Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 4 (Abril, 1950)
- Date
- 1950-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8553624-8553958-9191564--0369-8554015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ZUM 5. IJAR 5710: DAS ZWEITE JAHR Stand des Staates Israel erstes Lebensjahr im Zeichen des Kampfes um seine nackte Existenz, so ist vom zweiten zu sagen: es war ein Jahr der schweren Probleme und der grossen Verwirklichung auf drei Gebieten. Diese drei Gebiete sind: die Konsolidierung des Staates, seine Verteidigung und die Immigration. KONSOLIDIERUNG NACH INNEN Israel ist heute ein modernes Staatsgebilde. Aus der Asche einer willku erlich angezuendeten Mandatsadministration ist der Phoenix eines Behoerdenapparats erstanden, der, wenn er auch -nicht perfekt ist oder reibungslos funktioniert, in grossen Zuegen dem der westlichen Rechtsstaaten aehnlich ist. Das wurde in wenig mehr als einem Jahr geschaffen. Die Gesetzgebung wurde in dieser Zeit bereichert um: das Gesetz von der Organisation der Regierung und der Justiz (die sogenannte “Kleine Konstitution”), das Gesetz zur Schaffung des ßtaats-Kontrollers, die Allgemeine Schulpflicht und das Heeresdienst-Gesetz, um nur einige der wichtigsten zu nennen. Wege und Eisenbahnlinien wurden gebaut, oeffentliche Gebaeude in Angriff genommen, das Schul- und Gesundheitswesen erweitert. Sowohl der sozialistische wie der privatwirtschaftliche Sektor des Landes dehnte sich weiter aus. Mehr als hundert neue Kolonien wurden gegruendet, um tausende von Menschen mit dem Boden zu verwurzeln, die landwirtschaftliche Produktion zu erhoehen und die Grenzen des Landes zu besiedeln. Die Exportziffern stiegen in einigen Produktionszweigen um mehr als hundert Prozent. All diese und die mannigfaltigen anderen Aufgaben, die hohe Anforderungen an die Staatskasse stellen, sowie die herrschenden Tendenzen der Weltwirtschaft, zwangen der Regierung heroische Massnahmen auf, um das Land aus dem Strudel der Inflation herauszuhalten. Besondere Opfer brachte dabei der arbeitende Sektor mit freiwilligen Gehaltsbeschraenkungen. Der Lebenshaltungsindex senkte sich im Laufe des Jahres wiederholt um mehrere Punkte. Die herausfordernde Haltung der britischen Kompagnie, die die Petroleum-Raffinerie von Haifa stillgelegt hatte, brach unter dem Druck eines Regierungsultimatums zusammen und die Werke nahmen ihre Arbeit wieder auf. Eine “Negew-Authority” studiert die noch ungeahnte n zukuenftigen Moeglichkeiten des Sueden des Landes und arbeitet an seiner Erschliessung. Eine neue Grosstadt, entstanden durch die Vereinigung der Staedte Jaffa-Tel- Aviv, vergroessert, gemeinsam mit Haifa, Israels Tor zur Welt. AUSSENPOLITISCHE FESTIGUNG Die Kette der Anerkennungen, deren erste Glieder sich bereits gefuegt hatten, schloss sich und nur die arabischen Nachbarstaaten haben die ihre bis heute versagt. Diese Normalisierung der Beziehungen zum Reste der Welt hatte am 12. Mai die Aufnahme in die Organisation der Vereinigten Nationen zur Folge. Das juedische Volk hat nun seinen “Sitz, im Rate der Voelker”. Die Beziehungen zu den arabischen Staaten erfuhren keine nennenswerten Aenderungen. Der Feuereinstell-Befehl verwandelte sich in einen formellen Waffenstillstand mit zwei weiteren Nachbarn —Transjordanien und Syrien— und nur Irak haelt den technischen Kriegszustand aufrecht. Im uebrigen war dies auch der einzige Staat, der nicht an der Lausanner-Friedenskonferenz teilnahm, deren praktische Resultate im uebrigen gleich Null waren. Trotzdem