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Bar Kochba · 1928-08-01 · August 1928 · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1928
Issue
August 1928
Date
1928-08-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Möbelhaus Müller & Co. Kom.-Ges. Große Eschenheimerstraße 74 0009 Mitglieder erhalten 5 Prozent Sonderrabati Der nächste polnische Jude Eine wahre Geschichte. Marcus Rosenthal, Rabbi in dem kleinen Badenstedt am Harz, saß über das SchachbielI gebeugt und Führte David, seinen Erstgeborenen, der mit heißem Kopf zu dein Vater aufsah, in die Geheimnisse der Schachkunst ein. Doch hier müssen wir erst einmal einiges über unseren Rabbi Marens einflechten. Woher er gekommen war? Nun. daher, von wo die Väter, Gro߬ oder l rgroßväter so vieler Juden in Deutschland und anderswo stammen: aus Polen. I nd wenn [hr erst hört, daß er in Kaiisch geboren ist, so wird mancher von Euch noch schnell eine Verwandtschaft mii ihm herausrechnen. Doch dazu erzähle ich das nicht. Mit 13 Jahren, bald nach der Barmizwah, hatte Marcus Kaiisch verlassen, war von Jeschiwah zu Jeschiwah gewandelt, haue sich ein großes talmudisches Wissen erarbeitet und dann in dem kleiner. Harzstädtchen Ruhe gefunden. Hier sponn sich der grüblerische Mann mit dem zierlichen, last knabenhaften Körper und dem auffallend scharf geschnittenen Kopf immer mehr in seine Gedankenwelt ein, in der neben dem von früh bis spät geübten ..Leinen" nur noch das Schachbrett existierte. In Ballenstedt hatte er geheiratet. Rebekka, seine Frau, war aus einer Familie, die im Gegensatz /.u der des Marcus seit vielen Generationen in Deutschland lebte, ein Stammbaum führte auf jene rheinischen Judenfamilien zurück, die von den Mordgesellen des ersten Kreuzzuges soviel zu leiden hallen. Rebekkas Familie war stolz, in Marcus einen Thorageleluten in die Familie zu bekommen, der auf den berühmtesten Jescbiwahs Polens und Littauens zu den Füßen der gottesfürchtigsten und weisesten Lehrer gesessen hatte. Rebekka war eine schöne, große und stolze Frau. \cht. Kinder entsprossen der Ehe. Mit den Kindern kam viel F reude, aber auch viel Sorge. Rebekka hatte von morgens bis abends zu schaffen. Auf ihren Schultern ruhte die ausschließliche Sorge für I laushalt und Erziehung der Kinder. Der scharfsinnige Mann, der sich in den schwierigsten Fragen des Talmuds auskannte und ein anerkannter Meister des Schachspiels war, wurde hilflos wie ein Kind, wenn Rebekka in den praktischen Fragen des täglichen Lebens Hilfe von ihm beanspruchte. Mit der Zeit halte die resolute Frau es sich ganz abgewöhnt, ihrem Manne noch mit Alltagsdingen zu kommen, im Gegenteil, sie bemühte sich, ihm alles lern zu halten, was ihn in seiner Gedankenarbeit stören konnte. So. nun wissen wir über Rabbi Marcus und seine Frau einigermaßen Bescheid und können die ganze Geschichte besser verstehen. .Marcus und David saßen also am Schachbrett. ..Schach dem König", sagte der Vater. Da klopfte es. Aergerlich über die unerwünschte Störung hob Rabbi Marcus den Kopf, schon öffnete sich die Tür und ein Mann in mittleren Jahren stand in der Schwelle. Er trug einen schäbigen Kaltau, ein langer dunkler Bart und Peyes umrahmten das vergrämte Gesicht und Marcus, der sich in Kleidung und Haartracht deutschen Sitten angepaßt hatte, erkannte in dem anderen sofort den polnischen Juden. Für einen Augenblick stieg in des Rabbi R SPITZNER & CO FRANKFURT AM MAIN OPERNPLATZ N2 2

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