Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1949)
- Date
- 1949-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8553624-8553773-9191125--0277-8553928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
BOLETIN INFORMATIVO 15 Bruecke zwischen zwei Welten Félix Garay Figueroa: “Una vida. Para qué vivió David Mandel”. Der Zionismus und der Staat Israel sind zum ersten Mal Gegenstand und Leitmotiv einer hiesigen literarischen Neuerscheinung von ganz eigenartigem Gepraege. Der chilenische Nicht-Jude Félix Ga. ray, Arzt in Santiago, entwirft in liebevollen Zuegen ein eindrucksvolles Bild juedischen Leidens, juedischer Erfuellung. Gerade der Umstand, dass ein Nichtj ude sich an dem Schicksal und dem Kampf unseres Volkes innerlich beteiligt, macht diesen Roman interessant und anregend. Wir Juden muessen, nach unserer schmerzlichen Erfahr un g, meistens schon zufrieden sein, wenn die anderen nicht gegen uns kaempfen; umso mehr sind wir stolz, wenn ein Nicht-Jude sich unserer Sache annimmt. Hier aber geht einer viel weiter: Er vertieft sich in unsere Leidengeschichte, versenkt sich in unsere Sehnsucht nach Erloesung und teilt unsere Freude am erreichten Ziel. Die Begeisterung fuer die Sache der anderen, das altruistische Mit- Fuehlen und Mit-Freuen verleiht diesem Buch besonderen ethischen Wert. Félix Garay geht aus von der Darstellung des Lebens und der sozialen Stellung der Juden in Deutschland am Ende des vorigen Jahrhunderts. Die Familie des Rabbiners Mandel in Berlin ist das Beispiel, an dem der Autor mit historischer Klarheit das Sorgen und Sehnen unserer Vaeter schildert, die immer deutlicher werdenden Anzeichen des deutschen Antisemitismus aufzeigt und die Gefahren der Assimilation ebenso wie die unschaetzbaren Werte unserer Kultur und Tradition hervorhebt. Mit viel Gefuehl und geschichtlicher Treue gezeichnet, entsteht vor uns das lebensechte Bild der Person und der Sendung Theodor Herzls und der Anfaenge der zionistischen Bewegung. Hier zeigt uns der Autor, dass er ebenso historische Kenntnisse besitzt wie verstaendnisvolle Einfühlungsgabe und Wissen um unsere Probleme. Der Leser wird eingefuehrt in das Leben der Familie Mandel und empfindet ihre Geschicke als die des juedischen Jedermann seiner Zeit. In der* Darstellung der Weichheit und Guete der auftretenden Figuren geht der Autor zwar manchmal etwas zu weit und entfernt sich so mit gutem Vorsatz von der nicht immer so schablonenhaft guten Wirklichkeit... Aber dort, wo er uns den zeitgeschichtlichen Ablauf der grossen Ereignisse im Zionismus der letzten dreissig Jahre vor Augen fuehrt, anerkennen wir nicht nur seine Vertrautheit mit der Materie, sondern auch einen besonderen Grad von Verstaendnis fuer die Zusammenhaenge der einzelnen Etappen und Zwischenfaelle im Kampf um Israel: Die Balfour-Daklaration, ihre Anerkennung durch die Vereinigten Staaten und den Voelkerbund, die Konferenz von San Remo, die illegale Einwanderung nach Erez, den Missbrauch des Mandats, das englische Weissbuch und alle einzelnen und entscheidenden Faktoren der zeitgenoessischen Geschichte erstehen wieder, klar in Ursache und Folgerichtigkeit, vor unserem geistigen Auge. Und zwischendurch erscheint das Leben und Lieben der Figuren und Personen des Romans wie ein roter Faden, der nur den Zusammenhang aufrecht erhaelt. In ergreifenden Worten erlebt der Autor mit uns die entscheidende Sitzung der Vereinigten Nationen und die feierliche Proklamation des neuen Staates, versetzt sich mit unsin den Jubel der Kaempfer in Israel und freut sich an ihrer Freude. Aus jeder Seite dieses Werkes spuert man das Gefuehl eines mitschwingenden Herzens, die innere Anteilnahme an Leben und Geschick unseres Volkes. Es entwirft das schmerzliche Bild der Vergangenheit und das erhebende der Gegenwart ebenso wie die Hoffnung auf eine gluecklichere Zukunft. Es klagt unser Leid, singt das Heldenepos unseres Kampfes, verteidigt tapfer unser Recht und vertraut mit uns an der kuenftigen Gestaltung. _ Das Buch verdient die weiteste Verbreitung in allen intellektuellen Kreisen als wirksame Propaganda fuer die Sache des juedischen Volkes, innerhalb unserer eigenen Reihen fuer die uninteressiert Abseitsstehenden