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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1949-08-01 · 8 (Agosto, 1949) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XI (1949)
Issue
8 (Agosto, 1949)
Date
1949-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO fi MONATSSPIEGEL Zur Wiedergutmachung Zur Geltendmachung von Rueckerstattungsanspruechen in der franzoesischen Zone und in der Saar ist die Einreichung einer gerichtlichen Klage bei der Restitutionskammer des zustaendigen Landgerichts erforderlich. Die Fristen zur Einreichung dieser Klage sind verlaengert worden: Die Klagen der Berechtigten muessen in der franzoesischen Zone bis spaetestens 14. August 1949 und in der Saar bis spaetestens 29. September 1949 eingereicht sein. Zahlreiche Berechtigte haben bisher keine Klagen eiiigereicht, weil sie z. B. als entfernte Verwandte der Geschaedigten nur ungenuegende Informationen ueber die Entziehungsvorgaenge, die Erwerber oder gegenwaertigen Besitzer haben. Das Bureau de Restitution in Paris 2e, 18 Rue Etienne Marcel, ist bereit, die erforderlichen Ermittlungen anzustellen fuer Personen, die als Erben von Vermoegensbesitzern in der franzoesischen Zone in Frage kommen. In jedem Falle sollen Angaben ueber die nicht mehr am Leben befindlichen Personen (Name, letzte Adresse), das Verwandtschaftsverhaeltnis, Art und Lage des entzogenen Vermoegens, Entziehungsvorgang, soweit moeglich gemacht werden. Das Bureau'de Restitution ist eine Abteilung des United Restitution Office (URO), das als gemeinnuetzige Stelle fuer diese Ermittlungen und allgemeinen Rat jedem Ratsuchenden zur Verfuegung steht. Die Verfolgung im Klagewege kann jedoch nur fuer diejenigen Berechtigten erfolgen, die nicht in der Lage sind, Anwaltsgebuehren aufzubringen. Weitere Auskunft erteilt das Bureau de Restitution, Paris 2e, 18 Rue Etienne Marcel. FRIEDENSTAUBE MIT LAHMEN FLUEGELN Unsere wirre Zeit ist um drei Paradoxe bereichert worden: ein als Haendlerstamm verschrieenes Volk ist zu dem militaerischen Faktor des Mittleren Orients auf gestiegen; die Kriegshelden aus Tausendundeiner Nacht mussten eine schwere Niederlage einstecken; und die Schlichtungskommission der UN, die zwischen diesen und jenen vermitteln sollte, macht trotz ihres Namens keinerlei ernste Anstrengung zur Herstellung des Friedens. Das Letztere laesst sich klar damit beweisen, dass die Schlichtungskommission bei ihrer Taetigkeit von dem Weg abging, den Dr. Bunche erfolgreich bei den Waffenstillstandsverhandlungen eingeschlagen hatte. Waren doch seine Hauptprinzipien gewesen: 1) direkte Verhandlung zwischen Israel und dem Partner, und 2) getrenntes Verhandeln seitens Israel mit jedem einzelnen der arabischen Staaten! Die jetzige Kommission hingegen schaltet sich konsequent bei den Gespraechen ein, behandelt ausserdem den arabischen Block als eine Gesamtheit. (Und das in einer Situation, wo Tausende irakesischer Soldaten in Transjordanien an der syrischen Grenze kampieren, um gegebenen Falles Koenig Abdulla gegen Husni Zayim helfen zu koennen!) Die arabischen Delegationen, die in einem Hotel wohnen, bewachen sich gegenseitig argwoehnisch; es wird keinem Einzigen der Delegierten einfallen (aus Gruenden das nationalen Prestiges wie auch der persoenlichen Karriere), sich vor den Kollegen konzessionsbereit zu zeigen. Die Verhandlungen mussten trotz der konstruktiven Vorschlaege der israelischen Vertreter zu einem toten Punkt fuehren. Was macht ein Schwimmer, der merkt, dass er dem Ufer nicht naeher kommt? Er strebt mit verdoppelten Kraeften dem Ufer zu! Was macht die Schlichtungskommission der UN, wenn sie sich eingestehen muss, dass sie auf dem bisherigen Weg nicht recht weiter kommt? Sie legt in ihre Taetigkeit eine Ruhepause ein...