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Bar Kochba · 1928-12-01 · Dezember 1928 · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1928
Issue
Dezember 1928
Date
1928-12-01
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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Aufruf Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina arbeitet und kämpft für den Aufbau einer neuen Gesellschaft. Getrieben von dem Gefühl der Unerträglichkeit der bisherigen Lage ihres Volkes, ringt die jetzt auf 30000 Köpfe angewachsene jüdische Arbeiterschaft in Palästina um nationale und soziale Regeneration. Es gilt für sie aus einem unter Jahrhunderte langen Chettoleben leidenden, der Verbindung mit dem Boden entfremdeten Volke eine freie Gemeinschaft arbeitender, dem Boden verbundener Menschen zu schaffen um diese Gemeinschaft mit sozialem Geist zu durchdringen. Die Arbeiter Palästinas fühlen sich als die die Zukunft tragenden Repräsentanten des jüdischen Volkes und fühlen sich ebenso verbunden dem internationalen Kampf um die Befreiung des arbeitenden Menschen durch den Sozialismus. Sie stehen in diesem Kampf auf einem eigenartigen Felde und haben mit besonderen Problemen zu ringen. Einerseits muß die Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina als nationales Ziel in kolonisatorischen Formen verwirklicht werden, ohne den Geist eines der Vergangenheit zugehörigen Chauvinismus aufkommen zu lassen; die Rechte des eigenen Volks zu sichern ohne fremde Rechte zu verletzen. Andererseits gilt es, die Ideen des Sozialismus zur praktischen Anwendung zu bringen bei der Durchführung des kolonisatorischen Aufbaues der neuen jüdischen Gemeinschaft in Palästina. Bei diesem Werk, das mit einer Fülle von materiellen und geistigen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, das mit Gegnerschaft von vielen Seiten zu rechnen hat, leiten die jüdischen Arbeiter Palästinas die Kraft zu den geforderten Anstrengungen außerordentlicher Art aus dem Bewußtsein ab, nicht für sich selbst, sondern für ihr Volk und für eine große Weltidee auf einem Vorposten zu stehen. Zur Stärkung dieses Bewußtseins bedarf es der inneren Anteilnahme der jüdischen Oeffentlichkeit an der Aufbauarbeit in Palästina. Es bedarf im besonderen der tätigen Hilfe aller Juden, die sich auch in den sozialen Idealen einig wissen mit der Arbeiterschaft Palästinas. Die letzten zehn Jahre haben bewiesen, daß große Möglichkeiten in Palästina vorhanden sind. Die Aufgabe der nächsten Zeit ist, diese Möglichkeiten auszuwerten. In diesem Augenblick kommt die palästinensische Arbeiterorganisation zu uns mit dem Ruf, alle Kräfte zu sammeln, die innerhalb, des jüdischen Volkes den Palästinaaufbau im Geiste der jüdischen Arbeiterschaft bejahen. Wir nehmen diesen Ruf auf. Wir wollen alle Freunde dieses Werks ohne kleinliche Abgrenzung zusammenbringen. Wir wollen die Solidarität mit der palästinensischen Arbeiterschaft bekunden, ohne uns mit allen Einzelheiten des Programms oder der täglichen Arbeit ihrer Organisation zu identifizieren. Wir rufen die Gleichgestimmten auf, zur Klärung der besonderen Probleme beizutragen, mit denen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina zu ringen hat. Wir fordern Sie auf, mit Rat und Tat der palästinensischen Arbeiterschaft zur Seite zu stehen. Zur Anbahnung dieser Gemeinschaftsarbeit wird ein Weltkongreß der Freunde des arbeitenden Palästina geplant, der durch Konferenzen in einzelnen Ländern vorbereitet werden soll. Auf den Konferenzen wird über die Probleme des Werkes und über die organisatorische Zusammenfassung der zur Mitarbeit Bereiten zu sprechen sein. Wir rufen alle Freunde des Aufbaues 'eines neuen jüdischen Lebens der Arbeit und Freiheit und des sozialistischen ^Geistes zur Teilnahme an der geplanten Konferenz in Deutschland auf. Die Antwort, die die jüdische Oeffentlichkeit auf den Ruf der Arbeiter Palästinas gibt, muß würdig sein der Größe der Sache, um die es geht. S. Adler-Rudel / Hermann BadW Alfred Berger / Siegfried Bernfeld / Eduard Bernstein / Josef Bloch Martin Buber / Oskar Cohn / Simon Dubnow / Lion Feuchtwanger / Rabb. Grünewald - Mannheim Ernst Kahn - Frankfurt am Main / Julius Kaliski / Georg Landauer / Georg Lubinski / Fritz Nathali Werner Senator / Robert Weltsch / Arnold Zweig Die deutsche Konferenz wird am Sonnabend den 29. Dezember, abends in Berlin zusammentreten und am Sonntag, den 30. Dezember, tagen. Sie soll zusammengesetzt sein aus Delegierten der Freunde des arbeitenden Palästina in jüdischen Organisationen und aus Persönlichkeiten, die ohne vorherige Bindung im einzelnen das in dem vorstehenden Aufiuf dargelegte Ziel grundsatzlich bejahen. Zuschriften sind erbeten an das „Sekretariat für die Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina", Berlin-Charlottenburg, Joachlmsihaler Strafee 38

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