finden ununterbrochen Verhandlungen mit einigen Nachbarn, vermutlich vor allem mit Abdulla statt, um zu einem wirklichen Frieden zu gelangen. Inwieweit dies moeglich sein wird, haengt weniger von der tatsaechlichen Friedensbereitschaft der israelischen Regierung, als von den Maechten ab, die seit vielen Monaten wieder keine Kosten scheuen, um ihre arabischen Freunde aufzuruesten und in ein neues Abenteuer zu hetzen. Das schwerwiegendste der aussenpolitischen Probleme des Staates war das der Stadt.Jerusalem. Vielfarbige Interessen wirkten im Laufe langer Monate, um eine Aenderung ihres augenblicklichen Status —die Neustadt in Haenden Israels und die kleine alte Mauerstadt von Abduila besetzt— zu erreichen. Am 9. Dezember erzwangen diese Kraefte, gemeinsam mit den arabischen Stimmen, eine der Internationalisierung der Stadt guenstige Abstimmung in der U.N. Die Durchfuehrung des irrealen Konklave-Planes scheiterte vor allem an der israelischen Festigkeit und der Haltung der Stadtbe voelker ung: am 24. Januar wurde die Heilige Stadt zum zweiten Mal in ihrer Geschichte feierlich zur Hauptstadt Israels proklamiert. Auch die praktischen Bande zwischen Israel und seiner Hauptstadt festigten sich: fast die gesamte Regierung funktioniert bereits dort, eine neue Eisenbahn verbindet sie mit dem Staat und viele neue Kolonien saeumen den nunmehr freien Weg. ERNTE UND BLUETEN Doch nicht nur schwere Frucht trüg der Baum Israels im zweiten Jahre seiner Reife, auch die schoensten Blueten zierten ihn. Die Dankesschuld eines halben Jahrhunderts wurde dem genialen Visionaer und Schoepfer der Zionistischen Weltbewegung, Theodor Herzl abgestattet und am 20. Juli seine Reste in der freien Heimat beigesetzt. Der erste Band der monumentalen hebraeischen Enzyklopaedie, bei deren Arbeit Professor Weizmann sich selbst an die Spitze gestellt hat, wurde bereits vollendet. Am 2. November wurde das moderne Weizmann-Institut der Wissenschaft unter Anwesenheit bedeutender Forscher aus der ganzen Welt eroeffnet und wenige Tage vor dem Unabhaengigkeitstag feierte die Hebraeische Universitaet von Jerusalem ihren 25. Jahrestag. VERTEIDIGUNG Am 17. Juli wurde durch die Knesset die Allgemeine Zweijaehrige Dienstpflicht erlassen: eine aeusserst zeitgemaesse Massnahme, wenn man bedenkt, dass wenige Tage spaeter, am 11. August, die U.N. das sogenannte Waffenembargo aufhob und seitdem wieder Waffen in ungezaehlten Mengen nach den arabischen Staaten gelangen. Der juengste Generalstabschef der Welt, Aluf Yigal Yadin, der Nachfolger Jacob Doris, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die arabischen Vorbereitungen fuer einen Revanche-Feldzug nicht minder ernst zu nehmen sind als die immer noch prekaeren Friedensverhandlungen. Diese Tatsache immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, ist sowohl in Israel, dass waehrend des letzten Feldzugs 75% der Kosten trug, wie auch besonders bei dem noch enorme unerschlossene Moeglichkeiten bietenden Judentum in der Welt eine dringende Aufgabe. ALIJA Zu den bedeutendsten Ereignissen des Jahres gehoert ohne Zweifel der Umstand, dass die Zahl der juedischen Bevoelkerung die Million ueberschritten hat- Moeglich war dieser Triumph nur durch die unbeugsame Haltung des Jischuw, der fest entschlossen ist, so viel Juden aufzunehmen, als da kommen wollen, ohne Ruecksicht auf Probleme der Finanzierung, mehr oder weniger raschen Einordnung und Schwierigkeiten der sozialen Umschichtung. Das Fundamentale, Primaere ist der “Kibbuz Galujot”, die Sammlung der