Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-12-01 · 12 (Diciembre, 1949) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
12 (Diciembre, 1949)
Date
1949-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8553624-8553773-9191127--0290-8553940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

BOLETIN INFORMATI VO 7 WIR SEHEN, HOEREN, LESEN FRAGEN UND ANTWORTEN Die Pessach-Hagadah stellt bekanntlich 4 Typen von Kindern auf. Vielleicht ist unseren Lesern schon zum Bewusstsein gekommen, dass man die Leser nach den gleichen Grundsaetzen einteilen kann. Hierzu kommt aber noch eine 5. Gruppe, die fuer die Redaktion einer Zeitung besonders erfreulich ist: Der Leser, der zu fragen versteht. Das ist der Leser, der durch seine Fragen die Redaktion darauf aufmerksam macht, dass sie in einem Punkt unklar geblieben ist oder zuviel von ihren Lesern vorausgesetzt hat. Wir haben eine ganz besondere Freude an dieser Gruppe und beantworten an dieser Stelle ein paar Anfragen, die uns kuerzlich gestellt wurden. Da schreibt ein Leser: Welche Bewandtnis hat es mit der als zerstoert abgebildeten Synagoge von Bechhofen? Wo liegt dieser Ort? Wir antworten: Es ist ein weiter Weg von Bechhofen — das im tiefsten Bayern liegt — nach Berlin oder Breslau. Die dortige Synagoge war wohl die letzte in Deutschlaijd vorhandene, die im Mittelalter aus Holz gebaut MARGÜERITE DURCH DREI * “Marguerite durch drei” war der Titel der diesjaehrigen Theaterauffuehrung der Liga de Damas. Ein Theaterstueck muss kritisiert werden, so will es der Brauch. Kritisieren ist eine huebsche Aufgabe fuer denjenigen, der beruflich Berufskuenstler zu besprechen hat, wird aber zu einer haessüchen Mausefalle in dem Moment, wo es sich um Amateure handelt, d^e sich der Wohl- .aetigkeit zur Verfuegung gestellt haben. Entweder man erledigt es mit einem Schulaufsatz “und taten alle, die sich der guten •Sache zur Verfuegung gestellt hatten, ihr Allerbestes” und sieht sich dadurch den Zorn aller Mitwirkenden zu, die rlaubten, einer individuellen Behandlung wert zu sein, oder iber man legt die Masstaebe :iner normalen Kritik an, und hat fuer den Rest des Lebens saemtliche Ehefrauen, Kinder, IN LIEBES “BOLETIN INFORMATIVO”! ■ tatsaechlich nur einmal im Jahr spielen. Dr. Walter Hiob, Verzeinung Tobias’s Ludwig war etwas foermlich, aber glaubhaft, Leo Schanzens Karl ein Clown, aber dem Publikum “aöe gefiel diese Auffassung, wie auch ein Sonderapplaus bewies, Fritz Gruenbergers Lorenz war weaneriscli und sympathisch und bei Hermann Schloss's Diener sah man foermlich den Kalk rieseln. Wenn Schloss noch ein paar Jahre alte Maenner spielt, werden wir eines Tages in ihm einen guten jugendlichen Liebhaber haben. Ferner eine ehrenvolle Erwaehnung der aufopfernden Arbeit unserer Souffleuse Irene Marcus und des Requisitenmeister Rudi Hofmann. Nur wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, einmal Requisiten gemsiert hat, weiss, war er litt. 3) Das Publikum: In Tel- Aviw ist eine Zirkusvorstellung. Auf einem hohen Seil macht ein Mann halsbrecherische Kunststuecke, steigt auf in Rad, balanciert auf dem wurde, ein kleines Kunstwerk; aer Besprechung zwischen der in seiner Art, das die bayrische, Scylla einer Gesangveremskn- Regierung unter Kunst-1 ¿k und der Charybdis ver Schutz gestellt hatte, was nastzter Selbstgefuehle ieschwister und Schwieger- Hinterrad, laesst die Lenkstange los und bei Trommelwirbel und atemberaubender Stille holt er eine Violine und faengt diese an zu spielen. Sagt Moische zu seiner Frau: “Nu na, ein Menuhin ist er nischt”. A. R. muetter der Mitwirkenden .