Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-12-01 · 12 (Diciembre, 1949) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
12 (Diciembre, 1949)
Date
1949-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8553624-8553773-9191127--0288-8553938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BOLETIN INFORMATIVO 5 M O NA Sí S JP M JE G DOPPELTE LOYALITAET? Veroeffentlichungen des “American Council of Judaism”, in denen die israelische Regierung angeklagt wird, sich in innere Angelegenheiten des nordamerikanischen Judentums einzumischen, haben das bereits im Jahre 1895 von den Muenchenern Protest-Rabbinern an die Wand gemalte Gespenst der “doppelten Loyalitaet” erneut in das Licht der Oeffentlichkeit gerueckt. Wenngleich auch die anti-zionistische Einstellung des “Council” so sattsam bekannt ist, dass selbst eine neutrale Organisation wie das “American Jewish Comittee” vorstellig wurde, um ersteres zur Einstellung der Veroeffentlichungen zu bewegen, die “den falschen Eindruck unter dem Publikum der Vereinigten Staaten erwecken”, dass Israel die Loyaütaet seiner juedischen Buerger bedrohe, entbehrt doch die Polemik des “Coun- 'cil” einerseits mit der “Zionist Organisation of America” andererseits nicht einer grossen Bedeutung. So intervenierte selbst der Botschafter in Washington, Eliahu Elath, um diesbezuegliche Erklaerungen des Ministerpraesidenten Ben Gurion zu praezisieren, in denen klargestellt wird, dass “die israelische Regierung nicht den geringsten Wunsch verspuert, in interne Angelegenheiten der Juden in Nordamerika zu intervenieren”. Der Journalist Kurt Loewenstein nimmt in einem interessanten Aufsatz “Israel und die Golah”, den wir an anderer Stelle dieser Ausgabe abdrucken, zu anderen Aspekten des gleichen Problems Stellung, wobei er die innere Unsicherheit der Kreise aufzeigt, die zu dieser Form der Selbstbeschuldigung hinabsteigen. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nur den Anachronismus unterstreichen, die eine solche Debatte im Jahre 1949 bedeutet. Vor der Staatsgruendung pflegten zionistische Leiter ihren komplexbeladenen Gegnern, statt zu entgegnen, auszuweichen: “Wo steht geschrieben, dass man nur ein Land lieben kann? Lieben wir nicht gleich Vater und Mutter? Und koennen wir nicht ebenso einem “Vaterland” und einem “Mutterland” die Treue bewahren?" Als dann, zur Ueberraschung Vieler, der junge Staat Israel als Staatsbürger keineswegs alle Juden und noch nicht einmal staatenlose Juden, sondern nur solche, die seinen Boden betreten, anerkannte, durfte man eigentlich annehmen, dass die aengstlichen Herren vom. “Council” und ihre Konsorten in aller Herren Laender zu Ruhe gelangten Doch weit gefehlt! Sie sind immer noch zutiefst beunruhigt! Worueber? Die politische Neutralitaet des Staates Israel ist selbst von Kommentaristen von der unzweifelhaften Einstellung eines Walter Lippman als objektive Notwendigkeit anerkannt worden. Und waehrend des letzten Weltkrieges z. B., haette kein Nordamerikaner mit gesundem Menschenverstand daran gedacht, den Iren etwa einen Vorwurf aus der Neutralitaet Irlands zu machen oder ihre Loyalitaet in Frage zu ziehen. Was die starke kulturelle, sentimentale und auch wirtschaftliche Verbundenheit anbetrifft, welche die nordamerikanischen Juden mit Israel pflegen, so ist diese ueber jeden Verdacht erhaben. Es gibt zahlenmaessig sehr starke Gruppen von Italienern in Argentinien, Chinesen in Peru, Jugoslawen in Chile, Iren in den Vereinigten Staaten, etc. und niemandem faellt etwas darueber ein, dass sie alle sich auf das Staerkste mit ihrer Heimat verbunden fuehlen. Viele gute Patrioten gehen sogar so weit zu bemerken, dass der Einwanderer, der seinem Ursprungsland die Treue bricht, gegebenenfalls auch dem Einwanderungsland gegenueber die Treue nicht wahren wmd. Und doch sind all diese Italiener, Chinesen, Jugoslawen, Iren, Syrer, Aegypter und Spanier in ihrer grossen Mehrheit Auswanderer, die fern von den Gestaden einer oft unbilligen und schnoeden Heimat Zuflucht in Amerika suchen mussten. Wieviel mehr Grund haben doch die Juden, die in der ganzen Welt im Verlauf einer langen Diaspora-Geschichte Unbill und Verfolgungen erlitten haben, nach dem Lande zu schauen, das fuer Viele bereits Zuflucht ist und es fuer Alle sein kann! Oder hat das Weltjudentum den Schatz der staatlichen Souveranitaet nur ausgegraben-ohne sich dem Vorwurf der “doppelten Loyalitaet” von seiten auch nur eines einzigen verantwortlichen Staatsmanns auszusetzen—, um ihn feige in der Stunde des Erfolgs gierigen Raeubern zu ueberlassen? Der dritte und.letzte Grundpfeiler der Beschuldigung beruht auf der direkten finanziellen Hilfe, die das nordamerikanische Judentum — und nicht nur das nordamerikanische — Israel angedeihen laesst und zu der es —warum es verschweigen?