Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 27 (22.9.1838)
- Date
- 1838-09-22
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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107 lich genug zu verstehen, daß ihn sein Versuch, die Hexameter des Joscphus aufzusinden, keinesweges ganz befriedige. Was diese Männer alle fühlten, kann auch jetzt kaum dem Ohre desjenigen entgehen, der laut eine Reihe jener Verse liefet. Haben wir also Grund hier einen Rhythmus zu suchen, so dürfen wir auch die Hoffnung ihn zu finden nicht aufgeben. In jedem Falle werden wir bei den Hebräern eine natürliche (wie im Deutschen) und keine künstliche Rhythmik der Verse anzunehmen haben, d. h. die metrisch langen Sylben werden (wie im Deutschen) die betonten Sylben sein, die übrigen Sylben werden metrische Kürzen bilden. Wenn ich also z. B. betone: yhk, (gebe, so wird auch der metrische Klang des Wortes sein: ySN, Erde. Indem wir nun, wie R. Asaria, die Angaben des Iosephus zu Grunde legend, das Versmas der Hebräer aufsuchen wollen, müssen wir zunächst nach den betonten Sylben forschen. Das nächste ist hier natürlich der Gedanke, daß die betonten Sylben die mit dem Accentzeichen (W^) versehenen sein, da die Grammatiker uns lehren, daß dieses Zeichen die Tonsylben andeute, und daß man also z. B. betonen müsse: b'^bnLy U3jlVn Tsa Üb Yb nrrä •’ba hsö'ab hbaa 2'^ hier hatten wir also nach obiger Bemerkung folgende metrische Reihe: ‘■n öM Sb ~b firnif die nach Bellermann zu lesen ist: bribns} LjhF [ -n"! || dübv | | ab ~b | nnip und: b^ftof | ■»ja | ifbifb | tnä? | nbna | 2L.5 So waren wir also mit dem hebräischen Versmaße leicht fertig, wenn sich uns nicht zugleich die Bemerkung aufdrangen würde, daß dieses Metrum, wenn es auch immer so regelmäßig ausft'ele, wie im letzten Verse, gerade einen den Angaben des, Iosephus entgegengesetzten Charakter habe. Der Hexameter besteht bekanntlich aus lauter vorne betonten Versfüßen, nämlich dem Dactylus (- » » und dem Spondeus .1 .), statt dessen auch der Trochäus «/ stehen kann (und zwar im Griechischen Hexameter am Ende, im deutschen auch innerhalb des Verses). Run sagt Iosephus ausdrücklich, daß die Hebräer Gedichte in Hexametern hätten, (wobei er eben auch 5. Mos. 32. nennt, aus welchem die obigen Verse sind), oder wie er sich auch ausdrückt, in der Tonart (dem Rhythmus rovw) des Hexameters, welche sich also nicht anders als, wie auch Hieronymus hinzusetzt, im Dactylisch-Spondeischen Rhythmus bewegen können (dactylo spondeoque currentes). Statt dessen findet sich in obigen Versen ein gerade entgegengesetzter Rhythmus, indem sie aus lauter hinten betonten Versfüßen bestehen, nämlich aus dem Jambus »- und Anapäst » „ Da nun die JYjvo in der Regel auf der letzten Sylbe des Wortes stehet, so müssen offenbar, wenn man nach ihr betont, fast überall die zweisylbigen Wörter: Jamben (2L^), die dreisylbkgen: Anapästen (b«2U^) werden. Wir werden also lauter Verse bekommen, die, wie oben der Regel nach aus Jamben und Anapästen bestehen. Dies ist auch durch den Versuch Bellermanns in das hellste Licht gesetzt worden, der eben nach der betont und daher auch selbst als Satz aufstellt, daß in den hebräischen Versen die gewöhnlichsten Versfüße Jamben und Anapästen sind. Man sieht also, daß Iosephus und nach seinen Angaben auch die hebräischen Dichter nicht nach dieser Betonungsweise die Verse lasen, denn dann konnte auch er keinen andern als einen j ambischanapästischen Rhythmus darin finden und angeben, wobei nie ein Hexameter hecauskommen kann. Hierzu kömmt noch, in Bezug auf jene jambisch-anapästische Lesart, daß da im Hebräischen auch öfter Formen Vorkommen, welche auf der vorletzten Sylbe die haben, also einen Trochäus -u bilden, der einen dem Jambus (»-) und Anapäst (uu -) widerstrebenden Rhythmus hat, hierdurch sowol, als durch die einsylbigen (mit eigner versehenen) Wörter eine unangenehme Störung des Rhythmus hervorgebracht werden muß, (wovon man sich bei Bellermann überzeugen und. auch selbst leicht Beispiele finden kann), deren Vermeidung doch billig von dem Dichter gefordert werden konnte. So viel ist also vollkommen klar, daß wenn wir uns nicht von den Angaben des Josephus und der andern aller Schriftsteller, die hier allein unsere Führer sein können, für, immerentfernen, und wenn wir wirklich das Versmaß finden wollen, welches sie uns andeuten, daß wir dann den Versuch, die Verse nach der zu lesen vor Allem aufgeben müssen. Ohne uns daher vorläufig darauf einzulassen, welches grammatische Recht wir haben, dieses in mancher Hinsicht so höchst wichtige Zeichen, nicht auch als Betonungszeichen gelten zu lassen (worauf wir noch später zurückkommen werden), liegt uns jetzt nur ob, für die poetischen Stücke - wenigstens, irgend eine andere Betonungsweife aufzusuchen, die mit der des Iosephus überein käme und uns seine Art die hebräischen Verse zu lesen vergegenwärtigen könnte. (Fortsetzung folgt).