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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1950-04-01 · 4 (Abril, 1950) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XII (1950)
Issue
4 (Abril, 1950)
Date
1950-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO 15 SECHS LEBEN * Im Laufe eines Monats sind sechs Menschen verschieden; vieles ver. band sie und noch viel mehr unterschied sie voneinander, aber gemein, sam war ihnen allen die Zugehoerig. keit zum juedischen Volke- Fuer Mordechai Eliash, den ersten Botschafter Israels in England und fuer Daniel Frisch, Praesidenten der Zionistischen Organisation von Nordamerika, war die Verbundenheit zum juedischen Volke die Richtschnur fuer ihr gesamtes Denken und Handeln. Unpolitischer Wissenschaftler der eine, kaempferischer Politiker der andere —Frisch war fuehrende Persoenlichkeit des rech, ten, “silveristischen” Fluegels der Allgemeinen Zionisten—, war ihr Le. ben erfuellt von Einsatz fuer die Sache ihres Volkes. SPÄ ¡SÄ -1 mm Mordechai Eliash Harold Laski und León Blum sahen ihre Lebensaufgabe im Kampf um eine neue soziale Gestaltung der Gesellschaft und ihre Namen werden fuer immer mit der dramati. sehen Geschichte der europaeischen Arbeiterbewegung verbunden blei. ben. Laski war Praesident der La. bour-Party im Augenblick ihres groessten Triumphs, dem Wahlsieg von 1945; er spielte die Rolle eines der grossen Strategen der Partei und ihres bedeutendsten Ideologen. Seine unbestechliche Haltung stellte ihn in Gegensatz zu der spaeteren Regierungslinie und nachdem er bereits in einer gewissen Zurueckgezogen. heit lebte, kritisierte er diese sowohl im Allgemeinen wie auch Bevins Pa. laestinaJPolitik im Besonderen. Auch León Blum, einer der grossen Humanisten unserer Zeit, war vor allem der geistige und moralische Fuehrer seiner Partei- Seine starke Persoenlichkeit und die uneingeschraenkte Autoritaet, die er genoss, liessen ihn auch zu einer der entscheidenden Figuren des europaeischen Schachspiels werden. Drei Mal war er Pre. mier.Minister und die franzoesisehe Arbeiterschaft verdankt seiner Leitung einige ihrer groessten sozialen Errungenschaften; trotz seines hohen Alters verwandelte er sich im Prozess von Riom in den wuchtig, sten Anklaeger des Pétain_Regimes und ueberstand er das deutsche Konzentrationslager. Auch er unter, stuetzte die zionistische Sache mit offener Sympathie. Laurence Steinhardt, einer der auserlesensten Diplomaten des Auswaertigen Dienstes der U.S.A. und waehrend seiner langen Laufbahn Botschafter in aller Herren Laender, machte sich besonders waehrend des Krieges verdient, als er in der Tuerkei —als grosser Gegenspieler Franz von Papens— sich durch seine Hilfsbereitschaft um die Rettung vieler hunderter juedischer Fluechtlinge verdient machte, die dank seiner Intervention aus den besetzten Bai. kan.Nachbarstaaten entfliehen konnten. Mit Alberto Gerchunoff schliesslich, langjaehrigem Redakteur der grossen Tageszeitung “La Naciön” von Buenos Aires und persoenlichem Freund Chiles und vieler seiner fuehrenden Politiker, verschwindet eine der grossen liberalen Figuren der Nachbarrepublik in einem Moment, in dem die Existenz der freien Presse in diesem Lande ueberhaupt bedroht ist- Er hatte sich auch ei. nen grossen Ruf als Romanschrift, steiler erworben; auch juedische Themen waren ihm keineswegs fremd und so zeichnete er sich u.a. durch zahlreiche polemische Schriften gegen die britische Palaestinapolitik aus. EXODUS AUS DEM IRAK Zu diesem Thema bemerkt unsere “JADLA” — Agentur: “Die vor einigen Tagen erfolgte Ankuendigung seitens der Behoerden des Irak, dass man die Auswanderung der Juden gestatten werde, die das Land innerhalb eines Jahres verlassen, ist ein Grund wahrer Freude fuer die Juden in der ganzen Welt. Ein unterdrückter Zweig des hebraeischen Stammes wird zu der Erde zurueckkehren koennen, in der er sich frei entwickeln kann. Wir wissen nicht, wie weit das Angebot ehrlich ist und unter welchen Bedingungen man die Absicht hat, es auszufuehren. Wir wissen jedoch, dass man den Begueterten, die eine Minderheit darstellen, es keineswegs gestatten wird, mit ihren Effekten auszuwandern. Ausserdem wissen wir, dass die Einwanderung der Mehrzahl der 100 bis 150.000 irakesischen Juden eine untragbare Last fuer das Volk von Israel allein darstellt und selbst bei entschiedenster Hilfe von auswaerts eine schwer zu tragende Buerde. Erinnern wir uns nur daran, dass die Plaene der Jewish Agency fuer das laufende Jahr die Einwanderung von 150.000 Juden vorsah und wir sehen ein, dass die Aufnahme einer doppelten Anzahl keineswegs leicht vor sich gehen kann. Vor einigen Wochen kuendigte Dr. Nahum Goldmann, Praesident der Amerikanischen Abteilung der Jewish Agency an, dass in der kuerzlich stattgefundenen Sitzung der Exekutive in Israel beschlossen wurde, die Zahl der Einwanderer den zur Verfuegung stehenden Fonds entsprechend zu begrenzen. Trotzdem sind wir sicher, dass ein solcher Beschluss in diesem Fall nicht durchgefuehrt werden wird. Die Erfahrung vieler Jahre hat uns