Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695754--036-8245634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. Amalie Kantor Die W. I. Z. O. - Arbeit in der Gallith und in Palästina. Kin Bild (die österr. Delegierten zur Prager WIZO-Konferenz),das in der vorangegangenem Nummer des Blattes abgedruckt war, mag der Anlaß dazu sein, einige Worte über die letzte WIZOkonleren/, in Prag w ie überhaupt über die Entwicklung und das Wesen der WIZO zu sagen. Der volle Erfolg und glänzende Verlauf, den die WIZO-Konferenz in Prag aufzuweisen gehabt hat, die große Zahl von Teilnehmern, die zahlreichen Empfänge durch Behörden und Körperschaften waren nur dadurch möglich, daß die WIZO heute eine weltumfassende bedeutsame Organisation darstellt. Getragen von der Idee des Zusammenschlusses der jüdischen Frauenwelt und durchdrungen von dem Gedanken, auch die jüdische Frau zur aktiven Mitarbeit am Wiederaufbau Erez Israels heranzuziehen. War die Weltorganisation zionistischer Frauen (Womens International Zionist Organisation — WIZO) im Jahre 1920 gegründet worden. Schon vorher hatte die gleiche ideologische Grundlage eine stattliche Anzahl von Gruppen und Vereinigungen jüdischer Frauen erstehen lassen. Das von diesen in Angriff genommene Werk im Rahmen einer weltumfassenden, zielbewußten und sorgfältig arbeitenden Organisation fortzuführen, war nun der vor 13 Jahren ins Leben gerufenen WIZO beschieden. Ks war nicht zuletzt ihr Verdienst, die jüdische I ran, die bisher nur wenig Interesse am zionistischen öffentlichen Leben gezeigt hatte, für ihre Ziele zu gewinnen und für ihre Ideale zu begeistern. In mühevoller Aufbauarbeit ist die Organisation zionistischer Frauen heute in 44 Ländern vertreten und zählt rund 50.000 Mitglieder. Dabei konnte sie selbst in solchen Ländern erfolgreich Kuß fassen, wo, wie z. B. in der Levante, in Nordafrika, in Indien und im spanischen Amerika die jüdischen Krauen vielfach in denkbar primitiven Verhältnissen leben und ihre Erfassung für die Ideen des Zionismus gewiß nicht leicht war. Die im Ilei/.en jeder jüdischen Krau schlummernde Liebe zur alten Heimat, das unentwegt an der jüdischen Tradition hängende Muttertum und die mitreisende und begeisternde Idee einer Renaissance des jüd. Volkes in Erez Israel waren es, die die jüdischen Frauen an allen Enden der Welt der WIZO zuführten. Die Heranziehung der jüdischen Frau zur Erfüllung bestimmter, ihrer Wesensart entsprechender Aufgaben im Rahmen der WIZO, führten ihr immer neue Scharen von Anhängerinnen zu, die umso stärker wurden, je deutlicher die Erfolge zu Tage traten, die das jüd. Frauenwerk aufzuweisen hatte. Es ist anstreitbar ein bleibendes Verdienst der WIZO, die jüdischen Frauen der Gallith nicht nur Eür eine gemeinsame Idee 'begeistert zu haben, sondern ihnen auch praktische und kulturelle Werte vermittelt zu haben. Die Pflege jüdischer Tradition und Kulturüberlieferung, die Veranstaltung von Lehrkursen und Vorträgen auf allen Gebieten jüdischen Geisteslebens, vor allem aber die Erhaltung und Verbreitung der hebräischen Sprache als der Landessprache Palästinas und vieles andere ist es, was die WIZO in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen hat. Es ist selbstverständlich daß die WIZO bestrebt ist, ihren Mitgliedern in der Diaspora die Körderung des Frauenwerkes in Palästina zur Pflicht zu machen. Sie bringt beträchtliche Mittel auf, die den Institutionen der WIZO in Erez Israel zugute kommen. Nachdem in den letzten -Jahren die jüdische Chaluzah in immer stärkerem .Maße neben den Chaluz getreten war, stand man vor der Notwendigkeit, diesen Pionierinnen eine entsprechende Ausbildung und Schulung mit auf den Weg zu geben. Es erschien unumgänglich, allen jenen Mädchen, die in immer größerer Zahl nach Palästina auswanderten, mit praktischen Behelfen für ihr neues Leben an die Hand zu gehen. So entstanden über Initiative der „WIZO" landwirtschaftliche Kehrfarmen, wo jüdische Mädchen in den elementaren Kenntnissen der Landwirtschaft, des Haushaltes, Gartenbaues, der Geflügel- und Bienenzucht unterwiesen wurden. Hunderte Absolventinnen dieser Schulen, die ins praktische Leben eintraten, vermitteln diese Kenntnisse weiter und sind damit zu Pionierinnen der WIZO-Arbeit in Palästina geworden. Eigene Kurse der „WIZO" für andere praktische Berufe, Säuglingsheime und Kindergärten, Mütterberatungsstellen, Tageskrippen usw. sind weitere Schöpfungen des jüdischen Frauenwerkes. So hat die „WIZO" in ihrer Kulturarbeit in der Gallith sowohl, wie in den von ihr geschaffenen Institutionen in Erez Israel auf Erfolge hinzuweisen, die ihr schon heute ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Aulbaues der neuen Heimat sichern. (Fortsetzung Seite 28> 26