Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- 8 (Agosto de 1948)
- Date
- 1948-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 5 Jehudi daher Iwrith! HIER IST MEINE MEINUNG Anregungen zum Feiertags - Gottesdienst VORBEMERKUNG DER KULTUSKOMMISSION: Wir begruessen den folgenden Artikel als Beitrag zu Vorschlaegen unserer Mitglieder bezuegllch Verbesserungen unserer Gottesdienste in Inhalt und Form, und wuerden uns freuen, weitere Zuschriften zu erhalten, die zusammen mit dem folgenden Artikel in unserer Kultuskommission beraten werden und nach Moeglichkeit Beruecksichtlgung finden sollen. Mit Genugtuung hat der Praesident unserer Gemeinde in der Festnummer des Boletín Informativo feststellen koennen, dass der Ausbau der Gemeinschaft die Einfuehrung eines liberalen Gottesdienstes ermoeglicht hat, der den Empfindungen der stark religioes-liberalen Mehrheit in unserer Gemeinschaft besser entspricht. Tatsaechlich haben sehr viele Mitglieder die Einfuehrung liberaler Neuerungen, unter denen besonders die Choere Erwaehnung verdienen, mit Freude begruesst. Immerhin bleibt uns, die wir aus den liberalen Gemeinden Europas die Begehung der Hohen Feiertage gewoehnt sind, noch mancherlei zu wuenschen uebrig. Eine weitere Straffung der Liturgie, die nach unserem Empfinden immer noch sehr betraechtliche Laengen aufweist, wuerde vielfach begruesst werden. Noch immer hoert man nach den Gottesdiensten Kritiken positiv eingestellter, wohlwollender und ehrlich glaeubiger Menschen, die in der Auffassung gipfeln: “Weniger waere mehr gewesen”. Koennte man nicht vielleicht an den “Owinus”, an den “Oschamnus” und an den “Jaalehs” etwas einsparen, ohne dass damit Grundsaetzliches von ihrem wertvollen und traditionellen Gehalt geopfert werden muesste und ohne dass man diese herrlichen Gebete zu einem Torso gestalten wuerde, wie es in Europa vielleicht teilweise der Fall war. Wenn ich so einer Kuerzung des Andachtsstoffe das Wort rede, so erscheint es fast paradox, dass ich auf der anderen Seite sogar eine Erweiterung der Gebets Vorschlägen moechte. Der Uebergang von der Haftarah nach der Thoravorlesung zur Predigt erscheint mir voellig unvermittelt, sozusagen abrupt. Die Herren Rabbiner werden es selbst empfinden, dass es sie jedesmal Muehe kostet, sich am Beginn ihrer Predigten durchzusetzen, weil die Zuhoerer noch im Banne der weniger auf Anspannung gerichteten Haftarah stehen und sich erst allmaehlich auf die Worte des Rabbiners zu konzentrieren beginnen. In den liberalen Gemeinden Europas hat man den Uebergang durch das “Gebet fuer den Landesherrn” oder spaeter das “Gebet fuer die Obrigkeit” und durch das “Gemeindelied” geschaffen, und so Gelegenheit geboten, sich innerlich auf die Worte des Kanzelredners einzustellen. Nachdem das frueher hier uebliche4-Gebet fuer das Galuth—Land, in dem wir leben, in Fortfall gekommen ist, bleibt ein Vacuum, das es zu ueberbruecken gilt. Waere es nicht angebracht, an dieser Stelle ein Gebet fuer das Bluehen und Gedeihen unseres Staates Israel einzuschieben, das den Dank an den Allmaechtigen fuer die wunderbare Erfuellung unserer Hoffnungen, die Zuversicht in Bestand, Staerke und Prosperitaet des Staates zum Segen unseres Volkes und der Menschheit und zur Ehre und zum Ruhm Gottes zum Audruck bringen muesste. Wenn so die Empfindungen der Hoerer aufgeruettelt, die Gedanken konzentriert sind, wird es auch der Rabbiner viel leichter haben, sich fuer den Beginn seiner Auszehrungen bereits die wuenschenswerte Resonanz zu schaffen. Schliesslich moechte ich noch einen Punkt beruehren, von dem ich weiss, dass, mir nicht nur orthodoxe sondern auch liberale kreise mit rituellen, historischen und moral —ethisch—paedagogischen Gruenden entgegentreten koennen. Es handelt sich um die traditionelle, aus der geschichtlichen Entwicklung stammende Gepflornheit, dass vor Beginn der Seelenfeier (Maskir) alle diejenigen die Andachtsstaette verlassen, die das Glueck haben, noch ihre Eltern zu besitzen. So