•m Feinde. Im ersten Falle ist man . journalistisch, im etzteren gesellschaftlich ein oter Mann. Versuchen wir es, an Stelle einer Kritik, mit ei tuerlich nicht hinderte, dass die Nazis sie doch vernichteten. Ein anderer Leser schreibt: Wissen Sie etwas Naeheres .etzt-er iurchzusteuern. hin- 1) Das Stueck: haette niemals geschrieben zu werden brauchen. Da es aber geschriewelcher Vorgang den in der i 3en> . haette man es besser November-Nummer des Bole-1 schreiben koennen. (Anmerfcins wiedergegebenen Bild *ung: die Liga fuer die Aus- “Deutscher Humor 1938” zu- ^ahl der Stuecke verantwortgrunde liegt? Wir koennen! _ich_zu machen, ist ungerecht, dienen. Auf dem Bild sieht man den Muenchner Rechts anwalt Dr. Michael Siegel — Ider jetzt in Lima lebt, wo er «auch das Amt des Kantors irad Lehrers der dortigen Gemeinde versieht—. Dieser hatte sich mit Recht ueber einige yebergriffe der Nazis beschwert. Darauf wurden ihm seine Hosen abgeschnitten und er wurde — sowie es auf dem Bild ersichtlich ist, mit einem Schild durch die Strassen der Stadt Muenchen gefuehrt. TELL LITERARISCHE NOTIZEN Kermit Roosevelt hat ein Buch unter dem Titel: “Arabs, Oil and History” geschrieben, das von kurzem bei Harper and Brothers in New York erschienen ist. * * # Von Peter Gradenwitz erschien bei W. W. Norton & Co. in New York ein Buch- “The Music of Jisrael”. m * * Quentin Reynolds schrieb ein Buch: “Leave It to the People” (Random House), das die Ergebnisse seiner Reise durch Europa und Palaestina Im vergangenen Jahre behandelt. * * # Leonard Bernstein ist gegenwaertig mit der Komposition eines Theaterwerks beschaef. tigt. # m * Thomas Mann schreibt eine Erzaehlung, die auf einem Motiv von Hartmann von der Aue beruht. Es ist hier in Suedamerika kaum Material erhaeltlich und ias Wenige, das uns erreicht, ist zu 90% unverwendbar, wegen der sehr beschraenkten Inzahl von Personen, die uns fuer so etwas zur Verfuegung atehen). 2) Die Darsteller: Der Dame den Vortritt. Frau SchoenaicL hatte die Rolle schon frueher gespielt und man merkte na- :u erlich an Allem, dass man es mit keiner Amateurin zu tun hatte. Es gelang ihr die drei verschiedenen Typen, Naive, Kokotte und Neu-Sachliche so gut herauszuarbeiten, dass man haette glauben koennen, drei verschiedene Frauen zu sehen, denen nur eines gemeinsam war —ein sehr gelbes Kleid. Fuer die vier Herren ein Kollektivlob. Es, war erstaunlich was sie aus dem schwachen Stueck her-! ausgeholt haben. Handelt es sich doch um Amateure, die ADIOS! Zwei Biographien Albert Einsteins fuer die Jugend (von Elmar Ehrlich Leyinger und Katherine Owens Peare) erschienen in New York. Ludwig Lewinsohn hat ein Buch veroeffentlicht : “Goethe: The Story cf a Man” (Farrär, Straus & Co., New York), eine Biographie Goethes, erzaehlt in seinen eigenen Worten und in den Worten seiner Zeitgenossen. (“M. B”) Wenn Du, lieber Leser im Schatten Deines Gartens oder in einer gemuetdchen Ecke des Living jetzt unser geliebtes Gemeindeblatt liest und Plaene schmiedest, dann beginnt im fernen Sueden ein ern. ster Kaempfer fuers Judentum seine Zelte abzubre chen. Dettmar Foerder und seine treue Gefaehrtin geher nach U.S A. Der geistig Fuehrer der kleinen Ge meinde Puerto Montt mit seiner gemuetlichen