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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-09-22 · 27 (22.9.1838) · p. Seite 105

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
27 (22.9.1838)
Date
1838-09-22
Page
Seite 105 (sequence 1)
Language
German
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i. Jahrgang. Literarisches N"'S» homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 22. September 1838. Archäologie. Ueb er Musik und Poesie der alten Hebräer von ®r. Joseph Levin Saalschütz. (Fortsetzung). II. Wenn also hierin auch für uns eine Mahnung liegt, die Angaben jener Alten nicht leichtsinnig zu übersehen, so kömmt noch eine ganze Reihe von Gründen hinzu, welche auf einen rhythmischen Bau der hebräischen Poesien schließen lassen und die wir in der Kürze angeben wollen: 1. Wir finden kein einziges Volk, welches eine Poesie ohne Metrik gehabt hätte. Ja die Ausbildung derselben ging überall der einer guten Poesie lange voraus. Die ältesten Geschichten und Gesetze waren in Versen verfaßt. Die Hebräer also können hier unmöglich als eine einzige Ausnahme unter allen Völkern alter und neuer Zeit dastehen *). 2. Der Hebräer hatte Musik und Tanz und in ihnen (wie selbst die rohesten Völker) Takt und Rhythmus. Eine Reihe von Instrumenten ist einzig aus dem Bedürfnisse entsprungen, den Takt recht bemerklich zu machen. Sollte nun dasselbe rhythmische Gefühl sich nicht (wie überall) auch in der Dichtkunst geltend gemacht haben, (zumal da wir wissen, daß Dichtkunst und Musik in den ältesten Zeiten eng verbunden waren)? Ja noch mehr, die Psalmen waren eigentlich für rhythmisch-musikalische Aufführung bei den gottesdienstlichen Chören und Wechselgesängen' abgefaßt, wie war dies möglich, ohne Gleichmaß der Reihen, ohne rhythmische Fügung der Glieder und Worte? Ist es denkbar, daß die Sprache der Texte den Forderungen eines musikalischen Ohres Trotz geboten hätten, und daß man dies Jahrhunderte lang ertrug, ohne es zu fühlen und zu ändern? — 3. In der poetischen Schreibart der Hebräer giebt es ganz eigene, besonders verlängerte Wortformen (nma">8, löWin, ■’SYiViöJin, u. dergl. m.). Aus dem gleich häufigen Gebrauche auch der gewöhnlichen Formen derselben Wörter, sieht man, daß diese keinesweges der Poesie anstößig waren. Die Entstehung jener Verlängerungen kann also ursprünglich kaum eine andere Veranlassung gehabt haben, als das Bedürfniß, im Versmaße eine Lücke auszufüllen. Wenigstens sind ähnliche Formen in allen Sprachen für das gleiche Bedürfniß vorhanden. 4. Es läßt sich gar nicht anders denken, als daß der hebräische Dichter, in dem ihm so eigenen Gedanken- , Parallelismus, sehr bald auch zu einem äußern Gleichmaß der einander geistig entsprechenden Glieder, wenn dasselbe noch nicht da war, die natürlichste Aufforderung finden mußte. In der That kann es selbst dem oberflächlichsten Ueberblicke nicht entgehen, daß die parallelen Glieder einander an Länge und Wörterzahl auffallend entsprechen. Ja, diese Aehnlichkeit der äußern Länge und der Wörterzahl findet nicht blos zwischen den parallelen Theilen einer und derselben Reihe, sondern zwischen den ganzen (masoretisch getheilten) Gedanken-Reihen selbst und zwar durch ganze Gedichte Statt (man vergl. z. B. 5. Mos. 32. Pf. 119. u. a. St.). Schon Meyer (Hermen, d. A. T.) u. Lowth machen darauf aufmerksam, daß namentlich in den alphabetischen Gedichten eine solche Längen-Aehnlichkeit Statt finde, „daß selbst in einzelnen Gliedern der Wörter, ja man möchte sagen, die Sylben sich einander gleich sind," Th. 2. S. 328. (ut saepe vocibus voces adnumeratae, ac paene syllabis syllabae pares respondeant. Lowth.) und es kann sich Jeder überzeugen, daß dieses auch in sehr vielen nicht-alphabetischen Gedichten gleicherweise der Fall ist. Diese, ohne Zweifel gar nicht zu übersehende Erscheinung, und welche man in prosaischen Stücken vergebens suchen wird, diese Erscheinung allein war das positiv Richtige, welches allen bisher aufgestellten Systemen, so falsch auch die befolgten Regeln waren, wirklich zu Grunde lag, und welche solchen Systemen, in den Augen ihrer Erfinder jene Unumstößlichkeit gab, an die sie so fest glaubten. Ohne jenes *) Es sov hiermit nicht gesagt werden, daß es nicht einzeln, ihrem innern Charakter nach poetische, Stücke ohne rhythmisches Gleichmaaß geben könne, sondern nur, daß das letztere bei keinem der uns bekannten Völker durchaus in der Poesie fehle. Wir haben demnach Grund anzunehmen, daß eS unter der großen Masse von Poesien, welche die Hebräer uns hinterlassen haben, auch an rhythmischen Stücken nicht fehlen werde.

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