Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 9 (7.4.1838)
- Date
- 1838-04-07
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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36 Literarische Correspoudenz. Paris, 1. Februar. Juden in China. Sie wünschen einen ausführlichen Bericht über die Schrift: Lssai 8iir les Iniks 6« la Chine et sur l’infiuence qu’ils ont eue sur la litterature de ce vaste empire avant l’ere chretienne. Par l’Abbe Sionnet, de la societe asiatique. (Versuch über die Juden in China und über den Einfluß, den sie auf die Literatur dieses großen Reiches vor der christl. Zeitrechnung gehabt.) Ich genüge Ihnen um so eher, da das nur 24 Seiten fassende Schriftchen wol nicht nach Deutschland kommt. Die Erwartungen aber, die Sie sich von ihm gemacht, wird eS nun freilich nicht erfüllen, indem es sein Resulsät doch nur hypothetisch hinstellen kann, nemlich: daß die heiligen Schriften des Alten Testaments von den Chinesen durch die chinesischen Juden kennen gelernt wurden; und zwar, daß dies schon zwei bis drei hundert Jahre vor der christlichen Zeitrechnung geschehen sei,' indem die Juden vermittelst der Zerstreuung der 10 Stämme nach China gekommen. Das Schriftchen isi unter der besondern Ansicht, den verirrten Seelen zu helfen, die rm Streben nach Wahrheit sich einem gewissen Eklekticismus hingeben, indem man,ihnen zeigt, daß nicht wir von den Chinesen geschöpft, sondern diese aus den heil. Schriften, geschrieben, was freilich seiner kritischen Eigenschaft Nichts hinzufügt. , Der Verfasser beruft sich Anfangs auf die Details über die Juden von Kai-fong-fou in dem Meinoire sur les Juifs de Chine im 24. Theile der Lettres edifiantes8), und bemüht sich dann, die Zeit des Eindringens der Juden in China zu bestimmen. *) Um den mit diesen Details nicht bekannten Lesern diese an die Hand zu geben, stellen wir einen Auszug aus dem Memoire, den wir im Pred. und Schul-Magaz. Bd. II. 330.f. gegeben, hierher: „3«i Jahre 1770 erschien eine Ausgabe des TacituS in Paris, gr. 4., von Gabriel Brotier, hinter deren drittem Theile eine 14 Seiten lange Abhandlung de Judaeis Siuensibus, von den Juden in China. Da nemlich schon mancherlei Nachrichten von jüdischen Kolonien in China nach Europa gekommen, diese aber stets unzuverlässig waren, wurden die Pater Gozani, Domenge und Gaubil aufgefordert, während ihres Aufenthaltes in China genauere Nachforschungen anzustellen. Die genannte Abhandlung enthält Auszüge aus den Briefen jener Männer, und da seitdem keine ncusre Nachricht zu uns gekommen isi, so mag einiges daraus hier seinen Platz finden. (Vergl. Michaelis Orientalische Bibliothek. Th. Y. Pag. 75.) Schon unter der Dynastie Tchcou, die 243 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung zu Ende ging, waren. Juden in China bekannt, indem sie von Zeit zu Zeit des Handels wegen dahin gekommen sein sollen (ungefähr 80 Jahre vor den Maccabäern). Drei Jahre nach der Zerstörung Jerusalems aber haben 70 Familien aus Palästina über Choraffan und Samarkand sich nach China gezogen, und sich daselbst in fünf Städten, unter denen Peking eine ist, niedergelassen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich ihre Zahl verringert, weil viele sich späterhin mjt den Muhamedanern vermischten, so daß noch 600 (Köpfe? oder Männer?) in der Stadt Kaifongfou (950 Etuud'en von Peking) übrig sind. Unter andern Unglücksfällen bcwah. reu sie das Andenken an einen Synagogenbrand zu Kaifongfou um 1100, wo die Synagogenrollen der Tora verbrannten, und an eine Ueberschwemmung der Synagoge 1446. Diese Synagoge soll eine Nachahmung des Tempels sein, mit den Vorhöfen 340 Fuß lang und 150 breit, im Innern ist der eigentliche Tempel 60 Fuß lang und 40 breit, in welchem kein Jude die Schuhe anhaben darf. Im Innersten dieses Tempels, welches man Bei-El auf chj„efisch Tien-tang (Tempel des Himmels) nennt, liegen auf 13 Tischen 13 Rollen des Gesetzes, von denen die eine das Eremplar Mosis vorstellt, die übrigen für die 12 Stämme Jsrael's. Sie sind ohne Punkte; Zwar sagten die Juden selbst, daß sie unter der Regierung deS Han-ming-ti (also um 65 nach