Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-12-01 · 12 (Diciembre, 1949) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
12 (Diciembre, 1949)
Date
1949-12-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8553624-8553773-9191127--0292-8553942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BOLETIN INFORMATI VO 9 ISRAEL UND DIE GOLAH Ist Israel an der Existenz der Golah interessiert? — Wer diese Frage in solcher Zuspitzung stellt, zeigt bereits, aass er aas wirkliche Problem der juedischen Existenz nicht erfasst hat. Denn es handelt sich nicht um die Frage eines blossen “Interesses”. Waere dies der Fall, dann koennte man die Frage sehr leicht beantworten, und zwar mit dem gleichen Rechte mit “ja” wie mit “nein”. Man koennte naemlich sagen, Israel sei an der Existenz der Golah deshalb interessiert, weil die Juden der Welt ausserhalb des Landes ein Reservoir darstellen, aus dem Israel Menschen, Mittel, geistige Werte bezieht und das zugleich Israel eine Art von moralischer Stuetze in der Welt draussen bietet. Ebenso gut aber koennte man die Frage mit einem Nein beantworten, indem man den Wunsch ausdrueckt, alle Juden der Golah sollten mit ihren Mitteln nach Israel kommen, um hier ein neues Leben auf staatlicher Grundlage zu beginnen, und zwar so rasch wie moeglich. "GALUTH-B^WUSSTSEIN” Wir koennen uns zu diesen beiden Auffassungen nicht bekennen, sondern glauben, dass Israel, d.h. der juedische Staat in unserem Lande, eine Existenzform des juedischen Volkes darstellt, deren Wert fuer die I Nationalgeschichte von eigenster i Praegung ist und das auf der anderen Seite die juedische Golah ueberhaupt nicht zur Diskussion steht. Juden leben in der Zerstreuung und we.aen in ihr ieoen, welche Parolen wir von Israel ausgeben moegen, ob wir sagen, unser “Interesse’ sei die Existenz oder die Nichtexistenz der Golah. Wenn wir von jeher in der zionistischen Bewegung und so auch heute von “Verneinung” der Golah sprechen, so ist der Sinn dieses Wortes nicht, dass wir ihre physische Aufloesung wuenschen oder dass wir ihr inneres, historisches Recht bestreiten. Wuerüen wir das Erstere wollen, so* waeren wir zumindest in der Welt, so wie sie heute ist, mit den Millionen Juden Sowjet-Russlands und seiner Satelliten auf der einen und den Millionen deramerikanischen Demokratie und ihrer Sphaere auf der anderen Seite reine Utopisten. Wollten wir sie verneinen im Sinne einer Nichtanerkennung ihres inneren Rechtes, so waeren wir nicht geringere Utopisten nach rueckwaerts gewandt, d.h. wir lebten und handelten unhistorisch. Verneinung der Golah bedeutet etwas an- Von KURT LOEWENSTEIN deres: Es ist die Aufforderung an die Juden der Welt, ihr nationales Sonderschicksal zu erkenneh und zu wissen, dass sie selbst in der Zeit der intimsten Symbiose mit einem Weltvolke etwas Gesondertes darstellen. Verneinung der Golah bedeutet nicht Verneinung ihrer schoepferischen Werte und ihrer Schoepferkraft. Aber auch wenn wir die schoensten und erhabensten Ausdruecke dieser Kraft ins Auge fassen, etwa die geistigen Produkte der spanisch-juedischen Epoche, dann muessen wir uns dessen bewusst sein, dass diese Erzeugnisse entstanden sind im Geist von Menschen, die im Augenblick der engsten und tiefsten Symbiose das Bewusstsein ihrer Galuth-Existenz besassen. Dies ist eine Art von Verneinung, die in ihrem Effekt positiv ist. Das Wort von der Verneinung konnte im Grunde nur deshalb entstehen, weil ein juedisches Geschlecht dieses Galuth bewusstsein verloren hatte und. in einer Symbiose lebte, bei der es sich ganz und gar mit dem Partner indentifizierte und damit in der Gefahr war, sich selbst zu verlieren. Dies sind hoechst aktuelle Erwaegungen, fuer uns in Israel wie ruer die Juden der Golah. Denn die Verwirrung ist gross. Sie ist gross bei uns, wo unter dem Eindruck der tatsaechlichen Aufloesung wichtiger juedischer Zentren in Europa in manchen Gehirnen der Gedanke einer voelligen Aufloesung der Golah entstanden ist. Und was bedauerlicher ist, wo aus dem Gefuehl der eigenen Leistung heraus eine Art von Selbstbewusstsein entstand, das