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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-10-01 · 10 (Octubre, 1949) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
10 (Octubre, 1949)
Date
1949-10-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 _BOLETIN INFORMATIVO IN MEMORIAM JUDA L. MAGNES — ■■■■ —r Zur ersten Wiederkehr seines Todestages ■ ■ .. 1 . ■=—; im Alter von 71 Jahren verstarb in New York am 25. Oktober vorigen Jahres der Mann, der zu Lebzeiten Praesident der Hebraeischen Universitaet von Jerusalem war, der Rabbiner Dr. Juda Leib Magnes. ■ Sein Charakter weist einfache und klare Linien auf: er spiegelt die Hingabe an die Lehren der Propheten ueber die soziale Gerechtigkeit, den Beistand der Schwachen, die bruederliche Hilfe und die Liebe zu den Menschen ohne Unterschied der Rasse, Religion und Klasse. In Kalifornien gebuertig, von der demokratischen Atmosphaere seines Geburtslandes durchdrungen, absolvierte er das Rabbiner-Studium in der verehrungswuerdigen Institution des reformistischen Judentums in Cincinnati, wo er Jahre spaeter einen Lehrstuhl inne hatte. In Heidelberg und Berlin vervollkommnete er seine wissenschaftliche Ausbildung, zu einer Zeit, da dort noch das Feuer des Humanismus loderte. Seine imposante Erscheinung verwandelte ihn in den geistigen Fuehrer der Gemeinde des Grossen Tempels “Emanuel” von New York, die ihn dazu auserlesen hatte. Aber er ruhte nicht etwa bequem in dieser bevorzugten Stellung aus: er suchte Kontakt mit den Renaissance-Stroemüngen^des Judentums in der Alten Welt unti bereits im Jahre 1913 wirkte er in der vorbereitenden Kommission fuer die Hebraeische Universitaet, die der Zionisten-Kongress gebildet hatte. Von Anfang an war Magnes mit der Universitaet des Scopus aufs Engste verbunden und er widmete ihr seine besten Kraefte. % m Aber es gab unmittelbare und dringendere Aufgaben waehrend des Ersten Weltkriegs. Der “Rabbi” Dr. Magnes stand in der ersten Linie der Hilfsfront und trug den Beistand des “Joint” bis zu den hungernden Massen Osteuropas, selbst unter Lebensgefahr. Mit IJecht sagte Edward Warburg, dass mit dem Ableben Magnes’ die Menschheit einen ihrer groessten Wohltaeter und die Juden einen ihrer groessten Geister verloren. Er war ein Mensch, dessen Leben und Handlungen von dem Wohlergehen der Menschheit bestimmt waren. Seine ausserordentlichen Gaben als geistiger Fuehrer, Redner, Erzieher, Verwalter—; sie alle verwand er grosszuegig, um die Prinzipien der Gerechtigkeit und des Friedens zu befestigen, denen er sich verschrieben hatte. Das Leben Magnes war faszinierend, allda es mannigfaltig enthielt die Beschaulichkeit des Philosophen und Theologen, die Kanzel des begeisterten Deuter der Propheten, die Tribuene des Politikers weiter Perspektiven, den persoenlichen Einsatz, den die beschwerlichen Reisen erforderten, um den Bruedern Hilfe zu bringen oder um Goenner zu interessieren am Werk der Universitaet, auf der der liebevolle Meister sich mit Studenten traf, die ihn zutiefst verehrten. Er besass einen grossen Gerechtigkeitssinn, den er nie anderen Zwekken unterordnete. Er folgte seiner geraden Linie selbst im Gegensatz zu Mehrheit der Beyoelkerung Israels, denn seit der Balfour-Erklaerung predigte er die Idee eines Binationalen Staates in der Gruppe, die spaeter als “Ichud” bekannt wurde: “Einheit” des juedischen und arabischen Volks. Stets setzte er sich fuer ein besseres gegenseitiges Verstaendnis ein und niemals wankte er —der Schueler der Propheten—, selbst wenn die Angriffe noch so bitter und heftig waren. Nichtsdestotrotz war er kein Fanatiker. im Juni und letzthin im September Vorigen Jahres veroeffentlichte er den Plan eines “Bundes der Vereinigten Staaten von Palaestina”, in dem er sein ursprüngliches Projekt des Binationalen Staates zu einer Verbindung zweier unabhaengiger Staaten entwickelte, die eine gemeinsame aussenpolitische Linie beraten muessten, um imperialistische Rivalitaeten zu vermeiden, die ihre Verteidigung, ihre Finanzen und die Planung grosser Werke wie der Lowdermilk-Plan zur Bewaesserung und Elektrifizierung des Landes zum Nutzen aller Einwohner