gelehrt, dass man die Gelegenheit, Juden, denen man die Auswanderung erlaubt und die sich dazu gezwungen sehen, aufzunehmen, ohne Verzug aufgreifen muss. Mit diesem Kriterium hat man die beruehmte “Operation Zauberteppich” durchgefuehrt, dank derer man in den letzten sechs Monaten mehr als 40.000 Juden in das juedische Vaterland gebracht hat- Eine aehnliche Aktion muss nunmehr unternommen werden, um die Juden des Irak zu befreien. Falls die Nachrichten, ueber die wir bis heute verfuegen, nicht truegen, werden die Schwierigkeiten sehr gross sein. Aber sie sind unvermeidlich und sie muessen ueberwunden werden mit der entschlossenen Hilfe des opferbereiten Jischuws von Israel und aller Juden in der Welt, die in der Lage sind, sie zu leisten”. NACH DER KABINETTSKRISE Der Konflikt zwischen dem Religioesen Block und der Mapai, der die Existenz des Israelischen Kabinetts (des zweiten seit der Staatsgruendung) bedrohte, ist beigelegt worden. Eine Kommission “ad hoc” wird die Durchfuehrung des Kompromiss-Plans bezueglich der religioesen bezw. weltlichen Erziehung in den Einwanderungslagern ueberwachen. Bemerkenswert ist bei dieser Loesung in erster Linie die Tatsache, dass die israelische Regierung eine Weit groessere Stabilitaet aufweist, als bei ihrer heterogenen Zusammensetzung von Anfang an zu erdies nur insofern bedauerlich, als diese Gleichung mit Minus genauer zu sein scheint als die erste positive. Und zwar fanden zur gleichen Zeit, zu der man sich zwischen den Orthodoxen und Mapai um Erziehungsfragen stritt, Verhandlungen zwischen letzterer Partei und der linkssozialistischen Mapam um eventuellen Eintritt dieser in die Regierung statt. Diese Verhandlungen scheiterten im gleichen Moment, in dem die Wiedervereinigung der Koalition stattfand. Und da niemand behaupten kann, dass Mapai den Orthodoxen naeher steht als der Mapam, bleibt nur die Schlussfolgerung uebrig, die uns als die staerkste Annaeherung an die Tatsachen erscheint: Mapam steht der Mapai noch ferner. Das heisst, dass die gleiche unglückselige Spaltung der Arbeiterschaft in der ganzen Welt, die in den letzten fuenfzig Jahren so viel politische und soziale Katastrophen mitverursacht hat, sich auch in Is¬ ■iSfc .■ <«■'* »I;; Die israelische Regierung warten war. Und niemand hat ein Recht zu bestreiten, dass eine stabile Regierungssituation, solange sie auf dem Respekt vor dem Parlament basiert, ein Faktor ist, der zum Prestige eines Staates nach innen und nach aussen beitraegt. Wenn diese goldene Medaille trotzdem eine Kehrseite hat, auf der die gleiche Formel mit umgekehrten Vorzeichen aufgezeichnet ist, so ist ANTISEMITISMUS HINTER In der letzten Zeit mehren sich die Nachrichten ueber Anwachsen des Antisemitismus in den sogenannten “Volksdemokratien”. Die schwer nachzupruefende Authentizitaet der Meldungen lassen jede Deutung zu: von dean Extrem, sich ueber Antisemitismus prinzipiell nie zu wundern, bis zu dem, sie als antirussische Propaganda abzutun. Um daher den Versuch zu machen, den “Eisernen Vorhang” soweit wie moeglich zu luepfen, erscheint es uns angebracht, einige unbestreitbare Tendenzen —und es sind derer drei— aufzuzeigen. Die erste ist das erneute Anwachsen der anti-zionistischen Welle, die droht, eine stuermische anti-israelische Stroemung in der Aussenpolitik des Ostblocks zu entfesseln. Ihre Intensitaet ist selbstverstaendlich in erster Linie von den Imponderabilien abhaengig, die seit jeher die enigmatische Politik des Kreml mitbestimmen, aber auch nicht in letzter Linie von dem Masse, in dem die israelische Linie ihre Neutralitaets- Erklaerungen in der Praxis erhaerten wird. rael vertieft. Und die Arbeiter Israels, die den Zionismus mit dem Schweiss ihrer Stirne verwirklicht haben, die durch eine Kolonisationspolitik sondersgleichen die Grenzen des Staates erobert und sie mit ihrem Blute verteidigt haben, die in den Wahlen zur Konstituante mehr als 55% der Stimmen auf sich vereinigten, beduerfen der Einigkeit mehr denn je. DEM EISERNEN VORHANG Der zweite Faktor ist die rasche und des oefteren zwangsweise durchgefuehrte Sozialisierung der Wirtschaft in den neuen “Volksdemokratien”. Es ist leider nicht zu leugnen, dass ein solcher Typ oekonomischer und sozialer Umwaelzung die juedische anormale Berufsstruktur besonders hart trifft, so dass diese “Nebenerscheinung” einer hohen Politik sich fuer uns in der Form katastrophaler Entwurzelung und Verarmung nicht anders auswirkt als eine zielbewusste und zum Selbstzweck erhobene Verfolgung. Und drittens darf man nicht vergessen, dass unter den Sowjetstaaten Osteuropas eine ganze Reihe, vor allem Polen, Rumaenien und die Ukraine eine antisemitische Tradition von Jahrhunderten haben, die durch die deutsche Okkupation natürlich geschuert wurde, sodass selbst in dem hypothetischen Falle, dass deren neue Regierungen den Juden ganz besonders freundlich gegenueber staenden, Schikanen seitens der Bevoelkerung oder der lokalen Behoerden keineswegs eine Ueberraschung darstellen koennen. ATSCHEKA L A

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