Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- Edicion Especial (Junio de 1948)
- Date
- 1948-06-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 43 ÁUS DEM GEMEINDE LEBEN DR. MED. HIOB PRAETORIUS Wenn Sie, freundlicher Leser, diese Zeilen zu Gesicht bekommen, dann hat das grosse und mit Spannung erwartete Ereignis der Festauffuehrung des “Hiob Praetorius” bereits stattgefunden. Leider machte es der unverrueckbare Termin des Redaktionsschlusses unseres Mitteilungsblattes unmoeglich, noch eine Rezension zur Veroeffentlichung zu bringen, denn lange bevor der Vorhang zum ersten Bild des Stuecks in die Hoehe ging, musste die Drucklegung dieser Monatsschrift beendet sein. Da wir aber unsere Leser nicht allzusehr enttaeuschen wollen, die ja alle eine Besprechung der Auffuehrung erwarten, haben wir unseren Kritiker zu einer der letzten Proben entsandt, der uns seinen Bericht auf Grund der dort gewonnenen Eindruecke verfasste. Hiob Praetorius war seinerzeit in Deutschland einer der groessten Buehnenerfolge fuer Kurt Goetz, sowohl als Dichter als auch als Schauspieler. Er verkoerperte die beiden Rollen des Dr. Praetorius und des Sherlock Holmes, die er sich auf den Leib schrieb, und die ihm Gelegenheit gaben, sein ganzes, grosses schauspielerisches Koennen unter Beweis zu stellen. Sechs Bilder hindurch kommen Hiob Praetorius bezw. Sherlock Holmes nicht von der Bueht ne; sechs Bilder hindurch sagen diese beiden Figuren die gescheitesten und witzigsten Dinge. Dr. med. Hiob Praetorius ist kein Stueck in dem “viel geschieht”, es ruft nicht durch drastische Witze droehnende Lachsalven hervor, es bewirkt aber beim Publikum, vom ersten bis zum letzten Wort, ein staendiges, amuesiertes Lae- ■ cheln, das ein Spiegelbild jener inneren Heiterkeit ist, die diesem Lustspiel zu eigen ist. Als wir zum ersten Mal davon hoerten, dass die Liga de Damas gerade dieses Stueek fuer eine Dilettanten-Auffuehrung bestimmt habe, waren wir recht skeptisch, denn wir wussten, dass dieses Lustspiel, das so garkein “Reisser” ist, an die Schauspieler ganz ungewoehnliche Anforderungen stellt. Wir blieben skeptisch, — bis wir uns bei der Probe, der wir beiwohnen durften, davon ueberzeugen konnten, dass der grosse Wurf gelungen ist. Ohne die gewiss ganz ausgezeichneten Leistungen der Mitwirkenden Irgendwie in Frage stellen zu wollen, muessen wir hier unserer Ansicht Ausdruck verleihen, dass das Gelingen der Auffuehrung in erster Linie wohl Einem zu verdanken ist, dem Regisseur Luis Spiegel. Es ist unbeschreiblich, mit ‘ wieviel Verstaendnis, Einfuehlung und vor allem Koennen er bei den Mitwirkenden die latenten, verborgenen, schauspielerischen Faehigkeiten herausholt, mit wieviel Geduld er jedem der Dilettanten-Schauspieler immer wieder den Inhalt, das Wpsen, seiner Rolle nahebringt und mit wieviel Liebe Luis Spiegel bei der Sache ist. Die Leistung des Regisseurs Luis Spiegel steht hoch ueber jedem Dilettantismus, — hier leistet ein wirklicher Kuenstler ernste kuenstlerlsche Arbeit. Zum Unterschied von der seinerzeitigen deutschen Urauffuehrung wird in unserer hiesigen Reprise die Rolle des Hiob Praetorius und des Sherlock Holmes nicht vom gleichen Schauspieler gegeben. Das Stueck an sich verlangt dies durchaus nicht und Kurt Goetz hatte diese Kombination seinerzeit nur fuer sich selbst geschaffen, um eben in zwei Bombenrollen staen- I dig auf der Buehne zu sein. In unserer hiesigen Auffuehrung gibt Dr. Walter Tobias den Hiob Praetorius und Herbert Jaschek den Sherlock Holmes. Dr. Tobias ist ein charmanter, geistreicher Praetorius, der seine ausserordentlich schwere Rolle virtuos beherrscht. Er ist humorvoll und konisch, guetig und menschlich, und findet warme Toene, die zum Herzen gehen. Er macht uns den Charakter des Hiob Praetorius verstaendlich und bewirkt, dass wir ihn lieben. Herbert Jaschek als Sherlock Holmes ist schlechthin unübertrefflich. Sein Aeusseres ^Pd seine Sprechweise praedestinieren ihn zu dieser Rolle, er ist koestlich, wenn er seinen Ge- Kpspieler, Dr. Watson, verulkt, und er versteht ■ res glaenzend den Sherlock Holmes zu einer der sfektvolisten Figuren des Stuecks