Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 28 (29.9.1838)
- Date
- 1838-09-29
- Page
- Seite 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. Jahrgang. Ro. S8 Literarisches homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 29. September 1838. München. Ein Werk für Synagogengesang betreffend. In den ersten Blättern dieses Jahrganges, und zwar in No. 4. des literarisch-homiletischen Beiblattes dieser vielgelesenen Zeitung befindet sich von einem hiesigen geschätzten Berichterstatter die Anzeige über die von mir zu beabsichtigende Herausgabe eines Werkes für Synagogengesang. Da nun diese Arbeit so weit gediehen ist, daß das Vorhaben ausgeführt werden kann, so erlaube ich mir Ihnen anliegend einige Piecen als Probe zur Mittheilung zuzusenden, wozu ich Nachfolgendes zu bemerken habe. Als im Jahre 1832 in der hiesigen Synagoge der Chorgesang, ausgeführt von einem theils aus Knaben und theils aus Männern zusammengesetzten, vierstimmigen Chorpersonale, eingeführt wurde, erhielt dieses sogleich die doppelte Bestimmung, einerseits die Gemeinde, jedoch so lange nur, als sie hierzu einer Anleitung bedurfte, bei den ebenfalls harmonisch bearbeiteten Responfionen zu vertreten; andererseits aber und hauptsächlich durch den Vortrag paffender und hierzu eigens angefertigter Gefangftücke die Feier der sabbatlichen und feiertägigen Gottesdienste zu erhöhen. Eine Einrichtung, die gleich anfangs, obschon nicht ohne allen Widerspruch, freudig ausgenommen wurde, und das sich seitdem immer mehr als eine Zierde des hiesigen Gottesdienstes beweiset. Das dieses Institut leitende Comittö hielt gleich anfangs den Grundsatz fest, alles, was die Synagoge an Melodien sowol, als auch an recitirendem Vortrage (riidm) eigenthümliches und aus frühem Zeiten stammend, besitzt, beizubehalten, dasselbe jedoch von dem durch die Länge der Zeit, so wie durch den verdorbenen Geschmack unkundiger Sänger entstandenen Ueberladungen zu reinigen. Diesem Umstande besonders ist die gute Wirkung zuzuschreiben, dem der hiesige Synagogengesang selbst auf diejenigen ausübt, die gewöhnlich Neuerungen abhold sind. Diese Einrichtung beschränkt sich aber nicht mehr auf die hiesige Synagoge allein. Schon wurden von vielen andern Gemeinden, sowol des Inals des Auslandes Abschriften von unfern Partituren zu gleichem Zwecke verlangt, die ihnen auch zu billigen Preisen überlassen worden. Um aber diese Einrichtung allgemeiner und selbst den wenig bemittelten Gemeinden zugänglich zu machen, ist es die Absicht des Unterzeichneten die Herausgabe eines Werkes zu veranstalten, welches . I) eine Auswahl von leichten und schönen Gesangstücken enthalten soll, wie solche bei den verschiedenen Gelegenheiten, und an den verschiedenen Festtagen im Jahre gesungtn werden; und II) den recitirenden Vortrag des Cantors (nidm), oder die Art und Weise, wie derselbe an den verschiedenen Feiertagen dieselben Gebetstücke verschieden vorträgt, nebst den damit in Verbindung stehenden Chorresponsi'onen, welche ebenfalls vierstimmig gesetzt, und ganz diesem Vortrage angepaßt sind. Was nun den ersten Theil betrifft, so enthält das beiliegende Probeblatt drei Piecen für drei verschiedene Gelegenheiten im Jahre. Es mag wol, was den Text betrifft, befremdend erscheinen, daß derselbe in der Urschrift gegeben wird, wodurch der Herausgeber genöthigt ist, denselben silbenweise zu versetzen, was das Lesen erschwert. Allein abgesehen davon, daß der Gebrauch des Textes in der Urschrift bei einem Werke, das für die Synagoge bestimmt ist, sich schon an und für sich rechtfertigt, würde die Wahl einer andern Schriftart weit größere Nachtheile gewähren, denn man müßte dabei eine bestimmte Leseart wählen, und auch dabei würden sich zur verständlichen Bezeichnung des Textes große Schwierigkeiten ergeben. Es hätten denn, was der Herausgeber auch wirklich anfangs gesoynen war, die Noten nach dem Texte gerichtet, und auch sie von der Rechten zur Linken gelesen werden müssen. Ein Versuch, der hier sehr anwendbar wäre, wovon aber aus dem Grunde wieder abgegangen wurde, weil doch das Werk zunächst für ein Publikum bestimmt ist, das mit der Kenntniß der Musik nicht sehr vertraut, sich leichter mit einer Textesals mit einer Notenversetzung befreunden kann. Zudem steht es ja einem jeden frei beim Herausschreiben der Stimmen den Text in einer beliebigen Schriftart zu unterlegen. Anders verhält es sich mit dem zweiten Theile, dem recitirenden Vortrage. Hier hat der Herausgeber der Notenversetzung den Vorzug gegeben, weil diese dabei weit weniger variren, als beim figurirten Gesänge, und mit diesem Theile seiner Arbeit, der freilich der schwierigere ist, hofft er der Synagoge einen wesentlichen Dienst zu leisten, indem eine in dieser Beziehung zu erzielende Gleichförmigkeit und gemeinsame Norm von größtem Nutzen, und besonders für die jetzige Zeit, in der auch auf diesem Gebiete abweichende und der Synagoge fremde Gesangweisen eingeführt werden, sehr wünschenswerth. Eine Probe von diesem Theile konnte aber aus diesem Grunde in der Beilage nicht gegeben werden, weil zum richtigen Verständniß derselben hier, die, in der dem Werke vorangehende Einleitung enthaltene Anleitung erfordert würde, wozu es hier an Raum gebricht. Eine weitere Anzeige wird das Nähere über die demnächst erfolgende Herausgabe enthalten. München im August 1838. Maier Kohn, Lehrer.