koordinieren sollten. Ein Bundesgericht sollte in Streitigkeiten bei Fragen der religioesen Minderheiten, der Heiligen Staetten und Jerusalems, das er sich internationalisiert und demilitarisiert vorstellte, eingreifen. Als Vorbilder schwebten ihm das Zusammenleben in der Alten Oesterreich- Ungarischen Monarchie, die .Solidaritaet des Britischen Imperiums und die im Benelux zusammengeschlossenen Staaten vor. Moegen wir es dahingestellt sein lassen, ob diese Ideen richtig waren oder nicht. Selbstverstaendlich verursachten sie stuermische Proteste und Forderungen, dass er als Rektor der Universitaet zuruecktreten solle. Doch er trug nie die Politik in seine Sendung als Lehrer. Und niemand kann leugnen, dass seine Anschauungen Weitsicht und Mut verraten, dass sie den Stempel der Aufrichtigkeit tragen und des Respekts vor fremden Rechten, die Anerkennung heischen auch dann, wenn dies schmerzlich eigene Interessen beruehrt. Also war der Rabbi Juda Leib Magnes. I (“La Congregación”, Buenos Aires, nach Guillermo Schlesinger, uebersetzt von H. K.) LICHT UND SCHATTEN... Wir glauben, dass diese neue Beziehung zwischen Israel und der Gola, die so an vielen Orten auftritt, gefaehrliche Keime fuer die Zukunft in sich traegt. Man kann ihr nur entgegentreten, wenn man versteht, dass die Erziehung der juedischen Massen in aller Welt nicht beendet sein kann; ja, dass es die Hauptaufgabe aller derer ist, die mit ihnen in Kontakt stehen, aufzuzeigen, wie Israel wirklich ist, mit all seinen Licht — und Schattenseiten. Denn nur dann, wenn jeder Jude erkennt, dass es bei uns — wie ueberall— Licht und Schatten gibt, nur dann kann er seine persoenliche Aufgabe in dieser Stunde ersehen und sie realisieren. Das Zentralproblem unseres Staates ist augenblicklich zweifellos — und wird es wohl auch noch viele Jahre sein — die Alija. Seit der Proklamation Israels sind ueber 250.000 Juden aus allen Laendern der Welt ins Land gekommen und haben so die juedische Bevoelkerung auf ueber 900.000 erhoeht. Von ihnen wohnen mehr als 70.000 in provisorischen Zeltlagern, die von der Jewish Agency in Zusammenarbeit mit dem Staate errichtet wurden. Die Mehrzahl der Einwanderer ist ohne jede Vorbereitung und ohne jede Kenntnis der Probleme des Landes nach Israel gekommen, und lebt sich daher nur mit grossen Schwierigkeiten ein. Ueberall, wo man hinkommt, ist deutlich eine Trennung zwischen den Alteingesessenen und den Neuangekommenen zu spueren, und es werden sicherlich Jahre notwendig sein, um diese Kluft zu ueberwinden, wenn sie ueberhaupt in dieser Generation ueberwunden werden kann. Dieser Blick auf die zweite Generation, auf die Zukunft, ist darum der entscheidende Blick, den ein jeder gegenueber diesem Problem haben muss. Ist es doch die Forderung der historischen Stunde, die wir durchleben, die Massen unseres Volkes in ihrer Heimat zu konzentrieren; denn nur dann, wenn diese Aufgabe erfuellt. ist, kann von einer Loesung des Zionismus gesprochen werden. Und daher muss der Einzelne wie die Gesamtheit ueber die Schwere des Moments hinwegsehen koennen und muss seine persoenliche zionistische und chaluzische Aufgabe erfuellen. , Im Zusammenhang mit der staendig wachsenden Bevoelkerung, stehen auch zwei weitere Probleme, die den Jischuw stark beschaeftigeri: Das Arbeits — und das Wohnungsproblem. Trotz aller Bemuehungen von Seiten ‘der Regierung ist es bisher nicht moeglich gewesen, allen Arbeitssuchenden Arbeit zu verschaffen und die Zahl der Arbeitslosen ist Ende August auf 25.000 gestiegen; eine erschreckend hohe Ziffer. Folge dieser Situation sind die vielen Kundgebungen, die in der letzten Zeit vor der Knesset (Parlament) stattgefunden haben, und bei denen die Demonstranten mit dem Ruf “Arbeit und Brot” durch die Strassen Tel Avivs zogen. Dieses Wachsen der Arbeitslosigkeit steht teilweise im Zusammenhang mit der langsam vorsichschreitenden Demobilisierung und der Beendigung der oeffentlichen Arbeiten, die die Regierung in den eroberten Ortschaften durchgefuehrt hat. Es ist aber zu hoffen, dass der bevorstehende Bau von Chausseen in vielen Teilen des Landes und die beabsichtigte Vergroesserung des