Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- Dezember 1928
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ß? w R KOCHBA OssirieUes Organ des jüdischen TunnrLportverems LarKochba tV. frankfurt a.M. Dezember 1928 Anschrift der Redaktion. FRANZ EFIRMANN, Leerbachstrafee 72, Telefon Amt Zeppelin 54832 Anschrift für Anzeigen. LUMARGO-VERLAG, Frankfurt a. M., Kronprinzenstr, 6 Hansa 7679, Druck. FIXDRUCK, Druckerei-Ges. Fix & Co., Langestr. 25, Telefon Hansa 2211, Römer 1342 Tebeth 5689 INHALT: Zur Bundesidee des Kadimah . . . Seite 73 Rund um den Sport / 6Tage-Rennen „ 77 Handball. . „ 78 Frankfurter Zionistische Vereinigung „ 79 Wethnachtstreffahrt auf der Freusburg Vereins-Kalender. Termin-Kalender . Aufruf. Seite 80 82 ö2 84 Zur Bundesidee des Kadimah Auszug aus einem Bundestagreferat, gehalten von Georg Guttmann. Die jüdische Jugendbewegung hat sich nach einem Gesetze entwickelt, das in charakteristischer Weise die jüdischen Richtungen mit den allgemeinen Ideen der Jugendbewegung verschmolzen hat. Während zu Beginn das Ziel der jüdischen Bünde in erster Linie um Fragen wie „Jugendkultur“, Kampf gegen Schule und Elternhaus usw. zentriert ist, beginnen die jüdischen Strömungen immer mehr an Bedeutung zu gewinnen, bis die jüdische Idee zum eigentlichen Fundamente der Bewegung wird. Jugendkultur, einst Zweck und Inhalt der Bünde, wird zum Mittel der * Erziehung und zur Form des Bundeslebens. Aus dieser Entwicklung wird auch die Spaltung der Bünde in Erziehungs- und Aelterenbünde verständlich. Der Aelterenbund verschreibt sich einer politischen Aufgabe, so der Blau-Weiß dem Zionismus, während der Erziehungsbund eine planvoll auf den Aelterenbund gerichtete Vorbereitung bezweckt. Schließlich trennen sich die Erziehungsvon den Aelterenbünden. Die durch das Scouting zunehmende Betonung einer rein erzieherischen Aufgabe brachte eine Entpolitisierung der Erziehungsbünde und damit die gegebene Loslösung von den quasipolitischen Organisationen der Aelteren. Der Kadimah beginnt seine Arbeit als ein solcher Erziehungsbund. Als Ursache seines Entstehens werden die mannigfachsten Gründe angegeben, vor allem das „Scheitern des Blau-Weiß“. Aus diesem Scheitern werden selbst im Kreise des Kadimah die Grundlagen seiner Idee gefolgert, sodaß es den Anschein hat, als sei die Idee des Kadimah lediglich als Reaktion auf eine historische Tatsache zu begreifen. Hieraus wird auch die Diskrepanz zwischen Idelogie und Realität im Kadimah verständlich. Während nämlich die Arbeit immer einen nationaljüdischen Charakter getragen hat und die Einstellung der Aelteren und der Führer zu 90 "/o persönlich eine zionistische gewesen ist, entwickelt sich die Ideologie von der „Neutralität“ über „Das positive Judentum“, „Den Judaismus“ zu einer ausgesprochenen Tendenz. Diese Entwicklung wird bewiesen durch die Resolutionen der einzelnen Tagungen; so ist es kein Zufall ,daß auf dem Bundestage 1927 die Palästinaklausel in die alte Resolution aufgenommen wird. Neben dieser Hauptströinung gab es immer eine zionistische Opposition, die sich zur Aufgabe setzte, als offizielles Bundesziel den Zionismus durchzusetzen. Wie muß dieser Kampf zwischen der Opposition und der Richtung, die über verschiedene Stationen gehend, sich immer klarer zu einer jüdischen Tendenz bekennt, entschieden werden? Der Kadimah ist ein jüdischer Erziehungsb u n d. Wir haben also zu untersuchen, was seine jüdische Aufgabe sein muß und was er der Tatsache seiner pädagogischen Bestrebungen schuldig ist. Es wird niemals genügen, lediglich das Wort „jüdisch“ zur Klarstellung seiner Tendenz zu gebrauchen, da dieser Begriff je nach dem Standpunkt des Betrachters verschieden interpretiert zu werden pflegt. So ist es charakteristisch, daß ein Zionist mit diesem Begriffe nationale und staatliche Vorstellungen assoziiert, während der Orthodoxe diesen Begriff mit religiös-kultischer. Inhalten erfüllt. Diese verschiedene Interpretation ist eine Folge der Assimilation und der in ihrem Zusammenhänge entstandenen Strömungen innerhalb des Judentums. Es ist unmöglich, daß der Bund als solcher ohne Wertung und Stellungnahme zu den Erscheinungen der Assimilation verbleibt. Sollte nämlich jemand der Meinung sein, daß durch die Assimilation das Judentum seinem Untergang entgegengeht, und daß weder die Orthodoxie noch der Liberalismus die Untergangserscheinungen wirksam paralysiert, so müßte er seine jüdische Arbeit geradezu als paradox bezeichnen, wenn sie nicht in einer Richtung verläuft, die imstande ist, eine Lösung der Judenfrage zu garantieren. Niemals kann also ein Bund wie der Kadimah durch das einfache Bekenntnis, jüdisch zu ar-