Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- 7 (Julio de 1948)
- Date
- 1948-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOLETIN INFORMATIVO 7 * 1 DAS SCHICKSAL EINER GEMEINDE von MORITZ GOLDSCHMIDT (1. Vorsitzender der Synagogengemeinde Koeln) Nur wenige juedische Gemeinden Deutschlands hatten vor 1933 ein solch aktives juedisches Leben aufzuweisen wie Koeln. Stets war man sich der Tradition bewusst und der Pflichten als eine der aeltesten juedischen Gemeinden in jeder Hinsicht im kulturellen und Kultusbelangen fuehrend voran zu gehen. Koeln hatte auch das grosse Glueck, stets Fuehrer an der Spitze gehabt zu haben, die Garanten dafuer waren, die jeweils von ihren Vorgaengern eingeschlagenen Wege, das juedische Leben, auf breitester Grundlage lebendig zu gestalten, nicht nur einzuhalten, sondern weiter auszubauen. Auch die in Koeln wirkenden Rabbiner erinnern nur an Dr. Abraham Frank, Dr. Ludw. Rosenthal und den heute in New York lebenden Dr. Adolf Kober, deren Namen in der juedischen Wissenschaft einen guten Klang haben... Das demokratische Prinzip war auf vorbildliche Weise dadurch geloest, dass wirklich jeder Jude nach “seiner Facon” selig werden konnte. Es gab liberale und orthodoxe Kreise und sogar streng orthodoxe Richtungen, die sich um die Rabbiner Dr. Wolf und Carlebach scharten. Koeln besass ein ausgezeichnet gefuehrtes juedisches Lehrerseminar in der St. Apernstrasse und mancher junge Lehrer, welcher hier in juedischem Wissen und talmudischer Lehre unterrichtete, verbreitete den guten Ruf dieser Institution in aller Welt. Bei dieser Gelegenheit muss auf die segensreiche Taetigkeit des verstorbenen Dir. Guth hingewiesen werden. Koeln war auch sehr frueh eine Domaene des zionistischen Gedankens. Als man sich in vielen juedischen Gemeinden kaum mit der Ideologie des Zionismus befasste, stand hier bereits zionistisches Leben in hoechster Bluete. Als der unvergessliche Theodor Herzl leider allzu frueh die Augen schloss, gab es keinen wuerdigeren Nachfolger als den Koelner David Wolfsohn. Ihm zu Seite stand der ebenfalls in Koeln eine Rechtsanwaltspraxis ausuebende Dr. Max Bo. denheimer, der vor einigen Jahren in Erez Israel verstorben ist. Ich sehe ihn noch heute vor mir, diesen David Wolfsohn, eine Huehne von Gestalt, mit lang wallendem schwarzen Bart. Wo er auftrat, wirkte er nicht nur durch sein Rednertalent, welches in seiner Sachlichkeit zu ueberzeugen wusste, sondern auch allein schon, durch seine Erscheinung. Sehr frueh bildeten sich in Koeln zionistisch eingestellte Jugendverbaende. Die Fahne blau-weiss flatterte stets leuchtend voran. Koeln hatte bis 1933 17800 Juden. Es war eine wohlhabende Gemeinde und in charitativer Hinsicht wurde sehr viel geleistet. Vorbildlich gefuehrte Institutionen, Waisenhaus, Kinder— und Altersheime, eine eigene 16 Massige Volksschule; spaeter kam noch ein Gymnasium dazu, legten beredtes Zeugnis ab von dem pulsierenden juedischen Leben; — und was hat das Hitlerreich von dieser einst so bluehenden Gemeinde uebriggelassen? Nichts als ein Wrack. Heute leben hier zirka 600 juedische Menschen, groesstenteils seelisch und koerperlich zerruettet von der jahrelangen KZ-Haft oder durch die Verhaeltnisse, in welchen sie unter Zuruecklassung ihrer Habe und ihres Gutes in den Verstecken leben mussten. Bei jedem Einzelnen herrscht riesengrosse Enttaeuschung darueber, dass bis heute in der Wiedergutmachungsfrage so wenig geschehen ist und dass ueberhaupt von den Versprechungen, die waehrend der Verfolgungszeit gemacht worden sind, so wenig gehalten wird. Nur wenige Mitglieder haben eine Existenz, die ihnen, einen angemessenen Lebensunterhalt gewaehrleistet - Unablaessig kämpft der Vorstand mit den deutschen und Militaerstellen um die Beschaffung von Wohnraum und den notwendigsten Einrichtungsgegenstaenden. Trotz aller Schwierigkeiten macht sich ein gewisser Lebensoptimismus breit. Fuer die alten Menschen hat man ein Altersheim geschaffen, welches von Jakob Marx vorbildlich gefuehrt wird. Eine Notsynagoge besteht im ehemaligen Juedischen Krankenhaus. Man hat aber den Bau einer fuer