Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 5 (Mayo, 1950)
- Date
- 1950-05-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN) INFORMATIVO 13 DER VERWAISTE PLAN Die unaufrichtig-naive Idee, der Bevoelkerung der Stadt Jerusalem im Namen des Friedens ein internationales Regime aufzuoktroyieren, hat endgueltigen Schiffbruch erlitten. Das kann niemanden ueberraschen, der halb staunend halb bewundernd die laecherlich theoretischen Debatten im Treuhaenderschafts-Rat der U.N. verfolgte, die sich zu gleicher Zeit mit Fragen wie der zukünftigen Flagge der Stadt befassten, waehrend diese selbst sich politisch, wirtschaftlich und kulturell immer unzertrennlicher mit Israel verband. Nach altbe. waehrten Genfer Rezepten, stritt man sich wieder einmal um des Kaisers Bart... Der Bankrott des arabisch-katholisch-sowjetischen Plans wurde verursacht durch die Erklaerung der Sowjet —Union, dass sie sich von den Beschluessen der U.N.— Kommission distanziere, da offensichtlich das internationale Regime fuer beide Bevoelkerungsteile der Stadt —Juden und Araber— unannehmbar sei. Es sind keinerlei Anzeichen dafuer vorhanden, worauf dieser Stellungswechsel zurueckzufuehren ist. Die Teilnahme eines Vertreters der bereits nicht mehr existierenden “Regierung” Chinas, welche den Ostblock veranlasst hatte, die Sitzungen, ebenso wie die aller anderen Comités, zu boykottieren, ist keine ausreichende Erklaerung fuer diesen Stellungswechsel. Un ob er einen Schritt in Richtung einer neuen russischen Nahostpolitik darstellt, waere Gegenstand spaeterer und gesonderter Betrachtungen. Wesentlich ist im Moment, dass nun auch die letzte Grossmacht die Vaterschaft dieses Elefantenbabys verleugnet. Der Internationalisierungsplan steht nackt und haesslich da, bevor er laufen gelernt hat. Jeder Sympathie bar, wird er in dieser harten und feindlichen Welt bald an Unterernaehrung eingehen. Das Leichenbegaengnis duerfte nach ■mohammedanischem Ritus vollzogen werden. DER “ANSCHLUSS” Wer versteht die “Politik” der arabischen Machthaber? Der Bankrott der Arabischen Liga stand fuer alle Welt ausser Frage, als vor nunmehr einem Monat diese Koerpersdhaft in Kairo zusammentrat, den Ex-Mufti von Jerusalem zuliess und als dessen unversoehnlicher Erbfeind, Afodulla von Amman, erklaerte, die Liga sei eine unnuetze Organisation und er denke gar nicht daran, an den Verhandlungen teilfunenmen. Sodann erliess der Rat der Liga, an dem Aegypten, Syrien, Libanon, Irak und Saudi-Arabien teilnahmen, ein Ultimatum, im dem sie dem tapferen Wuestenkoenig mit Ausschluss drohten, worauf sich dieser beeilte, hohe Wuerdentraeger nach Kairo zu entsenden. Das mag dem britischen Wunsch entsprochen haben, die explosiven Beziehungen zu dem von der nationalistischen Wafd-Partei regierten Aegypten nicht mit der Zuendschnur des haschemitischen Ehrgeizes in Brand bu setzen. Und tatsaechlich, siehe da: niemals zuvor war die Liga zu solch transzendentalen und einstimmigen Beschluessen gelangt. Die sechs Liga-Staaten verpflichteten sich, keinen Separatfrieden mit Israel zu verhandeln, keine Verfuegungen ueber die besetzten palaestinensischen Gebiete zu treffen, den wirtschaftlichen Boykott gegen den Judenstaat zu verschaerfen, die militaerischen Probleme zu koordinieren und trafen noch weitere dem Weltfrieden —so wie ihn Mr. Bevin interpretiertzutraegliche Beschluesse. Jegliche Zuwiderhandlung auch nur eines dieser Beschluesse soll automatisch den Ausschluss aus dieser Organisation zur Folge haben. Wie man sieht: eitel Freude und Einigkeit. Zwei Wochen gingen ins Land und sie genuegten, um Abdullas ernste Zweifel an der Bedeutung dieser Beschluesse und ihrer Urheber unter Beweis zu stellen. Mittels einer mehr oder weniger geschickt inszenierten Wahlfarce und mit Hilfe eines Schattenparlaments vollzog er seinen alten Traum, die westlich des Jordans von seinen Truppen besetzten Gebiete zu annektieren. Die Ueberraschung in Kairo und den anderen arabischen Hauptstaedten kann nicht gering gewesen sein. Sollte der letzte “Erfolg” der Arabischen Liga auch wirklich ihr letzter gewesen sein, gleich dem Auf flackern in der Agonie? Ihr Oberster Rat wird neuerdings tagen muessen, um ueber den eventuellen Ausschluss