Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- 9 (Septiembre de 1948)
- Date
- 1948-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO Pág. 8 AUS DEM EMEINDELEBEN Guten Tag, Herr Cham&erSain! Die Unión Sionista hat im Rahmen ihres Kultur-Programms vor kurzem eine sehr interessante und in ihrer Form sehr eindrucksvolle Veranstaltung abgehalten, deren Thema eine angebliche Gerichtsverhandlung gegen “Kohn und Genossen” wegen Nichterfuellung ihrer Pflicht der juedischen Gemeinschaft gegenuebei war. Die Art, in der das heikle Thema der Nichtbeteiligung an der “Campaña de Emergencia” behandelt wurde, war sehr geistreich ausgedacht, und die Protagonisten spielten ihre Rollen wie richtige Berufs-Schauspieler so ueberzeugend dass mehrere Besucher alles fuer echt hielten. Jedenfalls hatte jedermann in den Angeklagten einen seiner Bekannten wiedererkannt, waren es doch dieselben Worte, die man leider auch heute noch tagtaeglich sich von denen anhoeren muss, die aus Geiz, Besserwissen und ewigem Pessimismus sich von jeder Mitarbeit, gleich welcher Art, fernhalten, Wie oft kann man Schadenfreude aus den Augen dieser Feiglinge leuchten sehen, wenn einmal eine schlechte Nachricht aus Israel in der Zeitung steht, selbst wenn diese Nachricht noch so unwahrscheinlich klingt. S i e haben das schon immer erwartet und sind ueberzeugt, dass alles schief gehen wird! Im Grunde genommen beruht das meist auf dem schlechten Gewissen und der Feigheit zuzugeben, dass man seine bisherigen Ansichten im Lichte der neuen Ereignisse aendern und den neuen Verhaeltnissen anpassen muss. All dies wurde sehr treffend vom Anklaeger verkoerpert durch Herrn Dr. Hirschberg, in logischer und ueberzeugender Form dargelegt. Vielen wird wohl das Herz hoeher geschlagen haben, als er mit erhobener Stimme einem der Angeklagten zurief: “In 8 Jahren brauchen wir Ihre Mithilfe nicht mehr”. Es war ein Gluecksgefuehl, besonders fuer diejenigen, die sich als Sammler betaetigt haben, sich vorzustellen, was das bedeutet, wenn, man all diesen feigen Bruedern bald wird sagen koennen. dass man von ihren keine Almosen haben will, dass sie aber auch endlich wissen muessen, dass sie aus unserer Gemeinschaft ausgeschlossen sind. Was erreicht worden ist, ist trotz ihnen und nicht dank ihnen erreicht worden. Sie haben keinen Anteil daran und sollen sich nunmehr auch von' uns fernhalten. Der Verteidiger Herr A. Landau, der alle Schuld auf die mangelhafte juedische Bildung der Angeklagten schieben wollte, hat sich eine sehr zutreffende Antwort vom Anklaeger anhoeren muessen: Wer nur den “Mercurio” —von der juedischep Presse ganz abgesehen—, seit einejn .halber! Jahre liest, der muss genuegend juedische Bildung mitbekommen haben, um zu wissen, wo er hingehoert. Und wem auch das nicht genuegt, der will es einfach nicht wissen, und bei ihm wird jede Bemuehung zwecklos sein. Leider ging die schoene Stimmung* die unter den Zuhoehern (der Saal war so voll, dass viele stehen mussten) die ganze Zeit geherrscht hat und sich in einigen Momenten durch Beifall- Klatscljen Luft machen musste, durch den Schluss — das Urteil — verloren. Dieses wirkte so ernuechtern, dass die Begeisterung, wie nach einer kalten Dusche, ploetzlich verebbte. Alles was Minuten vorher gesagt wurde, hatte beim “Gericht” keinen Eindruck hinterlassen, und es scheint, dass unsere Brueder fuer etwas kaempfen und ihr Leben aufs Spiel setzen, was gar nicht existiert oder wenigstens in unseren Kreisen nicht verstanden wurde. Denn der feige Verraeter, der in Zeiten der hoechsten Not sein Volk und seine Brueder, die fuer ihn selbst ihr Leben opfern, in der gemeinsten Art in Stich gelassen hat, einer,-der aus Geldgier und Geiz oder gar aus gemeiner Gesinnung heraus durch seine Handlung das Leben unserer besten Maennern und Frauen auf dem