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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1948-09-01 · 9 (Septiembre de 1948) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
X (1948)
Issue
9 (Septiembre de 1948)
Date
1948-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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-"H.) v- S@eilBiA© [EmTwmeaffl&igiurir^ Administración al mes. de avisos: REDACCION: S. C. I. “B’ne _ ^ÊoiètirL W. LECHNER Clasificador 667. Tel. 87345 Monjltas 690 Tel. 33096 Casilla 2487 Jnfi?trnjcitbp& miTTEILUnG SBLQTT Por el contenido de los avisos la B’ne Jisroel no se responsabiliza. N.o 9 SANTIAGO DE CHILE SEFXlltIVUiKE DE 1348. DIE IRONIE DER WELTGESCHICHTE RABB. E. LOEWENSTEIN In Rom auf dem Circus Maximus stand ein Triumphbogen. Dieser Bogen wurde wenige Jahre nach der Niederlage Judeas im Jahre 70 n.g.Z. dem siegreichen Peldherrn Titus Plavius Vespasian errichtet. Er trug die stolze Inschrift: “Senat und Volk der Roemer dem Kaiser Titus, dem Vater des Vaterlandes, seinem Fuersten, weil er auf seines Vaters Gehe.iss, Rat und Billigung das Volk der Juden bezwungen und die bis dahin von allen Fuersten, Koenigen und Voelkern vergeblich belagerte oder gar gaenzlich unangegriffene Stadt Jerusalem zerstoert hat.” Dieser Triumphbogen auf dem Circus Maximus existiert nicht mehr. Der noch heut erhaltene Titusbogen auf der Hoehe der Via Sacra stammt erst aus der Zeit Dominitians. Aber die beiden Boegen wurden errichtet, um dem Triumph eines siegreichen Volkes ueber einen schwer niedergerungenen Gegner Ausdruck zu geben. Rom glaubte Juda besiegt. Der Zug der juedischen Sklaven durch die Strassen Roms sollte die Schmach der Besiegten verkuenden. Aber im Jahre 5708 ist der Titusbogen in Rom, den nie ein bewusster Jude durchschritten hat, zum Triumphbogen Israels geworden. Er steht inmitten von Ruinen. Von der Macht des roemischen Imperiums erzaehlen die Buecher der Geschichte. Das Monument-der Verherrlichung des Siegers ueber den Besiegten bestimmt-kuendet der Welt die Ironie der Weltgeschichte. Roms Ruinen sprechen von vergangener Herrlichkeit, in den Bergen Judieas ist aufs Neue Israel erstanden. Rom ist eine Stadt unter den Staedten der Erde. Israel ist im Jahre 5708 neu geboren und geht einer stolzen Zukunft entgegen. Wir, die Zeitgenossen, vermoegen das Ausmass dieser Ereignisse des Jahres 5708 nicht zu erfassen. Wir haben sie miterlebt und stehen unter dem Eindruck der Kontinuitaet des Zeitablaufes. Kommende Generationen werden darin Wunder erblicken, die in unseren Tagen geschehen sind. Wir erleben die Wiedergeburt Israels als eine Folge des neuen Lebenswillens, der in den Konzentrationslaegern geboren ist, als eine Flamme, die aus den Gaskammern herausschlug und in die Herzen des juedischen Volkes eindrang. Und dennoch bleibt etwas Einmaliges, etwas Wunderbares mit diesem Jahr 5708 verbunden. Aber das Israel wurde, konnte nur geschehen, weil wir uns mit jenem alt juedischen Wort nicht auf Wunder verlassen haben. Wir haben das Wunder nicht gewollt, darum ist es an uns geschehen. Wir wollen leben und wollen ueberdauern und haben uns darum dem Lande unserer Vaeter zugewandt. Aber wie wir dieses Ziel erreichten, darin liegt das Wunder. Von niemanden mit Tatkraft unterstuetzt, getragen einzig von dem Lebenswillen unserer Brueder und Schwestern in der Welt, emporgehoben durch eine Idee erreichte Israel die Verwirklichung seines jahrhunderte alten Traumes. Noch vor'wenigen Jahren ward das juedische Volk aufgeteilt unter die Nationen der Erde. Noch vor zehn Jahren verbrannte der groesste unserer Feinde-ausgeloechst sei sein Name fuer alle Ewigkeit-unsere Heiligtuemer und bereitete sich vor, unser Volk zu zerstoeren. Mit dem Opfertod von Millionen erreichte er beinahe sein Ziel. Aber waehjend niemand sein Grab kennt, ist die Nation, die er zu vernichten suchte, dem Phoenix gleich aus der Asche von Maidanek