den chr. Zeikr.) aus Syya, d. i. Land des Westens, nach China gekommen, aber dies haben sie nur aus einer 1516 in die Synagoge gestellte Inschrift des Groß-Mandarinen Tso-lang geschöpft, und zwarirrtbümlich, indem dieser sagt, daß sie im 20. Jahre deö CycluS 65 (d. i. 1163 nach der chr. Z.) -Idem Kaiser Hiao-tsong ein Geschenk Indischer Leinwand gebracht, daß dieser es wol ausgenommen, und ihnen erlaubte in Kai-fong-fou zu wohnen, das damals Pieng-leang hieß.. — Diese Verwirrung kommt bloß aus der Verwechselung der Juden mit den Buddhisten, die im Jahre 65 nach China kamen. Nun befindet sich aber in dieser Synagoge eine Inschrift von 1444, welche ein unterrichteter Jude, Namens Kintchong aufstellte, und worin eS heißt, „daß der Urheber des Gesetzes vott Nse-lo-ye (Israel) ist Havoulohan (Abraham), und daß dieser heilige Mann gelebt 146 Jahre nach dem Beginn der Tcheou; daß Mich e (Mose) dieses Gesetz veröffentliche, und zwar613Jahre nach dem Beginn der Tcheou." Da man nun später gar nicht nach den Tcheou rechnen konnte, so ist gewiß, daß diese Inschrift von einem Denkmel aus den Zeiten der Tcheou genommen ist, und somit den Beweis gibt, von der Existenz der Juden in China im dritten Jahrhundert vor der chr. Zeitr., da die Dynastie der Tcheou 249 vor der chr. Zeitr. erlosch. (Fortsetzung folgt.) fragt man sie nach der Ursache, sagen sie: Gött habe Moses so geschwind dictirt, daß er die Punkte nicht dazu setzen konnte; Rabbinen im Occident hätten sie nachher zugefügt. Das älteste Eremplar, von welchem die andern 12 Copien sind, ist etwa 600 Jahr alt, und wurde nach jenem Synagogcnbrande von einem Miihainmedaner gekauft, der es von einem sterbenden Juden zu Cantvn bekommen haben wollte. Hinter dem Ber-El stehen die zwei Gcseßtafeln mit goldenen Buchstaben geschrieben. Diese Juden werden von den Chinesen Hoei-Hoei genannt, ste selbst aber nenn<n sich Tiao-Kin-Kiao, das heißt das Gesetz der die Adern aus den Thieren schneidenden Männer, oder l-au-wao-Lloei» Hoei, d. h. die beim Gebete einen blauen Hut aufhaben. Ausser jenen Gesetzrvllen haben sie noch andere Abschriften, deren jede aus 53 kleinen Büchern besteht, jedes Buch enthält eine Parascha (also theilen sie die 5 Bücher Mosis nicht in 54, wie wir). Diese haben Bocale und Accente. Ueber einigen Buchstaben bemerkt man noch außer Vocalen und Accenten einen horizontalen Strich, der Loft heißt (unser Rafe über n'S'D'TJ/D* da die Chinesen R mit L ausdrückcn). Da ihnen in jener Ueberschwemmung ein großer Theil ihrer Bücher verloren gegangen, so haben sie außer den Büchern MosiS nur noch zwei Theile der Bibel, die sie Laut-ts» (Supplement) nennen; der erste Theil enthält Josua und die Richter, beide nicht vollständig; die Bücher Samuelis, vollständig; die Bücher der Könige, mit einigen Lücken, und die Psalmen. Der zweite Theil enthält di« vaktarot, oder, wie die chinesischen Juden sagen, Hakoutala, in UN. gefähr 30 solcher kleinen Bücher. Diesen sind auch die Bücher der Chronik, so weit sie sie haben, Nehemia und Esther, vollständig, welche letztere sie Issetha - Mama (die große Mutter) nennen, und die beiden Bücher der Maccabäer angeschlossen. Aus den übrigen Büchern der heil. Schrift scheinen sie nur die Raktarot-Stellen zu haben. Ob die beiden Bücher der Maccabäer wirklich die unsrigen sind, bleibt völlig unentschieden. Im Vorhofe der Synagoge befinden sich meh. rere merkwürdige Inschriften. Eine unter ihnen setzt Abraham's Geburt um 319 Jahre höher an, als es bei uns geschieht. Aus andern geht hervor, daß die Juden in China zu Kricgsämtern gelassen werden, und selbst Mandarinen werden. Eine andere Inschrift meldet jene Ueberschwemmung 1446, und die Juden aus Nimpo hätten andere -Bücher hergegebe». Vom Hebräischen sollen sie wenig verstehen, und darüber klagen, daß sie ihre zur Sachkcnntuiß gehörigen Bücher verloren, und nun seit zweihundert Jahren keinen Juden aus dem Occident bri sich gehabt hätten. Ihre Aussprache ist ganz chinesisch geworden. B> d, e, r, sprechen fu P, t, ie, 1, aus." D. Redact. Redacteur? vr. L. Philippson. — Verlag vonBaumgärtners Vvchhandlung. — Druck von I» B. Hirschfcld.