Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 15 (Februar 1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Makkabiah - Vorbereitungen in aller Welt Die Leitung des Makkabi-Weltverbandes und Josef Jekutieli, der Schöpfer der nationaljüdischen Turn- und Sportbewegung Palästinas, haben das Turn- und Sportprogramm für die Makkabiah schon seit langem ausgearbeitet. Dieses Programm ist allen eingeladenen Staaten übermittelt worden und man hört auch schon von recht guten Trainingsergebnissen. Wir Derichten nun in aller Kürze über die Vorbereitungen der einzelnen wichtigeren Länder. Deutschland rüstet! Die im September 1934 ausgetragenen „Deutschen Makkabi-Meisterschaften" waren bereits als Makkabiah - Ausscheidungswettkämpfe gedacht. Der deutsche Makkabi will zumindest zweihundert aktive Te;lnehmer nach Palästina schicken; die Zahl der Anmeldungen jener, welche die Fahrt als Schlachtenbummler mitmachen wollen, beträgt dort schon jetzt mehr als tausend. In der Tschechoslowakei wurde schon im Sommer des vorigen Jahres mit intensiven sportlichen Hebungen eingesetzt und aus diesem Lande dürfte auch eine der qualitativ und zahlenmäßig stärksten Mannschaften nach Palästina entsendet werden. Auch die technischen Vorbereitungen sind in unserem Nachbarlande schon sehr weit fortgeschritten und Ing. Pacofsky, der die Makkabi-Kampfspiele im Jahre 1933 in Prag geleitet hat, befindet sich bereits seit längerer Zeit in Erez-Israel, wo ihm die gesamte technische Durchführung der kommenden Makkab'ah übertragen worden ist. Der tschechische Makkabi, der in seinen Reihen ausgezeichnete Leute führt, hat am ehesten die Aussicht, Erfolge und Me'stertitel zu erringen, da er voraussichtlich eine aus fast allen Sportzwe;gen zusammengesetzte Delegation zur Makkabiah entsenden will. Es sei hier auch noch besonders hervorgehoben, daß die hohe Bedeutung der Makkabibewegung für den allgemeinen Körpersport auch von Seiten der tschechoslowakischen Behörden erkannt worden ist, d;e dem Makkabi weitestgehende Möglichkeiten zu freier Entfaltung gegeben haben. Welcher besonderen Wertschätzung sich diese Bewegung in der Tschechoslowakei erfreuen kann, wird wohl am ehesten der Umstand erhellen, daß der Kreisturn- und Sportwart des slowakischen Makkabigaues Adolf J e 11 i n e k kürzlich zum zweitenmal über „Fragen des jüdischen Sportes und die Bedeutung der kommenden Makkabiah" ein Referat im Preßburger Rundfunk hallen konnte, das über alle tschecholsowakischen Sender übertragen worden ist. Und in Großbritannien, wo der Makkabisport besonders gepflegt wird, fanden d;e Ausscheidungskämpfe zu den Spielen unter der Patronanz von Lord M e 1 c h e 11 statt, der fast allen bedeutenderen Kämpfen persönlich beiwohnte. England dürfte gleichfalls eine besonders hochqualifizierte Mannschaft zur Makkabiah entsenden, was darin begründet erscheint, daß sich in Londqn das Hauptbüro der Makkabi-Bewegung befindet und dort die intensivste Propaganda für die jüdischen Wettspiele betrieben wurde. Aus Oesterreich wird diesmal eine bedeutend größere Anzahl von aktiven Teilnehmern entsendet werden können, als das 1932 der Fall war. Man rechnet hier damit, daß die Wiener „Hakoah" die Kämpfe mit einer aus allen Sektionen und Provinzvereinen zusammengesetzte:! Mannschaft beschicken wird. Aber auch unsere Makkabi-Turnvereine wollen mit ihren Besten an der Makkabiah vertreten sein. Zu diesem Zwecke fanden vor einigen Tagen in Wien große öffentliche Turnausscheidungswettbewerbe statt. Es steht heute gleichfalls bereits fest, daß wir eine starke Delegation entsenden werden, da wir besondere Aussicht haben, uns bei den Schwimm-, Hockey- und Turnwettkämpfen gut zu behaupten. Es ist aber auch keineswegs ausgeschlossen, daß wir uns auch in anderen Disziplinen siegreich halten und vielleicht sogar auch einige Meistertitel davontragen können werden. Palästina in Erwartung. Um bei den Kämpfen nicht selbst ins Hintertreffen zu geraten, haben auch die Palästinenser tüchti» trainiert. Es gelang ihnen unschwer, gute Leistungen zu erzielen, da sich unter den Einwanderern der letzten Zeit w iederum oftmals recht gute Sportsleute befunden haben. Ferner hat der Makkabi in Palästina unter der Leitung Dr. Ernst Simons und Dr. Q o 11 h ei m e r s die erste sporthygienische Beratungssteile Palästinas eingerichtet. Sie befindet sich im Nathan-Strauß-Gesundheitsinstitut und wirbt für Körpersport und Sporthygiene. Der Initiative des Makkabi ist auch die Schaffung der ersten R e 11 u n g s g e s e 11 s c h a f t in Tel-Aviv zu danken. Diese soll systematisch zu einer großen, das ganze Land umschließenden Sanitätsorganisation ausgebaut werden und sich in der geplanten Hochschule für Leibesübungen zentralisieren. Es würde viel zu weit führen, wollte ich an dieser Stelle die Vorbereitungen aller teilnehmenden Staaten erwähnen. Es soll hier lediglich soviel gesagt werden, daß den Berichten aller Länder immer wieder d;e rührige Arbeit und die hochwertigen Leistungen der Sektionen und Vereine zu entnehmen sind. Es steht also zu erwarten, daß diese Makkabiah, an der nunmehr fast zwanzig Staaten teilnehmen werden, auch wirklich den Eindruck des intensivsten Fortschrittes in der jüdischen Sport- und Turnbeweguni; vermitteln wird. Es gilt die Leistungsfähigkeit des jüdischen Volkes im Sport bei der kommenden Makkabiah unter Beweis zu stel'en. Ben Ephraim. 37