Zerstreuten, der Weg zur praktischen Loesung der Judennot und der Judenfrage. Die dadurch verursachten Probleme kommen in zweiter Linie. Wohl ist es dadurch wahr, dass die Zahl der Einwanderer in aeusserst mangelhaften Durchgangslagern kaum gesunken ist, dass die Arbeitslosigkeit, Teuerung und der Schwarze Markt Anlass zu ernster Sorge geben, aber was bedeutet dies im Vergleich zu der historischen Verfehlung, die man begehen wuerde, wenn die Pforte zum Hause Israel auch nur fuer einen Juden geschlossen wuerde? Und so ist auch fuer das naechste Jahr eine Alija von üngefaehr 200.000 Menschen vorgesehen, die die Schliessung der letzten Lager in Europa, die Rettung Tausender aus dem Jemen, dem Irak und Nordafrika und die Wiedervereinigung mit Teilen des osteuropaeischen Jischuw mit sich bringen wird. PROBLEMATIK Dreifach ist auch die schwere innere, geschichtliche Problematik, welche tief im Schosse der dreifachen Verwirklichung dieses Jahres keimt. Die Finanzierung dieses im Werden begriffenen Staatswesens mit seinen ungeheuren Aufgaben ist dabei das der Oberflaeche am naechsten liegende Problem, doch keinesfalls eins, das man oberflaechlich abtun kann. Keine wahre Unabhaengigkeit ist denkbar ohne sich selbst finanziell zu genuegen, und die finanzielle Bewaeltigung der genannten Aufgaben ist schlechterdings unmoeglich, zumindest im Rahmen der bisher angewandten Von HANS KAUFMANN Mittel. Ohne neue grosse Opfer wird Israel sich nicht behaupten koennen und um die notwendige Opferbereitschaft zu erzielen, muss ein Bewusstsein dieser Situation erreicht werden, von dem vor allem die Gola heute noch sehr sehr weit entfernt ist- An zweiter Stelle ist der ungeheuer komplizierte Prozess der Integrierung der Nation zu nennen. Voll «Stolz hat die Zionistische Bewegung waehrend langer Jahre auf die wunderbare Verschmelzung der verschiedensten Elemente des juedischen Volkes hingewiesen, die nach Zion heimkehrten. Doch dies war in Jahren der langsamen Einwanderung und des Drucks von aussen. Heute sehen wir uns einer Alija von Hunderttausenden gegenueber, die aus den unterschiedlichsten Bedingungen in ein Land mit einer —trotz aller Gaerung und Umwandlungeigenen und geformten Nationalitaet kommen. Viele dieser Einwanderer stammen aus Laendern mit einer aeusserst geringen oder ueberhaupt inexistierenden politischen Kultur —man denke nur an den Jemen—. Sie schaffen die mit Hochspannung geladene Alternative zwischen dem Wunsch, das allgemeine und politische Niveau der Bevoelkerung, das aussergewoehnlich hoch steht, zu erhalten und der logischen Forderung, die Buergerrechte auszuueben, die ihnen kraft ihres Judeseins zustehen. Diese Alternative kann nur dialektisch ueberbrueckt werden: durch einen Erziehungs—, Adaptations— und Integrationsprozess ohnegleichen. Und schlieslich polarisiert sich die Problematik “Israel und die Gola” zwischen den beiden Extremen: Raeumung der Gola oder Assimilation der Reste. Wie jede extreme Formulierung, so hat auch diese viel Falsches in sich, vermag aber, zur Klaerung der Aufgaben beizutragen, besonders wenn man sie aus dem Historischen ins Alltaegliche projiziert. Denn dann verwandelt sie sich zu der dringenden Forderung, den Kontakt zwischen den beiden Segmenten des heutigen Judentums befruchtend zu gestalten, um die Hilfe der Gola fuer das kaempfende Israel und den Hort Israels fuer die leidende Gola zu erhalten. “Jom Ha'azmauth”, vor zwei Jahren: Der seit Jahrtausenden ersehnte Moment. Ben Gurion verliesst die Proklamation des Staates. ÄH mm ...