— einschliesslich von Mitgliedern der israelischen Regierung aufgefordert wurde und wird. Da dieser Vorwurf ebenso gut den Praesidenten Truman treffen koennte, der sich persoenlich fuer die 100 Millionen Dollar-Anleihe eingesetzt hat, waere er leicht abzutun. Doch bliebe dabei eine Frage offen: Wird dieses Geld zum Ausgleich des normalen Budgets des Staates benoetigt? Die Antwort ist ein klares Nein. Israel ist theoretisch heute ebenso faehig wie jeder andere Kleinstaat, seine Finanzen und Wirtschaft zu ordnen. Selbst das Problem der nationalen Verteidigung, von lebenswichtiger Bedeutung fuer den jungen Staat, der im Kriegszustand mit sechs Nachbarstaaten lebt, koennte er unter TJmstaenden bewaeltigen und vielleicht noch weit mehr aus eigenen Mitteln heraus, als dies bei Grosstaaten wie England und Frankreich der Fall ist, die all ihre Waffen im Rahmen des Atlantik-Paktes praktisch geschenkt bekommen. Und dies, obwohl Israel keine Kolonien ausbev.tet, sondern bis gestern ein ausgebeutetes Kolonialland war und sich heute erst unter groessten Opfern auf eine wirtschaftlich hoehere Stufe aufzuschwingen beginnt. In der Praxis jedoch besteht eine ganz andere Frage: Wer ist verantwortlich fuer die vielen Zehntausende von Einwanderern, die seit der Staatsgruendung das Land betreten haben? Sie alle kommen mittellos, ohne Ausbildung, an Leib und Seele oft zerbrochen: eine Last, die kein Land’ der Welt sich aufzubuerden bereit war! Ihnen allen ein Leben zu ermoeglichen, das lebenswert ist, kann nicht ausschliessliche Aufgabe der israelischen Juden sein. Das ist die Aufgabe der Juden in der ganzen Weit. Es kann fuer Niemanden eine Ueberraschung sein, dass auch hierbei die Juden in Israel die groesste Opferbereitschaft aufweisen, nein, dass sie die einzigen sind, die wirkliche Opfer bringen. Nichts anderes als eine Herabsetzung des eigenen Lebensstandards zugunsten des Standards der mittellosen Olim ist “Zenä”, das Nationale “Austerity”-Programm der Regierung. Nichts anderes ist die von der Arbeiter-Gewerkschaft freiwillig beschlossene Gehaltsverminderung — einzigartiges Beispiel in der Geschichte der gesamten Arbeiterbewegung. Die Herren vom “Council” haben sich bei anderen Gelegenheiten fuer juedische Fluechtlinge eingesetzt, die das “Glueck’ hatten, nicht nach Israel einzuwandern. Nun gehen sie bereits so weit, die Olim aus ihrer “Philanthrophie” auszuschlie s s e n. Das mag noch ertraeglich sein und uninteressant, Eine Herausforderung ist es jedoch, mit Sophismen einen Keil zwischen andere Juden und Israel treiben zu wollen und darueber hinaus, die Sicherheit und Bürgerrechte eines grossen Jischuw in Frage zu stellen. ZWEITE RUNDE? i Dass der Revanche-Gedanke in den arabischen Hauptstaedten seit dem Beginn des Waffenstillstands herumspukt, ist kein Geheimnis. Das letzte Treffen der Arabischen Liga ist dazu angetan, diesen Gedanken nicht mehr mit einem Achselzucken abzutun. Die Mitglfedstaaten dieser bereits leicht vermoderten Liga beschlossen naemlich, ihre Heere unter einen gemeinsamen Oberbefehl zu stellen und eine gemeinsame Palaestina- Politik zu befolgen. Diese Politik soll durch einstimmige Beschluesse der Exekutive der Liga festgelegt werden und verpflichtend fuer alle Mitgliedstaaten wirken. Nun wird zwar in dem Communiaue ueber den gemeinsamen Oberbefehl weiter nichts Konkretes gesagt und der Beschluss gleicht mehr einem frommen Wunsch als einer tatsaechlichen organisatorischen Umgestaltung. Und was die verpflichtende Bindung der Beschluesse der Liga anbetrifft, so ist diese von einer Einstimmigkeit abhaengig, die erfahrungsgemaess in interarabischen Konzilien noch schwerer zu erlangen ist als beisolelsweise im Sicherheitsrat der U.N. Und dennoch heisst es auf dei Hut sein. Saemtliche arabischen Laender leiden im Moment unter der Wirtschaftskrise in einem Ausmasse, wie es nur in Laendern auftreten kann, deren feudale Struktur grosse Teile der Bevoelkerung auf die letzte Stufe menschlichen Elends verurteilt. Davon zeugen die kuerzllchen Regierungskrisen in Syrien und Aegypten und davon zeugen vor allem —untrueglicher Masstab!