Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-12-01 · 12 (Diciembre, 1949) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
12 (Diciembre, 1949)
Date
1949-12-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8553624-8553773-9191127--0298-8553948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

BOLETIN* INFORMATIVO 15 GRENZE DES DREIECKS Verleger, Buchhaendler und ' in Israel 23 arabische Doerfer mit einer Bevoelkerung von 30.000 Arabern wurden lt. Vertrag von Rhodos vor ca. einem Jahr in der Grenze des Dreiecks an Israel angeschlossen. Die Doerfer werden von einer besonderen Militaerkommandantur verwaltet. Die Einwohner sind noch keine Israel-Buerger. Sie besitzen Identitaetskarten der Militaerkommandantur. Wir passierten Ein Schemer u. befanden uns in einem huegeligen Niemandsland. Die letzten Barraken Ein Schemers verschwinden am Horizont. In der Ferne tauchen kleine Lehmhaeuser auf. Wir fahren in unserem Stabswagen in ein typisches arabisches Dorf ein. Frauen in farbigen Gewaendern und Guerteln kommen uns mit Toepfen auf ihren Haeuptern entgegen. Schmutzige Kinder starren uns aus ihren grossen schwarzen Augen neugierig an. Maenner mit Kefies sitzen in einem Kaffeehaus. Auf einem Laden prangt die Aufschrift in hebraeischer Sprache “Hamaschbir Hamerkasi”. Unweit davon erhebt sich ein grosses Gebaeude. Auf seinem Dach weht die Israel-Flagge. Ein arabischer Polizist mit der Aufschrift “Mischteret Israel” senkt sein Gewehr zum Gruss. “Bake El-Gharbie, Militaerkommandantur” steht auf dem Haus. Der Militaerkommandant stellt uns die Notabein des Dorfes vor. Araber in langen wallenden Gewaendern. Sie begruessen uns herzlich, in dem sie die Rechte auf ihr Herz legen. Der Muchtar des Dorfes bittet uns, der Israel-Regierung den Dank und Gruss der Dorfbewohner zu uebermitteln. Hierauf bringen sie un^ ihre Forderungen vor. Sie behaupten Israel-Buerger wie alle anderen zu sein, sie fordern Befreiung ihres Geldes und ihres Eigentums, das sich im Gebiet Israels befindet. Sie fordern Bewegungsfreiheit, Handelsfreit, Arbeitsbeschaffung und Oeffnung der Schulen. Fortwaehrend weisen sie darauf hin. dass sie Buerger Israels sind u. nach dem Gesetz gleiche Rechte und Pflichten haben. Sie ueberbieten einander in Lobreden auf die Regierung Israels. Und dabei draengt sich einem unwillkuerlich die Frage auf: Was haben diese Araber dazu getan, um die gleichen Rechte wie jene zu bekommen, die mit ihrem Blute fuer die Freiheit des Vaterlandes gekaempft haben? Wo waren diese Araber gestern und vorgestern gewesen? Zweifellos haben viele in den Reihen der Mufti-Banden gekaempft und ihre Waffen, gegen uns gerichtet. Trotzdem wird uns berichtet, was wir bereits in den wenigen Monaten fuer sie getan haben und tun. Ein juedischer Arzt hat sich im Dorf niedergelassen und betreut die Einwohner. Der “Maschbir Hamerkasi” versorgt die Geschaefte des Dorfes mit allen Beduerfnissen. Der Tageslohn des Schwarzarbeiters wurde von 250 auf 400 Prutot erhoeht. Das Versorgungsministerium sorgt fuer den organisierten Kauf der Dorfprodukte. In Kuerze werden die Dorfschulen eroeffnet werden und arabischen Kindern wird es gestattet sein, ihre Studien im Gymnasium von Pardess Chanah fortzusetzen. Seitdem unsere Behoerden in die Doerfer einzogen, haben »sich die Sicherheitsverhaeltnisse erheblich gebessert. Juedische Polizisten und arabische Hilfspolizisten halten die Ordnung in den Doerfern aufrecht. Seit der Machtuebernahme gab es keinen einzigen Mord. Die Zahl der Diebstaehle ist trotz der nahegelegenen Grenze gering, und die Familienzwistigkeiten konnten beigelegt werden. In einigen Doerfern wurde von den Einwohnern ein besonderer Schutzdienst in den Naechten organisiert. Wir setzen unserer Reise fort und gelangen zur Grenze. Ein Stacheldraht in Zickzackform trennt uns von der anderen Seite. Ein hagerer 'veisshaariger Araber kommt vorbei. Ihm folgt eine Frau, an deren Schuerze sich schuechtern zwei Kinder anhalten. “Das sind unsere Araber”, erklaert uns unser Chauffeur. In ca. zehn Meter Entfernung gewahren wir einen anderen Araber, eine Frau und eine Gruppe von Kindern. Sie werfen uns neugierige und hungrige Blicke zu. “Die gehoeren schon zu ihnen”, meint der Chauffeur. Das gleiche Bild bietet sich uns entlang der gesamten Grenze. Oft verwischen