des unbequemen Sozius zu beraten. Was diesen anbetrifft, so steht einstweilen fest, dass ihm an Cisjordanien mehr liegt als an der Liga und am Anschluss mehr als am Ausschluss. BEVIN ERKENNT SICH SELBST AN Die Verblueffung in den arabischen Hauptstaedten kontrastiert mit der postwendenden und praezisen Reaktion zweier Staaten: Israel und England. Bereits am Tage nach Abdullas Kronrede erklaerte die Regierung von Jerusalem, dass sein selbstherrlicher Schritt sie in keiner Weise verpflichte. Es ist selbstverstaendlich, dass der Teil des Beschlusses vom 29. November 1947, der einen unabhaengigen arabischen Staat in Palaestina 'vorsieht, nicht einfach mit einer einzigen Unterschrift ungueltig erklaert werden kann. Israel hat lebenswichtige Interessen in Restpalaestina und kann z. B. unter keinen Umstaenden gestatten, dass unter dem tarnenden Deckmantel eines Jordanreiches wieder einmal britische Kanonen und Tanks aufgefahren werden. Dass dies in den Absichten des Foreign Office liegt, wird durch die ueberstuerzte Anerkennung der Annektion unterstrichen, mit der Bevin seinen eigenen' Rautazug zu legalisieren versuchte. Die gleichzeitig erfolgte Ausdehnung der “de facto” — Anerkennung Israels durch England zu einer solchen “de jure” ist auch nicht dazu angetan, ueber dieses Mannoever hinwegzutaeuschen. Solange A b d u 11 a nichts weiter als der lange Arm Bevins im Vorderen Orient ist, stellt er eine Lebensgefahr fuer Israel dar. Um ihr zu begegnen, scheint sich die israelische Diplomatie in zwei Richtungen zu bewegen: In erster Linie, den nordamerikanischen Brotherren des Foreign Office klar zu machen, dass der britische Vorstoss im Nahen Osten keineswegs dazu bestimmt ist —wie Bevin es weis machen will—, diese Zone gegen Russland zu festigen, sondern einzig und allein gegen Israel und damit gegen die Stabilitaet und den Frieden gerichtet ist. Zweitens, Verhandlungen mit Abdulla aufrechtzuhalten, in denem eine Anerkennung des status quo seitens Israels als Preis fuer tatsaechliche Garantien —und dazu gehoert das Fernbleiben jeglicher Kolonialherren— in Aussicht gestellt ist. DER REST IST SCHWEIGEN Seit die U.N. das Waffenembargo fuer den Vorderen Orient aufgehoben hat, ist England fleissig am Werke, seine arabischen Alliierten gewaltig aufzuruestem. Auch die U.S.A. haben weder Muehe noch Kosten gescheut, Laender wie Aegypten mit den modernsten Luft —und Seestreitkraeften auszuruesten. Israel, mit Recht beunruhigt durch die dadurch moeglichen Veraenderungen im militaerischen Gleichgewicht, hat darauf nach mehreren Richtungen hin reagiert. Erstens, mit formellem Protest. Zweitens, mit Forderung auf Verkauf von entsprechenden Lieferungen, selbstverstaendlich gegen Zahlung. Was diese Forderung anbetrifft, so ist sie von England, was keine Ueberraschung darstellen kann, rundweg abgeschlagen worden. Der Grund seien “vertragliche Verpflichtungen” mit den arabischen Staaten; jawohl —man hoere und staune—, das Foreign Office bricht einen alten Brauch und fuehlt sich ploetzlich bemuessigt, seine vertraglichen Verpflichtungen zu respektieren. Was Nordamerika anbetrifft, so haben unsere allzu zahlreichen Feinde im State Department bisher mit Ausfluechten geantwortet: entweder, man studiere noch die israelische Note oder, man sei eventuell bereit, einen Teil der Waffenbestellungen, naemlich den auf leichtere Waffen, zu befriedigen. Die Proteste wurden mit einer Reihe von Argumenten abgetan, die im Grossen und Ganzen den folgenden Ton haben: Entweder: Die Waffen sind lediglich zur Aufrechterhaltung der inneren “Ordnung” bestimmt und nicht gegen Israel. Oder: Es ist gut, wenn die Araber ihre Waffen bei “Freunden” beziehen (Dean Acheson). Oder: Die arabischen Staaten duerfen in einem zukuenftigen grossen Konflikt nicht zu einem militaerischen “Vakuum” werden. Dazu waere recht vieles zu sagen. Zum Beispiel, dass in keinem Land der Welt Bombenflugzeuge und Kreuzer zur Aufrechterhaltung der “inneren Ordnung” eingesetzt werden. Oder dass, falls es irgendwo geschehen sollte, es fuer eine grosse Demokratie unwuerdig ist, dabei behilflich zu sein, denn eine solche “Ordnung” kann weder wert sein, aufrechterhalten zu werden, noch duerfte dies am allerwenigsten