Synagoge verlaesst uns. Als Dettmar Foerder voi 10 Jahren ins Land kam da wussten die Juden nich mehr viel von ihrem Jude- Sein in dieser kleinen Stad: des Suedens, aber meir. Freund Dettmar brauchte zur Befriedigung seiner rejligioesen Einstellung’ einer. jMinjan und bald Stander Sefardim, Ost— und Westjuden in Eintracht in dem Gotteshaus. Jedem, der wie ich be. ruflich nach Puerto Montl kam, bot das Ehepaar Foerder ihr sonniges Heim, ihren gastfreien Tisch und —sehr wichtig fuer uns Reisende— im Winter “einen warmen Ofen” an. Alle die wir die Gastfreundschaft dieser beiden Freunde genossen haben, verlieren ein zweites zu-Hause die Insel im Meere unserei Reisetour. Fahrt hoffnungsstark zu Euren Kindern und Enkeln' Ihr werdet uns nicht ver. gessen, so wie auch Gottesdienst und Freitag-Abend- Tisch in Puerto Montt bei Jedem, der sie miterlebt, in ehrenvoller Erinnerung ver. - ’ Die Tatsache, dass das “Boletín Informativo” eine erfreuliche Verbesserung erreichte. hat mich in. die Reihe der Kritiker getrieben. Kritiü, die jedoch keinen konstruktiven Charakter hat verliert jegliche ethische Existenzberechtigung. Und so ich die zwei letzter Nummern vor mir: Die N.c 10 und die N.o 11. Zu No. 10: So dankbar es zu begruessen ist, wenn Maennefrommen Herzens und Geister zur Erfuellung juedische Pflicht aufrufen, so gut waere es, wenn sie ihre Mitteilungen so ausfuehrlich und sc genau gestalten wuerden, das Personen, die nicht allzuseh im juedischen Schrifttum bewandert sind, wie der Schreiber dieser Zeilen, Gelegenheit haben, zitierte Worte nachzu- 'esen, um im Zusammenhang den ganzen Sinn erfassen und erffruenden zu koennen. Denr schliesslich soll unser “Boleth fnformativo” auch ein Boletir Instructivo sein. Und so z!- tiert der Verfasser des Artikel- “Juedische Pflichterfuellung” den letzten Hohepriester Sctnmeon Ha-Zadd'k, der um 200 vor der lieblichen Zeitrechnung gelebt hat. und der laut Pirke Avoth (Sprueche der Vaeter: Kan. I. Vers 2) sagte: “Auf drei Dingen steht die Welt: Auf der Gotteslehre auf dem Tempeldienst und auf der Uebung von Liebeswerken”. y.-. No. F: Lor Leitartikel ‘Der Toedliche Hass” waere sehr gut und eindrucksvoll, wenn sein erster Absatz, objektiv und frei von Ressentiments gewesen waere. Und dadurch geraet er in Widerspruch mit sich selbst. Denn soweit ich Herrn Dr. Alfred Wiener persoenlich kannte, ist das von dem Verfasser des Artikels so sehr gepriesene Werk Dr. Wiener’s gerade die konsequente Fortsetzung der Arbeit seiner ersten Lebenshaelfte. Und zwar der Arbeit im Zentralverein, dem ich als kleiner Ortsgruppenvorsitzender, lange angehoert habe. Was ich bis heute nicht be.- ■eue! Wenn auch zugegeben werden muss, dass die betonte ‘deutsche" Einstellung ein Fehler, und zwar ein veritaendlicher Fehler, war. Wenn Sie das kleine Werk ueber die 900-Jahrfeier der Wormser Synagoge, in der Rashi gelernt und gelehrt hat, genau studieren, werden Sie feststeilen, dass diese sogenannte “deutsche” Einstellung schon im fruehen Mittelalter bei den rheinischen Juden, sowohl den “welschen” wie den “polnischen” Juden gegenüber, durchaus keine Seltenheit war. Wenn die deutscnen Juden schliesslich glaubten “dazuzugehoeren”, ist das ein durchaus verzeihlicher Trugschluss gewesen. Der Gegensatz. der zwischen dem Zentralerem und dem deutschen So schoen dieser Satz viel- Zionismus bestanden hat, und (eicht fuer einen gesetzestreuen Menschen auch