- EINIGUNG A LA MUENGHEN Von Grund auf verkehrt ist gleichfalls der Versuch, den Frieden dadurch herzustellen, dass man den (besiegten) Angreifern ungerechtfertigte Konzessionen machen, und Israel zu Nachgiebigkeit bewegen will in Fragen, bei denen es buchstaeblich um Sein und Nichtsein geht. Das Problem der arabischen Fluechtlinge ist ja nicht durch den juedischen Staat selbst sondern erst durch den Krieg gegen ihn entstanden, den eben die arabischen Staaten erklaerten, die heute die Fluechtlinge so schnell als moeglich los sein moechten. Wobei noch zu unterstreichen ist, dass kein arabisches Land den Versuch gemacht hat, die Massen einzuordnen (in Aegypten wurde ihnen jede Arbeit verboten!), damit sie nur nicht den einzigen Wert verloeren, den sie in den Augen der arabischen Diplomatie haben: den eines politischen Druckmittels. Israel koennte den Rueckkehrerstrom zusaetzlich zu der grossen Alija gar nicht bewaeltigen Ausserdem bestaetigt ein objektiver Beobachter wie Pastor Baehr aus Nordamerika, dass bei der Labilitaet der Verhaeltnisse und der fortgesetzten Hass— und Kriegspropaganda im Vorderen Orient, Israel sich der Gefahr einer 5. Kolonne nicht aussetzen koenne. Doch in dieser Frage wie auch in Bezug auf den Status Jerusalems und die Grenzfestsetzung, versuchte die Schlichtungskommission den Forderungen der Arabermaechte gerecht, zu werden, nur weil sie von Druck und,Drohungen begleitet und durch Verschleppungstaktik als unabaenderlich erschienen waren. Es ist deshalb gut, dass Israels Aussenminister Sharet in seiner Rede vor der Knesset klarlegte, dass man bei allem Willen zur Verstaendigung nicht bereit sei, einen Preis ä la Muenchen zu bezahlen. “Israel wird keine Konzessionen unter Druck, der von aussen kommt, machen, “erklaerte er. Im November 1947 haette man die Grenzen gemaess dem Entschluss der UN festlegen und die Internationalisierung Jerusalems durchfuehren koennen. Damals waren es aber ausschliesslich die Juden, die eine Verwirklichung der Beschluesse der UN verlangten. Heute wiederum liessen sich die Zeiger der Geschichte nicht zurueckdrehen. EIN BISCHOF KEHRT ZURUECK Die Wahrheit ist zaehe (sonst waere sie ja auch schon ganz ausgestorben!). Trotz der Beschuldigungen des Pater Gori gegen Israel weiss die Welt heute, dass die wirkliche Einstellung des jungen Staates gegenueber Minderheitsreligionen die der freundlichen Respektierung ist. in einem Brief an Trygve Lie, den Generalsekretaer der UN, schreibt Monsignor Mc Mahon, dass “er persoenlich nach einer Reise durchs Heilige Land, bestaetigen koenne, dass die Regierung von Israel den ehrlichen Willen habe, gute Beziehungen zu allen religioesen Institutionen innerhalb der Staatsgrenzen zu unterhalten”. Das ist das Zeugnis eines wahrhaft Gerechten. Es gibt aber manchmal noch schlagendere Beweise — die der Feinde. Monsignor Georgius Salim Hakim, der griechisch-katholische Bischof fuer Nordpalaestina, flog neulich von Beyruth kurzerhand nach Haifa zurueck. Als er in Palaestina eintraf, das er bei Beginn des Krieges fluchtartig verlassen hatte, fand er so liebenswuerdige Worte wie diese: “Alle arabischen Staaten wollen nichts als Frieden ...Israel ist eine unerschuetterliche Tatsache ...” Wenn dieser kirchliche Wuerdentrae. ger aber Zutrauen zur Toleranz der Religionspolitik Raw Fishmans hat, so ist das ein umso beredteres Zeugnis als — bei allem Respekt vor seinem Amt — gesagt werden muss, dass er zu den aktivsten Parteigaengern des Muftis gehoerte. Er bereitete dessen Flucht durch Fuersprache beim franzoesischen Aussenministerium vor und agitierte heftig gegen uns vor den verschiedenen Untersuchungskommissionen. Aus seinem Mund von Israel ali einer Tatsache und dem Friedenswillen der arabischen Staaten zu hoeren, bereitet eine gewisse Genugtuung. DER KOENIG VON ISRAEL Im jungen Staat Israel hat der Monarchismus. mindestens schon einen Anhaenger. Es ist kein Scherz, dass es sogar noch vor der Staatsgruendung einen Thronpraetendenten dieses Staates gab. Im Lande lebt seit langen Jahren der Zahnarzt Dr. Solnik. Er vermag durch Urkunden —an deren Echtheit niemand zweifelt— nachzuweisen, dass er ein direkter Abkoemmling Don Abravanels sei, des portugiesischen Ministers unter Alfons dem Fuenften im 15. Jahrhundert. Dieser seinerseits hatte