sich die Grenzlinien und ueberschneiden sich. Ein arabisches Dorf, in transjordanischer Hand steigt ploetzlich in geringer Entfernung vor uns auf. Wir sehen zwei Legionaere vor uns. Dahinter kommt ein zweites Dorf. Dieses gehoert zu urs. Hier und dort stossen wir auf eine Tafel: “Halt! Grenze!” Wir naehern uns Tulkarem. Die Stabsautos rasen weiter und fahren beinahe in die Stadt herein. So nahe ist hier die Grenze. Wir unterscheiden jedes Haus, Dach. Fenster und Gaesschen. In einem Kaffeehaus sitzen Araber und rauchen die unentbehrliche Nargileh. Eine Frau verlaesst ein Geschaeft mit einem Korb. Einige Kinder jagen einem Ball nach. Nur die Tafel warnt: “Halt! Grenze!” Und dann gelangen wir nach Kalkilia. Wieder das gleiche Bild. Man muss nur den Zaun ueberspringen, und man ist “drinnen”. Die Einwohner Kalkilias blicken uns offen und unverfroren an. Wir biegen in einen Seitenpfad ein. Hier steht ein Araber von uns und drueben e;ner von ihnen. Sie koennen einander beruehren, wenn sie den Arm ausstrecken, ueber den Zaun, der die Grenze bildet. Jubel, Floetenspiel und Gesang schallt uns aus dem Dorf Teibe entgegen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, um die Eroeffnung des neuen Steinbruchs und den Besuch des Militaerkommandanten zu feiern. Die Inhaber des Steinbruchs sind entlassene Sbldaten, die eine Kooperative gruendeten. Taeglich werden hier fuenfzig Araber aus Teibe arbeiten. Juden und Araber arbeiten hier Schulter an Schulter. Noch vor wenigen Monaten droehnte die Gegend vom Donner der Geschuetze. Die Feinde von gestern sind nun Partner eines produktiven Werks. Der gemeinsame Sprengstoff dient heute zur Sprengung der Felsen. “Vergessen wir das Gestern”, sagt der Muchtar von Teibe in seiner Begruessung'srede. D’e Einwohner Teibes jubeln uns zu. Sie tanzen uns zu Ehren “Debka”. Sie brechen in Hochrufe zu Ehren des Staatspraesidenten aus. Sie bringen uns all das, was sie zur Feier des Tages vorbereitet haben! Riesige Schuesseln mit scharfen, gewuerzten arabischen Speisen, Lammfleisch ge- Die Welt des Geistes ist nicht weniger stark als die Welt der Materie und der Physis. Dafuer sind uns die Juden in ihrer Diaspora-Existenz ein lebendiges Beispiel. Zwei Jahrtausende haben die Juden als Volk-Einheit nicht mehr existiert, und ebenso lange gab es kein Kriterium in der Welt, das als Vaterland der Juden gelten konnte. Womit erklaert sich die sonderbare Erscheinung, dass eine kleine, schwache Minderheit innerhalb einer starken und feindlichen Mehrheit — von dieser bedrueckt, vorfolgt und nicht zuletzt mit gaenzlicher Vernichtung bedroht—, dass eine solche Minderheit sich allen Anfeindungen und Verfolgungen zum Trotz, bis auf den heutigen Tag erhalten konnte? So unglaublich es vielleicht in den Ohren von Rationalisten klingen mag, so muessen wir konstatieren, dass es eine unwahrscheinlich simple Stammesehronik war, das Buch der Bibel, welches dies bewirkt hat. Dieses vielumstñttene Buch der Buecher bot den Juden Ersatz fuer das verlorene Vaterland, es entschaedigte sie fuer aile erlittene Unbill und schuf um sie einen magischen Kreis, der sie von der feindlichen Umwelt voellig isolierte, sie immun machte geeen jede A-t von Verfolgung und sie bis auf den heutigen Tag existieren liess als das Volk des Buches. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Juden an der Entwicklung des euronaeischen und amerikanischen Buchgewerbes hervorragenden Anteil haben, wir brauchen nur Namen wie S. Fischer <Deutschland), Calman Lew (Frankreich), Gnllancz (England). Bemoorad (Italien) und S. Knonf (USA) zu nennen, um den juedischen Unternehmunasge’st auf diesem Spezialgebiet zu illustrieren. Ebenso laesst sich eine grosse Zahl von Btichhaendlern und Antinuaueo juedischer Herkunft in fasteuropaeischen und aussereuropaeischen Laen. dern aufzaehlen. Aber alle diese Juden waren Verleger und Buchhaendler von englischer. franzoesischer bzw. deutscher Literatur, und wenn auch der eine oder andere sich auf “Judaica” speziaüsiert hat, so tat. er dies doch nur im Rahmen eines Sprach- und Kul. turkrefses. in dem er sich zufaellig zu “Hause” waehnte. Juden als Verleger einer nationaljuedisohen Literatur sind erst seit der Geburt, des nolitischen Zionismus und der Renaissance der hebraeischen Sprache in Erscheinung getrebratene