Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Gestützt aul ihre Weltorganisation führt sie ihr \\ erk weiter and faßt so immer tiefere Wurzeln in den Massen der jüdischen Frauen. Zudem ist es ihr gelungen, aus ihren Reihen eine beträchtliche Anzahl hervorragender Führergestalten hervorzubringen, die es verstehen, den .so vielseitigen Anforderungen, die die Leitung einer Weltorganisation an sie stellt, in bewundernswerter Weise zu erfüllen. Der WIZO stehen heute Führerinnen von Rang zur Seite, die über den Rahmen der gewohnten Arbeiten hinaus einem umfangreichen Pflichtenkreis gewachsen sind, wie ihn Weltkonferenzen vom Ausmaße der Pragerj-Tagüngen mit sich bringen. Es konnten denn auch in Prag Beschlüsse gefaßt werden, die einen Wendepunkt in der Geschichte der jüdischen Frauenbewegung bedeuten. Die jüdischen Frauen haben damit bewiesen, daß sie einen wichtigen Faktor im Gelingen des Palästinawerkes darstellen und alles daran setzen werden, mitzuhelfen am Gedeihen und zum Wohl des jüdisc hen Heimatlandes. Die Jahrhunderte der Leidensgeschichte ihres Volkes haben die jüdische Frau nicht niederzudrücken vermocht. Als seelenvolle Dulderin, als aulrechte Kämpfern) sehen wir sie auch in der Trübsal der Gegenwart. An ihr wird es nicht zuletzt liegen, dem jüdischen \ olk eine schönere und bessere'Zukunft zu schallen. FRAG MICH WAS T 1. Wie groß ist die Gesamtzahl der Juden auf der Erde? 2. Wieviel .luden (eben in Oesterreich? 3. W ann und durch wen fand die erste Massen-Zwangstaufe stalt? 4. Wer waren die Gaonim? 5. W ie heißen die hebräischen Monate? 6. Wer war Salomo ihn Gabiroi und wann lebte er? 7. Wer ist am 2. Mai 1860 geboren und am 4. Juli 1904 gestorben? <!. Wann Fand die erste Judenvertreibung aus Oesterreith statt?!). Lud wann die /weile? 10. Wer ist Raphael? 11. Wann und durch wen wurde die Hebräische Universität in Jerusalem eröffnet? 12. In welchem Jahr kam es zur Spaltung des jüdischen Reiches ' 13. Was ist ein Judenhut? 14. Wer sind die Karäer? 15. Was verstand man unter Judenporzellan? 10. Wo entspringt der Jordan und wohin mttndel er? 17. Wer war ein getaufter Jude und Großinquisitor? IIS. W ie hieß der Pseudo-Messias und sein Pseudo-Prophel? I!). Welcher König regierte 4(1 Jahre über Israel? 20. Was versteht man unter „Schlemihl"? 21. Was bedeutet der Name der Stadt ..Tel Aviv"? W ieviele Einwohner hatte Tel Aviv im Jahre 1907 und wieviele im Jahre 1933? Auflösungen: Seite 35. „Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland*" Täglich bringt uns die Zeitung neue, zutielst erschütternde Berichte über das Schicksal der deutsehen Juden; und doch ergibt die Gesamtheit dieser Nachrichten kein wirklich lebendiges Bild des leichollen Erlebens hulldertlausender Menschen unseres Glaubens und Volkes unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Erst das gewaltige, aulwühlende Eindrücke vermittelnde Buch l.ili Körbers „Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland", das der Verlag der Buchhandlung Richard Lanyi, Wien, herausgegeben hat, gibt uns die Möglichkeit, das mitzuerleben, was wir bisher nur hörten, ohne es zu begreifen. Ist l.ili Körbers Ruth ein Roman? Ja denn eine Dichterin von hohe;' gestaltender Krall, die tief in die Seele des Menschen zu blicken vermag, hat es geschrieben. Ist es eine Reportage, ein Tatsachenbericht? Ja auch dieses, denn, was hier beschriehen wird, ist W ir kl ich keil, ist blutwarmes Erleben, keine Kombination von Gerüchten und „von dritter Seite Gehörtem", in dieser Doppeleigenschall liegt der gewaltige Vorzug dieses Werkes vor anderen ähnlicher Art, liegt sein einzigartiger Wert als ein Dole u in e n (, d a s n i e h ( n u r ,j e cl e r J U d e, ci e r dies e n N a m e n v e r dient, k e n n e n 1 e r neu sollt e, s o n - d e r n cl a s a u e h cl e r g a n z e n Welt, (Ii e b e teil i s t, cl i e W a h r h e i t z. u h ö r e n, A u t r ü 11 ein d e s, A u f k 1 ä r e n cl e s, L i ch t v e r b reit e n d e s z u sagen haben wird. Die Dichterin, so eindeutig sie sich auch auf die Seite des Rechtes und -der Menschlichkeit stellen mag, wird n i e m als ungerecht und einseitig und nichts liegt ihr lerner, als papierenen jüdischen [dealgestalten ebenso papierene und stereotype arische „Ungeheuer" entgegenzustellen. Sie weiß Licht und .Schatten wohl zu verteilen, hat tiefstes Verständnis für deutsches Wesen und verhüllt auch nicht die Fehler, die von jüdischer Seite gemacht wurden. Gerade durch die unbedingte Gerechtigkeit ihrer Darstellung wird Uli Körhers Ruch zum Dokument der Wahrheit, das mit zwingender Ueberzeugungskraft wirkt. Im Mittelpunkte der Handlung steht eine junge jüdische Schauspielerin, die mit einem Arier verheiratet ist und das langsame Eindringen des Nationalsozialismus in den Organismus des deutschen Volkes am eigenen Leibe erlebt. Rings um sie bauen sieh die erschütterndsten Einzelschicksale jüdischer Menschen vor uns auf, die Schicksale von Intellektuellen, Kaulleuten, Studenten, kleinen Angestellten, und a m er s chü 11 e r n s ( e n \ o n all c n d i e S c h ick s a] e cl e r K i n d e r, die sich in der Schulstube und auf der Straße plötzlich einer Welle von Haß, Unduldsamkeit und Verleumdung gegenübersehen. ü. I!. Sonntag, den III. Dezember, wurde im Brigittenauer Tempel, \.Y, Kluckygasse, der HO. Geburtstag des Präsidenten des Tempelvereines, Josef Kohn, feierlich begangen. Der berühmte Oberkantor Mann aus Brünn verrichtete die kantoralen Funktionen und es sprachen der Bezirksrabbiner Dr. Murmelstein, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Friedmann, der W iener Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, der ebenso wie der Jubilar aus Nikofsburg stammt (siehe Artikel „Sterbendes Ghetto" in der Nummjr 2 des „Familienblattes"). Josef Kohn ist der Schöpfer dicsr Bibelschulen in Wien, die einen unerhörten Aufschwung genommen haben. Kr war ein Mann von unbeugsamer Knergie und von glühender Liebe zum Judentum. Ihm, der ein Westjude ist, ist es gelungen, im Haupttempel Ost und \\ est des gläubigen Judentums gänzlich zu vereinen. 28