klingen mag, der Ausspruch von Rabban Schimeon Ben Gamliel (Pirke Avoth: Kap. I, Vers 18) ist universeller und trifft meines Erachtens viel mehr das Empfinden des heutigen juedischen Menschen, denn er sagt: “Auf drei Dingen beruht die Welt: Auf der Wahrheit, auf dem Rechte und auf dem Frieden; denn es heisst (Secharia 8, 16): Wahrheit und ein Recht, das zu Frieden fuehrt, handhabet in Euren Toren”. Diese Dinge zu wissen und ihre Quellen zu kennen, sind von einer grossen Wichtigkeit, wenn man in Betracht zieht, dass der Menschheit in den letzten 1500 Jahren die biblischen Ueberlieferungen in einer Form gelehrt wurden, die es vergessen Hessen, dass sie aus juedischen Quellen stammen. Drum ist zu bitten, dass die Leser auch weiterhin mit der Spruchweisheit, jedoch mit genauer Quellenangabe, vertraut gemacht werden, damit sie in der Lage sind —in ihrer Umgebung— Rede und Antwort stehen zu koennen. Der Artikel “Eine interessante und historische Resolution” ist sehr zu begruessen. denn “fortschrittliches” Judentum ist erforderlich, um dem religioesen Beduerfnis des weitaus groessten Teils de- Juden, gerecht zu werden. Ich schreibe mit Absicht “fortschrittliches” Judentum, weii der englische Titel, soviel mi’ bekannt ist, von “progressist” spricht. Vielleicht waere es besser gewesen, wenn Herr Rabbiner Loewenstein die beiden letzten Saetze folgendermassen formuliert haette: “Unser Staat .kann nur aufgebaut werden auf der Grundlage unserer jahrtausendalten Geschichte: auf der Thora. bleiben werden. Detima ¡11 Aber wir muessen verstehen und Serry Foerder: mass*«F ^ass sie im Einklarfg mit untof. H serer Gegenwart ausgelegt LudovJcA'larsch (nicht: gebracht) werden —-- — 1 muss”. der die haesslichsten Formen angenommen hatte, waere durchaus nicht noetig gewesen, denn in vielen Orten haben die beiden Organisationen friedlich zusammen gelebt, wenn die Beziehungen nicht durch persoenliche Gegensaetze vergiftet worden sind. Derartige “alte” Gegensaetze haben sich ja auch hier manches Mal —von der Masse-von uns Gemeindemitgliedern auf das schaerfste verurteilt— in unseren Versammlungen gezeigt. Ich halte es daher nicht fuer unangebracht, sondern fuer direkt im Gegensatz zu den Interessen der Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jisroel”, wenn der Artikelschreiber von dem “Zentralverein deutscher Staatsbuerger juedischen Glaubens’,’ dem viele unter uns ein Lebensalter ihr bestes und reinstes, juedisches Empfinden, tatkraeftig und segensreich gewidmet haben, sagt, dass er eine Organisation gewesen sei, von der man heute kaum noch den Namen kennt, und jedenfalls den Namen nicht gern hoert — so merkwuerdig seien die Wege der Geschichte. Ganz abgesehen davon, dass nicht die Wege der Geschichte allein merkwuerdig sind, sondern vielmehr die Wege der Meschen in der Geschichte. Und dann wird man feststellen, dass so mancher heute verdammt, was er frueher angebetet hat und umgekehrt. Drum lerne man aus der Vergangenheit, dass sie nur aus dem Geiste ihrer Zeit verstanden werden kann. Und weil wir mit den Sprue. chen der Vaeter begonnen, will ich auch mit ihnen schliessen (Kap. 4, Vers. 3): “Halte keinen Menschen zu gering, und weise kein Ding als unmoeglich ab; denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde haette, und kein Ding, das seine Stelle faendc“. Santiago, 17 Nov. 19^0. Karl Guggen*4ffcn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.