Tauben, Humus. Pita usw. “Esst nur, bis Ihr genug habt”, wendet s:ch ein junger schwarzhaariger Araber in fliessendem Iwrith an mich. Ich fragte ihn, wieso er so gut Iwrith kann. “Ich habe eine juedische Frau”, erzaehlt er mir. “Ich bin ein “Mechuten” von Euch. Jetzt bin ich glueeklich. Jetzt sind wir alle glueckhch. Ihr seid nur ein wenig zu spaot gekommen. Wir hatten sehr viel von den Irakern zu leiden...” Unsere Gastgeber sind die eigentlichen Beherrscher des Dorfes; zwoelf Brueder der Familie Abdel Rasik. Einer von ihnen ist Arbeitsleiter im neuen Steinbruch, einer Besitzer der Schule, die anderen reiche u. maechtige Grundbesitzer. Sie zwinkern freundlich mit ihren Augen und laecheln uns zu. Vor Jahren war einer der Brueder ein berechtigter Bandenfuehrer. Einige Brueder waren in Nazideutschland. Heute jubeln sie uns zu. i Ja, auch im arabischeh Dreieck haben sich die Zeiten geaendert...? (“Jedioth Chadaschoth”) ten, als deren Schoepfer Eliezer ben Jehuda, der Verfasser des Thesaurus Linguae Hebraeicae (Langenscheidt, Berlin) zu gelten hat. Die ersten Verlage fuer hebraeische Literatur, seien es Original-Schoepfungen oder Uebersetzungen, ent. standen in den einstigen juedischen Massensiedlungen Polen und Russland, wo sie zunaechst eine kuemmerliche Existenz fristeten und meist durch Subsidien grosszuegiget Maezene sich ueber Wasser halten konnten. Die ersten Verlage dieser Art waren “Hateclrja” und “Morijah” in Odessa und der Verlag J. Stiebei (von einem reichen Leder, haendler gleichen Namens subsidiert) in Warschau. Daneben existierten auch eine ganze Reihe vod kleinen jiddischen Verlagen. Erst mit der Balfour-Deklaration, die die Eigenstaatlichkeit der Juden in greifbare Naehe gerueckt hat, hat das hebraeische Buchgewerbe einen wirklichen Aufschwung erhalten. Die bolschewistische Revolution in Russland hat die hebraeische Spra. :he als “konterrevolutionaer” erklaert und damit ihre Schoepfer und Verbreiter ausser Gesetz gestellt. Ein bedeutender Kreis von hebraeischen Dichtern, Schriftstellern und Intellektuellen, wie Bialik, Tschernichowski, Berdiczewski (bin Gorion) u.a.m. emigrierten nach Deutschland, wo in den Jahren 1922-1926 ein Zentrum des hebraeischen Buches entstand. * In Berlin wurden damals die noch heute in Israel existierenden Verlage “DVIR" und "Jalkut” gegruendet, ebenso der grosse Kunst- und Bilderbuecher-Verlag “Omanuth” in Frankfurt a.M.,.der heute in Tel-Aviv, als einer der groessten Verlage, von der energischen und tatkraeftigen Verlegerin Frau Persitz geleitet wird. Zur grossen Bluete gelangte das hpbrae’sche wie auch das fremdsprachige Buchgewerbe in Palaestina mit der grossen westeuropaeisehen Einwanderung in den Jahren 1933- 1939. Auch in den Kriegsjahren 1940- 1945 herschte im Buchhandel eine grosse “Prosperity”, die teils durch die Kriegskonjunktur, teils durch die im Lande stationierten anglosaechsischen Militaerkontingente hervorgerufen wurde. Es entstanden grosse Firmen, die sich mit dem Im. port von Buechern und Zeitschriften hesehaeftiet en. und Buchhandlungen von europaeischem Format, die auf individuellen Geschmack und Kundendienst eingestellt sind. Dabei darf erwaehut werden, dass kaum ein Land im Verhaeltnis zu seiner Bevoeikerungszahl so viel Buchhandlungen aufweisen kann wie das kleine Israel. Das Verlagswesen in Israel macht augenblicklich eine empfindliche Krise durch. Der Krieg hat eine Pa. pierknappheit im Lande verursacht, was eine Stagnation im Verlagswesen zur Folge hat. Die Regierung sucht jedoch mit den Verlegern Mittel und Wege, um diese Schwierigkeiten zu ueberwinden: so sind wichtige Neuerscheinungen herausgekommen, die drucktechnisch und in der aeusseren Ausstattung der europaeisr’nen Buchproduktion nicht nachstehen. Mit der Selbstaendigkeit Israels hat das hebraeische Verlags- und Buchwesen eine wichtige kulturelle Aufgabe zu erfuellen. Auch rt<w mrachige Sortimentsbuchhandel wird durch die Masseneinwanderung einen wesentlichen Aufschwung erle*' ben, und somit werden die Verbindungen der israelischen Buchhaendler mit denen des Auslandes immer intensiver werden. Israel ist interessiert am Austausch kultureller Gue. ter und an einer Annaeherung allet Voelker auf dem Wege des Buches. (“Das Neue Israel”, Zuerich) v 8565

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.