Gewissen hat, — ueber ihn traut man sich anscheinend immer noch nicht das Urteil zu faellen, das die Gerechtigkeit erfordert. Nein, man “vertagt” die Verurteilung; — tomer doch — wird ei sich bessern und ein wenn auch winziges Almosen (mehr wird er doch nie tun) herausruecken! Wie lange wird diese Frist noch ausgedehnt werden? Waren die letzten 5Q Jahre zionistische Bewegung noch nicht genuegend? Und die Erfahrungen seit 1933? Unser Staat besteht schon Gott sei Dank seit 4 Monaten. Waere es nicht an der Zeit die Loesung in der Hagada zu suchen? Diese gibt die richtige und einzig moegliche Erklaerung. Es heisst da: Und der Boese fragt: Was bedeutet das fuer Euch? Und Du sollst ihm antworten: Fuer mich hat Gott dies getan; wenn Du dabei gewesen waerest, Dich haette man nicht erloest”. Ist es nicht doch allerhoechste Zeit, dass wir uns auf unsere und unseres Volkes Ehre besinnen und diesen Herrschaften endlich einmal klar und deutlich sagen: Ihr habt bis heute nichts gelernt, weil ihr nicht lernen wolltet;;hr habt am Aufbau unseres Staates nicht mitgearbeitet und wart zu keinem Opfer bereit; wir brauchen Euch nicht aber Ihr sollt endlich einmal wissen, dass ihr nicht mehr zu uns gehoert. Ihr habt in Zeiten der hoechsten Not Euer Volk im Stich gelassen, heute gehoert Ihr und Eueresgleichen nicht mehr zu uns. Dieses “Urteil’ hat, meiner Ansicht nach, die Versammlung erwartet, und nur so waeren die Anwesenden mit dem stolzen Gefuehl nach Hause gegangen: Israel lebt. Dipl. Ing. M. MANKEWITZ DIE S.C.I. B’NE JISROEL wuenscht allen ihren Mitgliedern und Freunden ein glueckliches und zufriedenes NEUES JAHR 5 7 O 9 Strafsache &e£,en Cohn und Genossen Am 28. August fand im ueberfuellten Saale des Gemeindehauses die von der Union Sionista veranstaltete Gerichtsverhandlung gegen Cohn und Genossen wegen Mangel an Solidaritaet mit dem juedischen Volke statt. Nach einleitenden Worten des Praesidenten Chawer Nuta Nebenschoss, der unserer im Kampf fuer Israel gefallenen Helden, insbesondere des juengsten Opfers aus den Reihen der chilenischen Judenheit, Jascha Ginesin, gedachte, eroeffnete der Vorsitzende des Gerichts Dr. Reich die Verhandlung. Angeklagt waren drei Typen aus dem juedischen Leben: ein Antizionist, der aus “weltanschaulichen” Gruenden eine Beteligung an der Campana de Emergencia abgelehnt hatte, ein Knicker, der nichts gab, weil er zuviel Lebensmittelpakete nach Deutschland schicken muss, und schliesslich ein reicher Egoist, der sich selbst alles leistet, fuer die Haganah aber nur 5 Monatsraten von je $ 100,— uebrig hat und sich auch nicht vorschreiben laesst, ob, was und wie er gibt. Nachdem der Vorsitzende die Anklageschrift verlesen hatte, vernahm er die drei Angeklagten, die von den Chawerim Herbert Brueck, Hermann Schloss und Guenther Ruschin ausgezeichnet repraesentiert - wurden, zu den ihnen zur Last gelegten Anklagepunkten, die sie im wesentlichen Zugaben. Danach stellte ihnen der Anklaeger, Dr. Hirschberg, eine Reihe von geschickten Fragen, durch die sie sichtlich in die Enge getrieben wurden. Nach beendeter Vernehmung des Angeklagten erteilte der Vorsitzende dem Verteidiger Dr. Landau das Wort zu seiner Verteidigungsrede. Herr Dr. Landau entledigte sich seiner undankbaren Aufgabe mit groesstem Geschick — undankbar deshalb, weil er hier Leute verteidigen musste, die sich in einer jedem National — und Anstandsgefuehl spottenden Weise betragen haben. Mit grossem Geschick fuehrte er Milderungsgruende fuer die ihm unverstaendliche und unsympathische Handlungsweise der Angeklagten dem Gericht vor Augen. Nachdem der Verteidiger seine Auszehrungen beendet hatte, kam der Hoehepunkt des Abends: das Plaedoyer des Anklaegers Dr. Hirschberg. Dr. Hirschberg gab zunaechst eine Rekonstruktion der juedischen Lage bei Beginn der Campana. Er schilderte, wie