Eisenbahnnetzes, neue Arbeitsmoeglichkeiten schaffen werden und so dieses Problem, das das wirtschaftliche Leben des Landes stark beeinflusst, auf jeden Fall gemindert werden kann. Was die Wohnungsfrage anbetrifft, so ist die Regierung ihr bisher in keiner Weise gewachsen und ihr Versprechen, dass Anfang 1950 niemand mehr in den Uebergangslagern hausen braucht, wird sie wohl nicht einhalten koennen. obwohl an allen Orten viel gebaut . wird. Diese schwierige Situation wird leider sehr ausgenuetzt und es ist heute kein Zimmer, geschweige denn eine Wohnung ohne die vorherige Zahlung einer hohen Summe als Schluesselgeld zu bekommen. Bevor jedoch der Wohnüngsknappheit nicht abgeholfen werden wird, ist nicht damit zu rechnen, dass die Regierung gegen dieses Uebel Vorgehen kann. Diese drei aufgezeichneten Probleme sind momentan die wichtigsten Fragen, die das innere Leben unseres Staates betreffen. Neben ihnen gibt es noch unzaehlige weitere Schwierigkeiten, die im Leben einer so jungen Schoepfung, wie es Israel ist, nicht zu verhindern sind. So innen — und aussenpolitische Probleme, wie die stark anwachsenden Parteigegensaetze einerseits und die Friedensfrage, verbunden mit der Rueckkehr von 100. Q00 Arabern, andererseits. Aber all dies kann night die Lichtseiten ueberschatten, die uns Tag fuer Tag vor - Augen treten und die uns in jeder Stunde erneut zu Bewusstsein kommen lassen, an welch grossem Werk wir Anteil nehmen. In dieser Hinsicht steht zweifellos an erster Stelle die staendig staerker werdende Position unseres Staa-, tes, was die Sicherung seines Territoriums betrifft. Es vergeht keine Woche, in der nicht von der Ansiedlung eines neuen Kibbuz’ oder Moschaws berichtet wird, irgendwo im Norden oder Sueden des Landes, stets an der Grenze, die damit das von unseren Truppen eroberte Gebiet auch wirklich in das Leben Israels einbezieht. Diese Neubesiedlungen sind ein Beweis dafuer, dass Chaluziut nicht mit der Schaffung des Staates ueberfluessig geworden ist, wie manche reaktionaere Kreise es gerne sehen wuerden, sondern dass sie nach wie vor den entscheidenden Faktor fuer die Entwicklung unseres Landes darstellt. Und es ist an der juedischen Jugend in Amerika — denn wo bleibt sonst noch eine potentielle juedische Jugend — dies zu verstehen und daraus ihre I Konsequenzen zu ziehen. Zionismus bedeutet aiso nach wie vor persoenliche Entscheidung und persoenlicher Einsatz, alles andere ist heute nur pro-Israelismus. Und so wie wir der Schaffung neuer Siedlungspunkte beiwohnen, so sind wir Zeugen und Mitschaffende an dem tagtaeglich sich vor unseren Augen abspielenden Werk der Errichtung unseres Staates. An allen Ecken und auf allen Gebieten, sei es in wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Hinsicht, spueren wir mit einem tiefen Gefuehl der Genugtuung, wie ein Stein zum anderen gefuegt wird und das Gebaeude Israels immer mehr sich ausdehnt undwaechst. Besonderen Stolz ruft in uns die neue Generation hervor, die bereits als freie Buerger ohne den Ballast der Galuth, der trotz allem noch auf einem grossen Teil des Jischuws liegt, heraufspriesst und um deren willen wir heute manche ■ Schwierigkeit in Kauf nehmen. Sie ueberstrahlt mit ihrem Licht alle Schatten und weist uns den Weg in eine grosse Zukunft. Es mag Menschen geben, die dieses Licht nicht sehen, weil sie die Ereignisse und das Leben in Israel nicht mit einem historischen Blick, sondern mit 'dem engen Blick ihres Ichs und ihrer eignen Traegheit betrachten. Nur der, der faehig ist, sich ueber diese Traegheit hinwegzusetzen und der nach Israel kommt, nicht nur um seiner willen, sondern um seiner Kinder wegen, Israels wegen, nur der, der auch heute noch chaluzischen Idealismus in sich spuert, an der Schoepfung unseres Staates beizuhelfen, der komme. Wer nicht dazu bereit und wer nicht die Kraft aufbringen kann, etwas von sich zu opfern, der bleibe ein pro-Israelist in der Galuth. Das wisse ein jeder vor seiner Entscheidung zur Alija, wenn er nicht enttaeuscht werden will und wenn er nicht will, dass die Schatten des Heute das Licht des Morgen verdecken.

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