zu machen. Den duesteren Shunderson, der schon dreimal; gestorben ist, gibt Leo Schanz. Diese ganz be- , sonders schwere Rolle verlangt groesstes Koenden und wir freuen uns berichten zu duerfen,; oass Leo Schanz diese makabre Partie in vollenceter Weise auf die Buehne bringt. Die weibliche Hauptrolle der Violetta gibt Frau! wily Cytrin. Als saechsische Spanierin aus Halle an der Saale ist sie ebenso charmant wie temperamentvoll und sie bringt nicht nur Hiob Praetorius und Professor Nack, sondern auch die Zuschauer zu herzlichstem Lachen. Dr. Egon Stark gibt die schwierige Rolle des Dr. Watson. Als Folie fuer Sherlock Holmes muss er einen Spruehregen von Sarkasmen ueber sich ergehen lassen und hat die schwere Aufgabe einen richtigen Schlemihl därzustellen, der aber immerhin ein bekannter Arzt und Schriftsteller ist. Dr. Stark meistert dies in hervorragender Weise und das Publikum hat bei der Auffuehrung sicherlich viel ueber ihn gelacht. Die Rolle des Professor Nack wird von Sigmund Geminder dargestellt, der schon bei mancher Dilettanten-Auffuehrung mitwirkte und dessen Buehnen-Routine unverkennbar ist. Er ist ausserordentlich wirkungsvoll als Praetorius’ Freund, und wir freuen uns immer, ihn auf der Buehne zu sehen. Ein ganz besonderes Vergnuegen war es uns, die kleine Myriam Langer als “Jacky” bewundern zu koennen. Dieses Geschoepfchen von neun oder zehn Jahren ist einfach bezaubernd, kein anderes Wort ist am Platz. Sie bewegt sich auf der Buehne mit staunenswerter Ungezwungenheit und wir sind ueberzeugt, dass sie bei der Auffuehrung verdienten Separaterfolg haben wird. Von den vielen kleineren Rollen wollen wir noch die folgenden hervorheben: Herrn Robert Kaufmann als Dr. Dagobert, der diese dankbare Rolle mit sehr viel drastischer Komik spielt, Herrn Dr. Hans Reich als wuerdigen Praesidenten des Ehrenrates, Frau Rosi Rubens als charmantes “suesses Maedel”, Frau Lisi Pincus, ausgezeichnet in der komischen Rolle der Gross- 10 JAHRE “LIGA DE DAMAS” Das Jahr 1938 brachte Chile eine starke juedische Immigration, und da die meisten dieser Menschen ihr Hab und Gut in Deutschland lassen mussten, war es noetig, ihnen bei ihren ersten Schritten im neuen Lande Hilfe zu leisten. Im “Hilfsverein”, dem spaeteren “Cisroco” hatte sich bereits eine Organisation gebildet, die diesen Zwecken diente, aber darueber hinaus erwies sich eine Hilfsarbeit als notwendig, die nur von Frauen geleistet werden konnte. So fand sich, dank der Initiative von Frau Anni Hochschild, eine Gruppe von Frauen zusammen, ■ die getreu ihrer Tradition, sich zu einem Frauenverein zusammenschlossen. Die aus Deutschland stammenden Frauen hatten in dem dortigen “Jued. Frauenbund” ein glaenzendes Vorbild an juedisch-sozialer Arbeit und gingen nun hier daran, Ersatz fuer das verloren gegangene zu schaffen. In kleinem Rahmen wurde anfangs eine rein beratende und Arbeit vermittelnde Taetigkeit ausgeuebt, die sich im Laufe von 10 Jahren zu einem weiten Taetigkeitsfeld entwickelte. Heute steht im Mittelpunkt der Arbeit das Kinderheim, das im Laufe der Jahre schon einer grossen Anzahl von Kindern Heim und Erziehung geboten hat. Es beherrbergt jetzt mehr als 30 Kinder aus allen juedischen Kreisen Santiagos. Seine Existenzberechtigung ist heute, wo eine neue verstaerkte Einwanderung eingesetzt hat, wieder besonders gross. Es. ist daher zu verstehen, dass das Kinderheim mit seinen finanziellen, verwaltungstechnischen und erzieherischen Problemen die Hauptarbeit des amtierenden Vorstandes bildet. Mit Hilfe von Damen ausserhalb des Vorstandes werden die uebrigen Arbeitsgebiete der “Liga”: die Kleiderkammer und die Krankenfuersorge bewaeltigt. Bis vor kurzer Zeit konnte die “Liga” auch fuer die notleidenden Juden in Europa durch eine reichhaltige Kleiderverschikkung sorgen. In diesem Sommer konnte nach mehrjaehriger Unterbrechung wieder eine Kinder-Ferienkolonie eingerichtet werden, in der mehr als 50 Kinder Erholung fanden. Sicherlich steht die “Liga”, heut nach 10 Jahren, erst am Anfang ihrer Entwicklung und hat noch grosse Arbeit und Pflichten vor sich. Der amtierende Vorstand gibt sich Muehe zur Loesung