Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- X (1948)
- Issue
- Edicion Especial (Junio de 1948)
- Date
- 1948-06-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 89 ARTURO DANZIGER EINST UND JETZT In jeder Geschichte eines Volkes gibt es Jahreszahlen, die auch bei dem oberflaechlichen Betrachter sofort die Erinnerung an einen markanten Vorgang seiner Nation erwecken. So wird jedem Juden bei der Erwaehnung der Jahreszahl 70 die Zerstoerung des Tempels in Jerusalem ins Gedaechtnis gerufen. Und bei der Nennung des Jahres 1492 wird er sich an die Vertreibung der Juden aus Spanien erinnern. Neben diesen “markanten” Geschichtsvorgaengen gibt es aber viele Ereignisse der Geschichte, von denen das Wort “kleine Ursachen— grosse Wirkungen” gilt. Der Hinweis auf das Jahr 1894 wird im Gedaechtnis des Durchschnittsjuden durchaus keine Reaktion hervorrufen. Und doch gilt fuer einen Vorgang in diesem, Jahre das Wort von den kleinen Ursachen, die eine grosse Wirkung hervorgerufen haben. In diesem Jahre stand vor dem franzoesischen Militaergericht der Artilleriehauptmann Dreyfus, angeklagt des Landesverrats. Nach langen Verhandlungen faellte das Gericht das Urteil; es lautete: Verbannung nach den Teufelsinseln. Durch die aufopfernden Bemuehungen, den gigantischen Kampf eines Zola, eines Clemenceau, wurde schliesslich die Unschuld des Juden Dreyfus bewiesen. Dar Urteil wurde spaeterhin aufgehoben. Zwischen der Urteilsfaellung und der Urteilsaufhebung lagen Jahre-und inzwischen? Inzwischen waren die Juden in Frankreich ihres Lebens nicht sicher, taetliche Angriff gehoerten nicht zu den Seltenheiten. Man kann sagen, dass die Affaire Dreyfus die Judenheit der ganzen Welt erschuetterte. Zwei Reaktionen, die dieser Vorfall hervorrief, sollen hier festgehalten werden. Erstens: In Deutschland verstaerkte der Im Jahre 1893 gegruendete “Centralverein Deutscher Staatsbuerger Juedischen Glaubens” seine Taetigkeit; der C. V., der fuer das Recht der Juden als Staatsbuerger kaempfte, die vaterlaendische Gesinnung der Juden betonte und systematisch begann, Waffen gegen die Argumente der Antisemiten zu schmieden. Der C. V. wurde geradezu zu einer Gesamtvereinigung der deutschen Judenheit. Er repraesentierte in der Tat ihre Einstellung, ihre Haltung am besten. Er vertrat sie nach aussen. Er vertrat ihre Ideale: die Ideale des deutschen Buergers juedischer Konfession, der um seine Gleichberechtigung kaempft. Dass die Notwendigkeit zu diesem Kampfe trotz der vermeintlichen Gleichberechtigung bestand, beweist das Auftreten von Maennern wie Glagau, Marr, Wagner, Stoecker, Ahlwardt bis zu Dinter, Kunze und Hitler, Verkoerperer der “Schmach des Jahrhunderts”, des Antisemitismus. Der Kriegstribut, den das juedische Volk in diesem Kampfe erbrachte, betraegt 6 Millionen Menschenleben und wofuer? Heute wissen wir, dass die Zielsetzung des Centralvereins Deutscher Staatsbuerger Juedischen Glaubens irrig war und der beschrittene Weg keinen Erfolg haben konnte. Zweitens: Eine voellig anders geartete Reaktion erweckte die Affaire Dreyfus bei dem franzoesischen Berichterstatter der “Neuen Freien Presse”, Theodor Herzl. Er schrieb zu dieser Zeit seinen “Judenstaat” und kann als Schoepfer des politischen Zionismus angesprochen werden. Wenn hinter der Idee des C. V. die Gesamtheit der deutschen Juden stand, so musste Theodor Herzl feststellen, dass seine kuehne Idee nur | ein geringes Echo bei den Westjuden fand. Vor allem waren es die kapitalstarken Juden, die sich der Idee, die im “Judenstaat” zum Ausdruck kam, widersetzten. Theodor Herzl wollte durch die Verwirklichung seiner Idee freie, stolze Juden schaffen. Die kapitalkraeftigen Kreise des juedischen Volkes hatten fuer diese klare Idee nichts uebrig; sie waren allenfalls bereit, den Kolonisationsgedanken aufzugreifen und Mittel hierfuer zur Verfuegung zu stellen. Wenn man heute die Tagebuecher von Theodor Herzl durchblaettert, so wird man mit Nordau uebereinstimmen, der auf dem 