und ausserhalb fuer die meist uninfor. mierten Gegner. Auf gleicher Stufe wie der mutige “Vergessene Alliierte” ist es ein neuerlicher Beweis dafuer, dass die Ueberzeugungskraft der zionistischen Idee auch ausserhalb unseres eigenen Volkes mitreissend und zuendend wirkt auf jeden, der sie kennt und guten Willens ist. Egon Rosenfeld. UNSERE CHAWERIM SCHREIBEN AUS ISRAEL... Die Verbindung mit den jungen Chawerim, die aus dem Kreise der B’ne Jisroel nach Israel auf Alijah gegangen sind, ist besonders innig. Alle Briefe beweisen die schnelle Eingliederung und das zufriedene Aufgehen in die Lebensgewohnheiten unseres Heimatlandes. Wir veroeffentlichen im Folgenden Auszuege aus einigen Briefen an hiesige Angehoerige. EIN BESUCH IN NAZARETH Die Kette von Kolonien auf dem Weg WEG NACH JERUSALEM nach Jerusalem, die das lebendige Band zwischen der Stadt und dem Staat Israel darstellen, ist um ein neues Glied bereichert worden. Diesmal waren es Immigranten aus Jugoslawien, die in der Naehe von Schear Hagai (Pforte des Tals) siedelten. WIE WIR IM KIBBUZ LEBEN Sarid bei Haifa, im September 1949 Jetzt sind wir schon eine Reihe von Monaten hier und fuehlen uns eigentlich schon sehr zu Hause, wir sind so unmerklich ins alltaegliche Leben hineingerutscht und alles, was am Anfang neu und üeberraschend war, ist zu gewohnter Umgebung geworden. Es kommt zwar immer noch Neues dazu, aber es stuermt nicht mehr auf Einen ein. Wir haben auch unter den Chawerim des Kibbuz nette Leute gefunden und durch den Kontakt mit ihnen bekommt man einen guten Einblick in das interne Leben des Kibbuz. Die Grundlagen sind Arbeit, einfaches Leben, aber geistig mit der Epoche verbunden. Man arbeitet und sogar schwer, aus der Ueberzeugung, dass nur chaluzi. sche Arbeit zur nationalen und sozialen Gesundung fuehren kann. Und man arbeitet, um den Kindern —im Kibbuz tut man alles fuer die Kinder—, die beste und gesuendeste Erziehung zu geben. (Von allen schon erwachsenen Kindern von Sarid ist noch keins in die Stadt gegangen). Und von diesem Standpunkt aus sind alle Arbeiter gleich bewertet: Der Chawer, der noch vor 1.1[2 Jahren mit Gromyko ueber Russlands Anerkennung Israels mit Erfolg verhandelt hat, arbeitet jetzt mit uns im Gemuesegarten, und hat nicht mehr Rechte oder Ansprueche als der Schuster oder das Maedchen, das die Krankenzimmer fegt. So kommt es, dass es keine aeusseren Unterschiede gibt, die erst dort anfangen, wenn es sich um die aktive oder passive Haltung im Kibbuz, oder um die mehr oder weniger grosse Beliebtheit handelt, die bei jedem Einzelwesen von seiner persoenlichen Sympathie abhaengt. So gibt es Leute im Zentrum der Kollektiv-Lebensentwicklung und Leute am Rande, Menschen mit vielen Freunden, dann solche, die sich hauptsaechlich auf ihr Familienleben konzentrieren und es gibt auch Einzelgaenger. Das Wichtigste ist, es gibt zwischen allen ein Zusammengehoerigkeitsgefuehl, das sich in den Momenten, wo voller Einsatz noetig ist, zeigt. Das Leben steht auf einer voellig anderen Basis als in der Stadt. Das Nichtexistieren eines wirtschaftlichen Privat Problems Maabarot, Anfang Oktober 1949. Wir “chilenischen” Chawerim in Israel haben es uns nicht nehmen lassen, den 10-jaehrigen Gruendungstag des Haschomer Hazair in Chile gemeinsam mit unserer juengeren Gruppe in Sarid festlich zu begehen. Wir beschlossen, die Feier durch einen Besuch von Nazareth, das nur eine halbe Stunde von dort entfernt ist, zu begehen. Es ist eine wundervolle Fahrt, erinnert sehr stark an eine Autofahrt von Santiago nach Valparaiso. Man hat das ganze Emek vor seinen Fuessen ausgebreitet; es ist wirklich ein sehr eindrucksvoller Anblick. Um in die Stadt zu duerfen, muss man besondere Erlaubnis von der Polizei haben, denn der Ort ist ja besetzt. Es ist eine typisch orientalische Stadt, wie wir es immer in Maerchenbuechern von 1001-Nacht gelesen haben. Sie liegt in den Bergen und das Auto musste viele Biegungen machen, um die kleinen, engen Strassenwindungen hochzukriebringt es mit sich, dass man sich nach der Arbeit voll den Kindern, der Familie ueberhaupt, Freunden, Kollektivproblemen widmen kann, und durch die geistige Unbeschwertheit, die das bedeutet, hat man natuerlich ganz