mit mehr oder weniger Hochmut auf die Golah-Judenheit herabblickt,' s i e mehr oder weniger nur als “Reservoir” betrachtet, aus dem man nehmen kann, ohne dass ihm ein Eigenwert zuerkannt wird. Es fehlt bei uns der Respekt vor so Vielem, was in der Welt in Generationen von Juden geschaffen wurde — eine me'rkwuerdige Erscheinung in einer Gesellschaft, der es an Respekt fuer die eigene Leistung gewiss nicht mangelt! DAS PROBLEM DER LOYALITAET Die Verwirrung ist aber nicht weniger gross im Auslande. Dort nimmt die Frage vor allem eine gesellschaftlich-politische Wendung. Es ist das Problem der Lbyalitaet gegenueber dem Lande, in dem der Jude wohnt und gegenueber dem juedischen (Fortsetzung auf Seite 17) (Eine Chanukkah-Betrachtung) Der Kampf fuer die Thora, fuer ] den Erhalt juedischen Kulturgutes, Ist letzter Sinn des Makkabaeer-Aufstandes gewesen. Der Sieg dieser kleinen Heldenschar ueber aen syrischen Gegner ist -eine Bestaetigung mehr dafuer, dass in der juedischen Geschichte der Geist ueber die Macht, ueber rohe Gewalt den Sieg davontraegt. Welches sind die Beweggründe fuer die Einsatzbereitschaft all dieser Kaempfer gewesen, so fragen wir an diesem Chanukkah- Fest. Diese Frage anders formuliert lautet: Welchen Wert repraesentiert die Thora fuer den bewussten Juden? CHANUKKA IN DER HEBRAEISCHEN LITERATUR Was ist Chanukka? Die Rabbinen erklaeren: am 25. Tag des Monats Kislev beginnen die acht Tage Chanukka und waehrend dieser acht Tage ist jede Trauer und Fasten verboten. Denn als die Heiden in das Heiligtum des Tempels eindrangen, entweihten sie in ihm das Oel. Und als die Regie- ••'inv der Hasmonaeerdynastie die Heiden besiegte, fand man, nach langer Suche, nur eine einzige Kanne Oel, die mit dem Siegel des Hohepriesters versiegelt war und daher rein und heilig. Aber die Kanne enthielt nur wenig Oel, gerade genug, um in der heiligen Lampe einen Tag lang zu brennen. Und hier geschah das Wunder, denn dieses Oel brannte ganze acht Tage lang. | Im folgenden Jahre wurden dis i gleichen acht Tage, vom 25. Kislev bis zum 3. Teveth zu Festtagen erklaert. Der Chassidismus sagt: Chanukka bedeutet Erziehung zur kuenftigen Erloesung. Daher werden Generationen, die der Erloesung naeher sein werden, mehr ueber Chanukka und seine Bedeutung sprechen. Und: Das Gebot, die Chanukkalichter in der Naehe der Tuer des Hauses anzuzuenden, soll daran erinnern, dass die Chanukkatage die Tuer und der Eingang zur vollkommenen Erloesung sind, die bevorsteht. i Es gibt Gegenstaende in dieser Welt, die ihren Wert durch sich selbst repraesentieren. Luft, Brot, Wasser sind uns koestliche Gueter, weil die Luft uns das Atmen ermoeglicht, weil das Brot unseren Hunger saettigt und das Wasser unseren Durst stillt. Ohne diese Gueter ist es unmoeglich zu leben. Aber sie beduerfen nicht eines besonderen Zeugnisses oder Beweises fuer die Guete, Quaiitaet, fuer die Quelle, aus der sie fliessen, d.h., fuer den, der sie erschaffen hat. Der Menschheit sind sie eine Notwendigkeit und jedes Lebewesen findet in ihnen seine Funktion. Es gibt Dinge in der Welt, von denen wir nicht ohne weiteres wissen, ob sie gut oder schlecht,' wertvoll oder eitel sind. Wir trauen ihrer Guete und ihrem Nutzen auf Grund der Aussage einer allgemein anerkannten Autoritaet. Die Medizin, die der Arzt zur Heilung des kranken Koerpers verordnet, die den Koerper gesund und widerstandsfaehig macht, wird von uns als ein Wert anerkannt. Die Wasserquellen sind ein Trunk zur Heilung der Kraßheit, so sagt die medizinische Autoritaet und wir vertrauen ihrem Wort und machen seine Meinung zu der unsrigen. Es gibt Dinge, die sich nicht durch Guete und Hilfe auszeichnen und in denen auch das Urteil einer Persoenlichkeit nicht den Ausschlag gibt, und dennoch werden sie von uns geschaetzt, sind uns lieb und teuer und stellen fuer uns einen hohen Wert dar, weil sie sehr alt sind. Ein einfaches Glasgefaess z.B.. das jahrhundertelang in einer Familie aufbewahrt ist, erhaelt durch die Zeit einen antiken Wert. Wir hueten es mit aller Vorsicht und und sind nicht bereit, uns auch um einen