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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-08-01 · 10 (August 1934) · p. [Seite]

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
10 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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KD MIß) DI WM& Von Amerika Franziska Bloch-Mahler: Der Zionsstern will ich euch heute ein wenig erzählen. Dort gibt es sehr viele Städte und Distrikte, die jüdische Namen führen. Sie sind nach Juden benannt, welche im amerikanischen Leben eine führende Rolle gespielt haben. Dann gibt es aber auch Städte, deren Namen zwar nicht an Juden erinnern, die aber von Juden begründet wurden. Ich will euch einige Beispiele nennen: Im Staat Texas ist der Bezirk Castro nach dem naturalisierten französischen Juden Henry Castro benannt, welcher der Bahnbrecher in der Besiedlung des südwestlichen Texas war. Dann der Distrikt Kauffmann, der nach Davis Kauffmann, einem hervorragenden Politiker und Staatsmann aus der Frühzeit von Texas, benannt worden ist. Im Staate Florida ist der Distrikt Lcvy zur Erinnerung an David Lcvy Yulee benannt, der 1845 den Anschluß Floridas an die Vereinigten Staaten durchsetzte und vollzog. Die Stadt Yulec im Bezirk Nassau ist gleichfalls nach ihm benannt. Im Staate New York gibt es zwei jetzt mit der Großstadt vereinigte Städte, die nach Juden benannt sind: Belmont Park auf Long Island ist nach August Belmont benannt, der vor dem Bürgerkrieg ein führendes Mitglied des Diplomatenkorps und amerikanischer Konsul in Oesterreich war. Dann Hartsdale im Bezirk Westchester ist nach dem bekannten demokratischen Politiker und Philanthropen Emanuel B. Hart benannt. Der Mississippistaat hat den jüdischen Philanthropen Leopold Marks durch Benennung der Stadt Marks nach ihm geehrt. In Illinois ist die Stadt Saddler nach dem Juden Moris B. Saddler benannt, der 1890 Bürgermeister der Stadt war. Der prominenteste jüdische Bürger der Südstaaten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war J ud a h Touro. Die Bevölkerung von New Orleans wollte ihm nach seinem Tode ein großes Denkmal setzen. Da aber die Errichtung von Denkmälern und die Benennung von Orten nach Menschen mit den orthodoxen Glaubensregeln nicht vereinbar sind, widersetzten sich seine jüdischen Genossen diesem Denkmal. Einige seiner christlichen Verehrer setzten aber die Benennung einer Stadt nach ihm durch. Es ist dies die Stadt T o r o. Um die strenggläubigen Juden nicht zu verletzen, wurde der Name Touro in Toro abgeändert. Die Stadt Alexander im Staate Idaho ist nach Moses Alexander, dem jüdischen Gouverneur von Idaho, benannt. Ich habe euch hier nur eine kleine Anzahl von jenen Städten genannt, in welchen Juden für ihre Verdienste um das Vaterland bei ihren dankbaren Mitbürgern Ehre und dauerndes Gedenken sich erwarben. Der kleine Eli hatte schon oftmals vom Zionsstern gehört und daß dieser ein Wahrzeichen des jüdischen Glaubens sei. Vor seinen innern Blicken sah er sodann auch jedesmal den Zionsstern hoch in Lüften schweben, ja, es war ihm dann oftmals so zumute, als ob er selbst als schönsten unsichtbaren Schmuck den Zionsstern auf dem Grunde seines kindlichen Herzens trüge. Eines Abends begab es sich, daß er für seine Großmutter, bei welcher der arme Waisenknabe wohnte, im Walde Holz holen mußte. Es dämmertcj schon und der Knabe war noch mit Holzsammeln beschäftigt. Die Schatten wuchsen, es wurde immer dunkler, und ehe es sich Eli versah, war die Nacht über Wald und Flur hereingebrochen. Da erinnerte sich Eli an Großmutters fromme Worte: „Mein Kind, fürchte dich nicht, wo immer du auch gehst und stehst, denn der liebe Gott ist immer bei dir." So sprach jetzt Eli mit lauter, aus seinem tiefsten Kindesherzen kommender Stimme und faltete die Hände zum Gebet: .,Der liebe Gott ist bei mir!" Und er gedachte, wie schon sooft, mit wundergläubigen Blicken des heißerschnteti, heißerträumten Zionssternes. Da, o Wunder, zerteilte sich vor seinen Blicken die Dunkelheit wie ein schwerer, schwarzer Vorhang und als der Knabe den Blick zum Himmel hob, erblickte er einen großen, helleuchtenden Stern, welcher die Form des Zionssterns hatte. Und Eli schritt durch Nacht und Finsternis immerzu und unbeirrt dem Zionsstern nach, der vor seinen Blicken fest und unbeirrt in den Lüften schwebte. Er ging wie im Traume durch den dunklen Wald, immerzu dem Zionssterne nach. Es war ihm nicht anders, als schwebte er auf Engelsfittichen durch1 die Nachtschatten des Waldes, und siehe, da stand er am Ausgange des Waldes, noch immer den Zionsstern vor den Augen, mit noch immer zum Gebet gefalteten Händen, und so wanderte er voller Glückseligkeit zum Walde hinaus, auf das Häuschen seiner Großmutter zu, und schon stand er auch mitten drinnen im Stübel. Die Großmutter war aus Sorge um ihr Enkelkind beim Gebetbuche sitzend wach geblieben. Mit sternglänzenden Blicken schmiegte sich Eli an sie: „Großmütterchen, der liebe Gott war bei mir mitten im Wald und der Zionsstern hat mir zu dir heimgeleuchtet." Großmutter und Enkel falteten die Hände zum Dankgebet.. Jener Zionsstern aus seiner Kindheit war und blieb Eli seine liebste Erinnerung. Herausgeber, Eigentümer und Verleger: Emil Huttrer. - FQr den Inhalt verantwortlich: Chefredakteur Hans Kolb, beide Wien I., Petersplatz 7. - Druck: Buchu. Kunstdruckerei Ernst Kronberger, Inzersdorf bei Wien, Triesferstraße 30, Tel. R 10-105 Entgeltliche Einschaltungen sind mit einem ' bezeichnet.

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