andere Einsatzkraefte, als sie bei einem im Geschaeftsleben stehenden Familienvater ueberhaupt moeglich waeren. Die Lebensenergien koennen im Kibbuz viel positiver verbraucht werden. Es kommt nur darauf an, ob das Individuum den vollen Einsatz zahlen will oder kann. Der Verzicht auf viele alltaegliche Gewohnheiten ist nicht leicht und auch nicht fuer alle moeglich. Woraus besteht das einfache Leben? “Einfach” bezieht sich selbstverxtaendlich nur auf Aeusseres. Um schematisch zu antworten, macht man eine Teilung zwischen Lebensstandard, Notwendigkeiten und Luxus. Der Lebensstandard hat sich in den letzten Jahren sehr gesteigert: Fuer die Arbeit, die der Chawer lei- | sten kann, bekommt er nach 6-10 i Jahren, manchmal frueher, 1.112 Zim. chen. Die Haeuser sind alle aus grossen Steinbioecken gebaut und oben flach, um auf dem Dach spazieren gehen zu koennen. Die Stadt ist ja schon 2000 Jahre alt und hat vollkommen ihren damaligen Charakter erhalten. Ein uralter Brunnen steht da, und alle Frauen und Kinder gehen mit ihren Tonkruegen auf dem Kopf hin, um Wasser zu holen. Den Strassenrand entlang sitzen die Maenner und bieten ihre Waren zum Verkauf an: Suessigkeiten, Obst, Andenken, usw. Auch wir Maedchen kamen natuerlich bei der Hitze alle in kurzen Hosen und wurden so ge. buehrend bestaunt. Die Frauen tragen vielfach noch einen Schleier vor dem Gesicht, so sind sie an den Anblick von blossen Beinen natuerlich nicht gewoehnt. Uns interessierte sehr, etwas von den alten Kirchen zu sehen und wir verpflichteten uns einen jungen Araber, der ungefaehr in fuenf Sprachen zur selben Zeit verkehrt sprach. Fuer 1 Pfund, selbstverstaendlich nach laengerem Handeln, war er bereit, uns ueberall herumzufuehren. Nur wir weibliche Besucher mussten uns unsere Kopftuecher um die Beine wickeln! Die erste Kirche, in die er uns fuehrte, war eine griechisch-orthodoxe, in der der Erzengel Gabriel seine Verkuendung mer mit Terrasse, Bad und Garten in einem Betonhaus, bis dahin Holzhaus, erstklassige und moderne Erziehung seiner Kinder, Essen einfach, aber reichlich, selbstverstaendlich im Krankheitsfall Diaet, absolute soziale Sicherheit fuer jeden Fall, (Krankheit, Arbeitsunfaehig k e i t), Arbeitskleidung sehr anstaendig ausserdem ein Kleid und eine Bluse extra, Modell kann man sich selbst aussuchen, Moebel fuer Zimmer. Radios kaufen reiche Kibbuzim ungefaehr 10 im Jahr. Das ist gar nicht wenig, wenn man bedenkt, dass Landarbeiter in der uebrigen Welt nicht so leben und sogar eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass man sich niemals wirtschaftliche Sorgen machen muss wegen Krankheit oder Arbeitsmangel. Ein solches Leben lohnt sich bestimmt, nur muss man gewillt und ueberzeugt sein, sich ideologisch und praktisch einordnen zu koennen, denn Ausnahmen kann man in einem Kibbuz unmoeglich erwarten, nur gleichberechtigt und mit allen Vor— und Nachteilen mitleben. gemacht haben soll. Dort existiert auch noch die Quelle, aus der Maria trank. Die zweite Kirche war eine roemisch.katholische, sie wurde im vierten Jahrhundert gebaut, verschiedene Male durch die Tuerken zerstoert, aber immer wieder aufgebaut. Die Fundamente sind noch aus der allerersten Zeit. Hier wird u.a. gezeigt, wo sich die Werkstatt des Zimmermanns Josef befunden haben soll, auch existiert dort eine Art Museum. Man sieht die aeltesten und wertvollsten Brokate, Schnitzereien, Marmor und wunderschoene bunte Mosaikfenster. Auf dem Rueckweg erstanden wir eine “Djara”, wie man auf arabisch sagt. Es ist ein Tonkrug mit einem Henkel, in dem man Wasser im Zimmer auf bewahrt. Es bleibt darin selbst bei grosser Hitze eiskalt. In kaum einem Hause fehlt so etwas. Auf dem Heimweg trafen wir verschiedene Jeeps mit unseren Soldaten, bis an die Zaehne bewaffnet, natuerlich um Eindruck zu machen. Sie fuhren die Strassen entlang, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist und um die heiligen Staetten zu beschuetzen. Alle Kinder laufen ihnen hinterher und alle Anderen starren sie voller Bewunderung oder Schrekken an, und sie selbst fuehlen sich bestimmt sehr stolz. Um 8 Uhr abends waren wir dann verstaubt, muede und hungrig, aber sehr begeistert, wieder zuhause. «; •f Auf dem Felde