Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XII (1950)
- Issue
- 1 (Enero, 1950)
- Date
- 1950-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 7 •a EIN NEUES ARGUMENT DES ANTISEMITISMUS In Chile erscheint seit einiger Zeit eine neue Zeitschrift “Mas”. Sie hat es bisher auf 2 Nummern gebracht und wir geben ihr bis zu ih rem Verscheiden nicht viel mehr als noch weitere 2 Nummern. Diese Zeitschrift ist fremdenfeindlich, antisemitisch, gegen den sogenannten Panamerikanismus, also insbesondere gegen den zu starken Einfluss der Nordamerikaner in Chile und auch noch gegen vieles andere. Sie hat offensichtlich deutsche Geldgeber und Redakteure, die stark von nazistischen Gedankengaengen beeinflusst sind. Dies beweist schon rein aeusserlich, dass die uns vorliegende Nummer 2 ein Zitat von Oswald Spengler am Kopfe als Motto traegt und dass gelegentlich in einem Aufsatz gewissermassen als allgemein verstaendliches Fremdwort das Wort “Gauleiter” gebraucht wird. In derselben Nummer findet sich auch ein Aufsatz ueber Antisemitismus. Mit Beifall kann gebucht werden, dass der Verfasser offen bekennt, dass er nicht an die “Protokolle der Weisen von Zion” glaubt, ebensowenig wie an die Existenz oder an Realisierungsversuche irgend eines theoretischen Planes, der daraufhin hinauslaufe, irgend eine Gesellschaft, sei es die christliche, die buddistische oder die mohammedanische mit juedischem Einfluss zu durchdringen. Ebenso sinnlos sei es auch von einem internationalen Judentum zu sprechen, das in irgendwelchem Zusammenhang stuende mit dem Freimaurertum, dem Kommunismus oder sonstigen geheimen oder oeffentlichen Sekten.__ _ Soweit kann man dem Verfasser beipflichten. Nun kommt er aber philosophischgelehrt. Er fuehrt aus: Die ausserordentliche und wirkliche Kraft des Judentums besteht nicht in einer Theorie, sondern in einer Lebensform, sie ist nicht die Folgeerscheinung einer geistieen Planung, sondern der einfache Ausdruck einer Art zu sein. Der Jude hat es nicht noetig darueber nachzudenken, wie man die Gesellschaft zugrunde richten kann. Es genuegt, wenn er in ihr lebt, um schon zu ihrer Vernichtung beizutragen. Zwei Kraefte stroemen von ihm aus, eine zentrifugale und eine aufloesende. herruehrend aus seiner ungeheuren Anhaenglichkeit an seine Stammesgenossen. Aus diesen Gruenden haben alle Voelker den Juden hekaemoft und in ihm einen Spaltpilz (germen destructivo) ihrer eigenen Existenz erblickt. Dazu haben sie keine Ra.ssentheorie notwendig gehabt, sondern es hat ibno^ ihre eigene Intuition genuegt. Der Grund ist ganz einfach: der Jude ist ein Feind jeder Kultur, weil er ein Naturwesen reinster Art ist (naturaleza). Die Zugehnsrigkeit Kultur zwingt, mit der Verkceroerung der Natur, das heisst mit dem Juden, in Kon. fllkt zu kommen. Nun werden Beispiele fuei die Richtigkeit dieser These aufgestellt und insbesondere die Prostitution der Kunst (“Entartete Kunst”) und die Popularisierung der Wissenschaft (vulgarización científica) erwaehnt. Und nun kommt der Hoehepunkt: es wird auch die Betaetigung der Juden im Handel herangezogen und woertlich etwa folgendes aufgefuehrt: Der spanische Kaufmann mag wohl gelegentlich Ellen fuer Meter verkaufen, der italienische Haendler ein Pfund mit einem^Kilo verwechseln, aber dieser Kaufmannsschwindel geht nicht ueber den privaten Bereich der davon Betroffenen hinaus, weil er sich immer auf dem Gebiet der Befriedigung nuetzlicher Beduerfnisse bewegt. Der juedische Kaufmann befriedigt nicht wirkliche Beduerfnisse 'necesidades), sondern er befriedigt Beduerfnisse, die er kuenstlich erzeugt (!!). Selbst wenn man unterstellen will, lass er im Handel und Wanlel vollkommen ehrlich ver. faehrt, ist ihm doch vorzuwer.?en, dass die Art und Weise, wie er das Ueberfluessige zum Verkauf stellt, in glaenzenden Vitrinen und unter Gewaehrung von leichtem Kreht, und damit die Grenzen verschiebt, die zwischen einer ernsthaften Kultur und einer für die Sinne befriedigenden Zivilisation (civilización senmal) bestehen!! Dagegen kann man nichts machen! Da nuetzt weder ein Comisa. -ariat noch 10 Einwande- -ungsgesetze, da nuetzt auch licht die Ausrottung (la eliminación física)’ des Juden, wie wenn es sich um einen krankheitserregenden Pilz 'germen patógeno) handeln