Mannheim
Compact Memory

Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-09-01 · 11 (September 1934) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
11 (September 1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/8245601-8695753-8695763--390-8245901
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

AB, HD iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Seit schönheifstrunkene, lichthungrige und gipfelsehnsüchtige Menschen den Schleier der Bosheit von den Bergen genommen haben; seit außer dem von den Wildwassern geöffneten Tor bei St. Maurice auch solche im Süden, Norden und Osten des Tales bestehen, weil werkender Menschenwille überall dort Eisenbahntunnels in die Berge gebrochen hat, und Ärve am Älefsdiglefscher seit die alten Heerwege über die Alpen zu Autostraßen geworden sind: ist Wallis das allseitig erschlossene Bergland, das Dorado für Bergsteiger, das Kur- und Reiseland par excellence. Irrig wäre die Annahme, die zahlreichen Besucher des Wallis gehören ausschließlich zum Bergsteigervolk. Wenn die Berge in ihrer unverminderten Urherrlichkeit auch auf jeden Menschen eine geradezu imperative Anziehungskraft ausüben, so bieten sie L fcfaa £k # \ ß V JP^--- v ' -N^ : ml '.;>>>i ■ r . **Mtr* HHHHIjw^- *.-Cj-'j.; * * * * - ■Br mm Das Mafferhorn mit dem Riffelalpsee doch mehr als einen Aspekt, lassen sich auf mannigfaltige Weise bewundern und unerschöpflich ist der Freudenborn, der ihnen in ewiger Stete entquillt. Gewiß gehört ein Großteil der Besucher immer noch zu jenen kühnen Gipfelbezwingern, die es mit unwiderstehlicher Gewalt aus den Niederungen hinausdrängt und auf Pfade zwingt, welche von einem Whymper oder Mummera, von einem Alexander Burgener, einem der Taugwalder, Lochmatter oder Zurbriggen und vielen anderen mehr begangen oder erkämpft worden sind. Aber auch die besinnlichen Paß- und Höhenwanderer sind nicht selten und zu Tausenden zählen die, welche in ausgedehnten Lärch- und Tannenwaldungen, auf übersonnten und blumigen Triften und in samtenen Winkeln, wie Kleinodien hineingebettet in die gewaltige Landschaft, ausruhen, gesunden und erstarken und einem wahrhaft patriarchalischen Volkstum nachsteigen. Wessen Herz es begehrt, den trägt die Eisenbahn nicht nur durch das eine der vier Tunnels in das Wallis hinein, sondern sie befördert ihn auch hinauf in die Hochtäler und in die Welt der Gletscher und Gipfel. Auf allen Alpenstraßen verkehren frohfarbige Postautos und auch der Verbindung zwischen der Rhoneebene und den namhaftesten Hochtälern und vielen Bergdörfern dienen diese bequemen und technisch vollkommenen Wagen. Und wahrer, als man es aus dem politischen Stimmengewirr heraushört, kommt während der Som- MfeMAMKdMäiifei Löfschentaler Mädchen auf der Fafleralpe mermonafe im Wallis die freundeidgenössische Verbundenheit zum Ausdruck, denn mit jedem Jahr mehren sich die Schweizergäste in seinen Kur- und Fremdenorten, mit jedem Jahr wird der Strom größer, der sich aus der übrigen Schweiz ins Wunderland Wallis ergießt, mit jedem Jahr werden darin neue Kostbarkeiten entdeckt und immer und immer mehren sich die Menschen, die von der Natur gesegnet und von den Wallisern verdankt, in sommerlicher Lust und Wärme durch unsere Täler wandern, die Gipfel erstürmen, selige Tage verträumen und zwischen Morgen und Abendrot Erlebnisse und Erinnerungen von bleibenden Werten sammeln. Und weil nichts so stark und nachhaltig wirkt wie die Berge in ihrer geradezu visionären Großartigkeit, finden die meisten, die einmal in ihrem Bann waren, den Weg zurück ins Wallis. 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.