Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 2 (Febrereo, 1950)
- Date
- 1950-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 5 WIR SEHEN, HOEREN, LESEN... EINE ANREGUNG Unter den leider nur ganz vereinzelt erteilten Anregungen, Kritike.n, Vorschlaegen und Mitarbeiten, um die wir vor einigen Monaten baten, befand sich auch eine, die —da sie nur muendlich formuliert wurde— keine Veroeffentlichung fand, die wir aber nicht versaeumen wol. len, zu kommentieren. Und zwar riet man uns, die Spalten “Síntesis Informativa” wegzulassen. Die Gruende: 1. ) Wer spanisch lesen kann, liest die gleichen Nachrichten ohnehin in der, Tagespresse. 2. ) Wer dies nicht kann, kann es im “B.I.” auch nicht tun, da sie ja nicht uebersetzt sind. 3.) Auf dem gleichen Raum koennte man anderes Material bringen. Dazu hat die Redaktion folgendes zu sagen: 1.) Die hiesige Tagespresse bringt nur einen Bruchteil der Nachrichten, die wir dank unseres JTA —und JADLA— Dienstes abdrucken und auch diesen Bruchteil oftmals in einer unserer Sache unfreundlichen Form. 2.) Fuer unsere Leser, die die Landessprache nocn nicht beherrschen, bearbeiten wir unser Kabelmaterial, um es in einem moeglichst einfachen Spanisch wiederzugeben. Dass wir es nicht uebersetzen, ist auf unseren Vertrag mit der Druckerei zurueckzufuehren, demzufolge wir verpflichtet sind, einen gewissen Raum in Spanisch zu drucken. 3. ) Um den Raum anderweitig zu verwerten, blieben demzufolge zwei Alternativen: a) Die Nachrichten auf Deutsch zu drucken und, um den Vertrag zu erfuellen, irgendwelche Artikel auf Spanisch. Das hat u. E. den Nachteil, dass dann tatsaechlich ein Teil unserer Leser nicht alles lesen koennte, da jegliche Abhandlung oder Be- Schreibung naturgemaess schwerer zu verstehen sind als einfache Nachrichten im quasi Telegrammstil, b) Gar keine Nachrichten zu bringen. Zu dieser Moeglichkeit glauben wir, dass wir einen wichtigen Teil unserer Mission als juedisches Blatt nicht erfuellen wuerden, wenn wir sie durchfuehrten. So wie eine Tageszeitung die Pflicht hat, ausführlich ueber die Geschehnisse des vergangenen Tages zu berichten, so hat eine Wochenschrift die Aufgabe, die Kabel geordnet und gedraengt wiederzugeben und endlich eine Monatschrift wie die unsere muss ein “resumé” enthalten, das, abgesehen von seinem relativen informativen Wert fuer Familien, die keine andere juedische Zeitung beziehen, auch einen gewissen Archiv-Wert besitzt. Das Gesagte schliesst natuerlich nicht aus, dass wir gerne bereit sind, anderweitige Stellungnahmen an dieser Stelle zu besprechen und gegebenenfalls zu verwerten. LAND DES LAECHELNS Die zuericher “Weltwoche” vom 25. November bringt einen mit dem Pseudonym “Christiane” gezeichneten Artikel ueber “Chile - Land des Laechelns”, dem wir die folgende anmutige Landschaftsbeschreibung und einen-weniger anmutigen- Tatsachenbericht entnehmen: Ockerfarbener Mohn Ein Land, das die Lieblichkeit der Riviera, die Melancholie Skandinaviens, die Glut .der Sahara und die Finsternis einer Polarnacht kennt, in dem sich hinter Palmen, bluehenden Mimosen und Mandelbaeumen die weissen Kegel der Vulkane aufbauen. Trauerweiden, Pappeln und Eukalyptus die Wiesen saeumen, knorrige Pinien sich vor Eisberge schieben, Kakteen, wie in schnellender Bewegung erstarrte Riesenschlangen, aus sandigem Boden aufragen und Huegel mit ockerfarbenem Mohn beklext sind: das ist Chile! Ein schmales Band, mehr als 4000 km lang und nur an wenigen Stellen mehr als 100 km breit, das sich zwischen den schneebedeckten Cordilleren der Anden und dem Pazifik, von den Salpeterwuesten Iquiques bis zu den mit Schafherden uebersaeten Steppen Feuerlands und den Eisbergen der Antarktis hinzieht. Hitler mit dem Trauerflor! Wenn man nach dem Sue' den Chiles faehrt, wird man unwillkuerlich an jene Geschichte von dem Reisenden erinnert, der zehn Jahre nach dem Tod des Zaren in ein entlegenes Dorf Russlands kam und auf seine Frage, warum alle Glocken laeuteten, die erstaunte Antwort erhielt: “Wissen Sie denn nicht, dass soeben der Zar gestorben ist?” Auch hier, im Herzen der deutsch-chilenischen Siedlungen von Osorno und Valdivia, scheint das