— die unmenschlichen Judenverfolgungen in Irak. Die im besten Nazi-Stil durchgefuehrten Verhaftungen, Massaker, Sammlungen in Konzentrationslaegern werfen ein grelles Schlaglicht nicht nur auf die Dringlichkeit. die 150.000 Juden des Irak —die bereits 2.000 Jahre vor der jetzigen arabischen Mehrheit dort wohnten— nach Israel zu bringen. Sie stellen auch die grossen Schwierigkeiten unter Beweis, gegen die Nuri Said Pascha, Diktator von Bevins Gnaden, zu kaempfen hat. Ist es Wunders zu nehmen, dass die Prinzen und Satrapen wieder an die Moeglichkei-t denken, den gewitterschwangeren Wolken mit aufgepflanzten Saebeln als Blitzableitern zu begegnen? In diesem Zusammenhang wirkt der Beschluss der israelischen Regierung, der bisherigen Form der Friedensverhandlungen ein Ende zu setzen, ausserordentlich beruhigend. Damit wird die absurde Thesis des Schlichtungsausschuss’zerstoert, wonach die arabischen Staaten als ein Block zu behandeln seien und die Verhandlungen nur mittelbar, mit der Kommission als Verbindungsagent. Wenn seinerzeit die Waffenstillstandsverhandlungen unter Leitung des Dr. Bunche zum Erfolg fuehrten, so geschah dies, weil Bunche erkannte, dass Israel direkt mit jedem einzelnen seiner Gegener verhandeln muesse. Der Schlichtungsausschuss befolgte ein diametral entgegengesetztes Prinzip. Der Erfolg war, dass die arabischen Delegierten sich gegenseitig argwoehnisch bespitzelten, jede Konzessionsbereitschaft als Schwaeche anprangerten, sich in Grossprecherei gegenseitig zu uebertreffen suchten und schliesslich statt “ihr Muetchen abzukuehlen”, sich immer mehr erhitzten. Das hat nun alles ein Ende. Die Herren Delegierten werden die schoene Schweiz verlassen und sich zu direkten Friedensverhandlungen bequemen muessen, wenn sie es damit ueberhaupt ernst nehmen. Um in diesem Sinne nachzuhelfen, ist selbstverstaendlich das Problem der militaerischen Vorbereitung Israels von der allergroessten Wichtigkeit. Man soll kein Schwarzseher sein und es ist viel wahrscheinlicher, dass es keine “zweite Runde” geben wird. Ganz gewiss wird es keine Revanche geben. Aber der Grad der Gewissheit haengt ausschliesslich von der wirtschaftlichen und militaerischen Staerke Israels ab. Jede Kanone, jeder Tank und jedes Flugzeug, ebenso wie jeder Einwanderer, jede Maschine und jedes Wohnhaus sind eine Garantie fuer Aufbau und Frieden. Nur wenn der in der ersten Runde “groggy” geschlagene Gegner weiss, dass ihn in der zweiten Runde das “knock out” erwartet, bleibt er aus dem Ring draussen. Die Antwort auf die Aufruestung der arabischen Nachbarlaender ist das Gesetz der Druchfuehrungsbestimmungen der allgemeinen Wehrpflicht in Israel und der nunmehr erlassene Militaerkodex, die neuen Siedlungen im Negew, an den Grenzen und im “Korridor” nach Jerusalem und die Aufrechterhaltung der Einwanderungswelle. Was sagte der Praesident Weiztnann zu diesem letzteren Punkt? ‘Israel ist von Feinden umgeben, die noch von einer “zweiten Runde” reden; ich hoere, dass jedweder Koenig und Koeniglein uns vorschreiben will, was er uns gestatten wird zu tun und was er uns nicht gestatten wird. Wir muessen vorbereitet sein und die einzige Vorbereitung ist das Volk. Unsere beste Verteidigung ist das Land zu fuellen. Wenn wir unser Einwanderungs und Siedlungswerk weiter erhalten, wird keine militaerische Aktion zur Verteidigung notwendig sein”. ATSCHEKA | In den Pottasch-Werken am Toten AM TOTEN MEER Me.er hat man, obwohl eine befriedi- I gende Loesung fuer die Frage der j Verbindung noch nicht gefunden ist, schon gearbeitet. Bekanntlich wird in London ueber die Pottasch-Werke verhandelt, und die Leitung ist hoffnungsvoll bezueglich des Ausganges dieser Besprechungen. Eine Tochtergesellschaft der Potash Company hat mit primitiven Mitteln Bohrungsarbeiten vorgenommen, die aber nur bis zu einer Tiefe von 400 Matern fuehrten. Dies genuegt nicht, um das Vorhandensein von Oel festzustellen. Man glaubt jedoch, dass man in der Gegend von Kurnub Oel finden kann; die englische Konzessionsgesellschaft aus der Zeit der Mandatsregierung wird wahrscheinlich in Kuerze ihre Bohrungen wieder aufnehmen. r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.