beginnt denn bereits gegen Ende der Predigt eine Unruhe, ein Stuehleruecken und Sitzeklappen, ein Draengeln und ein Auszug aus dem Saal, dem sich selbst baertige Maenner und laengst dem Backfischalter entwachsene Damen nicht entziehen. Sollte man nicht in diesem Punkte die nicht mehr zeitgemaesse Tradition brechen? Es sind doch schliesslich im letzten Jahrzehnt Dinge vor sich gegangen, die in diesem Umfange noch niemals in der Geschichte des juedischen Volkes, ja in der Weltgeschichte zu verzeichnen waren. Verpflichtet nicht der Maertyrertod von 6 Millionen unserer Brueder, der ebenso gut jeden von uns haette treffen koennen. auch alle jene einem Maskir beizuwohnen, die sich gottlob noch ihrer Eltern erfreuen duerfen? Und erfordert nicht die Ehrfurcht vor der heldenhaften Hingabe der Besten unseres Volkes im Kampf um Israel das Verbleiben aller erwachsenen Juden bei einer Andacht, deren hohe Wuerde und sittliche Erhabenheit uns immer aufs Neue mit heiliger Scheu erfuellt? Wahrlich, es erscheint mir an der Zeit, dass auch die orthodoxesten Kreise einer “Reform” der Gewohnheiten zustimmen, die heute ihren historischen Sinn verloren oder doch verwandelt haben. So sollte der unerlaessliche “Exodus” beim Maskir auf diejenigen Jugendlichen beschraenkt bleiben, die noch nicht das barmizwahfaehiee Alter (13 Jahre) erreicht haben und auf die die uebrigen Vorbedigungen zutreffen. Zusammenfassend moechte ich also meine Vorschlaege dahin praezisieren: 1) Straffung des Andachtsstoffes fuer den liberalen Gottesdienst. 2) Einfuehrung eines Gebets fuer den Staat Israel zwischen Haftarah und Predigt. 3) Reform des “Exodus” bei der Seelenfeier. Wenn ich auch glaube, dass noch weit mehr und weit bessere Vorschlaege fuer die Gestaltung unserer Festgottesdienste gemacht werden koennten, so hoffe ich doch mit meinen Anregungen jedenfalls etwas' zur Erhoehung der Weihe unserer heiligen Tage beitragen zu koennen. CURT SCHULVATER Die Augen der juedischen Welt sind heute voll Liebe und Stolz auf unseren neuen Staat Israel gerichtet. Die “Rueckkehr ins Judenland” ist vollzogen. Aber die Maenner des Geistes haben rechtzeitig erkannt, dass die Erfuellung unseres Traumes nicht allein von der politischen Neugestaltung unseres Vaterlandes abhaengt, sondern dass unser Staat ein Kulturstaat sein muss, der alle Juden der Welt geistig umfasst. Diese Einheit bedarf eines gemeinsamen Ausdrucks: der gemeinsamen Sprache. Es ist voellig verstaendlich, dass die Alltagssprache der Juden die Sprache ihrer Wirtsvoelker ist, mit denen sie leben. Fuer die uns verbindende gemeinsame Kultur aber kann es nur einen gemeinsamen Ausdruck geben, die Umgangssprache in Israel und des in ihm errichteten Kulturzentrums. Darum ist die Gestalt eines Chajim Nachman Bialik als des Vorkaempfers fuer die Wiederbelebung der hebraeischen Sprache, des Iwrith, von so hoher Bedeutung. Iwrith ist heute me offizielle Sprache unseres Staates, die Sprache unserer alten wie neuen Literatur, Presse und Kunst, also aller Verlautbarungen unserer geistigen Arbeit. So muss jeder, der sich der Kultur unseres Volkes zugehoerig fuehlt. diese Sprache beherrschen, wenn er “ihres Geistes einen Hauch verspueren” will. Er muss sie beherrschen, wenn er die geistige Produktion Israels in ihrer Ursprache gemessen will,— teils weil Uebersetzungen die Schoenheit des Ausdrucks vermindern, teils weil viele Produktionen aus Geldmangel gar nicht zur Uebersetzung kommen. Er muss sie beherrschen, um die vielen bald in grossen Auflagen in alle Teile der Welt stroemenden Zeitungen und Zeitschriften mit ihren Berichten ueber das taegliche Leben in Israel lesen oder wenigstens verstehen su koennen . Aber auch die Erziehung unserer Kinder in den juedischen Schulen und speziellen Sprachkursen verpflichtet die» Eltern zum Studium des Iwrith. Die Kinder werden auch das Iwrith leicht erlernen und sich ihm in ihrer Begeisterung fuer Israels Kultur liebevoll hingeben. Wie schoen muss es fuer Eltern sein, ihre