hiesiger sozialer Probleme beizutragen. Er hofft dabei auf Verstaendnis und Wohlwollen von seiten unserer ganzen Gemeinschaft, weil nur so das schoene soziale Werk, das im Laufe von 10 Jahren aufgebaut wurde, erfolgreich weiter gefuehrt werden kann. mutter, Herrn Guenther Mosse als grotesken Professor Spitter, Frau Edith Oppenheimer als sympathische Krankenschwester, Frau Steffi Stark als biedere Mrs. Smith, Herrn Werner Rubens als ambitionierten Assistenzarzt, die Herren Herzfeld und Zemlk als Mitglieder des Ehrengerichtes, und die vielen jungen Damen und Herren die als Hoerer und Hoererinnen des Anatomie-Kollegs Leben und Bewegung auf die Buehne bringen. Wenn wir annehmen, dass die Auffuehrung das hielt, was die Probe versprach, dann hat sich ein ganz grosser Erfolg eingestellt. Regisseur und Schauspieler geben ihr 'Bestes und auch die vielen anonymen Mitwirkenden, die nicht fettgedruckt am Theaterzettel stehen, tragen das ihre zum Gelingen bei. Frau Ilse Rosenberg hat sich der garnicht leichten Aufgabe der Souffleuse unterzogen, die Kulissen und Buehnenbilder des Herrn Heinz Britzmann die wir schon im Rohzustand bewundern konnten, sind gewiss sehr effektvoll geworden und Herr August Rothschild als Requisitenmeister hat sicherlich dafuer gesorgt, dass die vielen Details, die zu einer gelungenen Auffuehrung gehoeren, auch richtig klappen. Doch wenn wir hier den anonymen Mitwirkenden einige Zeilen widmen und sie an die i Oeffentlichkeit bringen, so wollen wir den “Anonymus N.o 1” nicht vergessen, dem es, einzig und allein, zu verdanken war. dass diese Auffuehrung des Hiob Praetorius zustande kam: Frau Trude Spies. Nur wer Gelegenheit hatte in das Getriebe der Auffuehrung hineinzusehen, kann ermessen, was und wieviel Frau Spies geleistet hat. Keine Arbeit war ihr zu gering, keine Muehe war ihr zu viel. Immer war sie mit Rat und Tat zur Stelle. Sie schwebte als guter Geist ueber allen Vorbereitungen und Proben und das Zustandekommen der Auffuehrung ist ihr ureigenstes Werk. 5 JAHRE “FORUM” Es sind fast fuenf Jahre her — also gerade die Haelfte der Zeit des Bestehens der “B’né Jisroel”—, dass in Santiago das Forum de la Juventud Israelita gegruendet wurde. Aus sehr bescheidenen Anfaengen heraus, wurde es im Laufe der Jahre zur groessten juedischen deutschsprachigen Jugendgruppe. Anfaenglich war das Ziel nur geistige Auseinandersetzungen und “geselliges Beisammensein”; allein die heutige Epoche verlangt von dem juedischen Menschen kein Zuschauen sondern Mittuen, und dieser Geist der Aktivitaet und des Kampfes drang auch in das Forum ein. Dies machte sich insbesonders durch das stets wachsende Interesse fuer zionistische Probleme bemerkbar, so dass heute in fast allen Referaten die Palaestlna- Frage im Mittelpunkt steht. Dazu trugen viel die Vortraege von Chawer Ben Kopfstein und Gad Heymann bei, die vor Kurzem aus Erez * Israel hier ankamen, und uns ausfuehrliche Berichte ueber die dortige Situation geben konnten. Es kan dabei natuerlich nicht verbleiben; falls wahres Interesse und Arbeitsfreudigkeit besteht, muss sie positiv zum Ausdruck kommen. So arbeiten heute viele Chawerim des Forums fuer den KKL, den KH, und insbesonders fuer die augenblickliche Acción de Emergencia, zu deren Gunsten das Forum dank einer internen Sammlung, einen grossen Beitrag leisten konnte. Auch im Erzieherischen hat sich das Forum weiter ausgebreitet und zaehlen wir im Augenblick mit 4 Juengerengruppen, 2 Gruppen fuer 12-15 Jaehrige und 2 fuer 16-18 Jaehrige. Die Gesamtleitung des Forums liegt nach wie vor in den bewaehrten Haenden von Herrn Rab- 1 biner Loewenstein. Es ist dies nur ein kurzer und unvollstaendiger Ueberblichk ueber unsere Arbeit. An dem Festtag des 10 jaehrigen Bestehens der Gemeinde bleibt uns zu hoffen, dass die gute Zusammenarbeit zwischen dieser und ihrer Jugendorganisation sich auch weiterhin noch viele Jahre so positiv wie heute gestalten moege. Zur gleichen Zeit rufen wir alle Jugendliche in jedem Alter auf, sich unseren Reihen anzuschliessen und zu versuchen, innerhalb ihrer Moeglichkelten, fuer die Zukunft und den Sieg des t juedischen Volkes mitzuarbeiten.