und Buchenwald, aufs Neue zum Staate Israel auferstanden. Von allen vier Enden der Erde schaut das juedische Volk mit Stolz auf jene, die die Grenzen des Staates Israels mit ihrem Koerper und ihrem Herzen bewachen. In dem einst physisch und geistig zersprengten juedischen Volk lebt wieder ein einheitlicher Wille: Der Wille zur Kontinuitaet. Die goldene Kette, die mit Abraham begann, in der Bibel ihren einmaligen Niederschlag fand, im Talmud fortgesetzt wurde und mit Jehuda Halevy und Moses Maimönides, Raschi und der mittelalterlichen Mystik, Baal Sehern Tow und dem Wilnaer Gaon Elia, der Wissenschaft des -Judentums und der Haskala weiter gef uehrt wurde, muendete in die Reihen der Maenner und Frauen der Haganah. Nunmehr beginnt das juedische Volk einen neuen Abschnitt seiner Geschichte. Entschlossen in dem Willen zur Dauer, geeint in der Hoffnung fuer den Bestand unseres Staates Lsrael treten wir in das Jahr 5709. So sichtbar ist noch nie in der Geschichte der Menschheit das Wunder ihrer Lenkung und Leitung zu Tage getreten. Dafuer werden wir in den Jomim Nauroim des Jahres 5709 dem Allmaechtigen danken. In Einheit und Geschlossenheit werden wir vor den Lenker der Zeiten treten, um ihm aus ganzem Herzen zu danken fuer die Gnade, die er uns erwiesen. Wir durften teilhaftig werden des grossen Wunders unserer Tage. Mit uns wird sich so mancher verbinden, der in vergangenen Jahren nicht die Kraft gefunden vor den Einzig-Einzigen zu treten, und sich mit dem juedi- Wenn ich mir nicht Seit der Zerstoerung des Tempels in Jeruscholajim und der Zerstreuung der Juden hat die Sehnsucht nach der Rueckkehr in die Heimat unserer Vaeter niemals aufgehoert. Die Gebete des Alltags, der Sederabend, die Symbole der Wallfahrtsfeste und auch die Wiedergabe des Dienstes des Hohepriestern am Jaum Kippur zeugen davon, dass der Wunsch nach der Heimkehr aus der Zerstreuung ins “Gelobte Land” im religioesen Judentum fest verankert ist. Doch es blieb bei dem Gebet um die Erloesung. Die schweren Leiden unseres Volkes im Laufe der Jahrhunderte, die vielen Opfer unseres Glaubens waren noch nicht imstande das Problem der Judenfrage in seinem ganzen Umfang zu erkennen und auch nur den Versuch einer Loesung zu unternehmen. Erst vor etwa hundert Jahren begannen Stimmen laut zu werden, die nach Selbsthilfe riefen. Sie basierten auf der Erkenntnis der juedischen Bluts—, Volks— und Schicksalsgemeinschaft und deren logischer Folgerung, dass Judennot nicht regional, sondern nur global zu bekaempfen und nur national und nur aus eigener Kraft zu heilen sei. Doch weder das juedische Volk noch die Umwelt waren reif fuer die praktische Auswirkung dieser Erkenntnis. Man glaubte den kranken Gesamtorganismus heilen zu koennen, indem man einzelne seiner Zellen behandelte und erkannte nicht, dass das juedische Volk ein kranker Koerper war, dessen Zellen durch ihre Bindung an den Gesamtorganismus nicht individuell heilbar waren. Die mit der Zeit mehr und mehr auftauchenden Wohlfahrtseinrichtungen sollten gegenueber den kollektiven Leiden Abhilfe schaffen und linderten in Wirklichkeit nur individuelle Not. Sie blieben fuer eine Loesung der Judenfrage wertlos. Umso ueberraschender ist es, dass schliesslich der umgekehrte Weg der Beginn der praktischen Loesung wurde: Nicht die Maertyrer der Juden im Mittelalter oder die Opfer der Pogrome in der Neuzeit, sondern der Individualfall des juedischen Hauptmanns Dreyfuss fuehrten den genialen Fuehrer Theodor Herzl zu der Erkenntnis, dass nicht ein Jude, sondern der Jude Dreifuss beschuldigt und schuldlos verurteilt wurde und dass deren logische Folgerung die Aufruettelung des juedischen Volkes aus der Ergebenheit in sein Schicksal sei. Diese Aufgabe uebernahm Herzl und schuf damit die Basis dafuer, dass das juedische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nahm, — wie einst Moses mit der Befreiung der Israeliten aus der gleichen seelischen und