eine begeisterte Jugend in fuenfzigjaehriger konstruktiver Arbeit ein Kolonisationswerk geschaffen hat, das einzig in der Geschichte der Menschheit dasteht. Sodann schilderte er Herzls Selbstaufopferung fuer sein Volk, Weizmanns une.rmuedliche politische Arbeit, die schliesslich zur Balfourdeklaration fuehrte, stellte dar, wie England das Mandat des Voelkerbundes zur Schaffung einer Heimstaette fuer das juedische Volk in schnoedester Weise missbrauchte, indem es dieses Mandat lediglich zur Sicherung seiner Position im vorderen Orient benutzte. Sodann ging Dr. Hirschberg auf die Ereignisse nach jenem denfcwuerdigen 29. .November 1947 ein, wies in packenden Worten darauf hin, wie der Jischuw den ihm aufgezwungenen Kampf gegen die arabischen Staaten mit ihren von England aufs beste ausgeruesteten Heeren aufnahm, und zwar nicht fuer sich, sondern fuer freie Eil i - Wanderung seiner Brueder und Schwestern der Galuth. An diese Brueder und Schwestern in der Galuth richtete der Jischuw den Ruf um materielle Hilfe. Und der Ruf des Jischuw fand freudigsten Widerhall in allen Kreisen der Galuth: nur die drei Angeklagten versagten, stellten sich in der Stunde der Not abseits von ihren Bruedérn, nur um nicht etwa, wie der eine ausfuehrte, seine Reserven angreifen zu muessen. Dr. Hirschberg stellte am Schluss seiner Auszehrungen keinen Strafantrag, er ueberliess die Entscheidung vielmehr dem Gericht. Nach kurzer Beratung des Gerichts ward vom Vorsitzenden die Entscheidung verkuendet. Er fasste zunaechst kurz das Ergebnis der Verhandlung zusammen, auf Grund deren das Gericht die Ueberzeugung gewonnen habe, dass die drei Angeklagten sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht haetten und demnach Strafe verdienten. Was die gegen sie verhaengende Strafe betreffe, so habe das Gericht zunaechst geprueft, ob es die Angeklagten als Verraeter und Abtruennige aus der Gemeinschaft unseres Volkes ausschliessen sollte, eine Strafe, die mit Ruecksicht auf die schweren Verfehlungen der Angeklagten gegenueber unserem Volke durchaus gerecht gewesen waere. Das Gericht habe aber auch zu pruefen gehabt, ob nicht ein Volk mit den Traditionen des unsern auch seinen ungeratenen Soehnen gegenueber Grossmut zeigen und ihnen Gelegenheit zur Umkehr geben koenne. Weil das Gericht glaube, dass das juedische Volk auch zu Menschen wie den Angeklagten nachsichtig sein duerfe, faelle es kein Urteil, sondern setze die Urteilsfaellung zunaechst aus, um den Angeklagten die Moeglichkeit zu geben, ihr Gewissen zu entlasten und sich einzureihen in die Reihen der Kaempfer fuer Israel. Diese Entscheidung des Gerichts mag zunaechst manchen ueberrascht und vielleicht sogar enttaeuscht haben. Bei vemuenftiger, kuehler Ueberlegung muss aber ein jeder zu der Ueberzeugung kommen, dass diese Entscheidung, einzig und allein auf Zweckmaessigkeiterwaegungen zurueckzufuehren ist. Die Acción Unificada 1948|49 beginnt in diesen Tagen, ungeheure Geldmittel werden fuer die verschiedensten Fonds benoetigt. Soll man da jemanden aus der Gemeinschaft ausschliessen, ohne wenigstens noch einmal zu versuchen, von ihm keine Almosen sondern das zu erhalten, was er schon fuer die Campaña de Emergencia haette geben muessen? Warten wir ab, ob diese Typen bei naechster Gelegenheit neue Ausfluechte finden, um sich ihrer Pflicht gegenueber dem juedischen Volke zu entziehen. Solche Leute sind aber — das muss zur Ehre unserer Gemeinschaft gesagt werden — nur Ausnahmen. Wer so wie die drei Angeklagten gefehlt hat, muss Gelegenheit bekommen, bei der neuen Acción Unificada sein Unrecht wieder gutzumachen und zu beweisen, dass die Lehren dieser Gerichtsverhandlung bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen sind, und dass er bereit ist, sein Schicksal mit dem Israels zu, verbinden. Dr. HANS REICH