Kinder in diesem Studium zu begleiten und mit ihnen die gemeinsam interessierenden Probleme behandeln zu koennen, die sich in den hebraeischen Buechern und Zeitungen darbieten! Schliesslich werden viele unserer Kinder eines Tages ihren Weg nach Israel finden, um dort als freie Buerger unseres Landes zu leben und an seinem Aufbau teilzunehmen. Und selbst die Eltern, die ihren Kindern nicht folgen, werden dann die Sprache in Wort und Schrift beherrschen wollen, in der ihre Kinder denken und sich ausdruecken werden. Nicht jeder von uns wird alle diese Gruende fuer die Beschäftigung mit dem Iwrith fuer sich in Anspruch nehmen; wem aber auch nur eines dieser Motive einleuchtet, der soll freudig und energisch mit dem Unterricht des Hebraeisch beginnen. Die Gemeinde wird im Rahmen ihres Kulturprogramms Iwrith — Kurse fuer Anfaenger und Fortgeschrittene einrichten und sich bemuehen, an der Aufgabe der Verbreitung der hebraeischen Kultur mitzuwirken. (Vergl., Inserat in dieser Nummer des Mitteilungsblattes) . J. H. im Buch der Psalmen aehneln. Die Sprache erinnert stark an die der letzten Teile des Alten Testaments. Der apokalyptische Text, im Besitz der Hebraeischen Universitaet, scheint vor der Zeit der Hasmonaeer abgefasst worden zu sein; er erinnert stark, in Stil und Phraseologie, an das Buch Daniel. Mehrere Rollen sind bis jetzt noch nicht einmal geoeffnet worden, und die gesamte Entzifferungs-Arbeit wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Indessen wird ein vorlaeufiger Bericht vorbereitet, der erweisen duerfte, dass der Fund von groesster Bedeutung fuer das Studium der Bibel wie fuer die Kenntnis von Sprache und Kultur in den Zeiten ist, die der Zerstoerung des Juedischen Staates durch die Roemer vorangingen. Die Originale biblischer Texte aufgefunden Sensationelle Entzifferungs-Ergebnisse der Hebraeischen Universitaet In einer Hoehle der Bergwueste Juda, an dem Westufer des Jordan und nahe dem Toten Meer, fanden Beduinen eine Anzahl alter, in hebraeischer Schrift geschriebener Pergamentrollen, von denen zum mindesten einige aus der Epoche vor der Zerstoerung Jerusalems durch die Roemer stammen. Die bis jetzt in der Hebraeischen Universitaet entzifferten Rollen enthalten den Text des Buches Isaias und bisher unbekannte hebraeische Originaltexte von Apokryphen. In jener Berghoehle befand sich offenbar eine sogenannte “Genisa” d. h. eine Art Beerdigunsplatz fuer heilige, durch langen Gebrauch unverwendbar gewordene Schriften, die zu verbrennen oder auf andere Art zu vernichten nach juedischer Vorschrift niciht erlaubt ist. Die Rollen waren in Stoff gewickelt, der mit einer, aus Teer und Wachs gemischten Substanz ueberzogen war, und das ganze stak in grossen Lehm-Gefaessen. Ein Teil der Rollen wurde vom Bischof des syrischen Klosters in Jerusalem und von einem andern Mitglied der syrischen Kollektivitaet erworben, waehrend ein anderer Teil von Professor Sukenik, dem Direktor des Museums Juedischer Altertuemer an der Hebraeischen Universitaet, gekauft wurde. Da auch die syrischen Besitzer der Pergament- Rollen sofort entschieden, sie Professor Sukenik zur Begutachtung vorzulegen, ist man im Archaeologischen Institut der Hebraeischen Universitaet mit der Entzifferung des gesamten Fundes beschaeftigt. Bis jetzt ist erst ein Teil bearbeitet worden. Eine der Rollen enthaelt das Buch des Propheten Isaias, mit kleinen Varianten, in bezug auf Phraseologie und Orthographie, des masoretischen Textes. Die Rollen, die sich in Besitz der Hebraeischen Universitaet befinden, enthalten neue Texte, die den Apokryphen vergleichbar sind. Die Apokryphen, deren Hauptteile in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten abgefasst worden sind, waren bisher nur in Uebersetzungen, hauptsaechlich in griechischen, bekannt; zum ersten Mal haben sich nun Texte dieser Art in der hebraeischen Original- Fassung gefunden. ■ ■ ( Einer dieser Texte hat apokalyptischen Charakter; ein anderer enthaelt Hymnen, die denen