vuerde, wenn der mit der Ausschaltung Beau f t r a g t e zwar in seiner Einstellung Antisemit ist, aber seelisch doch so weit unter dem juedizchen Einfluss befangen ist. dass er noch den juedischen Beeinflussungsmitteln unter- 'iegt. Also z.B. der Propaganda durch das Radio, dem ausgestellten blendenden Anzug m i t Zahlungserleichte.rung. -'hne zu erkennen, dass er Gleichzeitig damit seine eigene Wirtschaft untergraebt, dine zu erkennen, dass ihm!n Wirklichkeit nur billige Wertlosigkeiten, “baratijas” (die beste Uebersetzung waere "uiezihes plus Tinef) geboten werden. Was soll nun dagegen helfen? Der Verfasser meint, der Kampf des wahren Antisemitismus muesse mit der eigenen Entjudung (desjudaización) beginnen. Gnaedig gesteht er aber dann doch zu, das die juedische Rasse, die groesste aller Rassen sei, die Zeugnis ablege von Gott bis zum Ende aller Tage! “Gut gebruellt Loewe! ’ (kein Druckfehler: es heisst nicht “Levi”) Zu den mit 2 Ausrufezeichen versehenen Stellen ist folgendes zu sagen: Der Verfasser ist offenbar auf die falsche Beerdigung gegangen; das. was er schreibt, hat er vielleicht von einem Autor abgeschrieben, der die New Yorker Juden oder die Berliner oder die warschauer in vergangenen Tagen verunglimpfen wollte. Dort konnte man mit einigem Uebelwollen im Hinblick auf die Abzahlungs— und Einheitspreisgeschaefte in Bezug auf die Warenhaeuser usw. einen derartigen Unsinn immerhin noch mit einem Schatten von Berechtigung verzapfen. Fuer Santiago de “LA CELESTINA” UND IHR AUTOR Ohne die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit darauf lenken zu koennen, brachte die kunstbegeisterte und mutige Truppe des “Teatro Experimental” der “Universidad de Chile” vor kurzem eines der klassischen Werke der spanischen Literatur zur Auffuehrung: “La Celestina” von Fernando de Rojas. Abgesehen von dem finanziellen Wagnis, ein mehr als 45b Jahre altes Stueck auf die Buehne zu bringen, ’ schloss die Auffuehrung auch das kuenstlerische Risiko ein, einen Roman —wenngleich auch dramatisch und in Dialogform geschrieben— in einer dem Theater adaequaten Fassung wiederzugeben. Diese Aufgabe sowie die der Regie des Stuecks wurde von José Ricardo Morale.s bewaeltigt. Saemtliche Kritiker waren sich darin einig, die grosse und noble Anstrengung zu wuerdigen, welche die Neufassung. Einstudierung und ausgezeichnete Auffuehrung des Werks darstellte, konnten aber nicht umhin zu bedauern, dass dieses nicht dazu angetan war, das Interesse des breiten Publikums zu erwecken. - Mm s * i fe 40 r* TITELSEITE EINER DER FRUEIIESTEN AUSGABEN j Wenn es aber wahr ist, dass “La Celestina” trotz allem nicht an Aktualitaet gewin. nen konnte, so trifft dies in l noch groesserem Masse auf I den Autor, Fernando de Roias, zu. Es ist zweifellos fuer unsere Leser von Interesse, dass de Rojas ein Maranne war, geboren um das Jahr 1465 in dem Dorf Puebla de Chile passen die Ausfuehrunsren aper yi gar keiner Weise, denn dort sind gerade die grossen Unternehmungen dieser Art nicht von Judenbegruendet worden und sind auch heute noch zum groess- +pn Teil in dem Besitz von Nichtjuden. Im uebrigen ist es in den Tagen des Marshall-Planes besonders deplaziert, derartig zu schreiben. Man erwartet doch gerade davon das Genesen von der Weltkrise, dass neue Beduerfnisse aller Orten —auch in den Laendern ohne Zivilisation— und bis zu einem gewissen Grad auch Lu. xus.Beduerfnisse— geschaffen werden, um der erhoehten Produktion entsprechenden Absatz zu verschaffen! TELL DER BESCHLUSS DER N.U. Das Problem der Stadt Jerusalem wurde selbstverstaendlich in den Tagen nach dem Beschluss der N.U. ueber die Internationalisierung der Stadt zum allgemeinen Pressekommentar. Der wichtigste und vielleicht auch interessanteste Artikel erschien wohl in der woechentlichen Spalte “Actualidad Internado n a 1” des "El Mercurio”. Der Leitartikler des “Doyen” bringt seinen Pessimismus bezueglich der N.U., ihres Prestiges und ihrer Zukunft und vor allem, ihrer Moeglichkeit, die gefassten Beschluesse in die Wirklichkeit umzusetzen, zum Ausdruck. Er unterstreicht die Momente, die vor allem Israel und auch Transjordanien die*Truempfe in die Hand gespielt haben und behauptet, dass einer maechtigen Organisation ge’* 1genueber die beiden