koerperlichen Knechtschaft in Aegypten. So begann um die Wende dieses Jahrhunderts der Rueckweg zum normalen Leben eines Volkes und einer Volkseinheit: Der Zionismus. Solcher Weg ist nur schrittweise gangbar und das war schmerzlich. Denn die sich immer mehr zuspitzende Judenfrage bedurfte einer eiligen sehen Volk in den “Erhabener. Tagen” zu vereinen. In allen Landen werden wir uns mit unserem Herzen, mit unserer Seele und mit unserer Kraft zusammenfinden in heiliger Entschlossenheit, in jedem Augenblick fuer Israel zu kaempfen. Moegen uns auch noch schwere Stunden bestimmt sein, wir werden dauern durch Israel. In Rom steht unter den Ruinen ein Monument, das, Roms Sieg und Judaeas Niederlage der Welt verkuenden sollte. Israel aber ist wiedergeboren und wird dauern zum Segen fuer das juedische Volk und fuer die Menschheit. Aus der Tiefe unseres Herzens sprechen wir, die wir teilhaftigt wurden dieses Wunders das Hoffnungswort der Jahrtausende: ER DER GROSSES GETAN AN SEINEM KOENIGE DA¬ VID UND LIEBE ERWIESEN IHM UND SEINEN NACHFAHREN IN ALLE EWIGKEIT, DER FRIE¬ DEN STIFTET IN SEINEN HOEHEN, ER GEBE FRIEDEN UNS UND SEINEM GANZEN VOLKE ISRAEL! AUSSE SCHOLAUM BIMR*AUMOW HU JAASE SCHOLAUM OLENU WEAL KOL AMAU JISROEL”! helfe, - wer hilft mir? Loesung. Das sahen nur wenige, da ja die Menschen ihre Zukunft nach ihrem gegenwaertigen Befinden zu beurteilen pflegen und zu viele ihr Judentum noch nicht aeusserlich und darum auch noch nicht seelisch spuerten. Und doch war die Alijah der ersten Kolonisten ein Anfang, dessen Tragweite allerdings erst viel spaeter, zu spaet erkannt wurde. Er war das wundervolle Beispiel derer, die sich ihr Leben selbst formen wollten . Die grosse Mehrheit der Juden ging aber diesen Weg noch nicht mit. Sie wartete, sie verhandelte und jubelte ueber einen Brief des englischen Aussenministers an Lord Rothschild, ueber die Balfour-Deklaration. Sie glaubte, dass dieser Brief die Judenfrage loesen wuerde — fuer die, die eine Loesung brauchten; denn die Zaehlung der juedischen Frontsoldaten im kaiserlichen Deutschland im ersten Weltkrieg oder gesellschaftlicher Antisemitismus in den Vereinigten Staaten blieben unbeachtete Symptome der Judenfrage. Heute wissen wir, dass die Balfour-Deklaration eine Enttaeuschung war, dass unser Volk sich seiner “Heimstaette” in Palaestina ohne bezw. gegen England als Beauftragten des Voelkerbunds geschaffen hat und dass sie selbst heut noch nicht eine “rechtlich gesicherte” ist. Erneuter Jubel rauschte durch die juedische Welt am 29. November 1947, als die Vereinigten Nationen einen juedischen Staat proklamierten. Und wieder kam die Enttaeuschung, als diejenigen, die mit dem Dank oder einem Geschenk der Demokratien rechneten, ohnmaechtig mitansehen mussten, wie dieser Beschluss von den eigenen Besitzern sabotiert wurde. Wieviel Juden haben damals ihre einzige Hoffnung auf eine internationale Truppe zum Schutze unseres Bestar.’s in Palaestina gesetzt! Und doch ist unser militaerischer Sieg ueber die arabischen Nachbarstaaten und das hinter ihnen stehende England nur unserem Jischuw, seiner Begeisterung,, seiner Opferbereitschaft und seinen technischen und wissenschaftlichen Leistungen zu verdanken. Es genuegt aber nicht, dass der Jischuw in Israel kaempft und die uebrigen 90 olo Juden in der Welt auf ihn stolz sind oder dass die in Europa internierten Juden sich nach Israel auf den Weg machen und die uebrigen Juden das gutheissen. Fuer die Zukunft unseres Volkes ist jeder Jude verantwortlich. “Im en ani li, — mi li?” sprach Hillel. “Wenn ich mir nicht helfe, — wer hilft mir?”. Moege sich jedep Jude nach Beendigung eines entscheidenden und schweren Jahres beim Eintritt in das Jahr 5709 diesen Satz Hillels zu eigen machen und durch seine Haltung dazu beitragen, dass dieses Jahr ein Jahr des Gluecks und Friedens fuer unser Volk werde. Dr. JOSE HIRSCHBERG

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