unwiderlegliche Beweise in der Hand, dass er ein direkter Abkoemmling des Koenigs David und dessen Sohnes Salomo sei. Der Mann, der heute in Israel Zaehne plombiert und zieht, stammt also in direkter Linie von den Koenigen ueber Juda und Israel ab. Und er beruft sich nun auf seinj’ ‘angestammtes Recht”, das er allerdings nicht fuer sich, sondern fuerj seinen nun sieben Jahre alten Sohn, geltend machen will. 1 Es sieht jedoch nicht danach aus, als ob in dem gut republikanischen Israel je gutes Wetter fuer Monarchen wird. Wenn der junge Mann es einmal zu einem wuerdigen Nachfolger Weizmanns bringen sollte, so haette er die hoechste erreichbare Stufe erklommen. Seine koenigliche Abstammung waere dabei wohl gerade kein Hindernis, viel helfen duerfte sie aber auch nicht. Man kann also nach Abschaetzung der Chancen nur hoffen, dass der Sohn des Zahnarztes seinem Vater nacheifert und einen nuetzlichen Beruf erlernt. WOELFE IM SCHAFSPELZ Wir haben uns allmaehlich daran gewoehnt, von einem grossen Kuenstler, der in der Musikwelt unbestritten die erste Geige spielt, hie und da politische Lehren zu empfangen. Dieser Kuenstler hat zwar seit langer Zeit Palaestina keinen Besuch abgestattet (obwohl er dort geboren wurde), er laesst es sich aber andererseits sehr angelegen sein, unsere Beziehungen zum Volk der Dichter und Denker wieder freundlicher zu gestalten. Nun mag ja der Einzelfall wirklich strittig liegen, etwa, was schwerer wiege, einigen Juden das Leben gerettet oder vor den Paladinen des 3. Reichs als Generalmusikdirektor dirigiert zu haben; ob Schweigen gleich Zustimmung zu bewerten sei oder nicht, usw. Nicht gefuehrt werden darf die Debatte jedoch mit dem Argument, dessen sich Menuhin bei der Verteidigung Furtwaenglers und —noch krasserer Fall— Giesekings bediente, naemlich des “Kunst hat mit Politik nichts zu tun”. Gegen Waffenstillstands-Parolen solcher Art waere ja im Prinzip nichts einzuwenden, doch werden sie schon in der Fabel verworfen, wenn dieser Apell nicht an die Woelfe sondern gerade an die wehrlosen Schafe gerichtet werden. In diesem Fall beispielsweise zeugen Tausende von vertriebenen oder umgebrachten Kuenstlern, verbrannten Bueehern, verbotenen Kunstwerken dafuer, dass Nazi — und Werwoelfe sich ueber Menuhins “Spielregel” mit blutigem Hohn hinwegsetzen. Wenn also nunmehr bei dem Auftreten Giesekings an unser Musikgefuehl appelliert werden sollte, so wird unsere Antwort klar sein wie die des noerdlichen Kontinents. Wir wollen keine braunen Woelfe — audh nicht im Schafspelz der Muse. EIN BEDAUERLICHES FEHLURTEIL Irren ist menschlich, auch ein Ju. stizirrtum ist es. Und da Israel ja schliesslich auch nur ein Staat “von dieser Welt”, ist, und noch dazu ein junger, und gleich im Abwehrkampf stehender: warum soll nicht auch hier manch Irrtum begangen, manch nie wedergutzumachendes Fehlurteil gefaellt werden? Mit dieser Grundeinstellung sind wir gefeit gegen die schlecht vehohlene Schadenfreude, die ihren Finger erhebt und auf “den Dreyfus Palaestinas” weist, den unschuldig hingerichteten Leutnant Tobiansky; wir sind unempfindlich gegen die Krokodilstraenen, die die englische Presse um ihn vergiesst, denn wir wissen, es steckt kein Mitleid mit dem Unschuldigen, keine Sympathie fuer den Haganakaempfer dahinter, und die Vorwuerfe unserer Feinde, die sonst bereitwillig zu jeder Rechtsverdrehung schweigen, lassen uns kalt. Man will ja nur dem, der fuer das Urteil indirekt verantwortlich ist, etwas am Zeuge flicken: dem neuen, und ach! siegreichen Staate Israel. Daher ploetzlich die staatsmoralische Pruederie! Wenn uns selbst aber dieser tragis sehe Fall so schmerzt und stark bedrueckt, so ist dies ein gutes Zeichen fuer die Verantwortung, die wir mitfuehlen, wie auch fuer den Willen, in unserem Land Umgeht vermieden zu wissen. Dieser Wille schon allein ist ein Schritt zur Gerechtigkeit. BEN IMßREN T A G E R T H /T N D ” SAN DIEGO 645 ■ L O C A ,11 s |3;■ C ASÍJL-LA 9 361 F O N O"';7 4-8 8 6 ■

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