noch so hohen Preis von ihm zu trennen. Aber auch einfache schlichte Gegenstaende, ein Buch, ein an sich nicht wertvoller Ring, an den sich bestimmte Erinnerungen knuepfen, besitzen fuer den Menschen unschaetzbaren Wert. Unsere Thora gehoert zu den Werten, die durch sich selbst bestehen. Sie ist die Lehre der Wahrheit. In ihr sind die Gesetze der Gerechtigkeit, der allgemeinen menschlichen Lebensfuehrung enthalten. Sie ist das Licht, das die an sich finstere Welt zu erhellen bestrebt ist. Sie ist die Lebensquelle der Freude und des Trostes. Fuer den Juden ist sie seine Luft, sein Brot, sein Wasser. Die Makkabaeer konnten und wollten nicht leben ohne diese Luft, ohne diesen Geist, konnten nicht leben ohne das Brot, das ihren geistigen Hunger stillte, ohne das Wasser, mit dem sie sich satt tranken. Als in jenen Tagen der syrische Feind das Land der Vater ueberfiel, mit der Absicht, diese Lebensquelle vollstaendig zu zerstoeren, gab es fuer die bewussten Juden nur eine Entscheidung: mit der Waffe in der Hand diese Lebensquelle zu schuetzen, zu verteidigen im festen Vertrauen auf den endgueltigen Sieg, GESCHICHTLICHE ZEITTAFEL ZU CHANUKKA 333 323 323-175 1V5 170 108 167 166 165 163 161 161-143 143 140 Juda wird von Alexander dem Grossen unterworfen. Tod Alexanders. Innerhalb der Nachfolgerstaaten bleibt Juda unter syrischer Herrschaft. Antiochus Eniuhanes. Ueberfall auf Jerusalem und die Heiligen Staetten. Zwe>ter Ueberfall; Entweihung des Tempels; Verbot des Opfers. Der Widerstand beginnt in Modiin. Tod des Mattathias. (25. Kislev) Rueckeroberung Jerusalems und des Tempels. Tod des Antiochus Epiphanes. Juda Makkabi faellt in einer Schlacht gegen grosse syrische Uebermacht. Herrschaft Jonathans, aus dem Geschlechte der Hasmonaeer. Antonomie innerhalb des syrischen Reiches. Jonathan wird von den Syrern ermordet. Unabhaengigkeit von Syrien; Koenigtum der Hasmonaeer in Juda; Simon der Gerechte. —i- DAS HASMONAEERGESCHLECHT ... und um diese Zeit wohnte in Modiin, einem Dorfe Judaeas, ein Mann mit Namen Mattathias, ein Sohn des Joannes, des Sohnes Simeons, des Sohnes des Asamonaeus. Er war Priester, stammte aus Jerusalem und hatte fuenf Soehne: Joannes mit dem Beinamen Gaddes, Simon mit dem Beinamen Matthes, Juda mit dem Beinamen Makkabaeus, Eleazar mit dem Beinamen Auran und Jnrathas mit dem Beinamen Apohus... um dem juedischen Volk damit ein Weiterleben zu ermoeglichen. So und nicht anders haben die Makkabaeer gehandelt und sind in die Geschichte unseres Volkes als leuchtendes Beispiel fuer echtes Heldentum eingegangen, weil sie in der rechten Erkenntnis des wahren Wertes dieser Thora, dieser Lebensquelle jederzeit bereit waren, ihr Leben zu opfern. Sie stehen in der juedischen Geschichte durch ihre Haltung ausgezeichnet nicht vereinzelt da. Sie haben oft und oft Nachahmer gefunden und in unseren Tagen hat die juedische Jugend diesen Heldenmut in gleicher Weise wie ihr Makkabaeer-Vorbild bewiesen. Niemals haben Juden mit der Waffe in der Hand gekaempft aus Freude und Lust am Kampf, am Toeten, sondern nur dann haben sie zu den Waffen der Vernichtung ■ gegriffen, wenn finstere und brutale Maechte aufgestanden sind, um diesen “Wert an sich”, Thora genannt, zu zerstoeren und so werden die bewussten Juden auch in Zukunft handeln. Die Luft von Israel ist gut, sein Brot ist schmackhaft, sein Wasser koestlich, aber das sind nur die natuerlichen Lebensmoeglichkeiten. Ueber diese pa,t,uerlichen Lebensnotwendigkeiten hinaus gibt es den Wert, der Israel durch die Zeiten die unerschuetterliche Lebenskraft gegeben hat, allen Gefahren und Angriffen zu trotzen. Fuer jene schlichte Pergamentrolle hat ein Volk gelitten, geduldet und ist trotzdem am Leben geblieben und wenn in juedischen Haeusern eine Woche hindurch an jedem Abend das r’hanukkah-Licht entzuendet wird, damj erfuellt sich das alte'Psalmenwort: “Die Lehre Gottes ist vollkommen” und gibt der durstenden Seele Antwort: seine Forderungen sind gerecht und sie erfuellen das menschliche Herz. Rabbiner Manfred Lublinei >

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.