Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 27 (22.9.1838)
- Date
- 1838-09-22
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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106 wirklich gegebene Gleichmaß würde es Greve nicht vermocht haben, ganze lange Gedichte hindurch, eine gleiche Länge der Verse nachzuweisen und Anton nicht, einander durch gleiche VerSlänge entsprechende, Strophen und Antistrophen. Willkührlichkeiten der Orthographie und Betonung konnten hier wol kleine Unebenheiten gleich machen, aber die Grundzüge jener Regelmäßigkeit konnte dies nicht erzeugen, sie mußte schon im Texte selbst vorbereitet sein. — 5. In der That haben israelitische Forscher eine gleiche Zahl der Glieder, ja selbst der Sylben bei manchen Stücken wirklich nachgewiesen. So macht auf gleiche Sylbenzahl z. B. in Spr. 10, 5. Ps. 119, 146. 146, 9. R. Moses ben Chabib aufmerksam. In Schilte haggiborim wird dasselbe von 4. Most 21, 17. nachgewiesen. Der gelehrte R. Asaria dessen großer Belesenheit weder die Anmerkungen des Philo und Iosephus, noch die der Kirchenvater entgingen, sucht die Hexameter, von welchen Iosephus und die andern Schriftsteller sprechen, gleichwie die dreinnd vierfüßigen Verse, in einer entsprechenden Anzahl von Gliedern nachzuweisen, (ein jedes Glied bestehet nämlich aus einem Worte, oder auch aus zwei kleinen verbundenen Wörtern). So hat der Vers: ora | löt« || | rrr-üi zwei Dimeter, d. i. vier Metra (Füße) oder Glieder. Die Verse ‘pan | »ausrrj HsrnmNi | | *imM8| | Vtn j| | ‘ntaaa |, rp3^ tr'-aVajMmiin | || tPbni I^-tos | yuen | iiaba | mVi-im || inü | üimiö | hös bestehen aus je drei Metren, welches zusammen sechs Metra giebt. So bestehn nun, sagt er, der Gesang 5. Mos. 32 und das Lied Debora's aus Halbreihen von drei Metren (Gliedern), dieses gebe für die ganzen Reihen sechs Metra nach Art der so berühmten heroischen Dkchtungsweise (ipPl^rr TUi) d. i. des Hexameters. Diese sinnige Idee hat Moses Mendelssohn (bei 2. Mos. 15.) noch weiter ausgeführt. — 6. Indeß wer steht nicht, daß wir selbst hiermit noch nicht am Ziele stehen? Wer kann sich wol denken, daß Moses und David und die andern heiligen Dichter der biblischen Gesänge, in dem Fluge ihrer Begeisterung, Sylben oder auch Wörter gezählt hätten? Und zu welchem Ende sollte dies auch geschehen sein? Diese Gesänge wurden ja nicht für das Auge, sondern für die erhabensten Bedürfnisse des Herzens verfaßt. Wenn also der Sänger bei der Form seiner Dichtungen noch auf etwas Rücksicht nahm, so waren es sicher die rhythmischen Anforderungen des Ohres bei ihm und seinen Zuhörern (denn diese Gesänge wurden zunächst gehört, in dew Chören des Tempels, oder in den Volksversammlungen 5. Mos. 31, 30.) Dieses Verlangen nach Rhythmus konnte aber nicht durch eine Gleichzahl, sondern nur durch ein Gleichmaß der Wörter und Sylben befriedigt werden. In der That kann man sich auch leicht überzeugen, daß, wie gering auch die Verschiedenheit der Sylbenzahl mehrer Reihen oft ist, doch auch andererseits nur selten eine vollkommene Glerchheit derselben Statt finde. Und was die Gleichzahl der Glied er betrifft, so hat man doch auch hier die Bemerkung gemacht, daß oft statt dreier Glieder nur zwei stehen, wenn etwas größere Wortformen sich finden, z. B. üT-pbnPiS u. s. w. (s. Joel Löwe in der Einleit, zu den Psalmen, auf dessen Beispiele wir noch zurückkommen werden). Dieses zeiget klar, daß die Gleichzahl der Sylben und der Glieder hier keinesweges das Letzte ist, auf welches es abgesehen war, (denn in diesem Falle konnte ja die kleine oder größere Form der Wörter entweder ganz gleichgültig sein, oder die Sylben mußten durchaus genau gezählt sein) sondern daß sie selbst einem andern, höhern Gesetze untergeordnet war, waches bei der Bildung der Reihen sich geltend machte. Und welches Andere konnte dies sein, als das Gesetz des Rhythmus? Die Gleichzahl mit einander harmonkrender metrischer Glieder oder Füße? Vergleichen wir eine Reihe deutscher oder griechischer Hexameter, so werden wir aus denselben Gründen selten vollkommene Gleichheit aber auch nie zu große Verschiedenheit in der Zahl der Worrglieder oder selbst der Sylben finden, weil das gegebene Maß von sechs Versfüßen zwar lene nicht fordert, aber auch diese nicht gestattet *). — Das unbestreitbare Resultat aller dieser Betrachtungen scheint uns zu sein, daß wir Grund genug haben, irgend eine Art von Rhythmus in der Poesie der Hebräer anzunehmen. Und dieser Rhythmus ist es 7., der, ehe man noch Glieder und Sylben zu zahlen versuchte, und ehe jene andern Systeme aufgestellt wurden, zunächst sich dem Ohre und Gefühle der Lesenden bemerkbar machte, ohne daß man sich der Regeln, auf denen er beruhete, bewußt werden konnte. Dieser rhythmische Klang der Psalmen und anderer Bücher entging, wie bereits oben angeführt wurde, großen Kennern der Sprache dieser Bücher nicht, ihn hörten vor Allem auch die Erfinder aller jener Systeme. Auch R. Moses ben Chabib sagt ausdrücklich, daß es auch eine zweite Art von Versen gebe, bei welchen eine Ungleichheit der Sylbenzahl Statt finde, aber durch den Gesang (Rhythmus) sich ausgleiche; und R. Asaria giebt dental So führt auch Eusebius an, daß der 119te Psalm im heroischen Metrum geschrieben sei, das seien Hexameter, die aus 16 Silben bestehen. So viel kommen heraus, wenn man ein Maximum von Dactylen, nämlich vier, annimmt.