Koeln wuerdigenen Synagoge in Angriff genommen und hofft, diese noch vor den Herbstfeiertagen eroeffnen zu koennen. Juedisches Leben gibt der Gemeinde ihr Gepraege, was dadurch zum Ausdruck kommt, dass sieh innerhalb der Gemeinschaft bereits wieder vier juedische Vereine gebildet haben, um die kulturellen und Kultusarbeiten weiter zu gewaehrleisten. Auch die juedische Jugend ist zusammengefasst und traegt den Namen “Maceabi” in Erinnerung des grossen Ansehens dessen sich gerade der Koelner Maceabi dank seiner grossen Erfolge vor der Nazizeit erfreut hat. Das Interesse fuer Erez-Israels ist natuerlich gross und ungeduldig erwartet man die erforderlichen Zertifikate, um endlich einmal ein wirklich freies Leben fuehren zu koennen. Durch die Schaffung eines Rabbinats fuer die britische Zone wird man wohl Gelegenheit erhalten, des oefteren Rabbiner, wenn auch vielsten wirken zu sehen. Die Jugend, die wie ueberleicht einstweilen als Gast in den Gottesdiensten wirken zu sehen. Die Jugend die wie ueberall, auch in Koeln dezimiert ist, erhaelt hebraeischen Untericht, auch die Lehren unserer biblischen Geschichte werden nicht vernachlaessigt. Die Teilnahme an diesen Faechern ist Zwang, weil eS fuer eine Pflicht angesehen wird, die Jugend mit den religioesen Pflichten vertraut zu machen. Auf dem juedischen Friedhof soll den Opfern des Naziterrors ein wuerdiges Ehrenmal errichtet werden. Ueberhaupt werden die notwendigen Aufgaben, unabhaengig davon, was die Zukunft auch bringen mag, mit der noetigen Initiative durchgefuehrt, wissen wir doch nicht, wie lange es noch dauert, bis sich die zahlreichen Auswanderungswuensche erfuellen lassen. Vielleicht wird die Theorie, dass die einst so bluehende Gemeinde Koeln nur in der Vergangenheit eine dominierende Stellung einzunehmen wusste, Luegen gestraft, dadurch, dass auch die Zukunft der Juedischen Gemeinde Koeln wieder einen ehrenvollen Platz einraeumt. Der heutige Vorstand ist bereit, nicht nur alles das zu tun, was zum Wohle der Koelner juedischen Gemeinschaft erforderlich ist, sondern mitzuarbeiten fuer die Belange und Interessen des gesamten Judentums. Es liegt keine Veranlassung vor, resignierend die Haende in den Schoss zu legen, denn unser Hauptau. genmerk muss darauf gerichtet sein, den kleinen Silberstreifen, der sich in Gestalt von Erez- Israel am Horizont zeigt, weiter auszubauen und dafuer zu kaempfen, dass die hunderttausende Menschen, die heute noch im Galuth leben, endlich die Tore geoeffnet bekommen, um in das Land einstroemen zu koennen, wo sie als Willkommene und Gleichberechtigte mit offenen Armen empfangen werden. Ein Kampf, der sich zu fuehren lohnt. Wir brauchen Ihre Meinung! EINE AUSSPRACHE MIT UNSEREN MITGLIEDERN. “Esrogim nach Suckaus!” Dieses Sprichwort ist dem geschaetzten Leser sicher sehr bekannt und seine Bedeutung wohl vertraut, aber vielleicht wundert er sich, warum eine so typische *'Buckausangelegenheit” gerade jetzt behandelt wird. Aber der aufmerksame Leser wird gleich merken, dass hier von Dingen gesprochen werden wird, wo er nicht nur mitreden kann, sondern auch mitreden wird! Man weiss schon seit alten Zeiten, dass das Gemeindeleben in zwei Teile zerfaellt; ein Teil, den ruhigen, zaehlt von Simchas-Tauroh bis Pessach, und der andere, der bewegte, von Pessach bis Simchas-Tauroh mit Schwuaus, Tische Beav und unseren hohen Feiertagen. Jetzt beginnt die Zeit, wo sich die Gemeinde auf die Jomim Noroim vorbereitet, und die Mitglieder der Kultuskommission behandeln mit achtunggebietendem Eifer die Probleme von links nach rechts und auch, da auch hebraeisch dabei ist, von rechts nach links, sowie von unten nach oben etc. Jedes Jahr, was uns Gott erleben laesst, beschert uns die gleichen Fragen, und jeder einzelne der Kommission ist sich darueber klar, dass es diesmal nicht so weitergeht und vieles radikal geaendert werden muesste. Zum Beispiel hat ein Mitglied der Kommission der Frau X. P. (bitte forschen Sie nicht nach dem Namen, es ist ein Pseudonym) versprechen muessen, dass er seine ganze Kraft und Wuerde daran setzen wird, um durchzusetzten, dass Rosch Haschonoh