8. Zionistenkon- Der Einzelne und die Gemeinde Von LEO B.4ECK Wie alle Religiositaet ist die des Judentums Religiositaet des Individuums; ihm wird gegeben und von ihm gefordert. Aber jedes Individuum wird durch seine Religion mit einer Gesamtheit verbunden, mit der Gemeinde derer, welche die gleiche Religion wie er ihr eigen nennen. Zu dem Verlangen, welches das Individuum erfuellt, dass die Religion ihm ein Besitztum sei, tritt so das weitere hinzu, dass sie das Besitztum der Gemeinde von Geschlecht zu Geschlecht bleibe. In aller Religion, wenn sie nicht die des Einsiedlers nur sein will, macht sich dies Beduerfnis der Gesamtheit geltend. Was geeignet ist, sie zu erhalten, wird ein Teil der Sorge und der Forderung und dann der festen Tradition. Zu der Religiositaet des Individuums kommt so, wenn dieses Wort gebraucht werden darf, die Religion der Gemeinde. Sie wird um so lebendiger und sinnvoller, da ja der Einzelne von der Gesamtheit Einwirkungen und Buergschaften erfaehrt. In ihr weiss er sich seiner Religion vergewissert, sie gibt ihm das Bewusstsein, dass er nicht allein steht, nicht raeumlich noch zeitlich, in ihr erlebt er immer wieder die Gemeinsamkeit des Glaubens, des Gebotes und der Zuversicht. Um so mehr spricht alles dieses, wenn dem Dasein seiner Gemeinde fuer den Glaeubigen die weltgeschichtliche, die messianische Bedeutung zukommt und sie so ihm, dem Einzelnen, eine geschichtliche Stellung zu gewaehren scheint. Ihr Leben und ihre Lebensform wird zur Aufgabe aller, die ihr zugehoeren wollen. Wie der Einzelne, so soll sie ihre Heiligung erfahren und ihre Zukunft besitzen. Zu den Geboten, welche die Religion, im eigentlichen Sinne, dem Einzelnen gibt, fuegen sich so die Pflichten, die das Dasein der Gemeinde ihm stellt. Es ist die Eigenart des Judentums, dass es die bestimmte Tat vom Menschen fodert. Weil es der Sakramente und der Dogmen entbehrt, bildet es ja auch nicht eine Kirche, in der das Heil vermittelt wird und der Einzelne den Glauben der Kirche glaubt; es hat nur die Gemeinde, in der der Einzelne als Traeger des Glaubens und der Pflicht voransteht. gress in Basel im Jahre 1905 die Gedenkrede auf Theodor Herzl hielt, und dabei sagte: “Unser Volk hat einen Herzl gehabt, aber unser Herzl hat kein Volk gehabt. Das verkleinert nicht ihn, nur uns”. Wie gering das Verstaendnis fuer den politischen Zionismus bei den damaligen Gemeindefuehrern war, ergibt sich aus einigen Saetzen der Kongressrede, die Herzl auf dem 2. Kongress im Jahre 1898 hielt. Wir zitieren: “...Indessen kann eine Idee wie die unsrige nicht auf das Verstaendnis der bisherigen Kultusvorsteher und die Nuetzlichkeitserwaegungen ihrer Seelsorger angewiesen bleiben. Fast ueberall sind die breiten Schichten fuer uns. Diese bilden und halten die Gemeinden. Folglich muss auch in ihrem Sinne gehandelt werden... Es kann nicht laenger so bleiben, dass in juedischen Kultusgemeinden gegen Zion agitiert wird. Es ist ein widersinniger, unmoeglicher Zustand. Wir muessen ihm ein Ende bereiten”. Diese Herzl-Worte lassen einen Rueckschluss auf die Einstellung der damaligen Gemeindegewaltigen gegenueber dem politischen Zionismus zu. Es ist nicht uninteressant, sich ueber die Einstellung, die die Kultusgemeinden bis zum Jahre 1933 dem Zionismus gegenueber besassen, kurz zu unterrichten. Es soll nicht besonders auf die Geschmacklosigkeit hingewiesen werden, die progressive Kreise durch die Abaenderung unseres Gebetbuches begangen haben. Sie hielten es fuer notwendig, alle Hinweise auf Zion und Jerusalem auszumerzen. Die Worte: “O’ moegen unsere Augen es doch schauen, wie du in Erbarmen nach Zion zurueckkehrst” sollten im Gottesdienst nicht gehoert werden und das scheint unter Beruecksichtigung der weltanschaulichen Einstellung dieser Kreise verstaendlich, die ernsthafte Debatten darueber fuehrten, ob sie deutsche Juden oder juedische Deutsche seien. I Im Jahre 1905 musste der unvergessliche Emil Bernhard Cohn seine Stellung als Gemeinderabbiner in Berlin