Rad der Geschichte um eine halbe Drehung zurückgeblieben, denn man kann Menschen begegnen, die, wohl aus verdraengtem Deutschland- Heimweh, sich heute noch die Ueberzeugung nicht nehmen lassen, dass Hitler der verkannte Genius unseres Jahrhunderts sei. Mehr noch: die sich zur abendlichen Andacht in einem Raum einfinden, darin das Portraet des Fuehrers, mit Trauerflor umwunden, an der Wand aufgehaengt ist! Hier auch soll es vorgekommen sein, dass ein Pfarrer die Konfirmationsfeier mit einer Trauerfeier fuer die im Nuernberger Prozess zu Tode Verurteilten verbunden hat. Und im Fluesterton wird herumgeboten, dass sich ehemals beruehmte Nazis, ja vielleicht sogar Herr Bormann, in den Waeldern KLEIN. ABER OHO! Der 14. Geburtstag faellt im allgemeinen in eine Epoche intensiven Wachstums und des mitleidig-goennerhaften “nein, bist du aber seit dem letzten Mal gross geworden!” Das Kuriosum, das uns heute beschaeftigt, ist aber die Ueberraschung, die uns ein Kollege bereitet hat, der an seinem 14. Geburtstag sich der staunenden Mitwelt vorstellte, genau halb so gross wie in der vorhergehenden Woche. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich! Es handelt sich um das Organ der “Federación Sionista”, “Mundo Judío”, das seit dem 6. Januar ds. Js. im Tabloid-Format, d. h. im Format des vorliegenden “Boletín Informativo” erscheint, statt wip bisher, im “Mercurio”- Format. Man kann die Leiter der Zeitung, die Herren Ricardo Curiel und Enrique Gotthilf, sowie den Presse- Direktor der “Federación Sionista”, Efrain Friedman, zu dieser Neuerung riur beglueckwuenschen. Das Blatt hat unzweifelhaft an Ordnung und Uebersichtlichkeit gewonnen. Das Format ist auch leichter zu handhaben und die 12 Seiten jeder Ausgabe sind noch weit davon entfernt, das bei den dicken Morgenzeitungen uebliche Grossformat aufzuzwingen. Auch die neuen Titel sind sehr ansprechend und der Gesamteindruck ist ueber. haupt jetzt sehr flott und modern. Eine gewisse Anlehnung an die journalistische Konzeption des “Boletín Informativo” wurde von manchen Lesern in der Aufma. chung der Mittelseite (“Así es Israel”), der “Síntesis Informativa” jrnd anderen Details gesehen; doch entzieht sich dies unserer Beurteilung. Was uns interessiert, ist der unverkennbare Fortschritt, den “Mundo Judio” dem lokalen juedischen Journalismus bereitet hat und zu dem wir ihm —und uns— gratulieren. zwischen der chilenischen und argentinischen Grenze verborgen halten. Obgleich eine derartige Hitler - Goetterdaemmerung im Zeitalter, darin man sich vor Stalin fuerchtet, etwas veraltet und eher wie eine Schildbuergerei anmutet, so gibt es doch unter den Deutsch-Chilenen einige wenige, die das Los voelliger Vereinsamung auf sich genommen und jhr ganzes Leben in den Dienst der Bekaempfung dieser neonazistischen Bewegung gestellt haben. Inwieweit dem suedamerikanischen, und im speziellen dem deutschchilenischen Neo-Nazismus Gewicht beizumessen ist, wird die deutsche Regierung in Bonn abzuklaeren haben. “DIE PROTOKOLLE DER WEISEN VON ZION”, DER SCHULCHAN ARUCH UND DANIEL DE LA VEGA i Am 28. Dezember 1949 hat in den “Ultimas Noticias” Daniel de la Vega, der taeglich unter der Überschrift “Hoy” eine amuesante Chronik in diesem Mittagsblatt veroeffentlioht, in diese Chronik auch die nachfolgende Notiz auf genommen: EL ANTISEMITISMO Una editorial de Santiago publicó, parece que hace algunos años, el texto de “Los Protocolos de los ¡Sabios de Sión”, con diversos comentarios. Yo ¡no vi el libro. Ahora he sabido que al final de esos ataques contra los judíos, se colocaron, como firma, mis iniciales D. de la V. Unicamente, escribo estos renglones para dejar constancia de que ahora se ataca a esa admirable raza, en la misma forma como se le atacó en el ¡siglo pasado. Lo mismo. Falsificación, impostura, inexactitud.” Er weist darauf hin, dass in einer vor laengerer Zeit in Santiago de Chile erschienenen Ausgabe der sattsam berechtigten “Protokolle der Weisen von Zion” mit seinem Namen Missbrauch getrieben worden sei. Er habe nichts mit der ¡ganzen Angelegenheit zu tun. Im Zusammenhang damit spricht er reine Bewunderung fuer die juedische Rasse aus und