mit solchen Mitteln geschehen- Oder dass, wenn man die Araber von “Freundesseite” her versorgt und die Juden nicht, man diese doch irgendwie dazu zwingt, sich anderswo umzusehen. Oder dass die arabische Aufruestung, die zu gross ist fuer innenpolitische Zwecke —so traurig es auch bei ihnen aussehen mag und so sehr es gaert—, andererseits zu unbedeutend ist fuer die angedeutete Intervention im drohenden Kampf der Giganten und sie also logischerweise nur bestimmt sein kann füer den einzigen Krieg mit dem die Wuestenhelden seit Jahren offen drohen. Fuer Israel geht es um Sein oder Nichtsein. Es ist Verpflichtung der juedischen Presse, die Hintergruende dieses Problems aufzuzeigen und zur Debatte zu stellen. Verpflichtung der israelischen Regierung ist es jedoch, das Problem zu bewaeltigen, und die Waffen noetigenfalls dort zu besorgen, wo man sie auch bekommt. Der Rest ist Schweigen. EIN NEUER BANNFLUCH? In den letzten Monaten entspann sich in der israelischen Presse eine interessante Diskussion —die auch uns keineswegs gleichgueltig sein kann— und deren Grenzen, was dort selten geschieht, nicht von Parteiansichten diktiert wurden. Sie begann auf Grund einer Forderung, alle noch heute in Deutschland wohnhaften Juden zu kurzfristigem Verlassen dieses Landes aufzufordern. Um den aus Gruenden der nationalen und auch persoenlichen Wuerde aeusserst wünschenswerten Prozess der Raeumung des Naziparadieses zu beschleunigen, wurde vorgeschlagen, fuer alle Israel—. Einwanderer aus Deutschland einen endgueltigen Termin festzulegen, den sie wahrzunehmen haetten und der fuer sie, sollten sie ihn ungenuetzt verstreichen lassen, das Ende nicht nur jeder Alija- Moeglichkeit, sondern auch jeglichen Kontaktes mit dem Jischuw bedeuten sollte. Gegen diesen Plan wurde ins Feld gefuehrt, dass eine solche in Bausch und Bogen Verdammnis einer totalitaeren Geisteshaltung entspreche, dass die zweifellos wuenschenswerte Alija der letzten Juden aus Deutschland mit positiver und foerdernder Fuersorge gepflegt werden muesse und nicht mit Drohungen durchgepeitscht und schliesslich, dass sich der Stamm Israel heute, nach dem er seiner schoensten und groessten Zweige beraubt wurde, nicht den Luxus gestatten kann, auch nur einen einzigen Ast freiwillig zu opfern. DOCH DEUTSCHLAND SAEGT IHN AB Die Entwicklung der Dinge in Deutschland deuten darauf hin, dass diese Diskussion bald einen rein akademischen Charakter haben kann. Wir haben an dieser Stelle des oefteren darauf hingewiesen, welch grosse Gefahr fuer die “Demokratisierung” Deutschlands und die sogenannte “Wiedergutmachung” in der Art liegt, in der man heuchlerischerweise die Entnazifizierung durchgefuehrt hat. Von der Begnadigung Ilse Kochs bis zu der Entlassung Herrn Schachts und dem milden Urteilsspruch gegen von Weizsaecker —den der Bundespraesident Heuss im uebrigen als ungerechtfertigt empfindet—, bis zu der Entsendung des Nazis Schlange als Konsul in die Vereinigten Staaten geht ein gerader Weg. Dieser Weg kennzeichnet die gesamte Nachkriegsetappe, in der man zu feige oder nicht willens war, die Naziepoche wirklich zu liquidieren. Die erste Saat geht nunmehr auf. Auf der zweiten Etappe dieses Weges, die jetzt beginnt, marschiert 'bereits wieder frech und unverschaemt, die germanische Ausgeburt des Antisemitismus. Natuerlich im gleichen Schritt und Tritt, wie sich das gehoert. Der Beginn dieser Etappe ist gekennzeichnet durch die offenen antisemitischen Erklaerungen des Abgeordneten Hedler, seine Straflosigkeit und den Ausschluss der beiden sozialdemokratischen Kollegen, die es wagten, ihn anzugreifen. Das Signal war gegeben. Seitdem haeufen sich wieder die antisemitischen Angriffe, unzaehlige Friedhofsschaendungen sind als schoenste Blühte teutonischer Kultur wieder auf der Tagesordnung und eine juedische Frau, die vor dem Hamburger Gericht gegen den Nazi - Regisseur Veit Harlan als Zeugin aussagte, konnte nur durch ein spezielles Polizei-Aufgebot vor der altbekannten “kochenden Volksseele” gerettet werden. Was Harlan, den Regisseur des “Jud Süss” anbetrifft, so wurde er natuerlich freigesprochen. Scheint es unter diesen Uimstaenden wirklich noch notwendig, von Israel aus zur Alija aufzufordern? ATSCHEKA