aufgeben, weil er es wagte, von der Kanzel und auch im Privatleben sich fuer den Zionismus auszusprechen. Bei den liberalen Weltkonferenzen von 1926 und 1928 durfte Max Wiener, wie aus einer Abhandlung von Kurt Wilk entnommen werden kann, das Palaestina-Problem nicht beruehren, sondern er musste von einem Lande unweit Aegyptens, das wir alle lieben, sprechen. Ist die Einstellung der liberalen Juden,. die ihr Judentum nur in loser Beachtung einiger religioeser Zeremonien erschoepften, noch verstaendlich, so war die Einstellung konservativer Kreise, die sich gegen den Zionismus aussprachen, voelligabsurd. Von diesen Kreisen gilt das Herzl-Wort: “Es wird immer zu den grossen Merkwuerdigkeiten gehoeren, dass die Herren gleichzeitig fuer Zion beten und gegen Zion auftreten”. Wir halten daher fest, dass die Dreyfus-Affaire zwei Reaktionen hervorgerufen hat: Die verstaerkte Taetigkeit des Centralvereins Deutscher Staatsbuerger Juedischen Glaubens, hinter dem die grosse Masse der Juden in Deutschland stand. Diese Idee des C. V., weil sie auf falschen Voraussetzungen basierte, erlitt einen voelligen Zusammenbruch, dessen Zeugen und Opfer auch wir waren. Wir halten ferner fest, dass Theodor Herzl in west juedischen Kreisen fuer seine Idee nur ein geringes Echo erwecken konnte, und dass die grosse Masse der Juden den historischen Augenblick, der mit der Veroeffentlichung des “Judenstaates” registriert werden konnte, nicht verstand. Am Schluss soll die Beziehung unserer Gemeinde, einer Inmigrationsgemeinde, zum Zionismus kurz gestreift werden. Es ist selbstverstaendlich, dass unsere Gemeinschaft nach den Vorfaellen in Europa und nach dem Zusammenbruch der gesamten Assimilationspolitik von vornherein sich dem Zionismus gegenueber nicht ablehnend verhielt. Trotzdem bleibt festzustellen, dass auch in unserer Gemeinde einige Phasen der Entwicklung in Bezug auf die zionistische Bewegung feststellbar sind. Diesseitigen Erachtens ist das auf eine unbewusste Aenderung unserer Gemeindestruktur zurueckzufuehren. Waehrend wir waehrend der ersten Jahre unseres Bestehens mehr oder minder eine blosse Religionsgemeinschaft waren, entwickelten wir uns im Laufe unseres Bestehens und unter Beruecksichtigung der politischen Wandlung des juedischen Volkes zu einer Volksgemeinde, und es kann gesagt werden, dass diese Volksgemeinde die eingeengten Ziele, die eine blosse Religionsgemeinde hat* aufsog. In praktischer Beziehung trat das dadurch in Erscheinung, dass die “B’né Jisröel” waehrend der letzten Jahre die Plattform fuer die Verwirklichung des nationalen Gedankens innerhalb des juedischen Volkes soweit es in Chile im deutschsprachigen Sektor organisiert war, bildete: Die Campa¬ ñas fuer Keren Kayemeth und Keren Hayessod wurden ausschliesslich von ihr eingeleitet und durchgefuehrt, und dass die “B’né Jisroel” die Durchfuehrung dieser Aufgaben nicht nur verwaltungsmaessig, sondern mit lebendiger Anteilnahme vornahm, beweist das Ergebnis der Campaña de Emergencia, auf das die Gemeindeverwaltung mit Recht, ebenso wie alle Mitglieder unserer Gemeinschaft, stolz sein koennen. Die Gemeinde wird kuenftighin dafuer Sorge zu tragen haben, dass ihre Mitglieder sich als Glieder des juedischen Staates fuehlen, gleichviel welche rechtliche Stellung das Galuth-Judentum erhalten wird. Weiterhin wird fuer die Erziehung der Jugend Im Geiste Israels gesorgt werden muessen und ebenso fuer die Heranbildung von Chaluzim. Es wird die vornehmste Pflicht der Gemeinde sein, bei jedem Mitglied das Bewusstsein und die Gewissheit hervorzurufen, die aus den Worten von Nordau sprechen: “Das Judentum wird zionistisch oder nicht sein". Hollaender & Katz Ltda. CONFECCIONES PARA CABALLEROS AV. RICARDO CUMMING 795 — TEL. 66824 HERMAN SLOBOTZKI kauft u. verkauft: Antiquitaeten, Bilder, Teppiche, Schmuck, Cristal, Porzelan u. Waesche NEUE ADRESSE: CATEDRAL 2983 Fono 91369 FERRELUZ FABRICA DE LAMPARAS Y ARTICULOS I»E FIERRO FORJADO FRANCISCO BERGER Huérfanos 1261 — Tel. 65071