charakterisiert die heutigen Angriffe gegen sie —in gleicher Weise wie die vergangenen— als “Faelschertaktik, Verleumdung und jeglicher ¡Grundlage entbehrend”. II Diese Veroeffentllchung hat eine Vorgeschichte, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Vor laengerer Zeit er- I schien in Santiago eine Broschuere unter dem Titel: “¡Die Juden in Sued Amerika”. Diese Veroeffentlichung war so minderwertig, dass wir uns an dieser Stelle gar nicht mit ihr befassten. Es fiel ¡aber dem Sachkenner immerhin auf, dass ihr als Motto 4 gefaelschte bezw, venfaelschte oder entstellte Schulohan Aruoh Zitate vorangestellt waren. Wir forschten nach und stellten durch ¡einen ¡gluecklichen Zufall fest, dass diese Zitate auch woertiich in einem “Epilog” zu einer Ausgabe der Protokolle der Weisen von Zion enthalten waren, die mit den Anfangsbuchstaben des Namens Daniel de la Vega gezeichnet waren. Wir stellten weiter fest, dass diesse Zitate gewissermassen zum 'Erbgut des Antisemitismus igehoerten. Sie sind zum ersten Mal erwaehnt in einer in Deutschland erschienenen Broschuere "Der Talmudjude”, die schon wegen dieser Fälschungen vor etwa 80 Jahren in dem beruehmten Rohling - Prozess die Gerichte ¡beschaeftigt hat. Es interessierte uns nun zu erfahren, wieso diese Zitate aus einer Brosohuere, die wahrscheinlich niemals ins Spanische uebersetzt wurde, auf einmal in der chilenischen Oeffentlichkeit auftauöhten, mit anderen Worten, wieso Daniel de la Vega — an dessen Autorschaft wir ja urspruenglich glauben mussten, — zu diesen Zitaten gekommen SIND DIE JUDEN AN ALLEM SCHULD? I D i e ill" ¡trierte Wochenschrift “Vea” vom 28. Dezem. ber befasst sich auf ihren beiden Mittelseiten mit der Epidemie der Spinalen Kinderlaehmung, die zur Zeit Santiago heimsucht. Dabei berichtet sie u.a.: “Unter den tausend Spekulierungen, die ueber die Poliomielitis-Faelle gemacht werden..., kursiert auch die, dass die kuerzlich nach Chile gekommenen Immigranten (in ihrer Mehrheit juedischer Abstammung) die Krankheit eingeschleppt haben. Die Meinung der Aerzte darueber ist,, vollkommen veraechtlich und i.ronisch: So etwas gibt es nicht. Alle Rassen der Erde haben die gleiche Empfaenglichkeit fuer die Krankheit. Einer bestimmten Blutzusammensetzung d i e Schuld zu geben, ist weiter nichts als eine ganz gewoehnliche Dummheit”. Leider hat “Vea” versaeumt, mitzuteilen, in welchen Kreisen diese hochwissenschaftliche Theorie ihren Ursprung oder zumindest Anklang gefunden hat. ISRAEL L/CHT Der Minister Elieser Kaplan, der das Rationierungsprogramm ausgearbeitet hat, sah in einem Restaurant einen einfachen Mahn ein Huhn verzehren. “Wie koennen Sie sich nur so ein teures Gericht leisten,” fragte E. K., worauf der Gast antwortete: “Der Kassierer hat sich bei der Lohnzahlung geirrt, er gab mir anstatt des Gehalts die Abzuege”. sei. Wir ¡traten nun durch einen Mittelsmann an Daniel de la Vega heran, der uns entruestet mitteilen liess, er habe bis m unserer Mitteilung von dieser Ausgabe der Protokolle der Weisen von Zion hiervon gar nicht gewusst, ¡noch weniger von den erwaehnten Zitaten, und er habe den fraglichen “Epilog” nicht geschrieben. Seine Anfangsbuchstaben seien ohne seine Kenntnis zu Unrecht ¡unter dieses Elaborat ¡gesetzt worden. Daniel de la Vega hat nun — wie unsere Leser aus Obigem ersehen haben — sich mit dieser muendlicihen Feststellung nicht taegnuegt, sondern er hat den Protest gegen den Missbrauch mit seinem Namen auch im Druck niedergelegt. Damit ist ¡der Sachverhalt natuerlich noch in keiner Weise vollstaendig aufgeklaert. Wir sind aber der Loesung des Raetsels schon sehr nahe und kommen zu gegebener Zeit auf die Sache nochmals zurueck. Wir stellen aber jetzt scnon fest, dass wir keinen Anlass haben, die Erklaerung Daniel de la Vega’s zu bezweifeln oder anzunehmen, dass den Verlag irgend eine Schuld trifft. Die Drahtzieher duerf ten ganz woanders zu suchen sein, naemhoh in ¡den Kreisen, die die Broschuere “Der Talmudjude” auch ohne Uebersetzung ins Spanische zu lesen in der Lage waren. Teil IE CAMPADA UNIFICADA RUFT EUCH: Beweist Eure Verbundenheit mit dem Juedischen Volk durch treue P flichterluellung!