schneller Mussaf gebetet wird, damit ihr jontefdickes Mittagessen nicht wieder voellig verbruzzelt. Oder: im vorletzten Jahr ist die Windrichtung waehrend der Andacht beanstandet worden; der Chassen singt fuer seine Groesse viel zu leise; die Damen duerften keine Huete ueber 1 m Durchmesser tragen; die Chormitglieder muessten alle dasselbe singen; Herr Y. sei schon das zweite Mal aufgerufen worden; die Nachbarn muessten andaechtiger sein, — und dann erst die Stuehle! (Da sind wir ganz Ihrer Meinung und wollen versuchen eine bessere Loesung zu finden). Daraus geht schon hervor, dass das Dasein eines Kultuskommissionsmitgliedes kein Zuckerlecken ist; dazu kommt, dass diese Kommission als ganz selbstverstaendlieh jede Einzelheit genauestens vorzubereiten hat, um dann Vorwuerfe, — aber G. s. D. auch Vorsehiaege — verschiedenster Art zu hoeren. Solche Vorsehiaege kamen bisher immer wie die eingangs erwaehnten Esrogim nach Suckaus und konnten aus Zeit— und Mitarbeitermangei oft nicht gebuehrend berueeksichtigt werden. Darum moechte die Kultuskommission eine Neuerung einfuehren, und der gesehaetzte Leser, der so geduldig bis hierher den Betrachtungen folgte, wird gebeten, seine Aufmerksamkeit auf den zweiten Teil dieses Artikels zu lenken, damit wir einmal die Situation genz objektiv klarstellen, und die Wuensehe der Mitglieder der B’ne Jisroel und die Kommissionsarbeit zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen werden koennen. Wenn Sie ein Skeptiker sind, so werden Sie entgegnen, dass schon seit Zeiten von Moshe Rabenu keine Kille ganz einig war, Sind Sie aber Optimist, so werden Sie mit uns sagen: Warum soll man nicht versuchen?! Heisst es nicht: “Er wird uns rufen von den vier Enden der Welt!”? Steht nicht geschrieben: “Halte Dich nicht fern von Deiner Gemeinde”? — Bet uns in der B’ne Jisroel vereinigen sich die gleichen Eigenschaften wie ueberall. Es gibt Gleichgueltige, Enthusiasten, Pessimisten, Mitglieder, die gerne ihre eigenen Beitraege erhoehen, Immerbeleidigte, MitaUemzufriedene, etc. Das Ist eine gesunde Mischung, die einen Vergleich mit jeder Musterkille aushaelt. Man muss aber auch etwas Realist sein und einige vorhandene Tatsachen innerhalb der B’ne Jisroel beruecksichtigen, die wir hier zur Grundlage unserer Aussprache anfuehren muessen: a) Die Mitglieder des Direktoriums, der Repraesentanz, oder der Kommissionen, koennen nicht 24 Stunden taegjjgh fuer die B’ne Jisroel arbeiten; man muss >-};sien auch Gelegenheit geben, etwas fuer ihreir^- jjjerwerb zu tun. b) Die B’ne Jisroel besteht erst zehn Jahre, und es ist nicht Schuld der aktiven Mitarbeiter, wenn die Mitglieder, die dazu in der Lage sind, noch nicht ganz die Mittel aufbrachten, die zu einem Gemeindeleben notwendig sind, besonders wenn man europaeisejie Masstaebe ansetzt! c) Die notwendige Arbeit in der B’ne Jisroel wird nicht von sogenannten Kowefcjaegem getan, sondern von Damen und Herren, die aus Ueberzeugung dabei sind und fuer durchfuehrbare Ratschlaege sehr dankbar sind. Oft hoert man die Bemerkung: “Ich wuerde dies oder jenes ganz anders machen, aber es hat ja keinen Zweck, etwas zu sagen”. Wuerde man uns das aber sagen, so» koennten manche Dinge zur Zufriedenheit vieler geaendert werden. Aus diesem Grunde ladet die Kultus-Kommission alle Gemeinde-Mitglieder ein, Vorsehiaege oder Kritiken ihr bekanntzugeben. Wir zitieren hier nur einige Fragen, mit denen wir uns schon oft befasst haben und glauben, einen Teil derselben durch eine spezielle Aussprache mit den Mitgliedern zu loesen, wie au B. die Preise der Synagogenplaetze, die bequemere Sitzmoeglichkeit, Spenden (Schnödem) bei der Torahvorlesumg, einheitliche Gebetbueeher, etc. Wir wissen, dass es viele Mitglieder gibt, die uns dazu etwas zu sagen haben, und oft weisen unscheinbare Anregungen auf die Loesung' des Problems. f Bekanntmachang | dies» j Repraesentanltn - KaltegliMs Ute naeelwte Sttzuag d» RErRAESENTANWN' kqmrgutms DIENSTAG, MEN 1«. AVGl'ST, 19» H« mit folgend« 1) rroto&a®, 2) des Eta^teatwi«». a> Rejw«s»t&tix«>.. 5) EeiteM u« Yonaehtedeaei, Me Sitwwig ist oeifeutiieb. GERMAN LEHMANN i I