einem Kriminalroman spueren”. “Was gehoert zu Ihren schoensten Eindruecken in Chile?” “Um einen zu nennen: die Stadt Valparaiso! Sie ist unbeschreiblich schoen..., ein Juwel”. Ueber die, chilenisch-israelischen Handelsbeziehungen: “Meine Mission besteht darin, die hiesigen Moeglichkeiten zu studieren, alsdann meine Regierung zu informieren und deren Entscheidung und entsprechenden Auftraege abzuwarten. Ich bin lediglich ausfuehrendes Organ”. Und der Salpeter? “Steht selbstverstaendlich an erster Stelle”. “Ich habe mich mit dem Aussenminister Walker ueber das Problem der Internationalisierung Jerusaj lems unterhalten und dabei unterstrichen, dass Israel die internationale Verwaltung der Heiligen Staetten wohl akzeptiert, nicht aber die der gesamten Stadt. Dabei waehlte ich folgendes Beispiel: Wenn die “Virgen” auf dem “San Cristöbal” fuer mehrere Religionen und Voelker heilig waere, so koennte man sich vorstellen, dass die chilenische Regierung in eine Treuhaenderverwaltung dieser “heiligen Staette” einwilligte. Wuerde sie jedoch mit der Internationalisierung ihrer gesamten Hauptstadt einverstanden sein?” “Meine Regierung konnte nicht einsehen, weshalb ich —mit dem Beglaubigungsschreiben in der Tasche von Dezember bis Mai wartete, um nach Santiago zu kommen. Fuer sie sind die Monate Januar und Februar Arbeitsmonate wie alle anderen auch”. muesste. ueberfaelle ich ihn noch mit einer Frage. “Haben Sie in der Colectividad von Chile irgendwelche eigene Charakterzuege bemerkt, die uns von den Juden anderer Laender unterscheidet?” — “Ich will nicht schlecht ueber die Juden anderer Laender sprechen!” — “Gut, lassen wir die Vergleiche zur Seite”. (Wie schwer ist es doch, einen Dipiomaten zu interviewen!) — “Jawohl, es gibt drei markante Kennzuege: Erstens, ihr hohes kulturelles Niveau; zweitens, der enorme zionistische Einfluss, der auf eine feste Tradition und einen starken Rahmen zurueckzufuehren ist; drittens, die enge Verbindung mit der politischen Aussenwelt”. Beim Cocktail der Gemeinde stellen wir "ihn noch einmal und er muss einer Gruppe von Chawerim, die sich fuer alte zionistische Leiter aus Mitteleuropa und persoenliche Freunde in Israel interessieren, Auskunft geben. Kurt Blumenfeld, der grosse Erzieher des deutschen Zionismus steht natuerlich an erster Stelle. Er ist leider seit langer Zeit sehr krank. Und Dr. Hantke, Leiter des Keren Hajessod: Auch er, der “perfect gentleman”, gehoert nicht mehr zu den juengsten. “In welchen Ministerien gibt es Juden aus Deutschland?” —“Im Aussenministerium ist Walter Eytan —er hiess frueher Ettinghausen— Unterstaatssekretaer. Dann ist das Justizministerium unter Rosenblueth: das ist ueberhaupt deutsch. Der Staatskontroller ist Siegfried Moses. Und im Wirtschaftsministerium sind mehrere Juden aus Deutschland”. — “Noch aus den Zeiten des ersten Kabinetts, in dem Fritz Bernstein Minister war?" —“Nein. Warum auch? Bernstein stammt aus Holland. Aber da ist Rosenbluth, der jetzt in den Vereinigten Staaten ist und der Unterstaatssekretaer Meron”. Wir fragen: “Wie hiess Meron frueher?” Seine Stirn kraust sich. “Meron, Meron... Wissen Sie,” unterbricht er sich selbst, “wir haben schon des oeftern an die Notwendigkeit gedacht, in Israel ein “Who was who” herauszubringen!” -“Kennen Sie unseren Freund Schlomo Levi?”, fragen zwei Chawerim. “Schlomo Levi? Den Exekutiv-Direktor im K. K. L.? Zwanzig Jahre haben wir zusammengearbeitet! Er ist einer meiner besten Freunde!” Es war wie ein Wiedersehen. Ein weiterer Fragesteller naehert sich. Das heisst, er stellt gar keine Frage, denn er kommt selbstbewusst und ist sich seiner Sache ganz sicher. Er behauptet vielmehr: “Meinen Vetter kennen Sie aber ganz bestimmt!” Und wartet mit einem triumphierenden Laecheln des Ministers interessierte Frage ab: “Ja? Wen?” — “Professor Zondek!” — Tzur muss sich geschlagen geben- Natuerlich kennt er ihn. Aber er raecht sich, indem er lachend hinzufuegt: “Aber behandelt hat er mich noch nicht!” — Ich erlaube mir einzuwerfen, dass ihm das auch schwer fallen sollte, denn was sollte schliesslich ein Gynaekologe... Aber bei mir denke ich an die tiefe geschichtliche Wahrheit des kleinen Emigranten- Gassenhauers: “Und nach der Mehlspeis’ sinds Verwandte. ..!” A

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