Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XI (1949)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1949)
- Date
- 1949-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA REDACCION 8’NE JISROEL, MONJITAS 690 TEL. 33096. CASILLA 2407 Año XI — N.O 11 •SANTIAGO DE CHILE Noviembre, 1949 Zur Wiederkehr des 9. November: DER TOEDLIC HE HASS EINE REDE VON THOMAS MANN IN LONDON IN SCHUTT UND ASCHE - . ' Nuernberg Leipzij ¿«Sí®*) Breslau Hannover P* '**4 Bechhofen Elberfeld Wm m»m L* 5 '• * i mm* — WÈÊÊÊ SM Waehrend seines Aufenthaltes in London stattete Thomas Mann der Wiener Library einen Besuch ab. Diese einzigartige Bibliothek ist beinahe ausschliesslich das persoenliche Werk eines Mannes, der dieser Sache die zweite Haelfte seines Lebens gewidmet hat. In der ersten Haelfte war er einer der fuehrenden Direktoren des “Centralvereins deutscher Stäatsbuerger juedischen Glaubens“, einer Organisation, von der man heute kaum noch den Namen kennt, und jedenfalls den Namen nicht gern hoert — so merkwuerdig sind die Wege der Geschichte. Heute steht die Wiener Library, eine Ironie der Geschichte, in London, Manchester Square, unmittelbar neben der neu errichteten Gesandtschaft des Staates Israel. Dr. Wiener arbeitet unermuedlich am Ausbau dieses Institutes, das die gesamte Literatur ueber Antisemitismus, Rassenfrage, Judenverfolgungen, und alles was damit zusammenhaengt, zu sammeln sucht. Die Bibliothek ist natuerlich eine Fundgrube fuer den Studenten des Nazismus, sie gibt wie kaum ein anderes Institut ausserhalb Deutschlands einen Ueberblick ueber deutsches Denken und Handeln in der Zeit der deutschen Umnachtung. Fuer Thomas Mann wurde hier ein kleiner Empfang veranstaltet, an dem ein auserlesener Kreis von interessierten Menschen aus Kreisen der englischen Intelligenz und aus juedi. sehen Kreisen englischer und deutscher Herkunft teilnahm. Thomas Mann sprach deutsch, und seine Tochter Erika uebersetzte die Rede ins Englische. Wir lassen hier die Rede von Thomas Mann folgen: “Man lebt so allein und spricht nicht viel, ist eher schweigsam, und ploetzlich, auf einer solchen Reise, ist man umdraengt von Welt und Menschen, und hat sich zu aeussern, hat Worte zu fuegen zu Dank fuer all das Freundliche, das man erfaehrt. Und so — man gewoehnt sich. Und so hoffe ich, dass die Worte leidlich zufliessen moegen, um meinen Dank zu sagen fuer diese schoene Stunde, fuer den Empfang in diesem noblen und interessanten Kreise und diesem ausdrucksvollen Milieu, das G.s.D. nicht nur aus der Schreckenskammer dort drueben besteht (Thomas Mann weist mit einer Geste auf die Nazi-Abteilung der Bibliothek), sondern so viele reine Schaetze bietet. Ich weiss, welchen Wert es gehabt hat, diese Sammlung zusammenzufuegen und welche informative, hoechst dankenswerte Rolle sie waehrend des Krieges gespielt hat und weiter spielen wird. Sie ist eines der eindrucksvollen Denkmaeler, glaube ich, fuer diese Schreckens- Epoche, die wir mit Grauen miterlebt haben. Und ich kann sagen, wenn ich zurueckdenke, es war ein wirklicher Hass, den ich empfunden habe gegen diese Menschenverderber, solange sie an der Macht waren und ihr scheussliches Werk tun konnten. Ich habe in der Tat durch sie allein die Emotion des Hassens kennen gelernt, deren ich mich gar nicht fuer faehig gehalten habe. Ich habe diese Menschenverderber gehasst mit einem tiefen, unzerstoerbaren, toedlichen Hass. Ich sage “toedlich”, weil ich die vielleicht laecherliche, mystische Ueberzeugung habe, dass dieser Hass mit beigetragen hat zu ihrem Untergange, ah dem ich niemals einen Augenblick gezweifelt habe, auch nicht als sie wirklich Europa zu ihren Fuessen liegen sahen und glauben durften, die Welt sich zu unterwerfen. Ich bin kein Optimist, was die Menschheit und ihre Zukunft betrifft, ihre Moral und ihre Klugheit: ich weiss, dass in diesem Jammertale allerlei moeglich ist an beschaemendem Unrecht und Schmach. Aber dass die Menschen den endgueltigen Sieg Hitlers ueber die Welt nicht hinnehmen, dulden wuerden, davon war ich ueberzeugt zur Ehre der Menschheit. Nun, diese Buecher da sind ein Erinnerungsmittel an diese Zeit. Man soll diese Zeit nicht vergessen. Die Deutschen sind zu geneigt, sie zu vergessen, sie zu verdraengen. Sie wollen in Deutschland nichts mehr hoeren davon, habe ich mir sagen lassen. Es gilt schon fuer taktlos und unpatriotisch, an die Verbrechen der 12 Jahre zu erinnern. Aber die Deutschen sollten sich erinnern und sie sollten aus dieser Erinnerung den Antrieb schoepfen, das, was sie gefehlt haben, wieder gut zu machen. Die deutschen Schriftsteller werden viel zu tun haben, bis sie eine Bibliothek zusammengeschrieben haben, die dieser die Wage haelt an Wahrem und an Recht”. Und der Ewige sprach zu Mosche: Schreibe das zum Andenken in das Buch und lasse Josua hoeren, dass ich ausloeschen will das Gedaechtnis Amaleks unter dem Himmel. (Sehemot; 17, 14)