Laender eine gemaessigtere Sprache haetten fuehren muessen. Den Widerstand der angelsaechsischen Maechte gegen die Internationa 1 i s i e r u n g fuehrt er auf praktische Er. waegungen, den Kampf der “besiegten” arabischen und der lateinamerika n i s c h e n Laender dafuer, auf sentimentale Beweggruende zu-, rueck. Von Russland nimmt er an, dass der Wunsch, den Westmaechten neue Konflikte und Schwierigkeiten zu schaffen, ausschlag ge b e n d war. Abschliessend stellt er fest: “Nun hat die N.U. ihre Stimme vernehmen lassen; Ts.rael und das Haschemitische Jordan-Koenigreich haben sie offen herausgefordert und die Situation hat keinen Ausweg mehr. Nichts kann aus ihr erwachsen, es sei denn ’in groesserer Misskredit der mternationalen Organisation”. Montalba, zu Lebzeiten Buer- Germeister von Talavera de la Reina, woselbst er auch 1541 starb. “La Celestina” schrieb ^r ungefaehr 1490, snaetestens 1494 und so gross ist die Lebensweisheit und Belesenheit -lie der Roman verraet. dass Grst die Literaturkritfk des 20 Tahrhunderts die These widerlegen konnte, dass ein ■",Gr>h nieht dreissispaehrleer "'Undent” nicht der Urheber dieses Werkes sein koenne. rratsaechlieh Hessen einige -Uesbeznep-liche Unklarheiten die sowohl auf Sitten des damaligen Verlagwesens wie aut die Tarnung der von der Inquisition verfolgten Maran. nen zurueckzufuehren sind. °ine langatmige Polemik aufkommen, in derem Verlauf die Verantwortung fuer min. destens ein Kanitel des Dramas dem Rodrigo Cota de Maguacme, uebrigens auch ein Maranne, oder dem Juan de Mena zugeschrieben wurden. “La Celestina” steht an der Schwelle zwischen dem Mittelalter und der Renaissance und hat in der spanischer Literatur eine dergestalt epochemachende Bedeutung dass die hervorragendster Literatur forscher ihr der Platz nach “El Quijote” zu weisen, der im uebrigen ers' hundert Jahre spaeter —ir der Bluetezeit der Renaissance— das Licht der Welt er blickte. Das unsterbliche Buch —unsterblich trotz der Leichtigkeit, mit der unsere hastigf Zeit an ihm voruebereib stellt einen der groessten Beitraege dar, den ein Jude zuspanischen Literatur geleistet hat. H. K. NACH GROSSEN VORBILDERN “Ercilla” vom 13. Dezember bringt das Bild, das wir untenstehend wiedergeben, mit folgender Erklaerung: “Die peruanische Polizei behandelt die Gegner des Militaer-Regimes mit Nazi-Methoden; letzthin wurden mehrere junge “Apristas” durch die Strassen von Lima gefuehrt, mit geschorenen Haaren und ihre Kleidung mit schwarzer Farbe beschmiert. Auf dem Foto sieht man zwei der “Bestraften”. Auf ihre Anzuegeschrieb man, u.a., das Zeichen der “Juventud Aprista Peruana”. Diese Methoden erinnern an die in Italien und Deutschland zu Zeiten von Hitler und Mussolini angewandten.” Xs- 3&T4** ¡ Zum Text waere noch erlaeuternd hinzuzufuegen, dass “Apra” oder “Partido del Pueblo” die nach links tendierende Mittelstands— und Arbeiterpartei in Peru ist, die immer in erster Linie im Kampf des Zivilismus gegen die unzaehligen Militaerregierungen des Nachbarlandes stand. Seit der Machtergreifung der faschistischen Militaerelique' des General Odria befindet sich diese Partei wieder “Untergrund”. Bei dem Foto faellt uns das Abzeichen auf, das nach “Ercilla”, “unter anderem” den Opfern der peruanischen Polizei aufgemalt wurde: der Magen David. WAR KOLUMBUS JUDE? Die erste Nummer der im Verlag Carlos de Vidts erscheinenden Monatsbroschuere “Nuevas Selecciones”, die nach dem Misserfolg der von Z i g - Z a g herausgegebenen “Versiones Mundiales” einen neuen Versuch darstellen, der spanischen Ausgabe des “Readers Digest” eine nationale Konkurrenz entgegenzusetzen, befasst sich mit dem Problem: “Colon, ¿era judio?”. Der an prominenter Stelle erschienene Artikel ist ein Auszug aus dem Buch “Los judios en Chile” von Guenter Boehm, das wir in unserer Nummer 6 des vergangenen Jahres besprachen. ISRAEL LACHT Ein amerikanischer Reporter besichtigt Israel; es wird ihm eine befestigte Stelle bei Jerusalem gezeigt, wo 50 juedische Soldaten 500 Araber zwangen, sich zu ergeben. “Grossartig” sagte der Reporter, “gewoehnlich ist das Zahlenverhaeltnis 3 zu 1 zu Gunsten des Angreifers”. “Das weiss ich wohl”, sagte der Fuehrer,” aber es war ein Blitzkrieg, und wir hatten wirklich keine Zeit fuer Statistik”.