Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 14 (Jänner 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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GUNPI iig; % f f i DinUJ M © . ' Die verachtete Ware Eine Legende aus dem Talmud. Ein Heide — nennen wir ihn Hadrian — wünschte sehnlichst, den jüdischen Glauben anzunehmen, aber er fürchtete den Zorn seines reichen Onkels. Eines Tages erschien er bei ihm, um Abschied für eine längere Reise zu nehmen, wobei er vorgab, dafj er sich dem Handel widmen wollte. „Unsinn, was soll dir der Handel?", brummte der reiche Mann. „Wenn du Geld brauchst — alles, was ich habe, steht dir zur Verfügung." „Lieber", antwortete Hadrian, „nicht wegen des Gewinnes möchte ich mich dem Handel widmen, sondern um die Menschen kennen zu lernen; und ich bitte dich, mich mit deinen Ratschlägen zu unterstützen." „Schön, ich begreife dich. Und du sollst auch den besten Ratschlag von mir haben, den ich dir geben kann; beobachte, welches die verachtetste, die am stärksten vernachlässigte Ware ist und kaufe sie. Eines Tages wird sie enorm im Preise steigen." Hadrian verabschiedete sich, begab sich zu den Juden, studierte eifrig die Gesetze Gottes und nahm den mosaischen Glauben an. Nach einiger Zeit kehrte er zum Oheim zurück, welcher, da er ihn recht verlegen und verwirrt sah, ihn fragte, weshalb er so schlecht gelaunt sei und ob vielleicht seine Geschäfte einen schlechten Erfolg gehabt hätten. Da gestand ihm der junge Mann nach einigem Zögern, dah er den israelitischen Glauben angenommen habe. „Was?! Da wagst du es noch, vor meinen Augen zu erscheinen, du Schurke?" „Lieber Onkel, ich habe doch blorj deinem Ratschlag gefolgt." „Meinem Ratschlag?" schrie der Reiche in gesteigerter Wut. „Freilich", versetzte der Jüngling, „deinem Rate. Du hast mir geraten, mich an die verachtetste Ware zu halten. Unter allen Völkern habe ich kein erniedrigteres Volk gefunden als Israel und ich weif} fest, dar) es sich eines Tages wieder erheben wird. Deshalb habe ich mich dieser Gemeinschaft angeschlossen." A.W. Die Geschichte des Handschuhs Sie reicht so weit zurück, dar) es wirklich schwer ist, bis zum Ursprung vorzudringen. Fest steht, dah man schon im frühesten Altertum Handschuhe gekannt und getragen hat. Damals war der Handschuh kein Paradestück und kein Zeichen besonderer Eleganz. Er diente nur dazu, die Hände vor Kälte zu schützen. Die ursprüngliche Form des Handschuhs ist der Fäustling, der alle Finger, bis auf den Daumen, zusammensperrt. Fäustlinge gibt es auch heute noch, doch werden sie nur von kleinen Kindern und von Boxern getragen; aber auch Waschflecke existieren in dieser Form. Erstere sind aus warmer Wolle gestrickt, die Boxhandschuhe bestehen aus gepolstertem Leder, der Waschfäustling aus Rohhaar. Elegant wurde der Fäustling erst nach und nach. Im Mittelalter trugen die vornehmen Damen gestickte Handschuhe aus Stoff oder Leder, die genau berechnete Offnungen hatten, welche die Ringe frei liefen. Dann kamen Handschuhe in allen Lederarten in Mode; mit reicher Stickerei, ja sogar mit Edelsteinen verziert. Das Nächste waren gestrickte Seidenhandschuhe, welche von reich gefütterten Modellen mit Quasten und Fransen abgelöst wurden. Erst unter Ludwig XV. wurden die Handschuhe so einfach, wie sie es noch heute sind. Die Farbe der Handschuhe richtet sich nach der Mode. Manchmal stimmt sie mit dem Ton des Kleides überein, dann wieder zieht man schwarz oder weih vor, oder andere ganz grelle Farben. Im vergangenen Winter hat man sogar ganz lange knallrote Handschuhe gesehen. Aber das sind Eintagsfliegen. Matte, unaufdringliche Farben sind immer das Schönste und Praktischeste. Weihe Handschuhe werden stets bei festlichen Anlässen getragen. Zum Schlufj noch ein paar Redensarten, in denen der Handschuh eine Rolle spielt. Wenn jemand sehr empfindlich ist, dann sagt man „man müsse ihn mit Glacehandschuhen anfassen". Und will man jemanden herausfordern, „wirft man ihm einen Fehdehandschuh hin". Nimmt er dann die Herausforderung an, so „hebt er den Fehdehandschuh auf". Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Emil Huttrer. - Für den Inhalt verantwortlidi: Chefredakteur Hans Kolb, beide Wien [., Petersplatz 7. - Drude: Buchu. Kunstdruckerei Ernst Kronberger, Inzersdorf bei Wien, Triesterstraße 30, Tel. R 10-105 Entgeltliche Einschaltungen sind mit einem * bezeichnet.